Mir fliegen die Schuhe weg. Mein lieber Schwan ... (Fahrkarten und Angebote)

Der Blaschke, Bissendorf-Wissingen, Montag, 28.03.2022, 12:00 (vor 1559 Tagen) @ Mike65
bearbeitet von Der Blaschke, Montag, 28.03.2022, 12:03

Hallo.

Die Zugbegleiterin wies mich dann freundlich darauf hin, dass der RE in Kuchen nicht hält. Natürlich antwortete ich, dass ich in Geislingen umsteigen werde, was die Dame dann auch kommentarlos akzeptiert hat.

Ich formuliere mal um: natürlich habe ich der Schaffnerin nicht die Wahrheit gesagt, sondern Märchen erzählt.

Volkssport ...

Weil die Leute irgendwie meinen, dass so ein Bahnbeschäftigter irgendwie dumm sein muss.

Man hätte ansonsten auch gar nichts sagen können außer 'danke'.

Ein Highlight der Fantasiegeschichten: Ticket SSP Cloppenburg Düsseldorf für Sonntag mittag. Der Fahrgast saß jetzt Samstagabend im vorletzten Zug ab Cloppenburg Rtg Osnabrück. Und erzählte eine wirre Story, dass da beim Ticketausstellen was falsch gelaufen sei usw. Nur passt Sonntagmittag als geplanter Fahrtwunsch so gar nicht zu Samstagabend als realer Fahrtermin. Das war also sonnenklar, die Geschichte konnte so nicht stimmen. Auf entsprechende Ansage hin erzählte er dann den wahren Grund: er hatte erstmals seine neue Freundin besucht. Auch die Übernachtung war eingeplant. Aber ihr Vater hat es dann verboten. Und so mußte er raus. Hatte dann noch Zoff mit ihr, weil er nicht den letzten, sondern schon den vorletzten Zug nahm. War ne arme Sau. Total fertig. Bis Osnabrück haben wir ihn dann mitgenommen. Aber ihm eingetrichtert, dass er zwar die weiteren Kollegen fragen kann, ob er mit darf, aber das ausdrücklich nur Goodwill ist; immer - und dass er gefälligst gleich die ehrliche Geschichte erzählt und nicht irgendwelchen ausgedachten Schwachsinn. Den hört man nämlich regelmäßig. Und jeder meint, wie wahnsinnig toll kreativ er ist ...

Eine hat sich mal verraten, weil sie in Kirchweyhe Rtg Bremen ganz vorne eingestiegen ist - die Bahnsteigzuwegung ist aber ganz hinten. Die Schaffnerin hätte ihr ihre Geschichte als Erklärung für das fehlende Ticket fast sogar geglaubt - aber da sie nun ganz am anderen Bahnsteigende vorne einstieg und weil die meisten Schaffner in Kirchweyhe ganz am anderen Zugende, nämlich hinten, sind (wegen Ansage/Ablösung) und die entsprechend veranlagte Kundschaft das natürlich weiß, unterstellte die Schaffnerin Betrugsversuch und es gab den 60er.

Fahrplantechnisch macht das allerdings keinen Sinn, weil ich den nachfolgenden MEX auch gleich ab Ulm hätte nehmen können. Alerdings kann es mir niemand verwehren, in Geislingen noch einen Kaffee oder ein Bier zu trinken.

Noch ist in Deutschland nicht vorgeschrieben, dass man nur sinnvolle Dinge zu tun hat.

Coca-Cola geht übrigens auch. Und das ergäbe IMMER einen Sinn.

Wie ist es aber bei Sparpreistickets, von denen man nur den NV-Vorlauf nutzen möchte? Offiziell besteht für den NV-Teil ja keine Zugbindung. Was ist aber, wenn der FV-Zug fahrplanmäßig gar nicht mehr erreicht werden kann, weil er bei Ankunft des Vorlaufs schon abgefahren ist?

Das ist völlig legal. Kann aber zu Diskussionen mit dem Zugpersonal führen. Bei der Westfalenbahn schreibt man das gnadenlos auf; gibt einen 60er. Natürlich läßt sich im Nachlauf der Rechtsweg beschreiten.

Ob man sowas nutzt und macht, hängt also einzig von der persönlichen Risikobereitschaft und der Diskussions- und Prozessierlaune ab.


Und je ausgiebiger wir das diskutieren, umso sicherer kann man sein, dass die Beförderungsbedingungen um entsprechende Regelungen ergänzt werden und offiziell solche "Tricks" untersagt werden.

Man läßt sich nämlich nicht gerne öffentlich vorführen. Auch wenn in der Praxis die Sache zu 99,9999% gar nicht auftritt, weil die Leute überüberüberregelungskonform agieren. Gestern endete der RE 7 aus Krefeld in Münster statt Rheine. Die Leute mußten 20 Min später mit dem Emsland-Express mit. Ich wurde von einem Kunden, der nach Greven wollte, ernsthaft gefragt, ob er ein neues Ticket braucht. Hatte SSP mit FV bis Hamm und dann NV bis Greven (der durchgehende RE 7 stand in der Verbindungsübersicht).

Nun, es werden also irgendwann sicher noch mehr und noch mehr Regelungen kommen. Der Deutsche lechzt förmlich danach. Und auch das Verfallenlassen von Streckenabschnitten wird unter Hochverrat gestellt werden. Bis dann der nächste kommt und fragt, wie man das beweisen will im Zweifelsfall.

Und deswegen ist eine lückenlose Überwachung aller Reisenden die gerechteste Lösung. Tickets nur noch elektronisch, registriert und personalisiert. Dann kann man im Zweifel auch im Nachhinein problemlos den Ticketpreis ändern.

Und deswegen muß auch der ÖV endlich mal in der Moderne ankommen. Dinge wie das nordrhein-westfälische eezy.de müssen nicht nur Möglichkeit, sondern Pflicht werden. Mit dem Smartphone einchecken. Am Ziel auschecken. Dann gibt's den Preis. Bei Yaniq in Osnabrück muss man nicht mal auschecken - das System erkennt den Ausstieg von allein.

Sowas muss als Standard errichtet werden. Und das Sparpreissystem muss integriert werden. Völlige Kontrolle des Fahrweges als Ziel. Mit zwangsweiser Fahrkarte.

Hat auch den Vorteil, dass man Fahrgastzählungen und Befragungen nicht mehr braucht. Diverse Beitragsstränge dieses Forums, die sich mit Tariffluchten beschäftigen, würden allerdings auch entfallen.


Schöne Grüße von jörg


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