Mit tåg und tog durch Skandinavien (4/7 m. 39 B) (Reiseberichte)

TD, Dienstag, 25.05.2021, 18:15 (vor 1770 Tagen)

Hallo zusammen,

willkommen zum vierten Teil unserer kleinen Skandinavien-Rundfahrt. Im letzten Teil waren wir von Trondheim über Dombås nach Åndalsnes gefahren. Heute soll es nun über die Raumabane wieder hinauf nach Dombås und weiter über Oslo nach Finse gehen.

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Tag 5: Åndalsnes – Dombås – Oslo – Finse

Vielleicht erinnert Ihr Euch, dass wir am Vortag bei der Anreise über die Raumabane einen Regentag erwischt hatten. Unsere Hoffnung auf besseres Wetter für die Rückfahrt hat sich leider nicht erfüllt, wir starten wieder mit Regen. Am Morgen machen wir uns auf den Weg zur Åndalsnes stasjon.

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Anlässlich des 75-jährigen Bestehens der Raumabane wurde 1999 eine Skulptur von Ola Stavseng am Bahnhof von Åndalsnes aufgestellt. Das Abfahrtsgleis hinter der Skulptur ist noch leer…

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…und bleibt auch leer. Da hat es wohl doch ordentlich geregnet und die Bahnstrecke ist wegen der Gefahr eines Erdrutsches gesperrt. Na toll, so hatten ich mir das nicht vorgestellt, aber immerhin ist schon ein Schienenersatzverkehr eingerichtet.

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Und so verlassen wir Åndalsnes nun auf der Straße und werfen vom Bus einen letzten Blick auf die Gleise am Bahnhof. Für den Bau des Bahnhofs wurde damals Land aufgeschüttet.

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Die Straße führt entlang der Rauma durch das Romsdal, allerdings nicht so spektakulär wie die Raumabane. Schon fies, wenn man mit dem Bus neben der „schönsten Bahnreise Europas“ fahren muss. Aber gut, vom Zug aus wäre das Wetter auch nicht besser. Und vielleicht verschlägt es uns ja irgendwann nochmals in diese Gegend.

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Ich hätte ja gedacht, dass die Straße längst schneller ist als die historische Raumabane mit ihren Kehrschleifen – aber der Bus kann die Fahrzeiten nicht halten und kommt gut zehn Minuten später in Dombås an. Der Zug nach Oslo wartet auf den Bus, ein Anschlussverlust wäre bei der geringen Zugdichte auch nicht gerade spaßig, denn der nächste Zug nach Oslo fährt erst fünf Stunden später.

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24 Stunden nach unserer Ankunft in Dombås setzen wir nun die Reise auf der Dovrebane von Trondheim in Richtung Oslo fort. Die Strecke folgt dem Gudbrandsdalen, mit 320 Kilometern ist das das längste Tal Norwegens. Der Fluss Gudbrandsdals-Lågen ist die meiste Zeit in Sichtweite, teilweise bildet er auch Seen. Mehrfach wechselt die Bahnstrecke das Flussufer.

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An der Dovrebane von Oslo nach Trondheim wurde etwa 70 Jahre lang gebaut, sie wurde abschnittsweise von Oslo her in Betrieb genommen und 1921 vollendet. Die Gesamtstrecke ist 485 Kilometer lang, seit 1970 ist die Strecke elektrifiziert. Die Landschaft Norwegens ist durchaus attraktiv, aber so langsam schlägt das graue Wetter aufs Gemüt. Aber gut, zur Ablenkung gibt es „Gratis internett!“.

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Das letzte Bild von der Dovrebane zeigt den Mjøsa, für längere Zeit führt die Bahnstrecke am Ostufer des größten Sees Norwegens entlang. Sollte es über dem See tatsächlich erste Wolkenlücken geben?

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In Oslo haben wir heute nur 40 Minuten Aufenthalt, die Erkundung der norwegischen Hauptstadt haben wir für den übernächsten Tag geplant, dann haben wir hier auch einen Übernachtungsstopp vorgesehen. Und so wechseln wir direkt zum Zug in Richtung Bergen. Auch diese Fernverbindung wird mit lokbespannten Zügen bedient, hier kommen Wagen aus der Reihe Type 7 zum Einsatz.

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Mit der Bergensbane befahren wir nun eine weitere Bahnstrecke, die für ihre landschaftliche Schönheit bekannt ist. Und endlich spielt auch das Wetter mit und es gibt die Möglichkeit für Bilder mit blauem Himmel und Sonnenschein. Hier fahren wir in Drammen an der Mündung der Drammenselva in den Drammensfjord. Das nächste Bild entstand am Snarumselva-Fluss.

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Die Strecke führt nun am Ufer des Tyrifjords entlang. Die spektakulärsten Streckenabschnitte der Bergensbane folgen erst später, aber auch hier lassen sich reizvoll die ländlichen Regionen Norwegens erkunden.

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So ein Regenbogen vor dem Zugfenster ist zwar nett anzusehen, bedeutet aber auch, dass wir nun wieder das Regengebiet erreichen. Auch in diesem Zug gibt es im Komfort-Wagen einen Automaten für kostenlose Heißgetränke, aus dem Bistro gibt es dazu Nystekt kanelbolle und solskinnsbolle (Zimt- und Puddingschnecken).

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Die Bahnstrecke führt durch einsame Wälder; Flüsse und Seen begleiten die Bahnfahrt. Nun beginnt langsam der Aufstieg und die Landschaft vor dem Zugfenster ändert sich.

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Am See Ustevatn hat die Bergensbane schon eine Höhe von rund 960 Meter über dem Meer erreicht. Wenig später folgt der Bahnhof von Ustaoset, einer kleinen Siedlung in einem Hochtal.

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Nun beginnt der spektakulärste Abschnitt der Strecke, die Bergensbane führt jetzt hinauf auf die Hardangervidda. Die größte Hochebene Europas liegt oberhalb der Baumgrenze, wir nähern uns dem höchstgelegenen Bahnhof in Nordeuropa in Finse. Die karge Landschaft ist von Geröll, Gewässern und polaren Pflanzenarten geprägt.

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Am Bahnhof Finse steigen wir aus. Nachdem es in Oslo keine gute Möglichkeit für Bilder gab, holen wir noch ein Foto vom Zug nach. Der Bahnhof Finse befindet sich auf 1.222 Meter über dem Meeresspiegel.

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Der Bahnhof liegt einsam in den Bergen an einem See. Verstreut um den Bahnhof liegen einige Gebäude, es gibt hier keine permanenten Bewohner.

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Aber ein Hotel. Insofern ist Finse ein optimaler Zwischenhalt, wenn man die siebenstündige Bahnfahrt auf der Bergensbane nicht am Stück zurücklegen und die Natur und die Abgeschiedenheit Norwegens erleben möchte. Es gibt keine Straße nach Finse, das Hotel ist nur mit dem Zug, dem Fahrrad oder zu Fuß zu erreichen. Auch architektonisch nimmt das Hotel den Bezug zur Bergensbane auf.

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Den Rest das Tages verbringen wir nun also in der Einöde von Finse am See Finsevatnet. Der Ort verdankt seine Existenz der Bergensbane, die ersten Häuser entstanden für Bahnbedienstete. Später wurde der Ort touristisch entdeckt, sowohl für Wintersport als auch zum Wandern und inzwischen auch für Mountainbiker.

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Nein, dieses Bild entstand nicht im November – wir haben Mitte August. Es gibt einige Schneereste; wenn sich die Wolken verziehen, ist in der Ferne der Hardangerjøkul-Gletscher zu sehen. Eiszeiten formten diese Landschaft, in der baumlosen Moorlandschaft prägen Gräser, Moose und Flechte das Bild. Und ja, mit mitteleuropäischem Temperaturempfinden fühlt es sich auch an wie November.

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Natürlich schauen wir uns auch etwas an der Bahnstrecke um. Hier blicken wir vom Bahnsteig in Fahrtrichtung Bergen, in der Bildmitte sehen wir einen kurzen Schneeüberbau. Weiter links sehen wir das Portal des Finsetunnels.

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Die Bahnstrecke führte früher am See entlang, links lässt sich oberhalb des Ufers die Trasse ausmachen. Im weiteren Verlauf schloss sich eine Gebirgsstrecke an, deren Scheitelpunkt bei 1.301 Meter über dem Meer lag. Für den Betrieb der Gebirgsstrecke gab es in Finse eine Schneeräumbasis. 1993 wurde der über 10 Kilometer lange Finsetunnel eröffnet, der die Strecke um 4,5 Kilometer verkürzt. Wir laufen noch ein Stück weiter bis zum Tunnelportal.

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Am nächsten Reisetag werden wir die Fahrt durch den Finsetunnel fortsetzen und die weitere Strecke der Bergensbane als auch die Flåmsbana erkunden, aber dazu dann mehr in den nächsten Tagen.


Viele Grüße

Tobias

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[image] "Fensterplatz, bitte." - Meine Bahnreiseberichte.de.| instagram.com/fensterplatz.bitte/


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