[CZ] [AT] ...und am Ende war ich der einzige im Wagen. (m.4B (Reiseberichte)
Heute habe ich mich zu einer Tagesreise in meine Wohnung begeben, um zu schauen, ob alles in Ordnung ist. Und das war es auch. Alles wie es sein soll. Konnte noch was mitnehmen, was ich letztes Mal vergaß.
Auf der Hinfahrt waren außer mir noch 2 weitere Fahrgäste gewesen. Wobei bis Breclav noch ein paar mehr Leute mit fuhren. Das fühlte sich schon fast normal an.
Mein Aufenthalt in Wien fühlte sich normal und gleichzeitig nicht normal an. Nur die Fahrkarten wurden auf der Fahrt kontrolliert. Während die Grenzübergänge für Autos eingeschränkt wurden und man durchgehende Grenzkontrollen ankündigte... war es mir im Zug möglich unbehelligt einzureisen. Ironischerweise war es genau das, von dem ich immer träumte während des Lockdowns, dass ich einfach mal so unbehelligt über die Grenze reisen kann, obwohl es ja die Einreisebeschränkungen gibt.
Etwas so völlig normales, was sonst keiner Rede wert ist, wird plötzlich zumindest erwähnenswert.
Meine Heimquarantäne war relativ unspektakulär. Es ist tatsächlich möglich, legal für nur 7 Stunden sich in der Quarantäne aufzuhalten und dann gleich abzureisen. Das genügt, wenn der Zweck einfach der ist, zu schauen, ob alles in Ordnung ist.
Wie es zurück ging, hatte ich dieses Gefühl, lost zu sein. So habe ich fast vergessen, meine Fahrkarte für den Weg zum Hauptbahnhof zu kaufen. Und dann war ich im vollen Zug. zum Hauptbahnhof, ich habe die KN95-Maske, die mir in der tschechischen Apotheke für einen erschwinglichen-Preis mit einem FFP2-Zertifikat verkauft wurde, auf und darüber noch meinen MNS, den ich mal im ÖBB-EC kaufte. Hab irgendwo gelesen, dass das eine gute Idee sein kann.
Also steige ich jedenfalls am Hauptbahnhof aus und das recht zeitig, gehe zu meinem Zug und wurde im Großraumwagen mit gähnender Leere begrüßt, davon habe ich ja hier berichtet. Ich sitze also im hell beleuchteten Zug, der durch die Dunkelheit rauscht, ich konnte ein kleines Gespräch mit dem Fahrkartenkontrolleur anzetteln, in solchen Zeiten ist man sich schnell per du. Und dann, Stille. Wenn es eine Möglichkeit gab, ungestört die Rollgeräusche des Großraumwagens der PKP Intercity aufzunehmen, tja dann jetzt. Ich mag zwar jetzt zum dritten Mal auf solche Weise gereist sein, aber jetzt war das irgendwie... am surrealsten.
Und dann plötzlich höre ich jemanden auf polnisch sprechen: der Snack-Caddy kam vorbei. Zu meiner Erleichterung trägt der WARS-Mitarbeiter einen MNS. Das ist in Tschechien, wo der Zug hinfahrt, ja weiterhin genügend. Und vor lauter Entzückung orderte ich prompt einen Earl Grey Tee. Wer meine Reiseberichte kennt, weiß, dass es sich dabei um einen Tee der Hamburger Marke Eilles handelt. Ich reise also im polnischen Geisterzug von Österreich nach Tschechien und kriege einen Hamburger Tee serviert.
Und dann ging er wieder weg. Ein surreales Erlebnis.
In Breclav wurde das ganze dann noch auf die Spitze getrieben, als sich die Auslastung halbierte. Sprich, ich war der einzige im Großraumwagen. Später merkte ich, dass dem Abteilwagen nebenan das Licht ausging. Aber auf der Toilette brennt natürlich Licht. Man hat Prioritäten.
Ich hatte jedenfalls einen ganzen Großraumwagen für mich ganz alleine und es kam auch bei den 10 Minuten zu keiner Fahrkartenkontrolle.
Also tat ich, was man halt 10 Minuten in einem leeren Großraumwagen so macht: einmal sich eine Tanzkoreographie improvisieren. Es gibt ja genug Tanzfläche. Hätte vielleicht mich an einem Moonwalk versuchen können, wenn ich dran denke...
Und dann ging's raus. Leute steigen ein, Leute steigen aus. Ein bisschen Normalität zum Schluss gab's also doch.
Hier noch ein paar Impressionen
Hamburger Tee für den Hamburger Konsumenten
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Geisterzug mit Fotoblitz:
![[image]](https://abload.de/img/d792309e-a962-47ec-9unk8u.jpeg)
Und ohne
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Und da endet die Geisterfahrt.
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Umwege erweitern die Ortskenntnis ~ Kurt Tucholsky
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J-C,
02.02.2021, 23:16
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Alibizugpaar,
03.02.2021, 08:05
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Alibizugpaar,
03.02.2021, 08:05