Seltsames [SK]-Schlängeln im saublöden Seuchenjahr – Kap 1/5 (Reiseberichte)
In Bratislava hatte ich nochmal eine knappe Stunde Wartezeit, bis ich endgültig die Rückfahrt antrat. Es war übrigens mein erster Slowakei-Aufenthalt seit 2015, bei dem ich weder auf dem Hin- noch auf dem Rückweg durch Tschechien fuhr.^^ Auch war es die erste Tour, bei der ich nur im Westen der Slowakei blieb.^^ Denn ich stieg in den aus unklimatisierten österreichischen sowie klimatisierten slowakischen Wagen gebildeten „internationalen Personenzug“ nach Wien. Exakt während des Sonnenuntergangs überquerte er die Grenzbrücke über die March. Das slowakische Personal, das zweisprachige Ansagen gemacht hatte (SK & DE), verließ am Grenzbahnhof Marchegg den Zug, dafür stieg österreichisches Personal ein, dass nur noch auf Deutsch durchsagte. Dabei hörte ich rund um mich niemanden Deutsch sprechen: ca. zwei Drittel waren Slowaken und das verbleibende Drittel Touristen. (Na gut, sonst gibt es in slowakischen Zügen meistens gar keine Ansagen. -.-) Es wurde durchgesagt, dass wir wegen Bauarbeiten eine Umleitung über Gänserndorf fahren würden und vor Wien nicht mehr halten würden. Interessanterweise hatte man zwar die Halte aus dem Fahrplan gestrichen, aber die Fahrzeiten überhaupt nicht angepasst. Kein Wunder, dass alle Züge knapp 10 min Verspätung hatten.^^ So erreichten wir Wien-Hbf. auch erst mit + 10.
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66 – 67 Über die Grenze
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68 Das schaut aus, als hätte ich versucht, irgendwelche Muster in die Landschaft zu malen. :D Kann jemand irgendwas darin erkennen? :D
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69 Die Route der beiden Tage nochmal ins Netz der Bahnstrecken des Landes eingezeichnet
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70 Die Karte der mir noch fehlenden Bahnstrecken (grau) & Landkreise (rot) in der Slowakei war nun schon recht übersichtlich ;-)
Auf dem Weg nach Wien hatte ich schon mitbekommen, dass DB Fernverkehr sich in absehbarer Zeit bundesweit auf den Rücken legen werde, weil in Norddeutschland ein (für die Jahreszeit nicht ungewöhnlicher!) Sturm wehte – einzige Ausnahme: die Strecken München – Rosenheim – Kufstein/Salzburg würden weiterhin befahren werden. Gut für mich! =)
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71 Zusammenhang à la DB… Übrigens: Das Problem, dass die falschen Züge am falschen Ort stehen und man die Schichten für das Personal neu planen muss, kann man ganz einfach dadurch lösen, dass man den Betrieb gleich bis zum nächsten Sonntagnachmittag einstellt. ;-)
Warum ich trotz der Sturmwarnung überhaupt losgefahren bin? Weil man kurz vor Weihnachten noch nicht ahnen konnte, dass die DB sich ausgerechnet heute wieder auf den Rücken legt? Am Freitag war der Wissensstand, dass der Sturm im Laufe des Sonntags Norddeutschland erreichen werde und Richtung Süden an Stärke verlieren werde. Es ist ja schön, wenn die DB mir am Freitag erlaubt, die Rückfahrt kostenlos zu stornieren, aber auf den Kosten für die Hinfahrt (bei den ÖBB gebucht weil EN), für die slowakischen Tickets sowie für die Übernachtung wäre ich trotzdem sitzen geblieben…
In Wien blieb mir noch gute halbe Stunde, bis es per RJX weiter gen Westen ging. Als wir zwischen St. Pölten & Linz waren, las ich beim Meridian, dass aktuell der Bahnhof Rosenheim gesperrt war. Schuld dafür war allerdings gar nicht der Sturm, sondern eine Bombenentschärfung… Aber der Meridian beruhigte, das würde bis 22 Uhr erledigt sein – wir sollten 21:54 Uhr in Rosenheim halten. Die VL interessierte das natürlich herzlich wenig (ich würd ja sagen, die Jungs hatten an dem Abend anderes zu tun. Aber in Wahrheit hatten sie ja herzlich wenig zu tun, wenn nichts fährt -.-), wir fuhren ab Linz weiter gekoppelt mit RJX868 gen Innsbruck und rauschten natürlich auch ohne Halt durch Wels. Dort hätte die einzige mögliche Umleitung begonnen… Auch der Zug 2 h vor uns war nicht umgeleitet worden, sondern stand sich derweil in Bad Endorf die Räder platt – die Motivation, wenigstens einen Zug heute Abend pünktlich ans Ziel zu bringen, schien nicht vorhanden. RJX 66 sollte kurz vor 20 Uhr durch Rosenheim fahren. Der Bahnhof sollte bis min. 22 Uhr gesperrt sein. Eine Umleitung dauert 90 min, plus vielleicht 30 min fürs „Organisieren“ (selbst diese Zeit wird für einen normalen Fahrgast wohl kaum einleuchtend sein)… Währenddessen war selbst auf Höhe vom Salzkammergut noch wolkenloser Himmel, ich hätte ausgezeichnet den Vollmond anheulen können (mache ich natürlich nicht, wenn ich in der Öffentlichkeit bin^^). DB Netz vermeldete in Süddeutschland keinerlei Sturmschäden. Die innerösterreichischen Railjets auf der Relation Salzburg – Innsbruck verkehrten pünktlich durchs Große Deutsche Eck. Ich hielt meine Chancen für relativ hoch, mit nur geringer Verspätung nach München zu kommen…
Pünktlich wurde Salzburg erreicht, es ging sogar ebenso pünktlich weiter. Aber nicht lange, denn bald kam die Durchsage, dass wir es uns nun vsl. eine Stunde lang in Übersee bequem machen würden. Na Mensch, das war jetzt aber überraschend. -.- Nach Abschluss der Entschärfung sollten wir gleich als erster Fernzug wieder in Rosenheim halten. Als wir kurz nach 21:30 Uhr in Übersee zum Stehen kamen, war es draußen trocken und ein bisschen windig. Vom angeblichen Monster-Sturm keine Spur. Die Stunde verging, eine weitere halbe Stunde verging. Indes setzten sich RJX 66 & EC 88 in Bewegung und kamen irgendwie ohne Halt in Rosenheim an der Entschärfung vorbei. Und ich frage mich bis heute, warum diese beiden Züge durchfahren durften, aber wir nicht und was die Leute bei der VL rauchen. Wir blieben in Übersee, obwohl wir zumindest hätten aufrücken können (von Übersee bis Rosenheim ist es ja ein ganzes Stück, sicher stand da noch der ein oder andere Güterzug, aber den Platz vom 66 hätten wir einnehmen können). Für den Moment des Abends sorgte ein Amerikaner, der beim Telefonieren sagte: „The train is super late because they have to diffuse a bomb. I guess we dropped it a hundred years ago”. Das, liebe Leute, ist die Definition von Karma! :D Natürlich verzögerte sich die Sache 23 Uhr nochmal um eine weitere Stunde. Wieder machte das Zugpersonal einen sehr kompetenten Eindruck und informierte regelmäßig angemessen über die Lage! Ich fand ein Mädel, das in München in die gleiche Richtung musste wie ich. Wir beschlossen, uns das Taxi zu teilen. Weil sie nicht genug Bargeld in € dabei hatte, bekam ich am Ende 2.000 Forint. :D
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72 Grr!
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73 Grrr!
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74 Grrrr!
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75 Hehe :p
Halb zwölf schrieb ich mal meinen Kollegen, dass ich am Montag etwas später ins Büro komme.^^ Kurz darauf hieß es tatsächlich, demnächst geht‘s weiter. Viertel vor Mitternacht setzte sich der Zug dann tatsächlich in Bewegung. Schnell wurde es aber nicht mehr. Denn 20 min zuvor war die Anweisung, die zulässige Höchstgeschwindigkeit auf 80 km/h herabzusetzen, auf das gesamte Bundesgebiet ausgeweitet worden. Das -jet in Railjet stand also für „jetzt endlos träge“… Ich glaube, die Mitarbeiter im Bordrestaurant waren die einzigen, die sich über die Situation freuten.^^ In München kam nur die trockene Durchsage: „Wegen Ihren Anschlüssen, bzw. ob es noch Anschlüsse gibt, achten Sie bitte auf die Ansagen am Bahnsteig.“
Mit + 159 wurde schließlich München um zehn nach eins nachts erreicht. Ich möchte nochmal hervorheben: Die Beeinträchtigung war bekannt, lange bevor eine Umleitung hätte begonnen werden können… Von der gigantischen Verspätung waren nur 30 min wegen dem Sturm, bzw. zur ursprünglich geplanten Zeit hätte der Sturm gar keine Auswirkungen gehabt! Fun Fact: Trotz Geschwindigkeitsbegrenzung war die Fahrzeit auf deutschem Gebiet kürzer als die Standzeit in Übersee. Oder: Der Zug hat länger von Salzburg nach München länger gebraucht als ein Sprinter von Berlin nach München (falls er mal pünktlich ist – einfach so um die Reisenden zu überraschen^^). Mein Railjet muss wohl einer der letzten Züge gewesen sein, die noch durchgekommen sind, denn noch in der Nacht wurde Rosenheim – München wegen Bäumen im Gleis bis zum Nachmittag gesperrt…
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76 Railturtle. Wer Anglizismen verabscheut, darf stattdessen auch gern „Schienenschildi“ sagen.
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77 Möchtest du Applaus!? Das Wort „Taurus“ kommt übrigens aus dem Indianischen und bedeutet so viel wie „Besiegt seine Feinde durch Schnelligkeit, außer DB Netz“…
Die DB ist ja so liebenswürdig, bestimmte Fahrkarten nur online zu verkaufen, bei Online-Kauf nur Postversand zuzulassen, dafür erstaunliche 5,90 € Gebühr zu nehmen (bei 80 ct Einkaufskosten, tatsächlich sicher noch weniger; das dürfte doch eines der margenstärksten Produkte der DB sein!?) und im Falle von Verspätungen diese 5,90 € nicht zum Fahrpreis zu zählen. Die Erstattung, die ich bekam, war geringer als die tatsächlichen Taxi-Kosten… Selbst wenn man von denen 2.000 Forint abzieht.^^
Am nächsten Morgen trudelte ich um 9:45 Uhr im Büro ein und traute meinen Augen nicht recht, als ich immer noch nicht der letzte war. Wenigstens hatte ich eine Begründung. :D DB Fv zeigte sehr eindrucksvoll, dass Statistiken nichts Wert sind, solange man sie nicht selbst fälscht, und präsentierte für den Sonntag eine Tagespünktlichkeit von 83 %.
Einen Beleg, dass der Orkan nun wahrlich keine untypische Wetterlage war, findet sich höchstoffiziell hier ab 0:59. :p
Aber genug der Meckerei. =)
Auch wenn es bislang nur das erste Kapitel war, schreibe ich schon einmal eine Statistik, denn es war ja eine abgeschlossene Reise. Wie gewohnt ohne die Tram in Bratislava:
Insgesamt absolvierte ich 28 Fahrten. Dabei wurden 1.751 km zurückgelegt, davon 295 in Deutschland, 758 in Österreich, 20 in Ungarn und 678 in der Slowakei. Die Fahrzeit betrug 25:49 h, davon 5:04 h für Zwischenhalte (und hiervon mehr als die Hälfte auf der Hinfahrt in Salzburg). Das macht eine durchschnittliche Fahrtdauer von 55 min bzw. eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 84,4 km/h. Vier Fahrten waren unpünktlich (jeweils eine in DE & AT, zwei in SK), das macht 86 % Pünktlichkeit. Die realen Kosten lagen am Ende bei 5,8 ct/km.
Am Ende verabschiede ich mich mit einem Reim:
Ob es wirklich richtig weht,
Merkt ihr wenn der Zug nur steht
Es grüßt
Das Krümelmonster
--
Was Du suchst, ist in Dir. Ansonsten ist es im Kühlschrank. Oder in der Kekspackung. :)
Meine alten Reiseberichte (inkl. Bildern) verschicke ich gern per Email - bitte per Direktnachricht melden!
gesamter Thread:
- Seltsames [SK]-Schlängeln im saublöden Seuchenjahr – Kap 1/5 -
Krümelmonster,
24.01.2021, 10:47
- Seltsames [SK]-Schlängeln im saublöden Seuchenjahr – Kap 1/5 -
Krümelmonster,
24.01.2021, 10:47
- Seltsames [SK]-Schlängeln im saublöden Seuchenjahr – Kap 1/5 - Krümelmonster, 24.01.2021, 10:48
- Liebes 'Krümelmonster' - so geht's nicht weiter! -
Der Blaschke,
25.01.2021, 13:51
- (...) so geht's nicht weiter! -
Garfield_1905,
25.01.2021, 18:00
- ... absolut unglaubwürdig ... ;-) -
Der Blaschke,
25.01.2021, 21:34
- Tja, das ist Dein Problem ! :-) :-) :-) - Garfield_1905, 25.01.2021, 23:11
- ... absolut unglaubwürdig ... ;-) -
Der Blaschke,
25.01.2021, 21:34
- Liebes 'Krümelmonster' - so geht's nicht weiter! -
Krümelmonster,
25.01.2021, 19:26
- OT: Teilzugzählverfahren .... // Ersatzzugbeitragsbaum -
Der Blaschke,
25.01.2021, 21:40
- OT: Teilzugzählverfahren .... // Ersatzzugbeitragsbaum - Krümelmonster, 26.01.2021, 22:30
- OT: Teilzugzählverfahren .... // Ersatzzugbeitragsbaum -
Der Blaschke,
25.01.2021, 21:40
- Liebes 'Krümelmonster' - so geht's nicht weiter! - Alibizugpaar, 25.01.2021, 23:45
- (...) so geht's nicht weiter! -
Garfield_1905,
25.01.2021, 18:00
- Wie unflexibel - J-C, 25.01.2021, 19:42
- Seltsames [SK] - Sehr schön. Vielen Dank.
-
EC 178,
26.01.2021, 11:36
- Seltsames [SK]-Schlängeln im saublöden Seuchenjahr – Kap 1/5 -
Krümelmonster,
24.01.2021, 10:47