Wilde Wüste, Wahnsinns-Wodka, Wunderlicher Winter: Kap. 3/4 (Reiseberichte)

Krümelmonster, München, Mittwoch, 14.10.2020, 19:56 (vor 6 Tagen) @ Krümelmonster

Das Hotel in Xiva war übrigens das einzige, was die Bezahlung in Landeswährung bevorzugte.^^ Das erste Hotel in Taschkent sowie das Jurtencamp hatten wir bereits im Voraus bezahlt, die restlichen Unterkünfte bevorzugten Barzahlung in US$ (oder €, aber wohl zum gleichen Kurs), das Restgeld gab’s dann in Soʻm. :D Wir hatten übrigens alle Unterkünfte deutlich im Voraus gebucht.
Am 2. Januar gingen wir am frühen Nachmittag zum Bahnhof. Die Bahnstrecke nach Xiva war erst im November 2018 eröffnet worden, aus mir unverständlichen Gründen nicht von Anfang an elektrifiziert…
Nachdem wir die üblichen Kontrollen passiert hatten, durften wir auf den Bahnsteig und den mächtigen Zug bestaunen.
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241 Der Eingang zum gewohnt protzigen Bahnhofsgebäude von Xiva
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242 Das weite Boulevard vom Bahnhof zur Altstadt
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243 Der Fahrplan. Die Angabe der Standzeiten ist teilweise bloß Deko. :D Aufgeführt sind auch Züge, die nur in Urgantsch halten und gar nicht hier.^^
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244 – 248 Usbekische Wagen
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249 – 251 Logos & Zuglaufschilder (übrigens zeigten längst nicht alle von ihnen die richtige Route an. :D)
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252 Restaurant
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253 Das turkestanische Großmonster hat nicht weniger als 19 mächtige Wagen im Schlepptau
Ab Urgantsch gibt es (zusätzlich zu den vier oder fünf Zugpaaren in der Woche via Utschquduq) s. i. w. tägliche Übernacht-Verbindungen via Buchara nach Taschkent, die an drei oder vier Tagen in der Woche verlängert werden und dann schon in Xiva beginnen. Sonst gibt es ca. alle zwei Tage Tagzüge mit als Sitzwagen genutzten Platskartnyjs zwischen Buchara und Xiva. Wir wählten die Verbindung ab Xiva Richtung Taschkent. Die Tickets für die knapp 8 h Fahrt hatten wir am ersten Tag in Taschkent gekauft. Im Platskartnyj zahlten wir ca. 9 € pro Person – für 450 km Strecke! Platskartnyj ist die günstigste der drei Kategorien (auf klassischen Langstrecken-Zügen in der ehemaligen Sowjetunion gibt es grundsätzlich nur Schlafwagen). Bei den anderen beiden Kategorien hat man Abteile, doch nicht im Platskartnyj. Über Nacht würde ich dort niemals fahren, für Fahrten tagsüber finde ich es nicht schlimmer als einen Großraum-Sitzwagen, allenfalls bequemer. ;-) Zunächst war der Wagen fast leer (neben uns zwei oder drei andere Fahrgäste), denn ab der mittelgroßen Stadt Xiva (90.000 EW) fahren fast nur Touristen, und die natürlich nicht im Platskartnyj.^^ Doch in Urgantsch füllte sich der Wagen mächtig und ab Hasorasp waren selbst die letzten Plätze belegt. Dort stieg eine Gruppe Jugendlicher in die Betten rings um uns, die auf dem Weg in die Hochschule nach Taschkent waren. Einer von ihnen namens Feruzbek sprach recht gut Englisch und unterhielt sich die ganze Zeit mit uns. Eigentlich löcherte er eher uns mit Fragen als andersrum, aber ich fand es spannend, was einen 17-jährigen Usbeken, der bisher nur sein kleines Heimatdorf sowie Taschkent kannte, an der Welt dort draußen so interessiert. Ich fand es ein ungemein interessantes Gespräch! Auch meinte er, anders als in Südasien gibt es in Usbekistan vier unterschiedliche Jahreszeiten (so wie in Europa), aber der Winter sei in den letzten Jahren immer mehr verschwunden – das merkten wir auch. Ich muss gestehen, ich glaube, die Frage, warum wir ausgerechnet nach Usbekistan gefahren waren, konnten wir ihm wahrscheinlich nicht verständlich beantworten. :D Ich halte noch für erwähnenswert, dass er meinte, er könne kein Russisch. Weil Englisch kaum verbreitet ist (selbst die 17-Jährigen können es längst nicht alle^^), hatte ich Russisch bisher für die universelle Fremdsprache gehalten, aber das ändert sich in der jüngeren Generation wohl auch gerade. Unglaublich hilfsbereit, wie die Usbeken überall sind, gaben sie uns etwas von ihren Vorräten und erfreuten sich im Gegenzug an Milchbrötchen & europäischen Keksen. ;-)
Mit dem Bau der Strecke, über die unser Zug nun fuhr, war erst 2016 begonnen worden (vorher gab es nur die Verbindung über Utschquduq, und vor 2001 nur die Transitstrecken durch Turkmenistan), und als die Bauarbeiten bereits im Gange waren, beschloss man, die Strecke nicht wie geplant nach Navoiy zu führen sondern stattdessen nach Buchara – das ist Usbekistan! :D Trotzdem dauerten die Bauarbeiten für die 355 km lange Strecke lt. der russischsprachigen Wikipedia weniger als zwei Jahre! Da hätte man doch auch gleich elektrifizieren können… -.- Die Strecke hat der Route über Utschquduq den Rang als wichtigste Verbindung nach Urgantsch abgelaufen. Unsere Fahrt führte also wieder durch die Wüste, wieder ohne eine Spur von Zivilisation (dreieinhalb Stunden gingen nicht einmal Text-Nachrichten raus :D), diesmal war es dabei auch noch dunkel, aber diesmal hatten wir wenigstens Gesellschaft. Im Kupe wären wir womöglich wahnsinnig geworden vor Langeweile. Im Wagen wurde es immer wärmer. Die Jugendlichen würden nach unserem Ausstieg noch neun weitere Stunden in dieser Sauna bis Taschkent juckeln. :-/
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254 Der rollende Schlafsaal
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255 Diese Ambivalenz zwischen Schnecke und Sprinter – erst 80 min Pause, dann über 5 h nonstop :D
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256 – 257 Jetzt 80 min Pause in Urgantsch
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258 Neues Monster
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259 Begegnung mit dem internationalen Zug nach Wolgograd. Übrigens steht auch dieser 80 min unmotiviert rum in Urgantsch. :D
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260 Und ab in die Wüste!
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261 – 262 Ankunft in Buchara
Fast als Punktlandung, nur 2 min nach Plan, erreichten wir den weit außerhalb der Stadt gelegenen Bahnhof von Buchara. Hier starteten zwei Taxi-Fahrer beinahe eine Klopperei um uns. Der eine meinte: „Sorry, my friend is a little bit crazy.” Das klang gut, wir nahmen den crazy Typen für die 15 km zum Hotel. Falls sich crazy auf den Fahrstil beziehen sollte, hatte der Kollege definitiv Recht.^^

Auch dieses Kapitel war kürzer als gewohnt, aber so hat immerhin jedes Kapitel seine eigene Zugfahrt.^^

Wie gewohnt geht es in ein paar Tagen weiter. ;-)

Es grüßt
Das Krümelonster

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Meine Reiseberichte, die vor Mai 2020 veröffentlicht wurden, am besten in Firefox oder Edge öffnen - dort sollten keine Bilder auf der Seite liegen ;-)


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