Über die Adria in die schwarzen Berge – 1/4 | 38 Bilder (Reiseberichte)
Hallo zusammen,
nachdem ich Euch zuletzt zu einer Rundfahrt zwischen Genfersee, Mont Blanc und Chablais mitgenommen hatte, will ich nun eine weitere Tour aus dem Sommer 2018 aufarbeiten.
Diese beiden Reisen waren sehr unterschiedlich, während die Mont Blanc-Tour nicht wirklich weit war und sehr kleinteilig mit vielen Nahverkehrszügen und Touristenbahnen gestaltet war, geht es bei der neuen Tour um weite Strecken im Fernverkehr und stundenlange Fahrten im gleichen Zug. Unser Ziel: Montenegro.
![[image]](http://www.bahnreiseberichte.de/093-Montenegro/93-000Karte.jpg)
Am ersten Reisetag fahren wir von Konstanz über Zürich und Mailand nach Bari in Italien. Von dort geht es am nächsten Tag mit der Fähre über die Adria nach Bar und weiter mit dem Zug nach Virpazar. Tag drei wird ein bahnfreier Urlaubstag am Skutarisee. Am vierten Tag fahren wir nach Podgorica und weiter nach Kotor. Der fünfte Tag ist wieder bahnfrei, von Kotor reisen wir über Budva nach Sutomore. Anschließend beginnt die dreitägige Rückfahrt über Belgrad, Budapest und Zürich.
Die erstklassige Tour fand im August/September 2018 statt.
Tag 1: Konstanz – Zürich – Mailand - Bari
Wir starten morgens um 7.03 Uhr am Bahnhof von Konstanz. Wir sind zeitig am Bahnhof und nutzen die Zeit, um die Morgenstimmung am nahen Hafen des Bodensees einzufangen. Dann besteigen wir einen InterRegio der SBB zur Fahrt nach Zürich.
In Zürich wechseln wir auf den EC 15, als Eurocity nach Italien verkehrt ein Astoro (ETR 610). Der Zug hat das Ziel Venedig, wir fahren aber nur bis Mailand mit. Auf der Gotthardbahn fahren wir nun nach Süden, beim nächsten Bild sind wir am Zugersee mit Blick zur Rigi. Und das Bild darauf ist dann schon am Luganersee entstanden.
In Mailand haben wir eine Stunde Aufenthalt; wir drehen eine kleine Runde um und durch den Bahnhof Stazione di Milano Centrale und widmen uns anschließend dem nächsten Zug. Mit einem Frecciabianca (weißer Pfeil) geht es nun in den Süden Italiens.
Wir fahren zunächst durch die Emilia-Romagna bis nach Bologna, dann verlässt der Zug die Nord-Süd-Strecke und es geht weiter in Richtung Rimini zur Adria.
Das Meer! Am linken Fenster ist nun die Adria zu sehen. Bis Bari führt die Strecke entlang der Küste und es gibt immer wieder längere Abschnitte direkt am Strand entlang. Beim nächsten Bild sind wir am Golf von Ancona mit Blick zur namensgebenden Stadt.
Und weiter geht es auf der Adriabahn (Ferrovia Adriatica) nach Süden. Anfangs ist es noch ganz nett entlang der Küste zu fahren, aber nach einigen Stunden wird es doch eintönig, es sieht eigentlich immer gleich aus, links das Meer, rechts das Hinterland. Die letzten anderthalb Stunden fahren wir durch die Dunkelheit. Die Fahrt von Mailand bis Bari dauert fast acht Stunden, das ist irgendwann auch genug.
Gut 14 Stunden nach dem Start in Konstanz haben wir schließlich unser heutiges Tagesziel erreicht und wir stehen vor dem Bahnhof Bari Centrale. In der Hafenstadt wartet ein Hotelzimmer auf uns. Wir stellen dort das Gepäck ab und erkunden anschließend bei einem Abendspaziergang die Altstadt.
Wir beginnen am mittelalterlichen Marktplatz Piazza Mercantile und laufen zur Cattedrale di San Sabino, die romanische Kirche mit dem weißen Laternenturm wurde in den Jahren 1170 bis 1178 erbaut.
Tag 2: Bari – Bar – Virpazar
Heute soll es nun von Italien über die Adria nach Montenegro gehen. Der Check-in für die Fähre beginnt um 10 Uhr, Abfahrt ist um 12 Uhr – insofern können wir nun auch bei Tageslicht noch einige Eindrücke der Hauptstadt Apuliens sammeln. Die Altstadt Bari Vecchia liegt auf einer Landzunge zwischen zwei Häfen.
Zu den bekanntesten Bauwerken von Bari gehört die Basilika San Nicola. Die Kirche wurde im 11. Jahrhundert erbaut. Da man damals keinen für eine bedeutende Seestadt angemessenen Heiligen vorzuweisen hatte, wurden kurzerhand Seefahrer ausgesandt, um die Gebeine des heiligen Nikolaus in Myra zu rauben. Die Gebeine werden heute in der Krypta aufbewahrt.
Diesen Turm kennen wir schon von gestern, das ist Cattedrale di San Sabino. Beim nächsten Bild sind wir am Castello Svevo di Bari angekommen. Das Kastell steht auf den Überresten einer byzantinischen Festung aus dem 11. Jahrhundert und wurde seither mehrfach umgestaltet.
Schließlich laufen wir weiter zum Hafen. Vom Check-in-Schalter werden die Fußgänger mit einem Bus durch das weitläufige Hafengebiet bis zu den Schiffsanlegern gefahren. Dort heißt es zunächst warten, bis die Grenzkontrollstelle ihre Pforte öffnet – wir verlassen hier schließlich die EU. Zu Fuß geht es weiter zum Schiff, auf der Linie pendelt die Dubrovnik. Das Fährschiff wurde 1979 unter irischer Flagge in Dienst gestellt unter verkehrte unter den Namen Connacht und Duchesse Anne auf der Nordsee, 1996 wurde es an die kroatische Reederei Jadrolinija verkauft.
Mit einer halben Stunde Verspätung verlassen wir den Hafen von Bari. Wir haben uns diesmal den Luxus einer eigenen Kabine gegönnt, das ist auch bei einer Tagesüberfahrt ganz angenehm, das Gepäck ausbreiten zu können und sich zurückzuziehen und hinzulegen. Die Überfahrt dauert siebeneinhalb Stunden, das kann an Deck doch sehr langweilig werden.
Bari und Bar liegen rund 220 Kilometer voneinander entfernt. Mit einer Höchstgeschwindigkeit von 20 Knoten schippern wir nun bei bestem Wetter über die ruhige Adria. Schließlich taucht am Horizont unser Ziel auf: Montenegro – das Land der schwarzen Berge.
Die Hafenstadt Bar ist deutlich kleiner als Bari, auch der Hafen ist übersichtlicher. Wir beeilen uns, schnell vom Schiff zu kommen, denn die verspätete Abfahrt in Bari wirkt noch nach und wir wollen den letzten Zug erreichen. Die Einreisekontrolle verläuft rasch und unkompliziert und schnellen Schrittes eilen wir zum Bahnhof.
In Bar endet die Bahnstrecke aus Belgrad. Dieser Strecke werden wir uns im dritten Teil ausführlich widmen, heute wollen nur noch gut 20 Kilometer weit fahren bis Virpazar. Die Eile war nicht nötig, denn der Zug ist noch gar nicht da. Und so bleibt auch noch ausreichend Zeit, um am Schalter eine Fahrkarte zu lösen. Was ganz praktisch ist: Montenegro hat keine eigene Währung, sondern verwendet als Zahlungsmittel einfach den Euro, ohne Mitglied der EU zu sein.
Eine knappe halbe Stunde fahren wir nun noch durch die Dunkelheit. Nach 21 Uhr kommen wir am Bahnhof von Virpazar an und stolpern auf einem unbeleuchteten Weg in das „Zentrum“ des 300-Seelen-Dorfs. Warum wir ausgerechnet dieses Ziel gewählt haben, dazu mehr in den nächsten Tagen im zweiten Teil.
Viele Grüße und einen schönen Sonntag
Tobias
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TD,
20.06.2020, 17:29
- Action in die Überfahrt bringen .. - Der Blaschke, 20.06.2020, 20:03