[6MGA] Teil 02: FO, RhB, und SEV mal anders [m38B] (Reiseberichte)

Math5D, Samstag, 15.02.2020, 16:53 (vor 2231 Tagen)

Nach einigen kürzeren Touren kommt heute die erste Ganztagestour über die Furka-Oberalpbahn. Dort fährt natürlich der Glacier-Express, der sogar auch im GA enthalten ist - man muss nur 30CHF Reservierung zahlen. Allerdings ist es von St-Prex aus unmöglich, an einem Tag nach Zermatt, mit dem Glacier nach St. Moritz, und von dort zurück zu mir zu fahren, also beerdige ich diese Idee sofort. Abgesehen davon kann man dort auch keine Fenster öffnen ;)
Die Regionalzüge über die Strecke beginnen in der Regel in Visp, aber mein Zug am Morgen startet um 9:23 erst in Brig, vermutlich aus umlauftechnischen Gründen - in der Trasse fährt nämlich durchaus ein Zug nur von Visp nach Brig. Den möchte ich aber nicht nehmen, da ich mit dem IR90 sowieso nach Brig komme und dann in der Umsteigezeit einen Glacier fotografieren kann.
Betrieben wird das Ganze heute von der Matterhorn-Gotthard-Bahn (MGB), die 2003 aus der Fusion der Furka-Oberalp-Bahn und der Brig-Visp-Zermatt-Bahn entstand. Der Name ist allerdings etwas bescheuert, denn Matterhorn und Gotthard sind zwar von der Strecke der MGB aus zu sehen, werden aber weder über- noch unterquert.

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1 Der MGB-Bahnsteig in Brig befindet sich auf dem Bahnhofsvorplatz, neben dem Busbahnhof, und hat eine eigene Abfahrtstafel. Von der werden noch ein paar Bilder folgen im Laufe der Serie.

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2 Der angekündigte Glacier. Auf meinem besseren Bild davon sind leider zu viele Leute erkennbar zu sehen, da bestimmt 80% der Fahrgäste offensichtlich erst hier zusteigen. Nun fährt erst der Glacier los, und dann wir als langsamerer Zug hinterher.

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3 Gezogen von einer Deh4/4 geht es durchs Rhônetal hoch

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4 Von hier aus gehen mindestens drei riesige Seilbahnen auf den nördlichen Bergkamm, von dem aus man auf der anderen Seite den Aletschgletscher sehen kann. Alle Talstationen haben natürlich einen Bahnhof: Mörel, Betten (hier im Bild) und Fiesch.

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5 Oberhalb von Grengiols geht es erst über die höchste Brücke der MGB, die die Rhône überquert, und dann durch einen Kreistunnel mit Zahnstange. Hier der Blick zurück.

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6 Irgendwo kurz vor Fiesch erzeugt der Dunst einen kleinen Regenbogen über einer Kirche.

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7 In Fiesch starten hier noch zwei Seilbahnen gegenüber des Bahnhofs, aber nur die große ist in Betrieb. Der neue "ÖV-Hub" mit einer Umlaufbahn direkt am Bahnhof ist bereits in Bau. Nachdem der Zug sowieso schon bei jedem Bedarfshalt hielt und dabei immer eine Minute mehr Verspätung bekam, dauert der Fahrgastwechsel hier nochmal ewig, vor allem weil eine große Gruppe Rentner aussteigt.

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8 Langsam schieben sich die höheren Berge ins Bild.

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9 Immer höher geht es hinauf durch das Goms, wie das Tal des Rotten (=Rhône) hier genannt wird. Die Landschaft im Sommer ist wirklich beeindruckend grün, wie auch das Signal, das uns freie Fahrt anzeigt.

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10 Der letzte größere Ort vorm Furka-Basistunnel ist das hier zu sehende Obergesteln.

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11 Einen weiteren Halt gibt's aber noch in Oberwald, wo zum einen im Sommer die Furka-Bergstrecke abzweigt (zeitlich für mich leider auch schwierig zu erreichen, und daher nicht gefahren), zum anderen der Autoverlad durch den Tunnel. Für diesen besitzt die MGB auch einige Loks ohne Zahnradantrieb, wie die hier gezeigte Ge4/4.

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12 Fast direkt vorm Tunnelportal werfe ich einen letzten Blick auf den Rotten, der hier deutlich aus türkisem Gletscherschmelzwasser besteht. Dann geht es rein in den 15km langen Tunnel, in dem wir doch tatsächlich sämtliche Verspätung aufholen! Ein Blick in den grafischen Fahrplan erklärt auch, warum. In der Ausweiche mitten im Tunnel hätten wir nämlich eigentlich eine planmäßige Wartezeit auf den Gegenzug, der heute wohl kurz auf uns warten musste.

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13 Auf der anderen Seite des Furkapasses, die nochmal ein paar Meter höher liegt, erscheint mir die Landschaft noch grüner. Jetzt geht es erstmal bergab in Richtung Andermatt, wo der Zug gewechselt werden muss.

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14 Der Furkapass ist Teil der Wasserscheide zwischen den Flussystemen Rhône und Rhein. Der Fluss, den wir hier überqueren, ist allerdings die Furkareuss, die dann mit der Gotthardreuss zur Reuss wird, runter in den Vierwaldstättersee fließt, und bei Brugg AG quasi gemeinsam mit der Limmat aus Zürich in die Aare mündet, die damit bei Koblenz (CH) mehr Wasser enthält als der eigentliche Rhein aus Richtung Chur. Aber das nur nebenbei.

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15 Nach Andermatt muss folglich noch eine Wasserscheide zum Rhein überquert werden. Bereits aus diesem Zug hat man einen guten Blick auf die serpentinenartige Trasse der Oberalpbahn hinter Andermatt. Eigentlich müsste hier jetzt mein nächster Zug mir entgegenkommen, der im Sommer in Andermatt eine Kurzwende von 6min durchführt, aber er ist nicht zu sehen...

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16 In Andermatt angekommen, ist der Zug immernoch nicht da, also bleibt Zeit für ein paar Fotos. Hier die Remise der MGB, in der der 2. Zug der Schöllenenbahn nach Göschenen bereit steht (das Betriebskonzept dort ist etwas seltsam, mehr dazu in Teil 4).

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In der anderen Richtung sieht man wieder die Serpentinenstrecke, zu der "parallel" die erste Sektion des Gütsch-Expresses fährt.

Und dann kommt der Knaller: Im Stück zwischen Andermatt und Nätschen ist der Strom ausgefallen, und wir werden gebeten, eben jenen Gütsch-Express als SEV zu benutzen. Einerseits finde ich es natürlich schade, dass mir so das spektakulärste Streckenstück entgeht, andererseits ist dieser besondere SEV wohl ziemlich einmalig. Also schnell zur Gondel, wo ich zum Glück eine relativ leere Kabine bekomme, weil hinter mir einer mit Fahrrad diskutiert, ob er dieses auch mit hoch transportieren darf.

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18 Und direkt nach ein paar Metern sehe ich dieses Bild: Der Glacier von heute Morgen steht mit abgesenktem Panto und allen Fahrgästen drin in der Kurve direkt hinter Andermatt und steckt offenbar im Stromausfall fest - nur warum er nicht nach Andermatt zurückgerollt ist, wo auf Gleis 1 ja durchaus Platz wäre, ist mir ein Rätsel. Jedenfalls will die MGB ihren Premium-Fahrgästen die Gondel wohl nicht zumuten, und lässt die Glacier-Garnituren deshalb beiderseits des Stromausfalls warten, bis dieser irgendwann vorbeigeht.

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19 Blick zurück auf Andermatt. Neben meinem ersten Zug ganz rechts steht dort inzwischen auch der 1. Zug nach Göschenen, der 2. ist weiterhin im Depot.

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20 Hier überqueren wir die Bahnstrecke, die unter uns im Tunnel verschwindet.

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21 Und nun die Auflösung des Rätsels in Teil 0. Mein nächster Zug hat offenbar am Oberalppass gewartet, und kommt nun im Nätschen eingefahren, wo die Lok umrangiert werden muss. Dazu wird wegen der Steigung jeder Wagen manuell gebremst, und anschließend fährt die HGe4/4 II an uns vorbei auf die andere Seite. Wie gut, dass es das zweite Gleis gibt, das normalerweise für Begegnungen mit dem Glacier dient.

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22 Nochmal die Lok mit Bergpanorama

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23 Das Bild aus dem Rätsel. Zugegebenermaßen ist es natürlich etwas verwirrend, dass die Dreipunkt-Spitzenbeleuchtung noch auf der falschen Seite an ist. Mit ca. 30min Verspätung geht es dann also weiter.

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24 Nach dem Nätschen geht es noch ein gutes Stück weiter bergauf, teilweise mit Adhäsion, teilweise mit Zahnstange. Bäume sind hier nicht mehr zu sehen.

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25 Und da kommt der Oberalpsee in Sicht. Hinten erkennt man auf dem Bild in voller Auflösung vorne schon den nächsten Regionalzug und dahinter einen Glacier. Damit wären also beide Durchgangsgleise des Bahnhofes belegt.

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26 Direkt vor der Lawinenschutzgalerie, die die Strecke seit 1941 wintersicher macht, sieht man dann auch, wie der Glacier sein Gleis frei macht und auf das Stumpfgleis 11 rangiert wird.

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27 Aus der Galerie raus, nochmal die ganze Szenerie.

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28 Und der Blick zurück, bevor der Gegenzug diesen verdeckt

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28 Gleis 11 mit dem Glacier - wieder gut, dass dieses existiert. Gebraucht wird es planmäßig glaube ich nie.

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30 Blick zurück auf den Pass mit Leuchtturm "Rheinquelle", der gerne als höchster Leuchtturm der Welt vermarktet wird. Beides ist jedoch nicht zutreffend, denn wir sind jetzt zwar auf der Seite des Vorderrheins, aber die offizielle Quelle ist in einem der Seitentäler. Und in Peru gibt es einen Leuchtturm, der noch 1,5km höher steht.

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31 Steil geht es nun wieder in der Zahnschiene durch Tunnel und Schutzgalerien, aber ab und zu kann man auch einen Blick ins Tal werfen

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32 Natürlich will der betuchte Schweizer auch im Gebirge seinem Lieblingssport nachgehen, und so liegt hier auch ein kleiner Golfplatz

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33 Sedrun - dieser Bahnhof hätte heute eine wesentlich größere Bedeutung haben können, denn knapp 1km unter ihm ist der Gotthard-Basistunnel, in dem ursprünglich der Bahnhof "Porta Alpina" geplant wurde. Aus finanziellen Gründen kam der dann doch nicht, und so gibt es ihn nur im MiWuLa in Hamburg.

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34 Disentis/Mustér (sprich: Muschtee), Endpunkt der MGB und Anfang der RhB. Normalerweise hat man hier 5min Umsteigezeit, aber der RhB-Zug wartet nicht auf uns - wie der Schaffner der MGB versichert, hätte ein unternehmenseigener Zug natürlich gewartet. Ist ja wie in Deutschland, mit den Privatbahnen, die sich gegenseitig behindern ;) Jedenfalls bekomme ich als Entschädigung einen Gutschein für das Bahnhofsbuffet, wovon ich mir das Lieblingsgetränk einiger Forumanen hier gönne, eine Cola. Die hat in der Schweiz übrigens nur 450ml statt 500, und kostet normalerweise trotzdem das Doppelte.

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35 Auf dem anderen Gleis steht noch ein Glacier in der Warteschlange, übrigens der mit Excellence Class, in der allerdings nur drei Leute sitzen. Gut, vielleicht vertreten sich auch ein paar die Beine, denn die Abfahrt ist noch nicht abzusehen.

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36 Ein wohl seltenes Bild, solch hohe Verspätungen in der Schweiz. Die RhB-Züge fahren normalerweise über Chur, Landquart, Klosters nach Scuol-Tarasp. Das Stück zwischen Sagliains und dort wird allerdings gerade neu gebaut, und somit werden sie durchgebunden durchs Engadin bis nach Samedan, von wo ein Pendelzug Samedan - Pontresina bedient.

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37 Im Zug der RhB setze ich mich wieder nach rechts, um den Blick ins Rheintal zu haben. Leider ist der Zug dann auch so voll, dass ich in der Rheinschlucht nicht wechseln kann, sodass von dort keine Bilder kommen.

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38 Denn hier, vor der Einfahrt in die Schlucht, überqueren wir den Vorderrhein.

Von Chur zurück nach Lausanne geht es dann per übervollem IC3, IC5 und S-Bahn, wo nichts Aufregendes mehr passiert.


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