Unterwegs zwischen Achensee und Schafberg | Fortsetzung (Reiseberichte)

TD, Dienstag, 14.01.2020, 18:58 (vor 2268 Tagen) @ TD

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Am Haltepunkt Hallstatt steigen wir aus. Dass Bahnhof und Ortszentrum etwas auseinanderliegen ist ja nun nicht ungewöhnlich. Dass Ort und Bahnstation jedoch von einem See getrennt werden, ist doch eine Kuriosität. Außer dem Haltepunkt gibt es hier nicht viel, wer nach Hallstatt möchte, folgt dem Wegweiser zur Schiffstation...

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...und muss mit 'Stefanie' auf die gegenüberliegende Seeseite übersetzen.

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Der Fahrplan des Fährschiffs ist auf die Bahn abgestimmt, die Überfahrt dauert 7 Minuten. Der Hallstätter See liegt fjordartig im Salzkammergut zwischen Dachsteinmassiv, Sarstein und Plassen, er ist knapp 6 Kilometer lang und gut 2 Kilometer breit.

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Mit der Ankunft in Hallstatt ist der verkehrstechnische Teil dieses Reiseberichts abgeschlossen. Wer sich auch für die touristische Seite interessiert, der darf gerne noch weiterlesen. Hallstatt ist berühmt und gleichzeitig auch berüchtigt für den Overtourism. Auf rund 750 Einwohner kommen jährlich rund 700.000 Besucher, überwiegend asiatische Tagesbesucher.
Für 2018 gehen wir nun als zwei weitere Gäste in die Statistik ein – aber immerhin werden wir nicht mit dem Bus herangekarrt und wir übernachten hier sogar.

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Hallstatt liegt auf einem schmalen Uferstreifen zwischen See und Berghang, der historische Kern besteht eigentlich nur aus einem Straßenzug und einigen Gassen um den Marktplatz. Teilweise wurden die Häuser auch mit Pfählen in den See gebaut. Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts war der Ort überhaupt nur per Schiff oder auf schmalen Pfaden zu erreichen. Die evangelische Kirche wurde auf Seehöhe errichtet und hat dafür eine hohe Spitze erhalten...

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...während die katholische Kirche hochwassersicher oben am Hang erbaut wurde. Sie hat jedoch einen niedrigeren Turm, so dass beide Kirchen im Ergebnis dem Himmel gleich nahe sind.

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Doch halt, ein Verkehrsmittel haben wir noch: wir fahren nun mit der Salzbergbahn bergwärts, die Standseilbahn führt über 325 Höhenmeter hinauf ins Hallstätter Hochtal zu den Salzwelten.

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In der Berggegend gibt es reiche Salzvorkommen, die bereits seit Jahrtausenden abgebaut werden. Am Eingang des Hallstätter Salzberg-Hochtals steht der Rudolfsturm. Es handelt sich im Kern um einen mittelalterlichen Wehrturm aus dem 13. Jahrhundert, später diente er als Wohnung des jeweiligen Bergbaubetriebsleiters.

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Aus 360 Metern Höhe gibt es einen Panoramablick über den Hallstätter See und die Region Dachstein-Salzkammergut. In der Sonne liegt der Ort Obertraun, aus dieser Richtung waren wir über die Salzkammergutbahn angereist.

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Am gegenüberliegenden Seeufer sieht man schön die Bahnstrecke, die am Fuße des Wehrkogels verläuft. Etwas links der Bildmitte kann man einen Zug am Haltepunkt Hallstatt erahnen, dort befindet sich auch die Schiffstation.

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Im Rahmen einer Führung betreten wir nun den Christina-Stollen, er wurde 1719 aufgeschlagen. Salz wird hier jedoch schon wesentlich länger abgebaut, unterschiedliche Funde deuten darauf hin, dass schon um 5000 vor Christus Menschen im Hallstätter Hochtal lebten und Salz abbauten. In der Bronzezeit begann der organisierte Abbau von Salz, seine Blütezeit erreichte der prähistorische Bergbau in der sogenannten Hallstattzeit (zwischen 800 und etwa 400 vor Christus), damals drangen die Bergleute bereits bis in eine Tiefe von 200 Metern vor. Der Salzstollen gilt heute als ältester der Welt. Der durchschnittliche Salzgehalt liegt bei 60 Prozent.

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Das Salzbergwerk umfasst rund 65 Streckenkilometer auf 21 Horizonten (Stockwerke), der Höhenunterschied wird mit sogenannten Bergmannsrutschen überwunden, die hölzerne Rutsche ist 64 Meter lang und dient heute als Attraktion für die Besuchergruppen.

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Immer wieder werden hier auch archäologische Funde gemacht, so fand man im Jahr 1734 die gut erhaltene Leiche eines prähistorischen Bergarbeiters, der wohl im ersten Jahrtausend vor Christus einem Grubenunglück zum Opfer fiel und vom Salz konserviert wurde. Als weitere wissenschaftliche Sensation gilt die älteste Holzstiege Europas. Sie wurde auf das Jahr 1344 vor Christus datiert und ist damit der älteste europäische Beleg für gezimmerte Holztreppen.

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Ach, jetzt hätte ich fast noch ein Verkehrsmittel vergessen. Die Besucher werden nämlich anschließend aus dem Stollen gefahren. Vor Ort erklärt man uns, dass wir mit einem Grubenhunt transportiert würden. Als ich jetzt allerdings für den Reisebericht recherchiere, ob die Schreibweise „Hunt“ oder „Hund“ ist, merke ich, dass das gar kein Hunt war, denn unter diese Bezeichnung fallen nur Förderwagen, die von Menschenkraft bewegt werden. Eine motorbetrieben Grubenbahn bringt uns wieder ans Tageslicht.

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Für uns geht es nun wieder hinab nach Hallstatt, die Sonne verabschiedet sich nun langsam und Hallstatt taucht in den Schatten der umliegenden Berge. Ein Teil des Orts liegt im Winter dauerhaft im Schatten, einige Häuser sehen ein Drittel des Jahres keine Sonne.

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Die Region Hallstatt-Dachstein ist seit 1997 UNESCO-Weltkulturerbe. Als Besonderheit haben die Region und der romantische Ort gleichzeitig die Titel Natur- und Kulturerbe. Hallstatt war auch malerische Kulisse für eine südkoreanische Fernsehserie, wodurch der Ort in Asien bekannt wurde. Und 2011 wurde gar damit begonnen, die Alpenidylle in China nachzubauen, die Kopie inklusive Kirchturm, Dorfplatz, Brunnen bis hin zu originalgetreuen Schachtdeckeln ist allerdings seitenverkehrt angelegt.

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Nachdem der letzte Bus abgefahren ist und das letzte Fährschiff abgelegt hat, kehrt Ruhe ein – und wir sind am Ende des vierten Reisetags angekommen.

In den nächsten Tagen folgt Teil 5, dann fahren wir über Umwege von Hallstatt zum nächsten Touristenmagneten der Region: dem Schafberg.

Viele Grüße

Tobias

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