Ja, stimmt schon, hat alles Vor- und Nachteile ... (Allgemeines Forum)

Aphex Twin, Dienstag, 07.01.2020, 21:08 (vor 2281 Tagen) @ Altmann

Norwegen und die Schweiz zahlen EU-Beiträge (ja sie zahlen weniger pro Kopf/BIP aber sie bekommen auch weniger von der EU zurück, vor allem im Bereich der Landwirtschaft).


Ja, das muss man dann halt verhandeln. Aber man kann zumindest mal verhandeln - und mein Vergleich bezog sich auf ein "komplett unabhängiges Drittland".

Dein Vergleich bezog sich also auf den imaginären Fall eines Landes welches sich weitgehend isolieren will. Wenn man mit sich mit anderen Ländern austauschen will, muss man sich eben auf gemeinsame Regeln einigen. Kein rational handelndes Land wird sich aber für erstere Vorgehensweise (die Isolation) entscheiden. Und wie glaubst ist die EU und ihre Regeln entstanden? Durch Verhandeln natürlich. Und im Endeffekt haben kleinere Länder innerhalb der EU einen grösseren Einfluss als ausserhalb wo sie wie die Schweiz und Norwegen gezwungen sind in vielen Fällen EU-Regeln zu übernehmen bei deren Entstehung sie praktisch keine Mitsprache hatten.

Wenn Österreich als EU-Mitglied die Käfighaltung verbieten kann, wieso zählt dass dann als Vorteil für Nicht-EU-Länder?


Wir können die Käfighaltung verbieten, nicht aber den Import von Billig-Produkten aus der EU aus Käfighaltung. Letztlich ein Wettbewerbsnachteil für unsere Landwirtschaft (und ähnliches gilt für Glyphosat, ...).

Eine Position die davon ausgeht andere Länder bitte gern keinerlei Importbarrieren für eigene Produkte und Dienstleistungen errichten sollen, man selber aber gerne in einer Reihe von Fällen solche Barrieren errichten will funktioniert leider nur am Stammtisch oder für Politiker in der Opposition.

Fazit: Wie gesagt, hat alles Vor- und Nachteile. Und mir sind die Vorzüge der EU auch bewusst.

Ich würde dein Beispiel aber immer als halb volles Glas ansehen, nach dem Prinzip dass der positive Effekt wenn man es z.B. schafft in der gesamten EU Glyphosat zu verbieten auch wenn es etwas länger dauert deutlich grösser ist, als wenn Österreich vorangeht und der Rest der EU aber erst viel später nachzieht.

Und letztlich ist es ja nicht nur eine wirtschaftliche Frage, sondern auch eine emotionale Frage. Gerade Länder Osteuropas sind sehr für die EU, weil sie wissen, dass sie einen gefräßigen Nachbarn im Osten haben. Andere Länder (wie Großbritannien) möchten ihre Unabhängigkeit wiedererlangen (und wir haben ja auch durchaus Sympathien für die Unabhängigkeitsbestrebungen Kataloniens oder Schottlands, also müssen wir auch akzeptieren, wenn England sich von Brüssel distanzieren und selbstständig sein möchte).

Ich bin mir ziemlich sicher dass die grosse Mehrheit derer die in Grossbritannien für den Brexit gestimmt haben mittel bis langfristig nicht davon profitieren werden. Schon allein ist jetzt seit über drei Jahre die britische Politik so sehr mit diesem Thema beschäftigt dass für andere Themen und Probleme wenig Zeit und Aufmerksamkeit übrig geblieben ist. Und dass das Absenken von Sozial- und anderen Standards industrielle Jobs im Norden Englands im grossem Stil zurückbringen wird kann wohl ziemlich sicher ausgeschlossen werden. Die zusätzlichen Barrieren im Handel mit dem Rest der EU werden diesen eher erst einmal noch etwas beschleunigen.

Man kann mit Nationalismus (wie er auch in Katalonien von den Separatisten propagiert wird) die Massen zwar für einige Zeit begeistern aber im Endeffekt kann man sich davon auch nichts kaufen.


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