Von der Dolderbahn ins Mittelland - 2/2 m. 54 B. (Reiseberichte)
Hallo zusammen,
willkommen zum zweiten Teil unserer kleinen Schweiz-Rundfahrt. Im ersten Teil hatten wir die Dolderbahn besucht, waren mit dem Twindexx Swiss Express gefahren und hatten die Strecke der Oensingen-Balsthal-Bahn (OeBB) erkundet.
![[image]](http://www.bahnreiseberichte.de/087-Dolderbahn-Mittelland/87-000Karte.jpg)
Der letzte Teil hatte am Bahnhof von Oensingen geendet, genau dort setzen wir den Bericht nun fort. Und zwar mit einem ICN, der in Richtung Lausanne unterwegs ist.
Auf der schweizerischen Gäubahn fahren wir nun entlang des Jurasüdfußes. Bei Wangen führt die Strecke über die Aare, im Bild eine gedeckte Holzbrücke über den Fluss aus dem 15. Jahrhundert. Wir fahren mit dem Zug bis Biel/Bienne.
Da wir Biel schon kennen, wechseln wir nach der Ankunft am dortigen Bahnhof direkt ins Untergeschoss zum Bahnsteig der ehemaligen Biel-Täuffelen-Ins-Bahn (BTI). Die BTI ging 1991 durch eine Fusion im Verkehrsunternehmen Aare Seeland mobil (asm) auf. Der Triebwagen 509 war 2016 das erste Fahrzeug in der neuen roten Unternehmensfarbe der asm.
Die Bahnstrecke der BTI ist in Meterspur ausgeführt, die Strecke ist gut 21 Kilometer lang. Die Strecke wurde zwischen 1912 und 1926 abschnittsweise eröffnet, damals noch unter dem Namen Seeländische Lokalbahnen. Das Seeland umfasst die Region zwischen Bieler-, Neuenburger- und Murtensee. Auf dem Bild fahren wir über den Nidau-Büren-Kanal, der den Bielersee mit der Aare verbindet. Die Strecke gewinnt nun etwas an Höhe und eröffnet den Blick auf den Jura.
Bei Gerolfingen oberhalb des Südufers des Bielersees erreicht die Strecke den Scheitelpunkt, der nächste Halt ist dann Täuffelen. Nachdem der Ort Täuffelen Sitz und Betriebsmittelpunkt der BTI war, legen wir hier einen kurzen Zwischenstopp ein.
Täuffelen ist ein Dorf mit knapp 3.000 Einwohnern, hier befinden sich neben einem repräsentativen Bahnhofsgebäude auch Depot und Werkstätte der Bahn. Wir drehen eine kleine Runde durch den Ort bis zur Kirche, wirklich viel lässt sich hier aber nicht entdecken.
Mit dem nächsten Zug geht es nun weiter in Richtung Ins. Diesmal treffen wir auf einen GTW in der alten Farbgebung. Die Initiative zur Entwicklung des Gelenktriebwagens GTW 2/6 ging damals von der Biel-Täuffelen-Ins-Bahn (BTI) und einer zweiten Meterspurbahn aus, die kostengünstige und leichte Fahrzeuge mit einem hohen Niederfluranteil beschaffen wollten. 1997 gingen die ersten von Stadler gelieferten GTW bei der BTI in den fahrplanmäßigen Einsatz.
Die Strecke führt im weiteren Verlauf im Hinterland des Bielersees durch eine ländlich geprägte Region. Dass es hier mit dem Hagneckkanal ein Wasserbauwerk größeren Ausmaßes gibt, trifft mich recht unerwartet. Und dann auch noch eine unglückliche Parallelfahrt mit einem anderen Verkehrsteilnehmer:
Der Kanal wurde zwischen 1875 und 1878 als Teil der Juragewässerkorrektion erbaut, er wurde ohne Maschinen ausgehoben und durchsticht den Seerücken mit einer Tiefe von bis zu 34 Metern.
Anschließend verlässt die Strecke den See und erreicht das Große Moos. Das Gebiet ist eine der größten Ebenen der Schweiz. Nachdem das Moos entwässert wurde, gehört es heute zu den wichtigsten Gemüse-Anbaugebieten des Landes.
In Ins befindet sich die Endstation der Biel-Täuffelen-Ins-Bahn. Hier besteht Anschluss an das normalspurige Eisenbahnnetz, das Gleis der BTI endet straßenseitig vor dem Normalspurbahnhof. Wir wechseln nun zum Bahnhof der großen Bahn...
...und machen erstmals Bekanntschaft mit den Freiburgischen Verkehrsbetrieben / Transports publics fribourgeois. Ich habe den Eindruck, dass die Gesellschaft selbst nicht so richtig weiß, ob sie sich nun TPF (in Texten) oder tpf (im Logo) schreibt. Jedenfalls betreiben die Verkehrsbetriebe Normal- und Schmalspurlinien sowie weitere öffentliche Verkehre im und um den Kanton Freiburg. Der Flirt der TPF fährt als S 21 nach Fribourg/Freiburg.
Wir befahren nun die Strecke der ehemaligen Chemin de fer Fribourg–Morat–Anet / Freiburg-Murten-Ins-Bahn (FMA). Nie normalspurige Strecke ist knapp 26 Kilometer lang, die ersten Kilometer führen durch das Große Moos.
Hier fahren wir durch den Ort Münchwiler mit Blick zum dortigen Schloss. Das Schloss wurde im 16. Jahrhundert aus den Steinen eines aufgehobenen und abgebrochenen Klosters errichtet. Münchwiler ist eine Exklave des Kantons Bern und ist vom Kanton Freiburg umgeben.
Die Fahrt durch das Mittelland ist ansonsten unspektakulär. Die Strecke ist heute natürlich längst elektrifiziert. Als man 1903 mit der Elektrifikation begann, war das jedoch noch keine Selbstverständlichkeit. Da die SBB für deren Abschnitte keine Oberleitung zulassen wollte, wurde die Strecke anfangs mit einer Stromschiene elektrifiziert.
In Fribourg (oder auch „Freiburg im Üechtland“ zur Unterscheidung von Freiburg im Breisgau) legen wir einen Zwischenstopp ein. Die Stadt hat rund 40.000 Einwohner und liegt an der Grenze zwischen deutscher und französischer Schweiz.
Fribourg liegt am Fluss Saane, die Altstadt liegt auf einem schmalen Felssporn über dem Tal. Teile der Stadt liegen auf einem Plateau, andere auf dem Talboden des tief eingeschnittenen Flussbetts. Hier der Blick über die Dächer der Unterstadt zur Kathedrale Sankt Nikolaus.
Gut 50 Höhenmeter trennen Oberstadt und Unterstadt (Neuveville). 1899 wurde eine Standseilbahn zwischen beiden Stadtteilen eröffnet, sie wird noch heute mit der ursprünglichen Antriebstechnik betrieben und ist damit die letzte Wasserballast-Standseilbahn der Schweiz.
Die Bahn wird heute auch von der TPF betrieben. Während unseres Besuchs wird allerdings gerade an der Standseilbahn (Funiculaire) Neuveville–Saint-Pierre gearbeitet. Aber vom Fußweg aus sieht man die Strecke ohnehin viel besser ;)
Wir laufen nun durch die Unterstadt und über die Saane...
...zur Mattenkaserne. Der Gebäude im Mattenquartier wurde 1708/1709 als Speicher erbaut und später zu einer Kaserne umgebaut.
Von der hölzernen Bernbrücke geht der Blick über die Saane zu einer Wehranlage mit Katzenturm und Berner Torturm. Im Hintergrund die Zähringerbrücke / Pont de Zaehringen. Durch die Altstadt geht es anschließend wieder zurück zum Bahnhof.
Seit dem Jahr 1862 ist Fribourg an das schweizerische Eisenbahnnetz angebunden, anfangs noch mit einem provisorischen Bahnhof, das eigentliche Bahnhofsgebäude wurde erst 1873 errichtet. Es gibt Bestrebungen der deutschsprachigen Minderheit, die Stadt offiziell zweisprachig zu machen. Seit 2013 heißt der Bahnhof „Fribourg/Freiburg“ und taucht auch so in den Fahrplänen auf.
Es geht gleich weiter...
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TD,
25.06.2019, 18:23
- Von der Dolderbahn ins Mittelland - Fortsetzung -
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25.06.2019, 18:25
- Vielen Dank - 462 001, 25.06.2019, 20:10
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