Es gibt kein "DDR" und "3. Reich" sondern Unterschiede (Allgemeines Forum)

Henrik, Sonntag, 02.06.2019, 06:04 (vor 2503 Tagen) @ ffz

zwischen Kapitalismus und Sozialismus gibt es kein "Besser" und kein "Schlechter" weil die Systeme nicht vergleichbar sind.

Sehr interessante Ansicht, ich vermute, das wird nicht von vielen geteilt.
Vor 29 Jahren hatte Sozialismus überhaupt keinen guten Ruf,
noch ein Jahr zuvor war die herrschende Meinungen in Schulen bei Schülern wie Lehrern, ob nicht der Sozialismus besser wäre hinsichtlich Umweltschutz etc. Die grauenhaften Umweltschäden der DDR waren im Westen nicht sichtbar, wurden gar radikal geleugnet. Man wurde als Nazi verschrien, wenn man darauf hinwies, ebenso auf die Menschenrechtssituation.
Vor etwa 10 Jahren litt der Kapitalismus aufgrund der Finanzkrise bedeutend an Ansehen und man sehnt sich an Sozialismus, an deren Greueltaten sich kaum noch jemand erinnert.

Weder Kapitalismus noch Sozialismus hat die Welt je in Reinform erlebt in größerem Maße.
In USA besteht der Kapitalismus in seiner radikalsten Form, interessanterweise genießt er dort auch am meisten Zuspruch, bestimmt regional unterschiedlich (Stadt vs. Region).

Und rein real, würde man die Leute direkt fragen, wollt Ihr lieber in diesem System leben oder in Nordkorea, China, Kuba, Venezuela etc, wäre das Ergebnis gewiss recht deutlich.

"Der Staatssozialismus [der DDR] ist gescheitert wie er war und zwar zu recht" Gysi,
https://www.zdf.de/gesellschaft/precht/precht-188.html

China?
China hat es geschafft innerhalb von 30 Jahren etwa 700 Mio Menschen aus der absoluten Armut rauszuholen

https://deutsch.rt.com/asien/84457-plane-chinas-bis-2020-sieg-gegen-extreme-armut/
http://www.bpb.de/nachschlagen/zahlen-und-fakten/globalisierung/52680/armut
http://www.bpb.de/internationales/weltweit/menschenrechte/38775/china?p=all

USA?
Rockefeller / Standard Oil Company wurde zerschlagen, ebenso AT&T, die Filmindustrie..


Kapitalismus vs. Sozialismus?
seit wann gibts derlei Fragestellung? 100 Jahre? 150 Jahre? Marx? Industrialisierung?
Wir befinden uns am Anfang der Industrialisierung 4.0, Globalisierung,
da wird es nicht mehr gehen um Kapitalismus vs. Sozialismus - das ist über.
Dass im Rahmen einer Gesellschaft, der Menschheit gar global versucht wird, einen Ausgleich zu finden, ist eh klar - da gehts nicht um ideologische Systeme an sich.

Laut Immanuel Kants kategorischem Imperativ ist ein angestrebter Lebensstil ethisch nicht zu rechtfertigen, solange er nur sich selbst und den Eigenen zugestanden und anderen vorenthalten werden muss.
https://www.zdf.de/gesellschaft/precht/ist-die-erde-noch-zu-retten-100.html

Beide Systeme haben ihre Nachteile und ihre unschönen Dinge und Ungerechtigkeiten.

gewiss..

nur, eben, leben wir hierzulande weder in dem einen noch dem anderen.
Wir haben hier eine Soziale Marktwirtschaft - eine Mischung aus beiden quasi.
Der Ruf war auch schonmal besser. Aktuell ist der Zustand besser als der Ruf,
die Schere zwischen Reich und arm nimmt nicht mehr zu seit ein paar Jahren,
heute kam die Nachricht, dass weniger Kinder von HarztIV leben
(positive Meldungen schlagen nicht so durch, finden kaum Beachtungen, entsprechend gehen sie weniger in die Bewertung ein)

Es steht meiner Meinung nach keinem zu der in der BRD auf gewachsen ist die DDR spöttisch oder mit Hochmut zu betrachten.

Hochmut ist gewiss nicht schön.
Spott über ein gescheitertes, vor allem grausames heftig menschenverachtendes System?
Da gibts nicht genug von.
Sag nicht, Du hast nie über einen DDR-Witz gelacht. Da gabs in der DDR viel mehr von als im Westen, man musste nur aufpassen, wen man den erzählt.. :/

Den Menschen gegenüber sollte man nicht mit Spott begegnen, sondern mit Respekt,
abgesehen von den engstirnigen Systemanhängern.

Das gabs mehr in der DDR als im Westen - Nächstenliebe, Respekt, Freundlichkeit,
aber eben auch IMs :/ - diese Grubschaugen.. grrrr.

Kein Einwohner der DDR hat sich sein Schicksal aus gesucht

das passt nicht - da gabs dann doch etliche von, auch viele, die vom Westen aus rüber gemacht haben, auch wider besseren Wissens.

und hätte es keinen Kalten Krieg und keinen Marshall-Plan gegeben wäre es mit der Wirtschaft der BRD nie so schnell und so steil nach oben gegangen. Siehe Großbritannien und Frankreich als Beispiele.

Frankreich, UK und auch Italien haben viel mehr Mittel erhalten vom Marshall-Plan als Deutschland.
Auch in Frankreich und Italien gabs dieses Wirtschaftswunder, in Italien in den 60ern gar erheblich stärker als hierzulande.

Auch die Wirtschaft der DDR entwickelte sich, wurde zur stärksten der RGW-Staaten.
Dann kam Honecker an die Macht und die Ölkrise in den 70ern

Die Sowjetunion hat dazu die DDR zum großen Teil Deindustrialisiert. Dazu war die DDR der große Verlierer der Wiedervereinigung, die Treuhand ist nur ein Beispiel dafür, den Einwohnern wurden die eigenen Werte zerstört und die Identität genommen, weil auf ein mal Alles aus der DDR schlecht war.

Zunächst einmal waren die Menschen der DDR die großen Gewinner des Mauerfalls, der Deutschen Einheit, der Wiedervereinigung. Keiner wünscht sich das politische System von zuvor zurück (ok, da gibt es wahrlich ein paar oder gab..).
Die Treuhand nun für alles verantwortlich zu machen (oder gar die 2+4-Verträge) ist reichlich wohlfeil, sehr eindimensional und vor allem falsch.
Die Treuhand hatte eine sehr schwere Aufgabe und hat sehr vieles sehr richtig gemacht.
Dass der Ostblock wirtschaftlich so sehr in sich zusammenfiel, konnte man nicht erahnen (rein politisch gesehen können wir von Glück reden, dass wir in dem kurzen Zeitfenster tatsächlich die Einheit vollendet hatten!).
Die Wirtschaft der DDR war gen Osten gerichtet, die Aufträge bestanden ja auch noch, die Verbindungen etc. Das brach alles in sich zusammen. Da konnten die Betriebe an sich nichts für.
Gewiss gab es da etliche Fehler, und auch arrogantes & hochmütiges Auftreten von Westfirmen.
Dass in der Zeit nun alles falsch gemacht wurde und erst recht mehr falsch als in der gesamten Geschichte der DDR wie hier kolportiert, ist völlig albern, total geschichtsverklärend, gar menschendverachtend.
Respekt vor den Leuten, die nun alles besser wissen, Hut ab.
Rossmann, Aldi, Siemens, Krupp & Co zwangsverpflichten, ihre Firmen und Industriesitze dorthin zu versetzen, während dort die Leute weiterhin gen Westen ziehen?
Ganz so leicht geht das nicht.
Den Menschen wurde nicht durch die Treuhand die Identität genommen, sie wurden auch nicht plötzlich 1990 von heute auf morgen zu "Nazis".
Das bestand zuvor schon.

ach..
es war wahrlich nicht alles schlecht,
der grüne Pfeil war es nicht.
aber natürlich war grundsätzlich das allermeiste schlecht.
Gewiss, Abi nach 8 Jahren - aber da sah man eben nicht die DDR als Beispiel,
die Kita sind bei der DDR wohl auch eher das schlechteste Beispiel, war grade gestern wieder schön in der heute-show ("Ihr Kind sehen Sie dann wieder wenns zur NVA kommt"!).
In Westdeutschland floss Milch und Honig in Massen (Milch leider Gottes mehr denn je, die armen Kühe..), nicht nur das, sondern alles, alles erdenkliche, vor allem Obst und Gemüse, ohne in Intershop mit Devisen gehen zu müssen oder unter der Ladentheke. Auch Autos & Elektronik, etc. Alles bekamen sie zu Gesicht, tagtäglich im Westfernsehen. Gewiss, müsste man sich das auch leisten können und das ist Werbung - gabs nicht so recht im grau-im-grau - dafür war der Sex besser. :D [die Militärzeitschriften waren echt der Knaller :P ]

"1985 wurden 30 Prozent der Weltproduktion an Braunkohle in der DDR gefördert, mit steigendem Aufwand und wachsenden Umweltbelastungen."
http://www.bpb.de/geschichte/deutsche-einheit/lange-wege-der-deutschen-einheit/47076/dd...

jetzt erkläre denen mal von heute auf morgen, dass nichts mehr sein soll mit Braunkohle in der Lausitz.
Das hat dann auch weniger mit Ost-West zu tun.
Derlei Strukturwandel-Fragen gabs bzw. gibts genauso im Westen, Ruhrgebiet, Saarland etc. - nur wählen sie aus historischen Gründen nicht gleich die AfD.

Ich bin selber "Kind" der BRD und habe nur kurz die DDR als kleines Kind selber erlebt, aber ich war inzwischen viel in Mitteldeutschland und in vielen Gegenden, es ist einfach nur wahnsinnig traurig zu sehen wie die Städte und Orte verfallen und abgerissen werden, weil die Erwachsenen, die arbeiten können und wollen in den Westen ziehen und die Familie mit nehmen. Dabei sind Städte wie Leipzig, Halle an der Saale, Chemnitz,... und Orte wie Zittau, Cottbus, Bautzen,... wunder schön, es gibt nur kaum noch Einwohner dort.

nun, grade den größeren Städten gehts gut, sehr gut, Leipzig, Dresden etc.
Diese beiden Städte waren uns in eisenbahnwissenschaftlichler Hinsicht vor der Wende ein Begriff und sind es nach der Wende mehr denn je. In Subkultur auch sehr.
In sehr vielen kleineren Städten sieht man sehr deutlich, wo die Mittel des Aufbau-Ost gelandet sind. Das sind traumhafte Städte geworden.
Denkt mal an den Harz. 1990 konnte man ohne Navi sehen und riechen, ob man im West-Harz oder Ost-Harz sich aufhält. Heute kann man es sehen!
Wismar, Rostock, Greifswald - traumhaft. Letztere beiden Städte sind beliebt zum Studieren,
Leipzig & Dresden eh, s.o.
Die großen Städte sind nicht das Problem - die ländlichen Gegenden, ja und dort das Vertrauen der Bevölkerung, das seit den 30er Jahren in totalitären System unterdrückt wurden und in letzten 30 Jarhren ihre Identität sucht und nicht so recht mit der Demokratie zurecht kommt, die männliche ältere Bevölkerung.

--

Bei allem Respekt, Jan-Christian, aber Du bist zu jung, um davon ein realistisches Bild zu haben. Du kennst eher die, wie Du ja selbst schreibst, Hinterlassenschaften der Nationalsozialisten. Das ist aber kein Werk der Nationalsozialisten, sondern der Kapitalisten in der Nachkriegszeit.

..mit Verlaub, ekliger gehts kaum! zudem dermaßen abstoßend hochnäsig, was dieser Vorredner zurecht kritisiert hat!


gesamter Thread:

 RSS-Feed dieser Diskussion

powered by my little forum