Es gibt kein "Besser" und "Schlechter" sondern Unterschiede (Allgemeines Forum)

J-C, In meiner Welt, Sonntag, 02.06.2019, 01:16 (vor 2510 Tagen) @ ffz

Ja es gab auch gute Dinge in der DDR, aber ich würde die Nachteile dort trotzdem nicht in Kauf nehmen wollen.

Ich weiß, dass Plattenbauten so ziemlich überall existieren und die DDR halt nur mehr drum redet. Ja, ich find's lieb, wenn man etwa in der Gegend um Prag oder Berlin kunterbunte Hochhäuser sieht, die wenigstens keine so große Tristesse versprühen.

Aber das war nicht mein Punkt. Eher die Verschandelung der Landschaft. Die Industrie, bei der überdies Umweltschutz kaum eine Rolle spielte, was Berichte über verschmutzte Gewässer ganz gut darlegten, wurde an Orten angesiedelt, wo man eigentlich eine möglichst unberührte Landschaft will.

Wenn Fabriken mit ihren Schloten einfach so durch eigentlich herrliche Landschaften, ebenso wie Hochhäuser einfach drauf geklatscht werden, dann finde ich das traurig.

Ich meine, mir geht's nicht darum, wie verkommen manche Gegenden jetzt sind.

Ich war eigentlich sogar ganz gerne im Osten Deutschlands unterwegs. War in Schwerin, Rostock, Berlin, Erfurt, Leipzig. Das sind oft schöne Städte und man kann sich da wohl fühlen. Da hat sich auch einiges getan.

Eh, es gibt wirklich schöne Ecken drüben im Osten. Leider konnte ich bisher nicht Dresden besuchen, das muss ich unbedingt nachholen. Ja, ich habe damals in der Lounge in Leipzig eine Legida-Demonstration vom Fenster aus gesehen, wo ich erst dachte, besoffene Fußballfans wären spazieren.

Werde ich jetzt Leipzig als schlecht bezeichnen? Nein, ich sehe sowas grundsätzlich differenziert.

Und ich kann auch niemandem was abgewinnen, der bloß wegen der Existenz von politischen Gruppen eines bestimmten Milleus, denen ich jetzt keine so große Bühne bieten will, die Stadt aktiv meidet. Will man denen jetzt so viel Beachtung schenken? Ich glaube, das haben die nicht verdient.

Also um es noch mal klar zu machen, wie überall war alles nicht schlecht. Trotzdem halte ich daran, dass ein Leben in der DDR definitiv kein Wunsch eines freien Bürgers sein kann.

Ja, Geschmacklosigkeit kennt keine Grenzen, ja im Westen ist auch viel Unrecht geschehen, aber ich beneide keinen, der ein Leben in der DDR führte.

Auch wenn es oft eh nicht so schlimm ist, auch wenn man's überlebt hat... ich glaube keiner will Zustände wie in der DDR. Diese waren ja überhaupt erst dafür verantwortlich, dass sich der rechte Rand so durchsetzen konnte. Gepaart mit einer gewissen Unbeholfenheit in der Wiedervereinigung.

Und was auch eines meiner Hauptpunktr war, so toll dürfte das Bahnfahren in der DDR nicht gewesen sein. Was nützt dir ein dichtes Netz, wenn es größtenteils ramponiert und auf einem schwachen technischen Zustand ist?

Das wird man da vor allem dann nutzen, wenn man keine Alternative hat.

Da hat man nicht viel gewonnen.

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Umwege erweitern die Ortskenntnis ~ Kurt Tucholsky


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