DB hätte drei Möglichkeiten, ohne Pflanzengifte auszukommen (Allgemeines Forum)

Henrik, Dienstag, 28.05.2019, 18:56 (vor 2506 Tagen) @ michael_seelze

Es sollte auch ohne Glyphosat&Co gehen.

Großverbraucher Bahn

Wenn Felix Gerhardt über Glyphosat spricht, dann denkt er in ganz großen Dimensionen. Drei Tankwaggons braucht er allein, um das Wasser zum Verdünnen des Wirkstoffs im Einsatz zu transportieren. Denn Gerhardt beackert nicht irgendein Feld, sondern das gesamte Schienennetz der Deutschen Bahn, 33 500 Kilometer. „Glyphosat ist für uns der entscheidende Wirkstoff, um die Sicherheit im Schienenverkehr zu garantieren“, sagt Gerhardt.

Die Bahn verbraucht dafür 75 Tonnen Glyphosat im Jahr, das entspricht 0,4 Prozent der gesamten Menge in Deutschland und macht den Konzern zum größten Einzelverbraucher. Sie braucht den Wirkstoff in erster Linie um das „Schotterbett“ vor „Verkrautung“ zu schützen, wie es in bildhafter Bürokratensprache heißt. Konkret bedeutet das: Wenn sich Pflanzen mit ihren Wurzeln im Schotter breitmachen, geben sie diesem eine zusätzliche Festigkeit, die die Gleise daran hindert, sich zu bewegen – genau dafür aber ist das Schotterbett da.

In einem Bereich von knapp sieben Metern rings um die Bahntrasse wird daher gespritzt. Einmal im Jahr sendet der Konzern dafür spezielle Spritzzüge aus, auf alle Gleise des Landes. Der Glyphosat-Express besteht aus zwei Lokomotiven, drei Tankwagen, zwei Versorgungswagen und dem Applikationswagen, von dem aus gespritzt wird. Mit 40 Kilometern in der Stunde ist er unterwegs und in den normalen Fahrplan eingebunden.

Gerhardt selbst würde auf diese Touren gerne vermeiden. „Wenn es möglich wäre, würde ich am liebsten ganz ohne chemische Verfahren auskommen“ sagt der studierte Forstwirt, der seine Aufgabe als Verantwortlicher für „Vegetationsmanagement“ als Auftrag zum Umweltschutz interpretiert. Aber selbst Gerhardt sagt: „Ich sehe derzeit nicht, wie das ohne Auswirkungen auf Ökologie und Streckenverfügbarkeit möglich sein sollte. Wir suchen dennoch permanent nach alternativen Möglichkeiten.“

Die Deutsche Bahn hätte drei Möglichkeiten, ohne Pflanzengifte auszukommen, erklärt Gerhardt. Erstens, sie könnte die Pflanzen abfackeln. Diese Möglichkeit haben Landwirte auch, die unangenehmen Nebeneffekte liegen zum einen in der extrem schlechten Ökobilanz, zum anderen zerstört Hitze die Wurzeln nicht besonders nachhaltig, es müsste also deutlich öfter gefackelt werden, was die Ökobilanz noch weiter verschlechtert.

Eine andere Alternative wäre es, das Schotterbett selbst häufiger komplett zu reinigen. Bisher macht die Bahn das alle 25 Jahre, dann wäre es alle 10 bis 15 Jahre fällig. Gerhardt: „Das würde die Streckenverfügbarkeit aber wohl massiv beeinträchtigen.“ Das hieße: noch mehr Verspätungen, noch teurere Tickets.

Bliebe Variante drei, die Verwendung eines anderen Giftes. Da bricht bei Gerhardt wieder der Pflanzenfreund durch: „Das hieße: Wir ersetzen ein gut erforschtes Mittel durch ein wenig erforschtes Mittel, was unter Umständen noch viel mehr Nebenwirkungen hat.“

https://www.wiwo.de/technologie/umwelt/glyphosat-unangenehme-nebeneffekte/13540896-2.html


Feste Fahrbahn?

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Chemische Mittel nur im Gleisbereich

Direkt im Gleis, dort wo Pflanzen die Funktion des Schotterbetts beeinträchtigen können, setzt die DB speziell zugelassene Herbizide ein. Der Einsatz dieser Pflanzenschutzmittel erfolgt in enger Absprache mit den zuständigen Behörden und auch nur dort, wo es unbedingt erforderlich ist. Im Jahr 2017 wurde ein Wirkstoffmenge von 67 Tonnen (im Vorjahr: 70 Tonnen) eingesetzt - dies entspricht 1,2 kg/km Gleis und ungefähr 0,15 Prozent des Gesamtherbizidverbrauchs in Deutschland. Damit wurden bei einer Gleislänge von rund 60.500 km rund 93 Prozent der Gleise mit Herbiziden behandelt. Eingesetzt wurden die vom Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit speziell für den Gleisbereich zugelassenen Wirkstoffe Flazasulfuron, Flumioxazin und Glyphosat. Dabei stellen wir durch beauftragte Fachfirmen sicher, dass keine Wirkstoffe in angrenzende Flächen gelangen. Die Diskussionen zum Glyphosat verfolgen wir als Anwender intensiv. Ende 2017 wurde die Zulassung von Glyphosat durch die EU- Kommission um fünf Jahre verlängert.

Die Deutsche Bahn hält sich strikt an die Anwendungsvorschriften, ist jedoch derzeit auf die chemische Vegetationskontrolle angewiesen, da es alternative Verfahren für den Gleisbereich im Moment noch nicht gibt. Sie steht dazu im Austausch mit den entsprechenden Unternehmen.

https://www.deutschebahn.com/de/nachhaltigkeit/umweltvorreiter/aktuelle_umweltthemen/na...


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