Von korsischer Eisenbahn und russischem Nachtzug – 3/4 | 44B (Reiseberichte)

TD, Samstag, 20.04.2019, 18:36 (vor 2531 Tagen)

Hallo zusammen,

willkommen zum dritten Teil unserer kleinen Rundreise zwischen Korsika und Wien. Im zweiten Teil hatten wir das komplette Streckennetz der korsischen Eisenbahn zwischen Ajaccio, Calvi und Bastia befahren, heute verlassen wir Korsika.

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Tag 4: Bastia – Nizza – Colomars – Nizza – Cannes – Nizza – Nachtzug nach Innsbruck

Tja, ein bisschen schade ist es schon, dass wir Abschied nehmen müssen von Korsika – hier hätte man es durchaus länger aushalten können. Mit der Morgenfähre fahren wir wieder zum Festland, die Mega Express Four bringt uns nach Nizza.

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Die Entfernung von Korsika nach Frankreich ist mit 180 Kilometern wesentlich weiter als zum italienischen Festland. Fünfeinhalb Stunden dauert die Überfahrt, zunächst werfen wir einen letzten Blick von Bord auf Bastia, dann geht’s zum Frühstück ins Bordrestaurant, bevor wir es uns für die weitere Fahrt auf Sonnenliegen bequem machen.

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Die Fähre umrundet die Halbinsel Cap Corse im Norden Korsikas, vorgelagert die kleine Insel Giraglia mit ihrem charakteristischen Leuchtturm. Das kleinere Gebäude daneben ist ein Verteidigungsturm der damaligen Republik Genua aus dem Jahr 1584.

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Mit etwa 20 Minuten Verspätung erreicht die Fähre schließlich den Hafen von Nizza. Der Hafen liegt in fußläufiger Entfernung zur Altstadt – das macht das Ankommen sehr angenehm, wenn man nicht erst einen weiten Weg oder gar ein Busshuttle nutzen muss.

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So, jetzt sind wir also in Nizza – was nun? Der Übergang von der Nachmittagsfähre auf den Nachtzug war mir zu knapp, deshalb waren wir gleich am Morgen ist Bastia gestartet. Das bedeutet nun aber, dass wir über 8 Stunden in oder um Nizza zur freien Verfügung haben. Die einzige Bahnstrecke in der Region, die ich noch nicht kenne, ist die Verbindung von Cannes nach Grasse – doch die ist wegen Modernisierungsarbeiten während unseres Aufenthalts gesperrt. Tendabahn wäre vielleicht auch mal wieder reizvoll – aber auch dort Bauarbeiten. Als etwas unmotiviertes Nachmittagsprogramm gibt es dann halt eine Verlegenheitslösung.

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Vorbei am Monument aux morts, mit dem an die Opfer des Ersten Weltkriegs erinnert wird, laufen wir nun also...

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...zum Gare de Nice CP. Der Bahnhof ist Endbahnhof der meterspurigen Chemins de fer de Provence, die von Nizza nach Digne-les-Bains führt. Eigentlich kenne ich die Strecke des sogenannten Pinienzapfenzugs schon (zum Reisebericht), aber noch nicht alle Fahrzeugtypen.

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Neben den bekannten roten Doppeltriebwagen werden auf der Strecke im Vorort-Verkehr auch ältere Dieseltriebwagen eingesetzt, die noch dazu einen Bezug zu unserer Korsika-Reise haben. Der Triebwagen X 307 wurde 1975/76 gebaut und war bis 2009 auf Korsika bei den Chemins de fer de la Corse im Einsatz.

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Da ich die Strecke schon kenne und der Himmel zudem zuzieht, fahren wir nur ein kurzes Stück mit. Die Strecke führt zunächst durch das Stadtgebiet von Nizza, dann folgt sie dem breiten Tal des Flusses Var ins Hinterland.

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In Colomars La Manda verlassen wir den Zug und fahren wenig später wieder zurück nach Nizza. Bei der Rückfahrt nutzen wir einen „Fernzug“ aus Digne-les-Bains, hier wird einer der moderneren AMP 800 (Autorail métrique Provence) eingesetzt. Die Züge sind weitgehend baugleich zu den Fahrzeugen, mit denen wir auf Korsika unterwegs waren. Neben Korsika und in die Provence wurde die Fahrzeugfamilie auch nach Tunesien geliefert.

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Und so fahren wir durch die Vororte von Nizza wieder zurück ins Zentrum. Bis zur Abfahrt des Nachtzugs bleibt aber noch immer massig Zeit. Und so wechseln wir nach der Ankunft vom Bahnhof Gare de Nice CP zum Bahnhof der SNCF und schauen uns nach neuen Zielen um. Monaco kenne ich auch schon – aber Cannes ist für uns noch neu.

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Hier erwischen wir einen Régio2N. Die Gliederzüge gehören zur OMNEO-Produktplattform, seit 2014 sind die ersten Fahrzeuge dieses Typs in der Region Provence-Alpes-Côte d’Azur unterwegs. Nizza und Cannes liegen rund 30 Minuten voneinander entfernt, die Strecke führt teilweise direkt an den Stränden der Côte d’Azur entlang.

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So, nun drehen wir also eine Runde durch Cannes. Bekannt ist der Ort insbesondere durch die jährlich im Mai stattfindenden Internationalen Filmfestspiele. Rund 5.500 Hotelzimmer, davon 1.400 in Fünf-Sterne-Hotels, ziehen Touristen aus aller Welt an. Auf einem Hügel über der Stadt thront die Église Notre-Dame-d'Espérance aus dem 16. Jahrhundert.

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Der Bahnhof von Cannes war früher ebenfalls vom Luxus-Tourismus geprägt, bis zum Zweiten Weltkrieg war Cannes das Ziel vieler Luxuszüge wie des Riviera-Express aus Berlin oder dem Wien-Nizza-Cannes-Express. Bis 2007 fuhr auch der Luxus-Nachtzug Train Bleu von Calais nach Cannes. Auch auf uns wartet heute noch ein Luxus-Nachtzug, dazu müssen wir aber zunächst ganz banal mit einem Regionalverkehrszug wieder nach Nizza fahren.

Es geht gleich weiter...

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Von korsischer Eisenbahn und russischem Nachtzug – Fortsetz.

TD, Samstag, 20.04.2019, 18:38 (vor 2531 Tagen) @ TD

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Noch immer haben wir ausreichend Zeit übrig, so dass wir noch die Abendstimmung in Nizza einfangen können. Hier sind wir bei den Wasserspielen an der Promenade du Paillon, der Stadtpark wurde auf dem Gelände des ehemaligen Busbahnhofs errichtet.

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Unweit davon die Basilique Notre-Dame de Nice, die Kirche wurde zwischen 1864 und 1868 in einem besonders französischen Stil errichtet, um nach dem Anschluss der Grafschaft Nizza die Zugehörigkeit zu Frankreich zu betonen.

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Schließlich folgen wir den Straßenbahngleisen vom Place Masséna zum Bahnhof. Illuminierte Statuen auf hohen Masten des katalanischen Künstlers Jaume Plensa weisen den Weg, die insgesamt sieben knienden Männer sollen die sieben Kontinente symbolisieren.

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Auch der im Louis-trize-Stil gebaute Bahnhof soll architektonisch die Verbundenheit mit der Metropole Paris zum Ausdruck bringen. Der Gare de Nice-Ville liegt an der Bahnstrecke von Marseille zur französisch-italienischen Grenze bei Ventimiglia. Neben verschiedenen Fernverkehrsverbindungen und Regionalzügen gibt es einmal wöchentlich ein exotisches Reiseziel auf dem Abfahrtsanzeiger: Moscou.

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Der Langläufer-Nachtzug wird von der Russischen Bahn RŽD betrieben, er führt durch acht Länder und hat unterwegs so manchen Lokwechsel. Den Anfang macht eine französische Lok auf dem Abschnitt bis Ventimiglia. Die Wagenreihung ist etwas sonderbar, direkt nach der Lok Wagen 349, dann Wagen 350 usw. – unser Wagen 348 hingegen ist am Zugschluss.

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Der Moskau-Nizza-Express verbindet seit 2010 die Cote d' Azur mit der russischen Hauptstadt, er legt dabei rund 3.300 Kilometer zurück. Der Zug lässt die Tradition des Riviera-Espress wieder aufleben, der Luxuszug verband auf wechselnden Strecken Berlin und die Riviera.

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Der Zug ist gebildet aus russischen Schlafwagen, darunter auch einige Deluxe-Wagen. Wie im Eingangsposting erwähnt, war die Reise als Geburtstagstour konzipiert, und so habe ich uns mit einem Compartment in der Class „1A“ beschenkt. Die Luxusschlafwagen (WLSRmee) haben vier Abteile jeweils mit Dusche/WC und am Wagenende einen Barbereich.

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Die Provodnizas sprechen zwar verschiedene Sprachen, Deutsch oder Englisch sind allerdings nicht dabei, aber die Einweisung in das Abteil funktioniert auch so. Im Fahrpreis ist ein Frühstück inkludiert, aus dem polnischen Speisewagen kommt eigens ein Betreuer mit der Frühstückskarte. Das Gastro-Personal spricht Englisch, das macht die Kommunikation etwas einfacher. Von einem Besuch im Speisewagen rät man uns ab, schließlich ist der Speisewagen ziemlich weit weg am anderen Ende des Zugs. Stattdessen will man uns das Frühstück zur vereinbarten Zeit bringen – auch gut.

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Hinter der Tür im Abteil...

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...verbirgt sich das Badezimmer. Für die Fahrgäste liegen Hygienesets bereit mit allerlei RZD-Devotionalien. Im Badezimmer gibt es eine Fußbodenheizung und ein automatischer Lufterfrischer gibt regelmäßig seine Sprühstöße ab. Und die Dusche ist komfortabler als in so manchem Hotel auf unserer Reise.

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Die Blume in der Vase ist übrigens echt. Etwas ungewöhnlich finde ich, dass das bereitstehende Wasser zwei Euro kosten soll, denn in vielen anderen Schlafwagen gibt es ja häufig ein Gratisgetränk. Einen Makel hat der Schlafwagen – er steht falschherum. Und so müssen wir die Fahrt mit Blick auf die Lichter an der Küste auf dem Gang verbringen, oder aber die Zeit anders nutzen und einen Blick in die bereitliegende Mappe werfen.

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Etwas streng schaut er ja schon, der Herr Buhvalov. Noch ein Souvenir gefällig?

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Schließlich wird es Zeit, den Tisch zur Seite zu klappen und die breiten Betten zum Einsatz zu bringen. Der Zug fährt nun über Monaco, Genua, Mailand und Verona Richtung Brenner – dort setzen wir den Reisebericht in den nächsten Tagen mit Teil 4 fort.

Viele Grüße und frohe Ostern

Tobias

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Von korsischer Eisenbahn und russischem Nachtzug – Fortsetz.

ArbitroCollina, Sonntag, 21.04.2019, 13:44 (vor 2531 Tagen) @ TD

Vielen Dank auch hier wiedermal für den detaillierten Reisebericht.

Welche Sprachen sprechen die Provodniks und Provodnizas denn?

Konntest du erkennen wie gut gebucht der Zug war?

Gruss
Christian

Von korsischer Eisenbahn und russischem Nachtzug – Fortsetz.

JeDi, überall und nirgendwo, Montag, 22.04.2019, 13:04 (vor 2530 Tagen) @ ArbitroCollina

Welche Sprachen sprechen die Provodniks und Provodnizas denn?

Russisch immer, oft auch Ukrainisch, Tschechisch oder Polnisch. Letztens hatte ich sogar mal einen, der etwas Deutsch konnte.

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Weg mit dem 4744!

Von korsischer Eisenbahn und russischem Nachtzug – Fortsetz.

TD, Montag, 22.04.2019, 17:39 (vor 2529 Tagen) @ ArbitroCollina

Welche Sprachen sprechen die Provodniks und Provodnizas denn?

Uns hatte man neben Russisch noch Französisch und Italienisch angeboten.

Konntest du erkennen wie gut gebucht der Zug war?

In Nizza war der Andrang überschaubar, an den übrigen Bahnhöfen habe ich das nicht mitbekommen. In unserem Wagen waren bis Innsbruck zwei von vier Abteilen belegt.

Viele Grüße

Tobias

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