Mit dem Nachtzug nach Lissabon 5/7 | 60 B Fortsetzung (Reiseberichte)
...dann geht es hinab zum Fluss. Bevor der Transport des Weins auf die Schiene verlagert wurde, dienten Rabelo-Boote dem Transport der Weinfässer. Mit Hilfe der Strömung wurde der Wein flussabwärts transportiert, auf dem Rückweg wurden die Boote getreidelt. Heute werden die Barco Rabelo für Rundfahrten mit Touristen genutzt.
Irgendwie müssen wir die Zeit bis zur Abfahrt des nächsten Zugs ja nutzen – und es gibt Schlimmeres als eine Schiffsfahrt auf dem Douro. Von Pinhão fahren wir einige Kilometer flussaufwärts.
Immer parallel die Linha do Douro. Die Bahnstrecke ist die längste Bahnstrecke Portugals, die an einem Fluss entlangführt.
Im Gebiet Cima-Corgo rund um Pinhão wird etwa ein Drittel des Portweins hergestellt. Das Klima ist heiß und trocken, die Hänge sind steil, felsig und karg. Hier sind die berühmten Quintas (Weingüter) der Spitzenerzeuger angesiedelt.
Zurück in Pinhão wenden wir uns der nächsten Sehenswürdigkeit zu: dem Bahnhof. Der Bahnhof wurde 1880 eröffnet, zahlreiche Azulejos-Bilder machen die Station zu einem Schmuckstück. Am Bahnhof gab es einst ein großes Weinlager, auch die Fliesen zeigen Motive aus dem Weinbau der Region.
Für die Besichtigung des Bahnhofs sollte man sich durchaus Zeit nehmen, auch eine alte Motordraisine hat hier ein Plätzchen gefunden.
Im Vorfeld der Reise hatte ich gelesen, dass der hintere Abschnitt der Linha do Douro, den die Touri-Züge nicht befahren, eigentlich noch interessanter ist. Und so fahren wir nun mit einem Regionalzug weiter ins Douro-Tal hinein. Auf der Strecke verkehren Dieseltriebwagen der Série 592, die Breitspur-Fahrzeuge sind nur angemietet, sie gehören eigentlich der spanischen Renfe.
Und weiter geht es entlang des Flusses durch die Weinberge des Alto Douro. Der Douro ist knapp 900 Kilometer lang, hiervon liegen 213 Kilometer in Portugal.
Kurz vor dem Ort Tua mündet der gleichnamige Fluss in den Duoro. Hier fällt der Tua-Staudamm ins Auge, der Bau war einer der umstrittensten Staudämme in der Geschichte Portugals. Der Staudamm hat auch der Linha do Tua ein vorläufiges Ende gesetzt. Die Meterspurbahn führte einst von Tua nach Bragança, später blieb nur ein Inselbetrieb übrig. Mit dem Bau des Staudamms ist die Trasse in den Fluten des Stausees versunken. Wikipedia weiß jedoch von Plänen zu berichten, die Strecke mit einer Kombination aus Bus (vom Bahnhof Tua zur Staumauer), Schiff (auf dem Stausee) und dampflokbespannten Touristikzügen (vom Stausee bis Mirandela) wiederzubeleben.
Im weiteren Verlauf wechselt die Bahnstrecke das Ufer und für einen Abschnitt verengt sich das Flusstal und Felsen prägen das Flussufer.
Die Region um Freixo de Numão-Mós do Douro ist nicht nur für den Wein bekannt, sondern auch für bedeutende archäologische Funde.
Der Douro fließt nun durch eine große Schleife...
...die von der Bahnlinie auf direktem Wege abgekürzt wird.
Schließlich erreicht der Zug die Endstation Pocinho, 30 Kilometer vor der Grenze zu Spanien. Die Strecke führte früher weiter über die Grenze, 1985 stellte jedoch erst die spanische Bahn auf ihrem Teilstück den Verkehr ein und 1988 folgte die CP, da in der Folge auch auf dem portugiesischem Abschnitt bis zur Grenze die Fahrgäste ausblieben. Dabei wäre die Strecke bis heute die geradlinigste und schnellste Verbindung von Porto nach Spanien und Frankreich.
Pocinho ist eine kleine Siedlung an einer Talsperre des Douro, so arg viel mehr als den denkmalgeschützten Bahnhof gibt es hier nicht. Insofern verpassen wir auch nicht viel, wenn wir eine Dreiviertelstunde später mit dem gleichen Zug wieder zurückfahren.
Der Zug wurde hier um eine weitere Einheit verstärkt und in Dreifachtraktion geht es nun zurück nach Porto. Im Hintergrund sieht man die ebenfalls denkmalgeschützte Eisenbahnbrücke über den Douro der ehemaligen Schmalspurbahn Linha do Sabor.
Die Sitze sind durchaus bequem und auch praktisch, denn die Lehne lässt sich mit einem Handgriff umlegen, so entstehen flexible Sitzlandschaften und niemand muss rückwärts sitzen.
Wunderschön geht die Fahrt nun für zwei Stunden wieder zurück immer am Douro entlang. Aber keine Sorge, viel mehr Fluss-vor-dem-Zugfenster-Bilder gibt es jetzt nicht mehr.
Am Bahnhof von Tua sind einige alte Wagen abgestellt. Gehören die Wagen zur ehemaligen Meterspurbahn?
Der Zug füllt sich auf der abendlichen Rückfahrt ganz ordentlich, die Dreifachtraktion ist keinesfalls überdimensioniert. Auch geführte Gruppen nutzen den Zug zur Rückfahrt von Weinausflügen.
Und mit einem letzten Bild des Douro im Abendlicht beenden wir die Tour auf der Linha do Douro. Nur die letzten Kilometer der über 3-stündigen Fahrt sind dann etwas ermüdend, zumal es dann auch dunkel wird.
Den Tag lassen wir dann in Porto ausklingen, hier die Igreja de Santo Ildefonso. Die Fassade der Kirche ist mit Azulejos verziert.
Gut, nachdem wir heute den ganzen Tag an und auf dem Douro verbracht haben, wollen wir auch das letzte Bild des Teils des Reiseberichts diesem Fluss widmen.
In den nächsten Tagen folgt Teil 6, dann beginnen wir mit der Etappe Porto-Madrid die dreitägige Rückfahrt nach Hause.
Viele Grüße und ein schönes Wochenende
Tobias
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- Mit dem Nachtzug nach Lissabon 5/7 | 60 B Fortsetzung - JanZ, 23.02.2019, 18:52
- Muito obrigado! - ktmb, 23.02.2019, 19:02
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