Von Saint-Nicolas à Nancy bis Advent u Zagrebu – Fortsetzung (Reiseberichte)
Doch nun zurück an den Gare de Sarreguemines. Der Bahnhof wurde 1865 eröffnet, zeitweise war er ein bedeutender Eisenbahnknoten. Heute gibt es von hier aus noch Verbindungen in drei Richtungen, nämlich Metz, Straßburg und Saarbrücken, weitere Strecken wurden eingestellt.
Auf unserem Reiseplan steht nun ein Zug nach Sarre-Union (Saarunion). Der Zug fährt bis Kalhausen auf der Bahnstrecke nach Straßburg, dann befährt er den vor der Einstellung stehenden Streckenabschnitt bis Sarre-Union. Zum Einsatz kommt ein Dieseltriebwagen der Reihe SNCF X 76500.
Gut, die Strecke kann ich jetzt zwar abhaken – aber wirklich viel gesehen von der Strecke haben wir nicht. Nach der Überquerung des Saarkanals zweigt die acht Kilometer lange Verbindungsstrecke nach Sarralbe ab.
Am Bahnhof Sarralbe trifft die Verbindungsstrecke auf die Strecke Berthelming – Sarreguemines, diese ist aber bis auf kurze Abschnitte bereits stillgelegt. Die weitere Fahrt bis Sarre-Union verläuft in gemächlichem Tempo und es schaukelt ordentlich. Aufgrund des schlechten Streckenzustands wurde die Höchstgeschwindigkeit auf diesem Streckenabschnitt ab dem 22. Dezember 2018 auf 20 Stundenkilometer herabgesetzt und der Personenverkehr am selben Tag „vorübergehend“ auf Busverkehr umgestellt.
Es gibt zwar eine Petition zur Wiedereröffnung der Strecke, ob aber in absehbarer Zeit wieder ein Personenzug den Bahnhof von Sarre-Union erreichen wird und sich dieses Bild wiederholen lässt, bleibt fraglich.
Schauen wir uns noch kurz am Bahnhof um. Hier das Gleis aus Richtung Sarralbe, über das wir den Ort erreicht haben. Der Bahnhof wurde 1872 eröffnet als Durchgangsbahnhof an der Strecke von Berthelming nach Sarreguemines.
Nach der deutschen Annexion von Elsaß-Lothringen war der Bahnhof vorübergehend von der Deutschen Reichsbahn verwaltet worden, 1944 sprengten die Deutschen die Bahnstation. Das heutige Empfangsgebäude wurde 1963 errichtet.
Seit dem Jahr 2000 war Sarre-Union Endstation der Bahnstrecke, damals wurde der Personenverkehr nach Berthelming und Sarrebourg (Saarburg) eingestellt und durch einen Busverkehr ersetzt.
Die meisten Fahrgäste, die mit uns im Zug waren, sind Umsteiger und wollen weiter nach Sarrebourg, direkt am Bahnhof wartet schon der Bus. Und auch wir besteigen nun den Bus nach Sarrebourg.
Die Busfahrt über die Dörfer wäre ja ganz schön – wenn es nicht in Strömen regnen würde. Aber wenigstens sitzen wir im Trockenen.
Die Bahnstrecke Berthelming–Sarreguemines verläuft immer wieder in Sichtweite zur Straße, mehrfach quert der Bus auch die Gleise der stillgelegten Strecke. Die Strecke war ursprünglich sogar für den zweigleisigen Ausbau vorgesehen, die häufigen Wechsel aufgrund der Verschiebung der deutsch-französischen Grenze sowie später die Randlage zwischen den Regionen Lothringen und Elsass führte jedoch zum Niedergang der Verbindung.
Auf dieser Reise werden wir noch so einige französische Kleinstädte der Region Grand Est besuchen, hier sind wir also nun in der 12.000-Einwohner-Stadt Sarrebourg angekommen. 20 Skulpturen gibt es in der Stadt, hier „La Grande Matinée“ des Künstlers François Cacheux. Sie steht eigentlich in einem Brunnen, den man jedoch mit einer weihnachtlichen Deko überbaut hat. Nach einer Runde durch das Zentrum...
...kommen wir wieder am Bahnhof an. Der Bahnhof von Sarrebourg liegt an der Altstrecke von Straßburg nach Paris, heute verläuft der Fernverkehr auf der Schnellfahrtstrecke nördlich der Stadt. Einige Fernzüge halten weiterhin in Sarrebourg, ansonsten dominiert hier der Regionalverkehr.
Mit einem Regionalzug der Relation Straßburg-Nancy setzen wir unsere Reise fort. Zum Einsatz kommt ein Régiolis-Triebzug von TER Grand Est.
Eine Dreiviertelstunde dauert die Fahrt bis zu unserem heutigen Etappenziel Nancy. Die Strecke ist landschaftlich nicht herausragend, was aber auch am grauen Wetter liegen mag. Auf dem letzten Abschnitt folgt die Strecke dem Fluss Meurthe, in der Ferne sind die Türme der Basilika St. Nicolas du Port zu sehen.
Mit dem Eisenbahn-Teil sind wir damit für heute am Ende, wer möchte, kann jetzt den Nachmittag und Abend noch mit uns in Nancy verbringen.
Der heilige Nikolaus gilt als Schutzpatron Lothringens und so wird die Vorweihnachtszeit hier als großes Nikolausfest gefeiert. Der Lichterglanz wertet die ohnehin sehenswerte Innenstadt weiter auf, hier sind wir auf dem Weg zur Kathedrale.
Auch einen Weihnachtsmarkt gibt es in Nancy, hier Nikolausdorf genannt (Village de Saint-Nicolas). Überschaubar zwar, aber eigentlich ganz nett, nur der vin chaud (Glühwein) im Styroporbecher ist nicht ganz so stilvoll.
Weiter geht es zum Place Stanislas, der klassizistische Platz gehört zum UNESCO-Weltkulturerbe, er geht zurück auf Stanisław Leszczyński, dem Herzog von Lothringen und ehemaligen König von Polen.
Zum Nikolausfest gibt es die Möglichkeit, die Stadt per Riesenrad auch aus 33 Meter Höhe zu entdecken...
...das lassen wir uns nicht entgehen. Hier der Blick „nach hinten“ auf den Place de la Carrière und die Basilika Saint-Epvre.
Und hier der Triumphbogen Arc Héré, dahinter der Place Stanislas mit Weihnachtsbaum und Rathaus sowie die Kathedrale.
Allabendlich gibt es zudem die Videoprojektion „Les Rendez-vous de Saint-Nicolas“, die auf der Fassade des Rathauses eine Geschichte des Nikolauses erzählt.
Und damit sind wir nun am weihnachtlichen Ende dieses Teils des Reiseberichts angekommen. In den nächsten Tagen folgt Teil 2 mit der Rückfahrt von Nancy an den Bodensee, dann mit mehr Bahnbildern und weniger Weihnachtsbildern.
Für Kurzentschlossene: nach Sarre-Union ist der Zug wohl abgefahren, da spuckt der Fahrplan jetzt nur noch „Autocar“-Verbindungen aus, aber es gibt ja auch noch andere Bahnstrecken nach Nancy. Das Nikolaus-Dorf dort ist noch bis 30. Dezember, die Videoprojektion gibt es bis 6. Januar.
Viele Grüße
Tobias
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27.12.2018, 17:19
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27.12.2018, 17:21
- Merci - 462 001, 27.12.2018, 18:52
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27.12.2018, 17:21