NL: ab 2021 Flugsteuer, Chancen für die Bahn? (Allgemeines Forum)

Oscar (NL), Eindhoven (NL), Freitag, 07.12.2018, 15:48 (vor 2676 Tagen)

Hallo ICE-Fans,

2008 hatte unsere Regierung noch versucht, eine Flugsteuer einzuführen.
Das Ergebnis war allerdings nicht die Lösung sondern die Verschiebung eines Umweltproblems:

a. alle, die es sich leisten konnten und wollten, zahlten die Steuer (€ 3,80 inner-Europa und € 22 interkontinental) lachend und flogen somit keine Meile weniger.
b. alle, die es sich nicht leisten wollten, flogen in Deutschland und Belgien ab und durften summa summarum auch keine Meile weniger fliegen.

Da die Flughäfen im Ausland bei weitem nicht so gut per Bahn erreichbar sind als Schiphol Airport (und erst recht nicht von unserem Land), bedeutete das nebst Beibehalt aller Flüge auch noch zusätzliche Umweltbelastung durch Autofahrten NL-Auslandsflughafen.

Man würde denken, NL hat davon gelernt. Nope. Auch nu.nl berichtet.
Ab 2021 sollen Flüge ab/in die Niederlande mit 7 Euro besteuert werden, egal ob inner-Europa oder interkontinental.
Auch wenn man weiss dass Jan dadurch nicht weniger fliegen wird.
Auch wenn man weiss dass Jan vermutlich seinen Abflugort ins Ausland verschiebt.

Es wäre nett, wenn die eigefahrenen Moneten auch für Umweltschutz verwendet werden, aber bekanntlich sind kurzfristig erreichbare hohe Rendite wichtiger als nachhaltige, dafür dann aber niedrigere Rendite. Es ist also nicht zu erwarten, dass z.B. das Bahnangebot NL-DE ausgebaut wird.
Dann verbleibt bei uns nur noch die Idee, dass die Flugsteuer nur eine Massnahme ist, um Finanzdefizite der Regierung auszugleichen. Oh Ironie: diese Finanzdefizite werden von den bahnfahrenden Schiphol-Abflieger bezahlt, denn der autofahrende Möchtegernfluggast hat schon längst mit seinem Auto den Weg zum Auslandsflughafen gefunden und vermeidet also die Flugsteuer.
Kommt noch hinzu, dass diese Flugsteuer 2019-2020 eher mehr als weniger Flugverkehr verursacht, weil man die Städte, die man eigentlich 2021 besuchen möchte, jetzt schon 2020 oder 2019 besuchen wird.


gruß,

Oscar (NL).

--
Mit den neuen IC-Triebwagen wird alles besser !!

Trans-Europ-Express 2.0? Abwarten und TEE trinken!

Schienenstränge enden nicht an einer Staatsgrenze, sondern an einem Prellbock.

NL: ab 2021 Flugsteuer, Chancen für die Bahn?

thelasse, Utrecht(NL), Freitag, 07.12.2018, 16:00 (vor 2676 Tagen) @ Oscar (NL)
bearbeitet von thelasse, Freitag, 07.12.2018, 16:01


Man würde denken, NL hat davon gelernt. Nope. Auch nu.nl berichtet.
Ab 2021 sollen Flüge ab/in die Niederlande mit 7 Euro besteuert werden, egal ob inner-Europa oder interkontinental.
Auch wenn man weiss dass Jan dadurch nicht weniger fliegen wird.
Auch wenn man weiss dass Jan vermutlich seinen Abflugort ins Ausland verschiebt.

Ich wäre mir nicht so sicher ob Jan seinen Abflugort wirklich nach Weeze oder Düsseldorf verlagert. Den die Flugsteuer liegt soweit ich weiß in Deutschland teilweise deutlich über 7€.

Seit Anfang 2018 liegt die Steuer pro Fluggast bei

7,46 € für Kurzstrecke (innerhalb Europa inklusive Türkei & Russland)
23,31 € für Nordafrika,Naher Osten,Zentralasien
41,97 € für alle anderen Flüge

Für Interkontinentalflüge sollte Jan also eher von Schiphol oder Zaventem fliegen statt nach Deutschland auszuweichen.

NL: ab 2021 Flugsteuer, Chancen für die Bahn?

Oscar (NL), Eindhoven (NL), Freitag, 07.12.2018, 16:18 (vor 2676 Tagen) @ thelasse
bearbeitet von Oscar (NL), Freitag, 07.12.2018, 16:19

Hallo thelasse,

Ich wäre mir nicht so sicher ob Jan seinen Abflugort wirklich nach Weeze oder Düsseldorf verlagert. Den die Flugsteuer liegt soweit ich weiß in Deutschland teilweise deutlich über 7€.

Seit Anfang 2018 liegt die Steuer pro Fluggast bei

7,46 € für Kurzstrecke (innerhalb Europa inklusive Türkei & Russland)
23,31 € für Nordafrika,Naher Osten,Zentralasien
41,97 € für alle anderen Flüge

Habe das in der Tat hier gefunden.
Allerdings treffe ich im ICE International recht oft Niederländer, die via Frankfurt (FRA) fliegen. Zwar bezahlt man also mehr Steuer, aber summa summarum ist der Ticketpreis soviel weniger, dass Jan sich eine Hin- und Rückfahrt mit dem ICE International leisten kann. Zwei Amis die Los Angeles-Amsterdam reisten, sind auch via Frankfurt geflogen und haben soviel Geld ausgespart, dass die beiden 1. Klasse mit der Bahn nach Amsterdam verreist waren.

Vermutlich ist das Fluggastvolumen von Frankfurt um einiges grösser als Amsterdam.
Demzufolge können die Airlines mit grösseren Maschinen fliegen, so Flugkosten pro Pax sparen und das Ersparnis in den Ticketpreis verarbeiten.


gruß,

Oscar (NL), der sich jetzt über den Sinn eines Haltes des ICE International in Düsselflug (DUS) Gedanken macht.

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Schienenstränge enden nicht an einer Staatsgrenze, sondern an einem Prellbock.

Luftverkehrssteuer sinkt - Lobby kämpft für Abschaffung

Destear, Berlin, Freitag, 07.12.2018, 16:31 (vor 2676 Tagen) @ thelasse

Die Luftverkehrssteuer sinkt s.i.w. 2019 im Centbereich, weil eine Deckelung der Steuereinnahmen vereinbart ist. Die Luftverkehrslobby drängt übrigens massiv auf eine Abschaffung der Steuer, weil sie angeblich erhebliche Auswirkungen auf den Luftverkehr hat. Zum Vergleich werden dann immer die Niederlande herangezogen, wo es ohne Steuer ein stärkeres Wachstum gibt.

Luftverkehrssteuer sinkt - Lobby kämpft für Abschaffung

Fetz, Sonntag, 09.12.2018, 09:46 (vor 2674 Tagen) @ Destear

wie ist es bei den jetzigen Steuern überhaupt möglich Flüge für 1,99, 4,99 oder 9,99 Euro anzubieten, wie das z.Zt. massenhaft der Fall ist.
Muss die Fluggesellschaft in diesem Fall dennoch die Luftverkehrssteuer in voller Höhe entrichten?

Luftverkehrssteuer sinkt - Lobby kämpft für Abschaffung

Altmann, Sonntag, 09.12.2018, 10:00 (vor 2674 Tagen) @ Fetz

wie ist es bei den jetzigen Steuern überhaupt möglich Flüge für 1,99, 4,99 oder 9,99 Euro anzubieten, wie das z.Zt. massenhaft der Fall ist.
Muss die Fluggesellschaft in diesem Fall dennoch die Luftverkehrssteuer in voller Höhe entrichten?

Ja natürlich ... Diese Preise sind reine Lockartikel (und max. 10% der Sitze werden zu den beworbenen Preisen verkauft). Aber wenn der Kunde erst mal auf der HP der Airline gelandet ist (und im Hinterkopf den Billigpreis hat), dann bucht er wohl auch zu höheren Preisen.

Und nicht zu vergessen die "kleinen" Nebenkosten für Gepäck, Essen, reservierten Sitzplatz, Flughafen-Check-in, usw. ...

Luftverkehrssteuer sinkt - Lobby kämpft für Abschaffung

Henrik, Sonntag, 09.12.2018, 10:19 (vor 2674 Tagen) @ Altmann

wie ist es bei den jetzigen Steuern überhaupt möglich Flüge für 1,99, 4,99 oder 9,99 Euro anzubieten, wie das z.Zt. massenhaft der Fall ist.
Muss die Fluggesellschaft in diesem Fall dennoch die Luftverkehrssteuer in voller Höhe entrichten?

subventioniert bei den 1 Euro Tickets,
der negative Flugpreis in der Aufschlüsselung sieht immer witzig aus.
10 € ist dann aber wieder eher der Standardpreis.

Ja natürlich ... Diese Preise sind reine Lockartikel (und max. 10% der Sitze werden zu den beworbenen Preisen verkauft).

Nein, das können durchaus auch 30-70% sein.

Aber wenn der Kunde erst mal auf der HP der Airline gelandet ist (und im Hinterkopf den Billigpreis hat), dann bucht er wohl auch zu höheren Preisen.

das ist nicht das Geschäftsmodell, steht nicht dahinter.
Wer billig fliegen will, will das auch dauerhaft und macht er auch.

Und nicht zu vergessen die "kleinen" Nebenkosten für Gepäck, Essen, reservierten Sitzplatz, Flughafen-Check-in, usw. ...

Muss ja niemand in Anspruch nehmen.
Gepäck gibt bei Ryanair grade mal jeder neunte Fluggast auf (bis vor der jüngsten Änderung).

Luftverkehrssteuer sinkt - Lobby kämpft für Abschaffung

Altmann, Sonntag, 09.12.2018, 12:41 (vor 2674 Tagen) @ Henrik

Der Durchschnittspreis liegt bei Ryanair bei etwa € 80,- pro Passagier, exklusive zusätzlicher Gebühren.

http://www.reisereporter.de/artikel/4600-ryanair-easyjet-eurowings-studie-zeigt-billig-...

Luftverkehrssteuer sinkt - Lobby kämpft für Abschaffung

Destear, Berlin, Sonntag, 09.12.2018, 14:31 (vor 2674 Tagen) @ Altmann

Ändert ja aber nichts an der Ausgangssituation, dass es viele Flüge gibt, deren Preis die zu zahlende Luftverkehrsteurt nicht trägt. Wer gänzlich ohne jeden Zusatzservice fliegen will, wird das auch zum entsprechenden Preis tun können - genau so wie es Routen gibt, wo selten bis gar nicht billig geflogen wird, weil entweder Ryanair alleiniger Anbieter auf der Route ist oder die Nachfrage permanent hoch. Ich habe bei Ryanair und EasyJet schon alles zwischen 5 und 60 EUR pro Flug bezahlt, teils mit, teils ohne Gepäck o.ä.

Luftverkehrssteuer sinkt - Lobby kämpft für Abschaffung

Fetz, Sonntag, 09.12.2018, 15:53 (vor 2674 Tagen) @ Destear

wenn man sich aber durchklickt, bekommt man den Flug mit Handgepäck dennoch zum ausgeschriebenen Preis, man sitzt dann wo man eingeteilt wird, Essen und Trinken gibt es bei der Bahn auch nicht umsonst und mir fällt in letzter Zeit auf, dass die Leute ganz schön viel Handgepäck bei Ryan kostenlos mitnehmen.
Und die Freundlichkeit des Personals ist wirklich vorbildlich, bei der Bahn schwankt das deutlich stärker. Gut aber ich lenke jetzt fast vom Thema ab.

Luftverkehrssteuer sinkt - Lobby kämpft für Abschaffung

Henrik, Montag, 10.12.2018, 01:41 (vor 2674 Tagen) @ Altmann

Der Durchschnittspreis liegt bei Ryanair bei etwa € 80,- pro Passagier, exklusive zusätzlicher Gebühren.

http://www.reisereporter.de/artikel/4600-ryanair-easyjet-eurowings-studie-zeigt-billig-...

im Vorjahr bei 54 €.

Diese Preise sind m.E. mit den inkludierten Gepäckpreisen, exklusive den Zusatzgebühren (also ohne den zusätzlichen Gepäckgebühren).
Die steigenden Ölpreise werden als Begründung genannt und kamen der Bahn in diesem Jahr ja auch deutlich zu Gute (Wettbewerbssituation entspannter).
Bei Ryanair und auch bei Easyjet ist der Geschäftskunden-Anteil recht hoch im Vergleich zu WizzAir.
Gut daran zu erkennen, dass bei diesen beiden die Ticketpreise kurzfristig als auch an gewissen Tagen recht hoch sein können (siehe auch Ausführung von QYG).
Wenn Du an nicht-Deal-Tagen mal in die Billig-Flug Preise reingehst, und direkt bis in Flieger reingehst, also zur Sitzplatzreservierung, kannst Du durchaus auch feststellen, dass bei einem 20-Euro Billigangebot nur noch 30% Sitzplätze frei sind. Ryanair wird mit dem Flug keinen Verlust machen.

Das Geschäftsmodell dieser Billigairlines liegt hauptsächlich darin, die Kosten radikal niedrig zu halten.
Hauptsächlich im Wasserkopf, in der Verwaltung, in den oberen Strukturen, aber auch vor Ort, in den Flughäfen und im Flug.
Wer äußerst günstig fliegen will, der soll es nach deren Ansicht auch tun können und sie wollen es denen auch dauerhaft anbieten. Mit ihren Clubmitgliedschaften wird es ja nochmal günstiger.
Natürlich versuchen sie auch mit Zusatzleistungen Geld zu verdienen. Bei Ryanair entspricht das fast dem Gewinn. Auch dort setzen sie radikal auf Optimierung. Verdienen an Kooperationen mit booking.com oder auch Bustransfer etc. Sie feilschen extremst um jeden einzelnen Cent.


Der Wettbewerb ist sehr hart.
AirBerlin ist jüngst total gescheitert,
WowAir steckt tief in der Krise
Ryanair ist sehr gefestigt, erfolgreichste Airline Europas,
hatte aber auch gut zu kämpfen die letzten ..15 Monate. Die Mitarbeiter muckten auf und streikten.

https://www.travelbook.de/news/billig-airlines-krise

OT: Steuern/Gebühren im Luftverkehr

QYG, Sonntag, 09.12.2018, 22:11 (vor 2674 Tagen) @ Fetz

Hallo!

wie ist es bei den jetzigen Steuern überhaupt möglich Flüge für 1,99, 4,99 oder 9,99 Euro anzubieten, wie das z.Zt. massenhaft der Fall ist.

Auch wenn solche Preise durchaus aufgerufen werden - von massenhaft würde ich nicht sprechen; eher werden solche Preise ("Ich hab ein Schnäppchen gemacht!") massenhaft kommuniziert.

Andererseits brauchen LCCs wenig Umsatz pro Passagier um Gewinn einzufahren. Ryanair berichtet im letzten Geschäftshalbjahr von einem durchschnitlichen Fare-Preis von 39€ - gemeint dürfte nicht reiner Ticketpreis, sondern Revenue pro Sitzplatz sein, wie sich aus dem Vergleich mit den Zahlen von Easyjet ergibt (die im vorletzten Geschäftsjahr mit ca. 60€ Umsatz pro Sitzplatz).

Muss die Fluggesellschaft in diesem Fall dennoch die Luftverkehrssteuer in voller Höhe entrichten?

Nicht nur die Luftverkehrssteuer, sondern auch die Luftsicherheitsabgabe und den Teil der Flughafengebühren, die pro Passagier erhoben werden.

Mal als Beispiel: Ryanair ruft heute in einem Monat für Köln-Berlin bzw. Berlin-Köln einen reinen Flugpreis (nur kleines, nicht "normales" Handgepäck und keine freie Sitzplatzwahl) von jeweils 12,99€ auf (macht umsatzsteuerbereinigt 10,52€ "Gewinn").

An Luftverkehrssteuer werden dabei jeweils 7,46€/8,88€ fällig.
Ab Köln beträgt die Sicherheitsabgabe 6,10€/7,26€, ab Berlin 5,79€/6,89€.

In der Branche ist eigentlich üblich die Flughafengebühren pro Start zu berechnen, Köln splittet aber in Start- und Landegebühr. An Flughafengebühren fallen an: Von Köln nach Berlin 2,11€/2,76€ für Köln, von Berlin nach Köln 20,36€/25,01€ gesamt.

Bei diesen Tickets legt Ryanair also ab Köln 5,15€ und ab Berlin 23,09€ drauf. Viele Tickets sollte man zu diesem Preis nicht verkaufen. Morgen ist Ryanair ab Köln nach Berlin übrigens ausgebucht, ab übermorgen zahlt man für die nächsten Tage 218,07€/277,77€/277,77€/102,33€.

Grüße, QYG

Wien: Niemand fliegt ab BTS

Altmann, Freitag, 07.12.2018, 16:08 (vor 2676 Tagen) @ Oscar (NL)

Hier in Österreich gibt es ja auch eine Abflugsteuer (wenngleich diese ab 1.1. reduziert wird).

Der Flughafen Bratislava (87 km vom Wiener Stadtzentrum entfernt) hatte sich schon auf viele viele österreichische Kunden gefreut. Aber daraus wurde nichts, und mittlerweile gibt es keine einzige slowakische Linienfluggesellschaft mehr ...

Das liegt wohl an der mangelnden Eisenbahn-Anbindung (wie in Weeze), aber auch an der mangelnden Bereitschaft der Östereicher, wegen einiger weniger € so weit zu fahren.

Und so denke ich, dass auch die Auswirkungen in AMS überschaubar sein dürften ...

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