Über die Pfefferminzbahn zum Neusiedler See – 1/5 m 59 B (Reiseberichte)

TD, Dienstag, 24.07.2018, 18:35 (vor 2801 Tagen)

Hallo zusammen,

nachdem ich zuletzt einen kleinen Tagesausflug zum Rheinbähnle als Reisebericht eingestellt hatte, will ich nun beginnen, die größeren Sommerreisen aus dem letzten Jahr aufzubereiten. Den Anfang macht eine sechstägige Tour in nordöstlicher Richtung. Die Reise stellt ein ziemliches Sammelsurium an Zielen und Strecken im In- und Ausland dar, beispielhaft genannt seien die Bereisung der Pfefferminzbahn und die Umrundung des Neusiedler Sees. Gut, mit fast einem Jahr Verzögerung ist der Bericht nicht mehr ganz taufrisch, aber vielleicht interessiert sich trotzdem jemand dafür; sonst ist er ja auch schnell weggeklickt.

[image]

Der erste Reisetag führt uns von Konstanz über Kassel nach Magdeburg, am zweiten Tag geht es von dort aus zur Erkundung von Ilmtalbahn und Pfefferminzbahn nach Thüringen. Am dritten Tag stehen Cottbus, Jelenia Góra (Hirschberg) und Wrocław (Breslau) auf dem Programm, bevor wir dann an den Neusiedler See reisen. Am fünften Reisetag umrunden wir den Neusiedler See und fahren schließlich zurück an den Bodensee. Die erstklassige Tour fand im August 2017 statt, begleitet hatte mich mein Bruder.


Tag 1: Konstanz – Singen – Horb – Pforzheim – Karlsruhe – Kassel-Wilhelmshöhe – Kassel – Kassel-Wilhelmshöhe – Hannover – Magdeburg

Beginnen sollte die Tour in Konstanz mit einer Fahrt auf der Schwarzwaldbahn nach Karlsruhe und von dort mit dem ICE nordwärts. Drei Tage vor Reisebeginn hatte sich durch die Tunnelhavarie von Rastatt jedoch die Ausgangslage geändert. Die Frage war nun: SEV oder Ausweichstrecke? Und siehe da: die Fahrplanauskunft spuckt bei nur 20 Minuten früherer Busabfahrt zu Hause eine Alternativroute über Calw und Pforzheim aus, so dass ab Karlsruhe der ursprüngliche ICE zu erreichen ist. Und das war mir wichtig, denn mein Bruder wollte in Frankfurt mit getrennt gebuchter Fahrkarte zusteigen.

[image]

Und so geht es nun also mit dem Seehas von Konstanz am Ufer des Untersees nach Singen. Neben mir sitzen zwei Fahrgäste, die sich über ihre Urlaubserlebnisse austauschen, einer berichtet, dass er auf der Heimfahrt zwei Stunden im Stau gestanden habe, was der andere noch toppen kann, sein Flieger haben dreieinhalb Stunden Verspätung gehabt. Tja, da bin ich ja mal gespannt, was ich am Ende der Tour von meinem Verkehrsmittel Bahn zu berichten haben werde.

[image]

In Singen steht dann das erste Mal Umsteigen auf dem Plan, eine schweizerische Lok bringt den IC 284 aus Zürich nach Singen. Wegen Bauarbeiten verkehrt der Zug nur bis Horb, was die Fahrgastzahlen nicht gerade beflügelt.

[image]

[image]

Und so geht es nun recht entspannt auf der Gäubahn gen Norden, bei diesem Bild aus dem Tal der jungen Donau sage ich mir wieder: ich sollte auf Bahnreisen keine gestreiften Hemden mehr tragen.

[image]

In Horb verteilen sich die Fahrgäste des Intercitys auf den SEV sowie die Nagoldtalbahn nach Pforzheim und die Obere Neckarbahn nach Tübingen. Da ich nicht einschätzen kann, wie viele Fahrgäste ebenfalls auf die Idee mit der Alternativstrecke über die Nagoldtalbahn gekommen sind, beeile ich mich beim Umsteigen – aber die Sorge ist unbegründet, dar einteilige Regioshuttle reicht gut aus.

[image]

Auf den Gleisen der Gäubahn geht es nun aus dem Neckartal hinauf auf die Gäuhochebene, dann verlässt der Dieseltriebwagen bei Hochdorf die Gäubahn und wechselt auf die eingleisige und nicht elektrifizierte Nagoldtalbahn.

[image]

Die Landschaft vor dem Zugfenster geht nun vom Gäu in den Schwarzwald über. Hier erreichen wir gerade Calw im Nordschwarzwald. Heute reicht die Zeit leider nicht für einen Besuch in Calw – aber sobald die württembergische Schwarzwaldbahn von Calw bis Weil der Stadt als „Hermann-Hesse-Bahn“ wieder reaktiviert ist, ist ein Ausflug vorgemerkt.

[image]

Kurz darauf sind bei Hirsau die Schlossruine und die Überbleibsel des Klosters Hirsau zu sehen. Einst befand sich hier eines der bedeutendsten Klöster des Landes, es wurde im Pfälzischen Erbfolgekrieg 1692 zerstört.

[image]

Die Nagoldtalbahn ist landschaftlich reizvoll, auf weiten Abschnitten folgt sie dem Tal der Nagold, zahlreiche Brücken und Tunnel machen die Fahrt zu einem kurzweiligen Erlebnis – nur lässt sich das schwierig in Fotos einfangen, aber so ist das halt im dicht bewaldeten Schwarzwald.

[image]

Nach der Ankunft in Pforzheim ergibt sich die Möglichkeit, ein Außenbild des Regioshuttles nachzuholen...

[image]

...dann geht es gleich im nächsten Triebwagen weiter, diesmal elektrisch mit der BR 425. Etwas spartanisch geht es hier ja schon zu, im weiteren Reiseverlauf werden wir noch den Gegenentwurf der S-Bahn Mittelelbe kennenlernen.

[image]

Unspektakulär geht die Fahrt weiter durchs Pfinztal von Pforzheim nach Karlsruhe. Nach der Ankunft in Karlsruhe holen wir auch hier noch ein Außenbild nach...

[image]

[image]

...und dann geht es weiter im Fernverkehr. Der Plan ist aufgegangen, ab jetzt sind wir mit dem ICE 76 wieder im ursprünglichen Fahrtverlauf.

[image]

So ganz hat sich der Betrieb nach dem Streckenunterbruch in Rastatt jedoch nicht normalisiert. Der ICE ist zwar an Ort und Stelle – dafür mangelt es jedoch an Personal. Und so muss ich den Sitzplatz im Wagen 12 wieder verlassen, denn die Wagen 12 und 14 werden geräumt aufgrund der Sicherheitsvorschriften für die Tunnelstrecke. Als alle Fahrgäste mit etwas Murren in die anderen Wagen umgezogen sind, verlässt der Zug schließlich Karlsruhe mit einer Verspätung von 15 Minuten – und befährt dann prompt doch die Umleitungsstrecke, so dass die Fahrgäste schon bald wieder in die Wagen 12 und 14 zurück dürfen.

[image]

In Frankfurt steigt mein Bruder zu, dann geht es zu Füßen des Monte Kali auf der hessischen Kinzigtalbahn nach Fulda und weiter nordwärts auf die Schnellfahrtstrecke bis Kassel, wo wir einen Zwischenstopp eingeplant haben.

[image]

Warum ausgerechnet Kassel? Nun, ich kenne die Stadt noch nicht, die dortige RegioTram fehlt noch in meiner Sammlung und außerdem bietet es sich an, etwas documenta-Luft zu schnuppern.

[image]

Die RegioTram Kassel ist ein Zweisystem-Stadtbahnsystem nach dem Karlsruher Modell. Die Fahrzeuge befahren sowohl das Bahn- als auch das innerstädtische Straßenbahnnetz. Mit der Linie RT 5 fahren wir vom Bahnhof Kassel-Wilhelmshöhe bis zum Kasseler Hauptbahnhof und weiter auf Straßenbahngleisen ins Zentrum.

[image]

[image]

Vom Rathaus in Kassel...

[image]

...starten wir zu einem kleinen Rundgang der öffentlichen Ausstellungsorte der documenta. Die documenta versteht sich als Ausstellung für zeitgenössische Kunst, sie findet alle fünf Jahre statt und dauert jeweils 100 Tage. Hauptattraktion der documenta 14 war der „Parthenon der Bücher“, der Tempelnachbau ist gebildet aus verbotenen Büchern.

[image]

Der „Rahmenbau“ ist eine begehbare Plastik, die zur documenta 6 errichtet wurde und als Vorrichtung zur Blicklenkung dienen soll, sie zeigt den Vorgang des selektiven Sehens und der Funktion des Bilderrahmens. Alles klar?

[image]

Nach einem Abstecher zur Orangerie...

[image]

...machen wir uns auf den Weg zum Hauptbahnhof von Kassel. Auch hier hat die documenta Spuren hinterlassen, seit der documenta 9 ziert die Skulptur „Man walking to the sky“ den Bahnhofsvorplatz. Der Bahnhof wurde 1856 eröffnet, nach schweren Kriegsschäden erfolgte von 1952 bis 1960 ein moderner Wiederaufbau, wobei teilweise die historische Substanz beibehalten wurde.

[image]

[image]

Wir müssen nun wieder zurück zum Bahnhof Wilhelmshöhe – eine gute Gelegenheit, auch noch den Flirt von cantus kennenzulernen.

[image]

Es geht gleich weiter...

--
[image] "Fensterplatz, bitte." - Meine Bahnreiseberichte.de.| instagram.com/fensterplatz.bitte/


gesamter Thread:

 RSS-Feed dieser Diskussion

powered by my little forum