Frühling zwischen Südtirol und Aostatal 1/7 Fortsetzung (Reiseberichte)

TD, Samstag, 03.03.2018, 18:59 (vor 2943 Tagen) @ TD

Mit drei Minuten Verspätung kommen wir schließlich in Gossau an. Beim Aussteigen höre ich eine Ansage mit einer Verspätung des ECs und atme erstmal auf – bis ich genauer hinhöre und „unbestimmt verspätet“ wahrnehme. Der Folgezug wird mit einer Verspätung aufgrund eines liegengebliebenen Zugs angekündigt, da kann ich mir denken, dass das mit dem EC so schnell nichts wird.
Wollen wir unser Nachmittagsprogramm noch retten, muss jetzt Plan B her. Und der lautet: dann fahren wir halt im Regionalverkehr nach Bregenz.

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Eigentlich hatte ich mich ja auf eine gediegene Etappe von Gossau nach Bregenz im Panoramawagen gefreut, dazu eine Tasse Kaffee aus dem Speisewagen - aber jetzt müssen wir halt mit einem Regio-Dosto vorlieb nehmen.

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Mit dem Rheintal-Express geht es nun über St. Gallen wieder hinab an den Bodensee, hier ein Blick über die Streuobstwiesen im Bodensee-Hinterland.

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In St. Margrethen ist von dem verspäteten Eurocity noch nichts zu sehen, und so wählen wir für die Weiterfahrt die S-Bahn nach Bregenz. Ein Talent der ÖBB bringt uns über die schweizerisch-österreichische Grenze.

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Der Rhein ist hier Grenzfluss, die Fahrt durch Vorarlberg bis in die Landeshauptstadt dauert etwa eine Viertelstunde.

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Bis 1983 führte von Bregenz eine Schmalspurstrecke nach Bezau in den Bregenzerwald. Die Bregenzerwaldbahn ist heute weitgehend stillgelegt, nur das Teilstück Schwarzenberg-Bezau wird noch im Museumsverkehr als Inselbetrieb befahren. Und so steigen wir Bregenz in einen Bus nach Schwarzenberg.

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Ausnahmsweise gibt es nun halt Streckenbilder aus dem Busfenster, hier fahren wir durch Alberschwende, beim nächsten Bild dann ein Blick auf die Landschaft des Bregenzerwaldes.

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Hier können wir ein Relikt der ehemaligen Bahntrasse entdecken: das Egger Viadukt war mit 9 Bögen und einer Länge von 210 Metern das größte Bauwerk der Strecke, es dient heute als Radweg.

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Hier fahren wir schon durch das Zentrum von Schwarzenberg, wir bleiben aber noch etwas im Bus und fahren weiter bis zur Haltestelle „Bersbuch Kreisverkehr“...

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...denn die liegt unmittelbar am Bahnhof von Schwarzenberg. Der Bahnhof ist heue Endpunkt der Bregenzerwaldbahn. Die Schmalspurbahn wurde 1902 eröffnet, sie ist in der sogenannten Bosnischen Spurweite von 760 Millimetern ausgeführt. Die Bahnstrecke war gut 35 Kilometer lang, nach Unwetterschäden wurde die Strecke zwischen Bregenz und Schwarzenberg stillgelegt.

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Auf dem verbliebenen Teilstück zwischen Bregenz und Schwarzenberg bietet der Bregenzerwaldbahn-Museumsbahn Verein einen Museumsbetrieb an und vermarktet die Bahn als „Wälderbähnle“. Hier kommt der mit einer Diesellok bespannte Zug aus Bezau eingefahren, nach dem Umspannen sind wir bei der Rückfahrt als Fahrgäste an Bord.

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Die Strecke von Schwarzenberg nach Bezau ist fünf Kilometer lang, die Fahrt dauert 20 Minuten. Die Strecke führt durch das Tal der Bregenzerach und quert den Fluss zwei Mal.

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Die Wälderbahn wird auch in einem Volkslied besungen, hier ein kleiner Eindruck vom Wälderdialekt:

Fahr mr no a kläle, fahr mr no a kläle mit 'm Wälder Isabähle,
O Susanna, o Marianna, ist das Leben doch so schön,
Heb di fescht am Bänkle, heb di fescht am Bänkle, 's Wälderbähle macht a Ränkle...

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Bei der Fahrt durch die Ebene nach Bezau ist in der Ferne die Kanisfluh zu sehen, das gut 2000 Meter hohe Bergmassiv gilt als Wahrzeichen des Bregenzerwalds.

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Und hier sind wir auch schon an der Endstation angekommen, wie auch in Schwarzenberg gibt es in Bezau ein schmuckes Bahnhofsgebäude. Der 2.000-Einwohner-Ort ist der Hauptort des Bregenzerwalds, zu den Sehenswürdigkeiten des Orts gehört die Pfarrkirche St. Jodok.

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Schließlich fahren wir von Bezau mit dem Bus zurück nach Bregenz. Hier der Blick aus dem Busfenster auf die Kastenbrücke des Wälderbähnles über die Bregenzerach, über die wir kurz zuvor mit dem Zug gefahren waren.

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Noch schöner als die Busfahrt durch den Bregenzerwald wäre bestimmt eine Bahnfahrt auf der Trasse der Bregenzerwaldbahn durch das enge und wildromantische Tal der Bregenzerach gewesen – aber diese Kapitel der Bahn ist wohl endgültig Geschichte. Stattdessen wurde 2016 eine Projektidee für eine neue Wälderbahn vorgestellt, die den Bregenzerwald von Dornbirn aus mit einem „City Cable Car“ als Kombination aus Seilbahn und Schienenfahrzeug erschließen soll.

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So, hier ist der Bus wieder in Bregenz angekommen und unser Ausflug in den Bregenzerwald damit beendet. Ich denke, den „Bonustag“ haben wir doch ganz erfolgreich ausgefüllt.

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Zum Abschluss genießen wir die Abendsonne am Bodensee – und im Gegensatz zu meiner Heimatstadt Konstanz ist es ein neues Erlebnis, wenn die Sonne mal über dem See untergeht.

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Und damit sind wir auch am Ende des ersten Teils angekommen. In den nächsten Tagen folgt Teil 2 mit der Fahrt von Bregenz über Arlberg und Brenner nach Südtirol zur Rittner Bahn.

Viele Grüße und einen schönen Sonntag

Tobias

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[image] "Fensterplatz, bitte." - Meine Bahnreiseberichte.de.| instagram.com/fensterplatz.bitte/


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