Advent zwischen Thüringer Wald und Franken [3/3 m 59 B] (Reiseberichte)
Hallo zusammen,
willkommen zum letzten Teil unserer weihnachtlich-winterlichen Rundreise zwischen Thüringer Wald und Franken. Im zweiten Teil waren wir von Erfurt über die Schnellfahrstrecke nach Bamberg gefahren und hatten einen Ausflug ins Thüringer Schiefergebirge nach Neuhaus am Rennweg und Lauscha unternommen.
![[image]](http://www.bahnreiseberichte.de/084-Thueringerwald-Franken/84-000Karte.jpg)
Wir schreiben noch immer den zweiten Reisetag, es ist der Sonntag des Fahrplanwechsels. Wir waren zuletzt von Lauscha nach Sonneberg gefahren, hier setzen wir den Bericht nun fort.
Für die Weiterfahrt nutzen wir diesmal den „alten“ Franken-Thüringen-Express, der weiterhin über Lichtenfels und nicht über die Neubaustrecke verkehrt. Allerdings wollen zunächst nur bis Coburg fahren, da macht das ohnehin keinen Unterschied, außer beim Fahrzeugeinsatz, denn hier verkehren Talent 2.
In Coburg war ich auch noch nie – und so legen wir einen Zwischenstopp in der ehemaligen Residenzstadt ein. Coburg hat eine sehenswerte Altstadt, die von Toren und Türmen der ehemaligen Stadtbefestigung umgeben ist, hier das Spitaltor aus dem 13. Jahrhundert.
Auf dem Marktplatz findet der Weihnachtsmarkt statt, im Hintergrund der Turm der Morizkirche, deren Ursprünge auf eine romanische Basilika zurückgehen.
Der Marktplatz ist umgeben von repräsentativen Bauten, hier das Stadthaus. Der Renaissancebau diente als Staats- und Verwaltungsbau der Landesregierung...
...während sich gegenüber auf der Südseite des Platzes das Rathaus befindet. Auf dem Giebel steht eine Skulptur des Schutzpatrons der Stadt, des heiligen Mauritius. Im Volksmund heißt die Figur allerdings Bratwurstmännle, da der Marschallstab der Figur das Normalmaß der Coburg Bratwurst darstellen soll. Ich bin ja etwas irritiert: hat man etwa anlässlich unseres Besuchs die baden-württembergische Landesflagge gehisst?
Vorbei am Judentor, ebenfalls Teil der früheren Stadtbefestigung...
...geht es nun zurück an den Bahnhof. Der Bahnhof wurde 1858 eröffnet, damals als Teil der Werrabahn von Eisenach nach Lichtenfels, die seit 1945 jedoch zwischen Eisfeld und Coburg unterbrochen ist. Mit dem Bau der Schnellfahrstrecke Ebensfeld-Erfurt und dem ICE-Halt in Coburg wurde die Reaktivierung der Verbindung wieder diskutiert.
Am Bahnhof von Coburg gibt es an dem Tag Feierlichkeiten anlässlich der Aufnahme des ICE-Verkehrs. Es gibt Ansprachen, eine Musikkapelle marschiert am Bahnsteig auf und der Oberbürgermeister möchte mit dem ersten ICE nach Berlin fahren. Ein bisschen peinlich ist es ja schon - aber just dieser ICE fällt aus. Die Pressevertreter filmen den Lauftext „fällt aus“ auf den Anzeigetafeln und die Ehrengäste verzichten auf die Fahrt nach Berlin. Nur drei Tage später wird jedoch tatsächlich hier ein Nachmittags-ICE in Richtung Berlin abfahren.
Aber gut, auch der neue, schnelle Franken-Thüringen-Express ist eines Begrüßungszeremoniells würdig. Während die Musikkapelle noch aufspielt...
...suchen wir uns ein trockenes und warmes Plätzchen. Auch in Coburg gab es Give-aways der Bahn, diesmal aber von Regio Bayern.
Von der Fahrt auf der Neubaustrecke habe ich aufgrund des Schneegestöbers nur noch ein Alibibild...
...dann sind wir schon in Bamberg angekommen. Wen die Städte- und Weihnachtsmarktbilder schon nerven, der scrolle fünf Bilder weiter, alle anderen können jetzt noch mitkommen in die Altstadt.
Die Altstadt von Bamberg mit ihrem historischen Stadtkern gehört seit 1993 zum UNESCO-Weltkulturerbe. Wir drehen zunächst eine Runde über den Weihnachtsmarkt auf dem Maximiliansplatz...
...dann steht das Alte Rathaus auf unserem Besichtigungsprogramm. Das Wahrzeichen der Stadt ist bekannt für seine Fassadenmalerei sowie für seinen ungewöhnlichen Standort.
Denn das Rathaus wurde in den Fluss Regnitz gebaut. Der Sage nach wollte der Bischof von Bamberg den Bürgern keinen Platz für den Bau eines Rathauses geben, so dass sie auf die listige Idee kamen, eine künstliche Insel zu schaffen und dort das Rathaus zu erbauen.
Ein weiteres Wahrzeichen ist der Bamberger Dom, der mit seinen vier Türmen die Altstadt beherrscht. Rechts neben dem Kaiserdom die bischöfliche Hofhaltung aus dem 15. Jahrhundert.
Nach diesem winterlichen Stadtrundgang begleite ich meinen Bruder noch zum Bahnhof, denn er muss heute schon nach Mainz fahren, während ich erst am nächsten Tag nach Hause reise.
Tag 3: Bamberg – Nürnberg – Schwabach – Nürnberg – Ansbach – Stuttgart – Konstanz
Ich habe vor wenigen Tagen einen Weihnachtsgruß bekommen mit einem Zug-Foto bei Regenwetter und dem Sinnspruch „Wer nur bei Sonnenschein reist, kommt nie ans Ziel.“. An diesen Spruch muss ich jetzt wieder denken, denn über Nacht ist es wärmer geworden und der schöne Schnee ist Regen gewichen. Von daher kann ich Euch jetzt keine romantischen Winterbilder mehr liefern, stattdessen gibt es heute Schmuddelwetter, aber da müssen wir jetzt halt durch.
Der Bahnhof Bamberg wurde 1844 von den Königlich Bayerischen Staatseisenbahnen in Betrieb genommen, damals als Endbahnhof der Strecke aus Nürnberg. Er liegt am Rande des Stadtzentrums, bis zur Einstellung des Straßenbahnbetriebs 1922 war er auch an dessen Netz angebunden.
Die Fahrt von Bamberg noch Konstanz dauert je nach Verbindung zwischen 5 und 7 Stunden. Gesetzt war zunächst nur der neue nach Konstanz durchgebundene IC2 auf der Gäubahn, bei der weiteren Planung war ich auf die Idee gekommen, noch die x-Wagen in Nürnberg zu besuchen und einen Zwischenstopp in Ansbach einzulegen. Und so geht es nun zunächst mit dem „neuen“ Franken-Thüringen-Express von Bamberg nach Nürnberg, gleich quert der Zug die Regnitz.
Da mir die x-Wagen bisher noch in meiner Sammlung fehlen, bietet sich heute die Gelegenheit, bei einer Mitfahrt auf der S 2 diese Lücke zu schließen. Voraussichtlich noch bis Dezember 2018 sind bei der S-Bahn Nürnberg lokbespannte Züge anzutreffen, dann sollen die x-Wagen neuen Coradia-Continental-Triebzügen weichen. Ich habe mich für eine Fahrt nach Schwabach entschieden.
Nach knapp zwanzig Minuten ist die mittelfränkische 40.000-Einwohner-Stadt erreicht, hier das Rathaus, dahinter der Turm der spätgotischen Stadtkirche aus dem 15. Jahrhundert.
Beim Blick über den Marktplatz leuchtet ein Türmchen am Rathaus mit blattvergoldeten Ziegeln. Schwabach nennt sich auch Goldschlägerstadt, noch heute gibt es in der Stadt Betriebe, die das fast ausgestorbene Handwerk der Goldschläger ausüben. Blattgold aus Schwabach schmückt weltweit Sehenswürdigkeiten, vom Buckingham Palace über die Berliner Siegessäule bis hin zu Palastkuppeln in den Emiraten.
Schwabach liegt an der Bahnstrecke Nürnberg-Augsburg, seit 1849 ist die Stadt an das Bahnnetz angebunden, mit der S 2 fahre ich nun zurück.
Es geht gleich weiter...
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