Advent zwischen Thüringer Wald und Franken [2/3 m 49 B] (Reiseberichte)
Hallo zusammen,
willkommen zum zweiten Teil unserer weihnachtlich-winterlichen Rundreise zwischen Thüringer Wald und Franken. Im ersten Teil waren wir vom Bodensee nach Erfurt gefahren und hatten unterwegs den Bahnhof Oberhof an seinem letzten Betriebstag besucht.
![[image]](http://www.bahnreiseberichte.de/084-Thueringerwald-Franken/84-000Karte.jpg)
Wir sind nun in Erfurt und setzen den Reisebericht hier fort, wir schreiben Sonntag den 10. Dezember, es ist der erste Tag des neuen Fahrplanjahres und der Betriebsaufnahme der Schnellfahrtstrecke von Erfurt nach Bamberg.
Tag 2: Erfurt – Bamberg – Sonneberg – Neuhaus am Rennweg – Lauscha – Sonneberg – Coburg - Bamberg
Wie so oft haben sich mir bei der Reiseplanung wieder verlockende Ziele und interessante Strecken aufgetan, so dass sich ein gut gefülltes Tagesprogramm ergeben hat. Um 8:31 Uhr startet der erste Zug, da heißt es zeitig aufstehen, wollen wir doch das Frühstücksbüffet im Hotel nicht ungenutzt lassen.
Zunächst werfen wir noch einen morgendlichen Blick über die Dächer von Erfurt, rechts die Kaufmannskirche am Anger.
Dann machen wir uns auf den Weg zum Erfurter Hauptbahnhof. Der Weihnachtsbaum in der Empfangshalle spielt heute nur eine untergeordnete Rolle,...
...denn der Bahnhof steht ganz im Zeichen der Eröffnung des Verkehrsprojekts Deutsche Einheit Nr. 8 (VDE 8). Mit der Fertigstellung des letzten Bauabschnitts Ebensfeld-Erfurt verkürzt sich die Fahrzeit zwischen Berlin und München auf vier bis viereinhalb Stunden. Vor einer Fotowand kann man Erinnerungen an den großen Tag schießen lassen, zudem gibt es weitere Infostände und Aktionen.
„Direkter von A nach B“ – das ist doch wenigstens mal eine konkrete Aussage!
Wenn ich es richtig gesehen habe, ist der ICE 1505 der erste planmäßige Zug von Erfurt nach Bamberg. Und so starten wir nun mit einem ICE-T zu unserer persönlichen Prämierenfahrt auf der Schnellfahrstrecke. Der Zug ist gut gefüllt, schon vorab war ein Hinweis auf ein hohes Reisendenaufkommen vermerkt, auch in der ersten Klasse sind nahezu alle Plätze besetzt. Ich entdecke unter den Fahrgästen einen aus den Medien bekannten Pro Bahn-Funktionär, darüber hinaus scheint ein nicht unwesentlicher Anteil der Fahrgäste Eröffnungspublikum zu sein – da will ich uns gar nicht ausnehmen.
1991 beschloss die Bundesregierung 17 Verkehrsprojekte Deutsche Einheit, darunter auch eine Aus- und Neubaustrecke Nürnberg-Berlin. Nur 26 Jahre später rauschen wir nun auf der neuen Trasse durch den Thüringer Wald. Die Neubaustrecke Ebensfeld-Erfurt (VDE 8.1) ist 107 Kilometer lang, sie besteht zur Hälfte der Streckenlänge aus Ingenieurbauwerken wie Tunnel und Brücken.
Während die Betriebsaufnahme von Problemen und Störungen überschattet war und in der Presse in einem schlechten Licht erschien, kann ich nicht klagen, unser Zug ist absolut pünktlich. Soweit ich die Geschwindigkeitsanzeigen im Zug im Blick habe, ist der Zug selten schneller als 200 Stundenkilometer unterwegs. Ich schaue aber nicht ständig auf das Display, sondern auch aus dem Fenster, so wie hier bei der Fahrt auf der Talbrücke Froschgrundsee, mit 798 Metern ist sie die längste Eisenbahn-Bogenbrücke Europas. Auch das Gewässer ist nicht uninteressant, es wurde als Hochwasserrückhaltebecken gebaut und war ein „innerdeutsches Modellprojekt“, denn es ragte bei Hochwasseraufstauung zu einem Drittel in die damalige DDR.
Nach einer Fahrzeit von knapp 45 Minuten verlassen wir in Bamberg den Zug. In Bamberg wartet zwar ein Hotelzimmer, aber wir haben ja erst Vormittag, da wollen wir den Tag noch ausnutzen und einen Ausflug ins Thüringer Schiefergebirge anhängen. Und so bleiben wir im Bahnhof und warten hier auf den Zug nach Sonneberg. Auch in Bamberg gibt es wieder eine Fotowand, hier natürlich mit anderem Städtemotiv. Und auch einen Infostand mit Werbematerial und Give-aways gibt es.
Die Verbindung von Bamberg nach Sonneberg hat durch den Fahrplanwechsel ebenfalls Neuerungen erfahren, denn es gibt jetzt einen Regionalexpress, der im Zwei-Stunden-Takt Nürnberg und Sonneberg verbindet und dabei die Schnellfahrstrecke befährt, zum Einsatz kommen Doppelstockwagen.
So, dann schauen wir mal, was wir schon alles an Fanartikeln ergattern konnten. Es gibt eine Broschüre, eine Zeitungsbeilage und eine Frühstücksbox. Bitte nicht falsch verstehen: ich freue mich über die Box und finde es gut, dass sich die Bahn für ein praktisches Werbegeschenk entschieden hat, das man im Alltag auch wirklich brauchen kann. Aber trotzdem treibt mich die Frage um, ob sich der Einkäufer aus der Werbemittelabteilung über die Aussage und Assoziationen zu einer Vesperdose Gedanken gemacht hat. Soll man besser Proviant einpacken, falls die Bahnfahrt wieder länger dauert? Oder soll man sich vielmehr nicht auf die Bordgastronomie verlassen? Hmm...?
Wir fahren unterdessen auf der Schnellfahrstrecke nach Norden, in der Ferne erhebt sich der Staffelberg aus dem Obermaintal.
Über die Verbindungskurve Niederfüllbach verlässt der Zug die Schnellfahrstrecke und unterquert anschließend mit dem Tunnel Füllbach die Neubaustrecke.
Kurz darauf ist die über einen Kilometer lange Füllbachtalbrücke zu sehen, über die die Schnellfahrstrecke weiter nach Erfurt führt.
In Coburg steht der Zug planmäßig 13 Minuten, dann geht die Fahrt weiter nach Sonneberg. Zwischen Neustadt und Sonneberg queren wir die Grenze zwischen Bayern und Thüringen, in der Ferne sind die Ausläufer des Thüringer Schiefergebirges zu sehen.
Nach der Ankunft in Sonneberg holen wir noch ein Bild des Zugs nach, die schnellen RE zwischen Nürnberg und Sonneberg werden mit angemieteten Vectron-Loks als Sandwich gefahren. Rechts der Turm des neoklassizistischen Rathauses von Sonneberg.
Die Übergangszeit recht noch für eine kleine Runde um den Hauptbahnhof von Sonneberg...
...dann geht es weiter mit einem Regioshuttle der Süd-Thüringen-Bahn. Mit der STB-Linie 4 wollen wir in das Thüringer Schiefergebirge bis zur Endstation Neuhaus am Rennweg fahren.
Der erste Streckenabschnitt von Sonneberg bis Lauscha ist auch als Steinachtalbahn bekannt, die Bahnstrecke führt durch das enge Tal der Steinach und gewinnt dabei schon deutlich an Höhe.
Nach einer halben Stunde Fahrzeit ist der Spitzkehrenbahnhof von Lauscha erreicht. Ort und Bahnhof wollen wir uns auf der Rückfahrt anschauen, wir bleiben zunächst im Zug, wechseln aber die Plätze, um die Fahrt wieder in Fahrtrichtung genießen zu können, denn hier oben erwartet uns ein wahres Winter-Wunderland.
Die Strecke ist nicht nur landschaftlich wunderschön, sondern auch betrieblich kurios, denn in Ernstthal heißt es schon wieder Umsitzen, hier gibt es den nächsten Fahrtrichtungswechsel. Zwei Spitzkehren auf einer Strecke von knapp 30 Kilometern sind schon ungewöhnlich, aber mit den Regioshuttles und ihren kurzen Wendezeiten kein Problem.
Schließlich erreichen wir die Endstation Neuhaus am Rennweg. Mit 830 Metern über dem Meer ist der Bahnhof Neuhaus der höchstgelegene Bahnhof in Thüringen und einer der höchstgelegenen Regelspurbahnhöfe in Deutschland.
Es geht gleich weiter...
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Advent zwischen Thüringer Wald und Franken - Fortsetzung
Hier oben im Thüringer Schiefergebirge unmittelbar am Rennsteig, der hier Rennweg genannt wird, herrscht tiefster Winter. Die Kleinstadt mit knapp 7.000 Einwohnern war einst die höchstgelegene Kreisstadt der DDR, sie ist für ein raues Klima und schneereiche Winter bekannt.
Zu den Sehenswürdigkeiten von Neuhaus gehört die Stadtkirche aus dem Jahr 1892, sie gilt als eine der größten Holzkirchen in Thüringen.
Doch nun zurück an den Bahnhof. 1913 wurde von Ernstthal an der Bahnstrecke Sonneberg-Probstzella eine Stichstrecke nach Neuhaus eröffnet. 1968 wurde der Personenverkehr eingestellt - aber immerhin gab es bis 1993 noch einen Fahrkartenschalter.
Nach fast 35 Jahren wurde 2002 der Betrieb auf der Strecke wieder aufgenommen, seither verkehrt die Süd-Thüringen-Bahn mit Regioshuttles im Stundentakt. Wir treten nun die Rückfahrt an.
Nach wenigen Minuten ist Ernstthal mit der Spitzkehre erreicht, hier der Blick auf die Strecke hinab nach Lauscha, die wir gleich befahren werden.
Der Bahnhof Ernstthal am Rennsteig wurde 1913 errichtet an der Strecke Sonneberg-Probstzella. Der Verkehr auf dem Streckenabschnitt von Ernstthal nach Probstzella ist jedoch seit 1997 eingestellt, so dass der Bahnhof heute praktisch ein Spitzkehrbahnhof ist.
Von Oberlauscha führt die Strecke in einem weiten Bogen ins Tal und umrundet dabei einen Berg fast vollständig, dann erreicht die Bahn den Kopfbahnhof von Lauscha.
Diesmal legen wir in Lauscha einen Zwischenstopp ein. Den Besucher erwartet ein repräsentatives Empfangsgebäude, das zwischen 1912 und 1914 im Heimatstil erbaut wurde.
Lauscha ist ein kleiner Ort mit rund dreieinhalbtausend Einwohnern, der überregional für sein Glasbläserhandwerk bekannt ist. 1597 wurde der Ort durch den Bau einer Glashütte gegründet, die zur Mutterglashütte der Glasproduktion im Thüringer Wald wurde. Lauscha gilt zudem als Geburtsstadt des gläsernen Christbaum- und Weihnachtsschmucks. Vielleicht hat auch jemand das Buch „Die Glasbläserin“ gelesen oder die Verfilmung gesehen, die vor wenigen Tagen im Fernsehen lief und die Geschichte eine Glasbläsertochter aus Lauscha erzählt.
Mit der Wende kam es in Lauscha zu einer Rückbesinnung auf die Herstellung von Glasschmuck in traditioneller Handwerkskunst mit den alten Verfahren und Werkzeugen. Noch heute ist Lauscha von der Glasindustrie, der Farbglashütte und der Weiterverarbeitung in Heimindustrie geprägt.
An den ersten beiden Adventswochenenden findet in Lauscha der traditionelle Kugelmarkt statt, der ganz im Zeichen des gläsernen Weihnachtsschmucks steht.
Bei Schneegestöber einen Weihnachtsmarkt in der Geburtsstätte des gläsernen Christbaumschmucks zu besuchen und dabei noch eine Original Thüringer Bratwurst zu verzehren – klischeehafter geht es wohl kaum mehr. Aber mir gefällt es trotzdem.
Aus Interesse (und zum Aufwärmen) besuchen wir noch die Modelleisenbahnausstellung der Eisenbahnfreunde Steinach–Lauscha und verschaffen uns am Modell einen Überblick über den Bahnhof Lauscha...
...bevor wir uns wieder dem Original zuwenden. Die Bahnstrecke von Sonneberg nach Lauscha wurde 1886 eröffnet, sie sollte insbesondere den Glas- und Porzellanherstellern der Region für den Produktabsatz dienen. Das Empfangsgebäude beherbergte die Schalterhalle, eine Gepäckannahme, Diensträume sowie eine Gaststätte, heute wird es nicht mehr genutzt.
Der Kopfbahnhof hat noch immer die Funktion eines Kreuzungsbahnhofs. Als hier noch lokbespannte Züge verkehrten, war für das Umsetzen ein Aufenthalt von mindestens 12 Minuten vorgesehen, heute beträgt die Wendezeit der STB-Regioshuttles noch drei Minuten. Mit dem nächsten Zug fahren wir schließlich zurück nach Sonneberg.
Als letztes Bild der Strecke noch ein Blick auf das neue Schloss von Steinach, dann machen wir hier einen Schnitt – sonst gehen mir für den dritten Teil die Bilder aus.
Im letzten Teil besuchen wir dann Coburg und Bamberg, fahren eine Runde x-Wagen in Nürnberg und testen den neuen Intercity von Stuttgart nach Konstanz – aber dazu morgen mehr.
Viele Grüße und weiterhin frohe Weihnachtstage
Tobias
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Advent zwischen Thüringer Wald und Franken - Fortsetzung
Vielen Dank für die winterlichen und weihnachtlichen Impressionen!
Nach Neuhaus hat es uns bei ähnlichem Wetter im Jahr 2005 auch einmal von Cursdorf aus mit dem Bus verschlagen. Da gab es noch eine gut getaktete Anschlussverbindung.
Herrlich!
Herrlich! Erinnerung an alte Zeiten
Hallihallo!
Top!!!
Ich erinnere mich noch: Sonntag. 29.12.1991. Am Tag zuvor war ich auf Rügen, nach durchwachter Nacht morgens bei Schnee und Kälte in Binz. Etwas dort umher gefahren und einmal selbst die Touristenattraktion gewesen. Abends ging's nach Hamburg und mit dem Nachtzug nach München.
Von dort ging es 7:49 Uhr mit Interregio 402 nach Leipzig. Eigentlich hatte ich bis Leipzig mitgewollt. Unterwegs wurde mir die Mühle aber zu voll, rappelvoll war's.
Da habe ich mich spontan nach einer Alternative umgeschauen und bin auch in der Gegend gelandet.
Ab Lichtenfels mit Eilzug nach Coburg, mit N nach Sonneberg, weiter nach Eisfeld und mit 4 Min Umstiegszeit auf nach Meiningen. Über Schweinfurt ging's nach Würzburg. IC 582 fuhr als ICE ohne ICE-Aufpreis und brachte mich nach Hannover. 8 Min Anschluss auf den IR nach Minden, dort Anschluss nach Osnabrück.
War klasse die schneebedeckte Landschaft quasi im Nichts rund um Eisfeld. Und ich würde gern mal wieder dorthin zurück kehren.
Schöne Grüße von
jörg
Herrlich! Erinnerung an alte Zeiten
Da war ich auch erst...im Winter echt schön das stimmt..
Jetzt endlich mal wieder in BW aber Anfang nächstes Jahr gehts wieder nach Thüringen...
Schöne Weihnachtsgrüße aus dem Südwesten
611 040
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❤ 611, 612, 642, 644, 425, ICE-T, IC1 ❤
Herrlich! Erinnerung an alte Zeiten
Jetzt endlich mal wieder in BW
Dort ist der Winter aber auch schon. Durchs hintere Höllental gediegen im abgedunkelten 611, bei einsetzender Dunkelheit. Herrlich.
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Weg mit dem 4744!
Herrlich! Erinnerung an alte Zeiten
Dort ist der Winter aber auch schon. Durchs hintere Höllental gediegen im abgedunkelten 611, bei einsetzender Dunkelheit. Herrlich.
Oh ja.... weiß jetzt nicht ob das jetzt Zufall war oder Absicht, aber genau das gefällt mir auch immer wieder sehr gut...
611/612 forever !!!
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❤ 611, 612, 642, 644, 425, ICE-T, IC1 ❤
Advent zwischen Thüringer Wald und Franken
Nabend,
sehr schöne Bilder!
Viele Grüße und weiterhin frohe Weihnachtstage
Gleichfalls;)
Den Winter mittlerweile wieder vermissende Grüße,
Marcel
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Von mir besuchte Bahnhöfe
- Deutschland: 1619
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Stand: 20.02.2026