Von Côte Bleue, Train Jaune & Tramvia Blau (6/8 | 44 B.) (Reiseberichte)
Hallo zusammen,
willkommen zum sechsten Teil unserer kleinen Rundreise zwischen der französischen Mittelmeerküste und den Pyrenäen. Im fünften Teil hatten wir den gelben Zug der Ligne de Cerdagne besucht, heute reisen wir weiter nach Barcelona.
![[image]](http://www.bahnreiseberichte.de/075-Frankreich-Spanien/75-000Karte.jpg)
Tag 6: Latour-de-Carol - Ribes-Enllaç - Vall de Núria - Ribes-Enllaç - Barcelona
Erneut beginnen wir den Tag am Bahnhof Latour-de-Carol. Nachdem wir schon die Normalspur- und die Schmalspurstrecke abgehakt haben, steht heute die Breitspurstrecke in Richtung Spanien auf unserem Programm.
Am Inselbahnsteig 2, der früher für die Grenzabfertigung vorgesehen war, wartet ein Breitspurfahrzeug der Renfe. Die Linie R3 der Rodalies de Catalunya verbindet Latour-de-Carol – Enveitg mit Barcelona. Bis zum spanischen Grenzort Puigcerdà gibt es parallel auch ein Normalspurgleis, dieses wird jedoch nicht mehr genutzt.
Auf der kurzen Fahrt von Latour-de-Carol – Enveitg nach Puigcerdà queren wir die französisch-spanische Grenze, weiter führt die Strecke zunächst durch das weite Tal des Segre.
Dann führt die Strecke hinauf ins Gebirge und erreicht im Tosas-Tunnel mit 1.494 Metern über dem Meeresspiegel den höchsten Punkt im Netz der Renfe.
Die Fahrt von Latour-de-Carol – Enveitg nach Barcelona dauert gut 3 Stunden – das füllt unseren Tag nicht aus. Und so unterbrechen wir die Fahrt in Ribes de Freser und schauen uns zunächst in dem kleinen Pyrenäen-Städtchen um.
Unser eigentliches Ziel ist jedoch die Talstation Ribes-Enllaç der Cremallera de Núria (Zahnradbahn von Núria), die direkt neben dem Bahnhof der Renfe liegt.
Die Meterspurbahn führt von Ribes de Freser in das Pyrenäental Vall de Núria, auf uns wartet ein im Jahr 2003 aus der Schweiz gelieferter Zahnrad-GTW von Stadler. Die Triebzüge sind nach Berggipfeln benannt, der Bastiments ist ein 2.881 Meter hoher Berg in den Pyrenäen.
Der erste Streckenabschnitt führt durch Ribes und dann zunächst sanft ansteigend durch das Tal des Flusses Freser, hier liegt noch keine Zahnstange.
Nach gut 5 Kilometern beginnt der Zahnradabschnitt und die Strecke wird nun auch landschaftlich interessanter, es folgt der Tosses-Viadukt.
In Queralbs gibt es einen Kreuzungsbahnhof, hier begegnen wir auch einigen älteren Fahrzeugen, die offenbar nur auf der Bergstrecke eingesetzt werden. Vor unserem Zug verlässt der Triebwagen A6 den Bahnhof in Richtung Gipfel, links ist der Triebwagen A5 eingefahren.
Die Zahnradbahn wurde 1931 eröffnet, die Streckenlänge beträgt 12,5 Kilometer.
Mit einer maximalen Steigung von 150 Promille schraubt sich die Bahn vor imposanter Bergkulisse nun in die Höhe. Von Ribes ausgehend überwindet die Bahn über 1000 Höhenmeter.
Jetzt geht es noch durch einen letzten Tunnel...
...dann ist der Bahnhof Núria auf 1.964 Metern über dem Meeresspiegel erreicht. Das Tal ist nur per Bahn oder zu Fuß auf einem historischen Pilgerpfad zu erreichen.
Das Vall de Núria war ursprünglich ein religiös geprägter Ort mit einer Wallfahrtskirche, heute ist das Pyrenäental ein beliebtes Ausflugsziel mit Freizeitressort. Das Sanktuarium der Muttergottes von Núria ist umgeben von einem Hotel, Gastronomie- und Shoppingangeboten, einem Kindervergnügungspark mit Ponyreiten und Kinderbauernhof, einem Bootsverleih und vielem mehr. Im Winter verwandelt sich der Ort in ein Skigebiet, der Stausee liefert dann das Wasser für die Beschneiungsanlagen.
Die Einsiedlerkapelle Sant Gil gehört zum historischen Teil des Vall de Núria. Abseits des organisierten Freizeitvergnügens erkunden wir auf Wanderwegen das autofreie Hochtal.
Da hatten wir ja noch großes Wetterglück, denn jetzt zur Rückfahrt ziehen dicke Wolken in das Tal. Zur Talfahrt wartet wieder das gleiche Fahrzeug – schade, ich hatte ja zur Abwechslung auf einen der alten Triebwagen gehofft. Ich denke von der Strecke hatte ich auf der Bergfahrt schon genügend Bilder gezeigt, von daher fällt die Rückfahrt nun etwas kürzer aus.
Hier ist die Talstation schon wieder zu sehen. Hinter den Häusern verläuft die Bahnstrecke von Latour-de-Carol nach Barcelona. Nach einer Fahrzeit von 40 Minuten endet damit unser Besuch bei der Cremallera de Núria.
Ja, ich gebe es zu, dieses Foto vom Bahnhof Ribes de Freser mit dem blauen Himmel hatte ich schon am Morgen nach der Ankunft gemacht, denn mittlerweile sind auch hier die Wolken angekommen. Von Meterspur wechseln wir wieder zur iberischen Breitspur und fahren mit dem nächsten Rodalies-Zug weiter nach Barcelona.
Mit Barcelona verbindet man ja normalerweise Küste, Strand und mediterranes Klima – da stutzt man schon kurz, wenn man auf einen Skihalter im Zug stößt. Aber spätestens nach dem Ausflug nach Núria wollen wir die Berechtigung des Skihalters nicht in Zweifel ziehen.
Mit der Rodalies-Linie R3 verlassen wir die Pyrenäen, die Flaggen auf der Brücke über den Ter bei Ripoll lassen unschwer erkennen, dass wir hier in Katalonien sind.
Wir sind mittlerweile auf dem älteren Teilstück der Strecke unterwegs, die Bahnlinie wurde ursprünglich als Industriebahn zu den Kohleminen in den Pyrenäen konzipiert. Den Bahnhof Manlleu gibt es seit 1879.
Nachdem die Strecke zwischendurch eher langweilig über das flache Land führt, wird es am Rande des Gebirgszugs Montseny nochmals landschaftlich interessant, dann erreicht der Zug die Peripherie von Barcelona und fährt schließlich unterirdisch durch die Stadt. Am Bahnhof Barcelona-Sants verlassen wir den Zug.
Barcelona kannte ich schon von einem früheren Besuch (zum Reisebericht von 2011), von daher haben wir heute kein festes Sightseeingprogramm auf dem Plan, sondern lassen uns zu Fuß und per Metro durch die Stadt treiben, beginnend am Hafen.
Und nachdem wir jetzt schon wieder am Hafen angekommen sind, beenden wir den sechsten Reisetag und damit auch diesen Teil des Reiseberichts. In den nächsten Tagen folgt Teil 7 mit einem Besuch bei der Tramvia Blau und der Fahrt nach Paris.
Viele Grüße
Tobias
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irre ... :-)
Hey.
Schöner Bericht!
Huch! Nanu? Wollen die etwa tatsächlich eines Tages mal fertig werden? Das schockiert ...
Schöne Grüße von
jörg
irre ... !!
Das hatte ich auch gedacht, Anfang der 90er standen nur die Türme und an der Krypta wurde gebaut. Hätte ich nie gedacht, dass die jetzt so weit sind, da das bis dahin schon fast 100 Jahre oder so ähnlich vergangen waren.
Leider habe ich davon nur Papierbilder, die natürlich unsortiert in einem Karton liegen ;-)
Super Berichte.
Vielen herzlichen Dank für den Reisebericht! + Frage
Wird auf der Breitspurstrecke auch breiteres Wagenmaterial eingesetzt oder bekommen die normalen Wagen einfach nur ein anderes Drehgestell untergeschraubt?
Antwort zu Breitspur & Lichtraum
Wird auf der Breitspurstrecke auch breiteres Wagenmaterial eingesetzt oder bekommen die normalen Wagen einfach nur ein anderes Drehgestell untergeschraubt?
Die Spurweite hat mit dem Lichtraumprofil erst mal nichts zu tun.
Die RENFE-Triebwagen der Baureihe 447, wie sie bei den Rodalies eingesetzt werden, sind sogar geringfügig schmaler als die deutschen 420 oder 430.
Vielen Dank
Danke für den Bericht!
Wir haben damals™ die Tour in umgekehrter Richtung unternommen, wobei wir allerdins Núria ausgelassen, in Puigcerdà übernachtet und das kurze Stück von Puigcerdà nach La Tor de Querol mit dem Taxi überbrückt haben.
Meine letzte Fahrt mit der blauen Straßenbahn liegt noch länger zurück, deshalb freue ich mich schon auf den nächsten Teil.
Vielen Dank!
- kein Text -
Von Côte Bleue, Train Jaune & Tramvia Blau (6/8 | 44 B.)
Danke für den Bericht!
Da hatten wir ja noch großes Wetterglück, denn jetzt zur Rückfahrt ziehen dicke Wolken in das Tal. Zur Talfahrt wartet wieder das gleiche Fahrzeug – schade, ich hatte ja zur Abwechslung auf einen der alten Triebwagen gehofft. Ich denke von der Strecke hatte ich auf der Bergfahrt schon genügend Bilder gezeigt, von daher fällt die Rückfahrt nun etwas kürzer aus.
Die alten Fahrzeuge fahren grundsätzlich auch runter bis Ribes - zum Betriebsregime gibt es dann in meinem Bericht demnächst ein paar mehr Worte.
Von Côte Bleue, Train Jaune & Tramvia Blau (6/8 | 44 B.)
total klasse Bericht...
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Schöne Grüße aus den EC 6/7/8/9,
wo es Wein in Karaffen, keine Mikrowelle und kein in Schüsseln gepamptes Essen gibt.
https://adobe.ly/2PMZyEV