Von Côte Bleue, Train Jaune & Tramvia Blau (5/8 | 44 B.) (Reiseberichte)
Hallo zusammen,
willkommen zum fünften Teil unserer kleinen Rundreise zwischen der französischen Mittelmeerküste und den Pyrenäen. Im vierten Teil waren wir von Béziers über Toulouse nach Latour-de-Carol – Enveitg gefahren und waren von dort zu einem Tagesausflug auf der Ligne de Cerdagne gestartet.
![[image]](http://www.bahnreiseberichte.de/075-Frankreich-Spanien/75-000Karte.jpg)
Wir schreiben noch immer den fünften Reisetag und kehren nach einem Besuch im Dorf Mont-Louis an den dortigen Bahnhof zurück. Bis zum Jahr 1910 war der Bahnhof der vorläufige Endpunkt der Strecke.
Mit dem nächsten Zug setzen wir die Fahrt auf der Ligne de Cerdagne fort. Da der offene Wagen schon gut besetzt ist, entscheiden wir uns diesmal für den Triebwagen. Und das wird sich als gute Entscheidung erweisen, denn während man im offenen Wagen in der Sitzreihe „eingeklemmt“ ist, lässt sich hier je nach Talseite bequem der Platz wechseln.
Nun beginnt der landschaftlich reizvollste Abschnitt der Strecke, nach einigen Tunnel und Viadukten...
...nähern wir uns der Pont de Cassagne. Die Schrägseilbrücke gehört zu den bekanntesten Bauwerken der Ligne de Cerdagne, sie ist 253 Meter lang und überspannt das Tal des Flusses Têt in rund 80 Metern Höhe. Entworfen wurde die Brücke von Albert Gisclard, er kam 1909 bei einem Eisenbahnunglück nahe der Brücke ums Leben. Die Brücke wird seither auch Pont Gisclard genannt.
Unser kleiner gelber Zug windet sich nun hoch über dem Têt-Tal über unzählige Brücken und insgesamt 19 Tunnel durch die beeindruckende Landschaft der Pyrenäen.
Auf der gemauerten Eisenbahnbrücke Pont Séjourné wechselt der Zug wieder die Talseite, die Brücke hat eine Länge von 217 Metern und überspannt den Têt und die Nationalstraße. Wir wechseln ebenfalls die Fensterseite. In den Wagen vor uns zeigen jetzt viele Finger hinab ins Tal und die Handys werden gezückt...
...denn dort gibt es einen verwunschenen Ort zu bestaunen. Das Kurhotel von Canaveilles les bains brannte 1984 ab, die Ruine wirkt heute mit dem Bewuchs unwirklich.
Die letzte Etappe der Strecke ist dann nicht mehr ganz so spektakulär und wir wollen auch noch ein paar Bilder für die Rückfahrt aufsparen. Jedenfalls endet die Meterspurstrecke nach 62,5 Kilometern im Bahnhof Villefranche – Vernet-les-Bains. Villefranche ist ein Umsteigebahnhof, von hier führt eine normalspurige Strecke nach Perpignan. Wir verbringen nun knapp drei Stunden in und um Villefranche-de-Conflent.
Entlang der Têt laufen wir in das von Stadtmauern und Befestigungsanlagen gut geschützte mittelalterliche Dorf. Vorbei an der Bastion Dauphin erreichen wir den Ortskern.
Das Dorf hat heute nur noch gut 200 Einwohner, der städtische Charakter und die mittelalterlichen Befestigungsanlagen stammen aus der Zeit, als der Ort Hauptstadt der Region Conflent war. Belebt wird der Ort von zahlreichen Besuchern, Villefranche-de-Conflent wurde als eines der schönsten Dörfer Frankreichs ausgezeichnet. Der Wachturm gehört zum Rathaus.
Nachdem wir uns gestärkt haben, machen wir uns zu Fuß auf den Weg durch das Tor Saint-Pierre...
...und über die Gleise der Ligne de Cerdagne...
...hinauf auf den Berg. Hoch über dem Ort am Berghang liegt die Festung Fort Libéria, von hier oben können wir den Blick über die Landschaft der Pyrenäen schweifen lassen. Der Blick in drei Täler gab aus strategischen Gründen auch den Ausschlag für den Bau des Forts.
Das Fort Libéria wurde 1681 von Sébastien Le Prestre de Vauban errichtet und später ausgebaut. Heute gehört das Fort zusammen mit anderen Festungsanlagen von Vauban zum Unesco-Welterbe.
Von hier oben hat man auch einen schönen Blick auf die Anlagen am Bahnhof Villefranche – Vernet-les-Bains. Hier am Bahnhof befindet sich das betriebliche Zentrum des train jaune mit den Werkstätten, in Blickrichtung geradeaus verläuft die normalspurige Strecke in Richtung Perpignan.
Es geht gleich weiter...
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Von Côte Bleue, Train Jaune & Tramvia Blau (Forts. Teil 5)
Mit 427 Metern über dem Meer ist der Bahnhof Villefranche – Vernet-les-Bains der tiefste Punkt der Ligne de Cerdagne, hier beginnen wir die Rückfahrt hinauf ins Gebirge. Diesmal wählen wir einen geschlossenen Personenwagen.
Im Depot sehen wir die beiden Stadler GTW, die 2004 ausgeliefert wurden, um die betagten Triebwagen zu entlasten. Die GTW sind nicht kompatibel mit den Altbaufahrzeugen, wodurch auch der Einsatz der bei den Fahrgästen beliebten Aussichtswagen nicht möglich ist. Die Neubaufahrzeuge scheinen während unseres Besuchs nicht im Betrieb zu stehen, dafür spricht auch ein Graffiti an einem der Züge. Bei den Altbaufahrzeugen handelt es sich im Grunde noch um die ursprünglichen Fahrzeuge aus der Anfangszeit der Bahn, die im Laufe der Zeit jedoch mehrfach umgebaut wurden.
Die Ligne de Cerdagne ist eine reine Adhäsionsbahn, mit einer Maximalsteigung von 60 Promille führt die Strecke durch das schluchtartige Tal des Têt in die Höhe, schon nach knapp 20 Kilometern ist eine Höhendifferenz von 600 Metern überwunden.
Bei der Fahrkartenkontrolle vor dem Einsteigen in Villefranche – Vernet-les-Bains hatte der Schaffner nochmals nachgefragt „Thuès-Carenca?“ Während die meisten Touristen bis zu einem der größeren Halte fahren, sind wir die einzigen Fahrgäste, die an dem kleinen Bedarfshalt aussteigen wollen. Wie auf der Hinfahrt wollen wir auch auf der Rückfahrt einen Zwischenhalt einlegen, den Tipp mit Thuès-Carenca hatte ich aus dem DSO-Auslandsforum bekommen. Unweit des Haltepunkts befindet sich der Zugang zur Schlucht Gorges de la Carança.
Gut zwei Stunden wandern wir nun durch die Schlucht. Der Weg beginnt anfangs wie ein gemütlicher Spaziergang entlang eines Bergbachs, wenig später finden wir uns in einer atemberaubenden Landschaft auf einem schwindelerregend in den Fels geschlagenen Fußweg. Am Felsen gibt es ein Seil zum Festhalten, während es auf der andere Seite ohne Geländer in die Tiefe geht. Ein tolles Abenteuer!
Nach der Erfahrung mit der Fahrplantreue auf der Hinfahrt machen wir uns frühzeitig auf den Rückweg zum Haltepunkt. Die Ligne de Cerdagne wird elektrisch betrieben mit Wasserkraft des Flusses Têt. Ungewöhnlich ist jedoch, dass die Stromversorgung über eine von oben bestrichene Seitenstromschiene erfolgt, was der Bahn auch den Beinamen „Pyrenäenmetro“ einbrachte. Hier die Stromschiene am Bahnübergang beim Haltepunkt Thuès-Carenca.
Der letzte Zug des Tages fährt durch bis Latour-de-Carol – Enveitg, mit diesem Zug starten wir nun auf die letzte Etappe mit dem train jaune. Bis zum Scheitelpunkt liegen nochmals 800 Höhenmeter vor uns. Nachdem ich Strecke und Landschaft auf der Hinfahrt schon beschrieben hatte, die weiteren Streckenbilder nun ohne Kommentar.
Die letzten Kilometer bis zum Endbahnhof Latour-de-Carol – Enveitg legen wir bei einbrechender Dunkelheit zurück. Nach einem tollen und an Eindrücken reichen Tag nehmen wir schließlich Abschied vom kleinen gelben Zug.
Und mit einem Abendbild der Kirche Saint-Étienne in Latour-de-Carol beenden wir diesen Reiseberichtsteil. In den nächsten Tagen folgt Teil 6 mit der Fahrt nach Barcelona und einem Abstecher zur Zahnradbahn von Núria.
Viele Grüße und einen schönen Sonntag
Tobias
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Danke für die tollen Eindrücke
Auf die Bilder aus Barcelona freue ich mich schon:)
Gruß
Marcel
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Stand: 20.02.2026