BAZ-Sachargumente emotional nicht verstanden (Allgemeines Forum)

sb, Freitag, 01.09.2017, 08:10 (vor 3141 Tagen) @ sb
bearbeitet von sb, Freitag, 01.09.2017, 08:12

Natürlich ist der BAZ-Kommentar vom 18.08.2017 eine rhetorische Überspitzung, die – wie leider im sog. Smombie-Zeitgeist zu befürchten gewesen – mitunter als Stilmittel journalistischer Kritik kaum erkannt wurde; und gerade wenn ein Medienblatt ansonsten skeptisch gesehen wird, würde es von Reife zeugen, Sachargumente als solche sachlich zu debattieren und nötigenfalls anzuerkennen.

Die Behauptung, dass in Deutschland vor allem Projektkritiker gewisse umstrittene Großprojekte maßgeblich verteuert hätten, ist eine Ausrede für mangelhafte Genehmigungsplanungen und fehlerhafte Planfeststellungsverfahren, deren Verantwortung die Vorhabensträger, die Planfeststellungsbehörden und fallweise auch jene Gerichte tragen, welche offenkundig auch politischem Opportunismus folgten und manche Streitfragen nicht ausreichend vertieften, um einen Erkenntnisgewinn zu umtorkeln.

In der Schweiz braucht es in der Regel kaum Einsprüche/Klagen gegen Projekte, da diese von vorneherein erfahrungsgemäß zumeist gut durchdacht sind – die eklatanten Planungsfehler bei gewissen bundesdeutschen Projekten wären in der Schweiz wesentlich heftiger kritisiert und mit basisdemokratischem Druck längst ein Projektstopp erreicht worden, um mängelbasierte Kostenexplosionen gar nicht erst eintreten zu lassen.

Vielmehr wurde Gotthard-Basistunnel nicht nur ein Jahr früher(!) fertig, sondern ist überdies mit im Vergleich zu Deutschland nur wenigen Nachtragsleistungen ausgekommen. Dass hierbei auch zahlreiche Ingenieure und Planer aus Deutschland und Österreich maßgeblich beteiligt waren, spricht durchaus für die deutsche Ingenieurkunst; folglich resultieren die Fehler Deutschlands aus Fehlbesetzungen und mangelnder Voraussicht in den Entscheidungsgremien.

Ergänzend ist richtig, dass sich Deutschland eine termingerechte Erfüllung des Staatsvertrag zur Rheintalbahn nicht kümmerte – und damit Deutschland auch hierbei seinen Ruf supranationaler Vertragstreue auf das Spiel setzt.

(Apropos: Deutschland hätte aus Eigeninteresse – vgl. Sperrung Rheintalbahn im Sommer 2017 – Frankreich eine Finanzierung der Elektrifizierung Strasbourg – Lauterbourg Grenze anbieten können, analog zu Infrastrukturzuschüssen der Schweiz für ihre Nachbarländer; auch dies zeigt die Überheblichkeit Deutschlands in der Eisenbahnpolitik gegenüber der Schweiz.)


Edit: Ergänzung zur schweizer Mitfinanzierung vgl. Hochrheinbahn
http://www.ice-treff.de/index.php?id=477310


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