[AT] Auch die ÖBB werden in den Wahlkampf reingezogen... (Allgemeines Forum)
In Österreich ist grad was los.
Seit die ÖVP sich umgefärbt hat in türkis und dabei nebenbei die Koalition mehr oder weniger in die Tonne gekloppt hat, wird es ein wenig wärmer. Und das nicht nur, weil wir jetzt Sommer haben.
Nein, die Vergaberechtsnovelle der EU musste in Österreich durchgesetzt werden und nur widerwillig hat die ÖVP von ihrem Wunsch abgelassen, die Direktvergaben an die ÖBB zu beenden. Vorerst.
Jene behält sich vor, das zu ändern. Wahrscheinlich, wenn jene Partei, welche aktuell in seinem neuen Kleid nicht wirklich greifbare Inhalte bietet, aber einen Studienabbrecher, der aus irgendwelchen Gründen die Umfragewerte hochgehen lässt (wobei Inhalte nicht unbedingt zu jenen zählen), die Mehrheit hat und dann mal gepflegt wieder mit der FPÖ eine Koalition bildet. War beim ersten Mal schon sehr spaßig. Und wird beim zweiten Mal auch wieder lustig.
Ich prophezeie für eine eventuelle schwarz-blaune Koalition eine ÖBB, die wieder dieses Bonuspunkteprogramm einführt, ihre Züge aus Dankbarkeit blaun anstreicht, ein internationaler Konzern wird, der sein Kerngeschäft ein wenig vernachlässigt und darüber hinaus auch noch von der Politik mit lustigem Wettbewerb bei Laune gehalten wird. Vielleicht behält man seine Nachtzüge, vielleicht auch nicht, das wird dann ausgewürfelt.
Oder sie verkauft die ÖBB an die DB, kommt das selbe raus. Nur in verkehrsrot. Vielleicht hat die DB die Gnade, die ÖBB der Arriva dann zu unterstellen, das schaut dann wenigstens fesch aus.
Ach und der Haselsteiner kann dann endlich mit seinem KISS bis zu seiner Heimat im Vorarlberg gondeln.
Die Politik in Österreich hinkt tatsächlich so 20 Jahre der deutschen hinterher. Aber ob das nicht manchmal ein Vorteil ist?
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Umwege erweitern die Ortskenntnis ~ Kurt Tucholsky
OT Hinterherhinken
Die Politik in Österreich hinkt tatsächlich so 20 Jahre der deutschen hinterher. Aber ob das nicht manchmal ein Vorteil ist?
Definitiv nicht. Es gibt bestimmte Bereiche da ist man wesentlich weiter.
[AT] Auch die ÖBB werden in den Wahlkampf reingezogen...
Ach und der Haselsteiner kann dann endlich mit seinem KISS bis zu seiner Heimat im Vorarlberg gondeln.
Aber nicht über den Arlberg! Bzw. nur wenn er das Dach wegflext.
[AT] Auch die ÖBB werden in den Wahlkampf reingezogen...
Ja ok, dann wird die Westbahn sagen "fährt man nicht durchgehend Bregenz, sondern zwingt die Fahrgäste uum Umsteigen in Innsbruck, dann in einen Flirt".
Aber der Haselsteiner würde wirklich gerne bis Vorarlberg mit seiner Bahn fahren können.
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Umwege erweitern die Ortskenntnis ~ Kurt Tucholsky
OT Hinterherhinken
Wie meinst du das jetzt?
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Umwege erweitern die Ortskenntnis ~ Kurt Tucholsky
[AT] Auch die ÖBB werden in den Wahlkampf reingezogen...
Ach und der Haselsteiner kann dann endlich mit seinem KISS bis zu seiner Heimat im Vorarlberg gondeln.
Herr Haselsteiner ist Tiroler (geboren in Wörgl, lebt in Bozen).
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Weg mit dem 4744!
[AT] Auch die ÖBB werden in den Wahlkampf reingezogen...
Na dann eben Tirol, aber sein Kollege kommt denk ich aus dem Vorarlberg.
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OT Hinterherhinken
Familienpolitik, wenn auch vom VfGH angeordnet, Stichwort Adoption bei Regenbogenfamilien.
Ok...
Dann sind jetzt alle Klarheiten beseitigt ^^
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[AT] Auch die ÖBB werden in den Wahlkampf reingezogen...
Na dann eben Tirol, aber sein Kollege kommt denk ich aus dem Vorarlberg.
Welcher? Herr Dr. Forster ist Wiener, Herr Weibel (als Aufsichtsratsvorsitzender der Rail Holding AG am ehesten Haselsteiners Kollege) Schweizer.
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Weg mit dem 4744!
Stimmt, bin deppat.
Kärnten ist gemeint! :D
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[AT] Auch die ÖBB werden in den Wahlkampf reingezogen...
Beziehungsweise nach Kärnten, hab da was durcheinandergebracht. Wobei Vorarlberg sicher auch gewünscht wäre.
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Umwege erweitern die Ortskenntnis ~ Kurt Tucholsky
Jetzt möchte ich mal zum eigentlichen Thema.
Hätte vielleicht nicht gleich so polemisch sein sollen, gut, dass man darauf jetzt nicht einging, wofür ich mich bedanke. Sonst wäre ich für ein ziemliches Chaos verantwortlich gewesen, weil ich um Mitternacht nicht nochmal nachgedacht habe...
...also sollte die ÖVP in Österreich gewinnen, wird es wohl ziemlich sicher Ausschreibungen wie in Deutschland geben. Doch seit auch die Fernverkehrslinien gemeinwirtschaftlich betrieben werden, wird es dort außerhalb von Strecken wie der Westbahn oder künftig vielleicht auch der Koralm, die sich dann auch eigenwirtschaftlich rentieren könnte, tatsächlich keinerlei Trennung geben, ob es jetzt Regional- oder Fernverkehr gibt - zumindest von der Finanzierung her
Gesetzt der Fall, man fährt den Karren nicht an die Wand und zieht das ganze gescheit auf, könnte es womöglich interessant werden, da dann eben Fernverkehr anders als in Deutschland genauso ausgeschrieben wird wie der Nahverkehr (nur dann natürlich vom Bund) und vielleicht könnte genau das der Schlüssel zum Erfolg sein, wenn man es unbedingt mit den Ausschreibungen anstellen will.
Bleibt zu hoffen, dass
a) man weiterhin sich auf einen ITF fokussiert, das ist wichtig.
b) man gesetzlich vorschreibt, dass Anschlüsse zwischen verschiedenen Betreibern gewährt werden und dass die Kommunikation untereinander möglichst geschmeidig wird.
c) man sich dann auch auf ein einheitliches Tarifsystem einigt und die Chance ergreift, einen direkten Verkehr wie in der Schweiz für alle Verkehrsunternehmen einzuführen
d) man den Komfort mindestens auf dem aktuellen Niveau behält oder am besten noch erhöht. Sprich, dass man weiterhin eine Einheitsklasse im Regionalverkehr hat, die trotzdem verstellbare Sitze hat. Der Cityjet hat eindeutig zu dichte Bestuhlung, aber der Ansatz mit den Komfortvorteilen, die man sonst nur in der ersten Klasse sieht, der ist ein guter Ansatz finde ich und ich hoffe, man wird mit den Ausschreibungen das nicht wegsparen.
Das wäre mir so als Kunde wichtig.
Und wenn am Ende es glückt, hat Österreich am Ende es sogar geschafft, für Deutschland in der Hinsicht ein Vorbild zu sein, wer weiß?
Österreich würde dann auch zeigen können, wie Wettbewerb im Fernverkehr ginge.
Man schaue sich die aktuellen Verkehrsdienstverträge an
Dort hat man bereits ein Bonus-Malus-System und auch sonst kann man sagen, dass es nicht allzu schwer wäre, auf diesen Grundlagen Ausschreibungen durchzuführen.
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Umwege erweitern die Ortskenntnis ~ Kurt Tucholsky
Nachtrag: Der Status Quo
Um noch ein wenig über den Status Quo zu reden:
Aktuell ist es so, dass in Österreich der Bund ein Grundangebot im Regional- und Fernverkehr bestellt und die Länder dann Zusatzleistungen.
Um das effektiver zu machen, hat man in Tirol und Vorarlberg nun eine Lösung gemacht, wo Bund und Länder gemeinsam bestellen, sodass man dort mehr Leistungen in einem Paket am Ende kriegt.
Das Problem am System, Nebenstrecken müssen meist von den Ländern selber bezahlt werden. Außerhalb der genannten Pakete gibt es dafür keine direkte Unterstützung des Bundes in Form von etwaigen Regionalisierungsmitteln.
In Niederösterreich hat es dadurch einen Kahlschlag gegeben. Nur die Mariazellerbahn, ein Stummel der Ybbstalbahn, die nun als Citybahn Waidhofen betrieben wird sowie ein paar Gelegenheitsverkehre sind übrig geblieben, soweit das Land Niederösterreich die Strecken aufkaufte. Geplant war mehr, aber dann hat man es doch nicht getan.
Wettbewerb findet nur auf der Westbahn statt und bald wohl auch in einer gewissen Weise nach Tschechien, wobei die nächste Station schon jenseits der Grenze liegt.
Es gibt Bundesländer, da gibt es noch eigene Landesbahnen sozusagen.
Die GKB in der Steiermark zum Beispiel, die mit Diesel-GTWs und teils noch alten Doppelstock-Garnituren von Talbot S-Bahnen betreibt.
Aber ziemlich interessant natürlich GySEV/Raaberbahn. Eine Bahn, welche ein Netz in Österreich und Ungarn hat und darüber hinaus auch eine eigene Infrastruktur besitzt. Wohl eines der seltenen Fälle, wo man die Grenze überschreitet und trotzdem beim selben Infrastrukturbetreiber bleibt.
Jedenfalls, seitdem der österreichische Teil des Unternehmens Desiro MLs im Fuhrpark hat und somit für Österreich erstmals einen eigenen Fuhrpark anbietet, fahren deren Züge nun zusammen mit den ÖBB-Talenten sowie teils auch den ÖBB-Dostos auf der Linie Bratislava-Wien-Sopron-Deutschkreutz und Fertöszentmiklos - Pamhagen - Neusiedl am See - Wien.
Und genau den Ansatz mag ich eigentlich auch, wo sich 2 Bahnen die Leistungen auf der selben Linie teilen.
Übrigens, Ausschreibungen im ÖPNV gibt es schon in Österreich - nämlich im Busverkehr, die ÖBB Postbus schafft es auch dort, Marktführer zu bleiben.
Naja und in der Vergangenheit hat sich die ÖBB ganz nebenbei auch daran versucht, in Bayern bei der Ausschreibung von 2 Linien teilzunehmen. Nachdem man bei der ersten Linie auf dem letzten Platz landete, ließ man es dann aber doch. War natürlich das Werdenfels-Netz und die Strecke München-Salzburg/Kufstein.
Ich finde den Status Quo ganz nett, nicht zuletzt, seit man gerne mal auch Fernverkehrszüge auf einem Teil auch mal als REX fahren lässt, was mal eben bedeutet, dass man ohne Aufpreis die dann deklassierte erste Klasse nützen kann.
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Umwege erweitern die Ortskenntnis ~ Kurt Tucholsky
Westbahn will Bahnpaket in Tirol überprüfen lassen
Das übliche, Land vereinbarte in Bahnpaket - keine Ausschreibung - Westbahn findet es doof - Westbahn lässt es überprüfen.
Langsam wird's doch öde. Wenn die ÖVP die Wahl gewinnt, kommt es eh zu Ausschreibungen und wenn nicht, dann genau nicht und die Klage bringt derweil irgendwie 0,0. Hätte eh noch eine Wartefrist von einem Jahr gebraucht.
Somit irgendwie unnötig.
Vor allem, die Länder, die von der ÖVP geführt werden, wollen gar keine Ausschreibungen, die Bundes-ÖVP aber schon. Just sayin'
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Umwege erweitern die Ortskenntnis ~ Kurt Tucholsky
[AT] Österreich: Ausschreibungen wie in einem Bundesland
Da Österreich einwohnerzahlenmäßig in etwa mit Niedersachsen vergleichbar ist und flächenmäßig nur etwas größer ist als Bayern sowie sich in diesen Bundesländern die SPNV-Ausschreibungen auch bei langlaufenden Zuglinien bewährt haben, wäre auch in Österreich eine Ausschreibung des Schienenpersonenverkehrs z.B. seitens der SchIG [1] möglich – und zwar ohne Unterscheidung zwischen Fern- und Nahverkehr, was zudem eine einheitliche Planung von Integralem Taktfahrplan (ITF) und Personentarif sowie Koordinierung von Fahrgastrechten erleichtert.
[1] Näheres zur SchIG auf https://www.bmvit.gv.at/service/glossar/s/schig.html
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Nebenbemerkung zu einem Posting: Auch beim Werdenfelsnetz (KBS 960, 961, 963, 965) hatte die ÖBB ein durchaus gutes Angebot eingebracht; dass DB Regio den Vorzug bekommt, war jedoch von vorneherein klar, wenn die untereinander jahrelang gepflegten Bekanntschaften bekannt sind... (so war es auch nicht weiter verwunderlich, dass die BEG der Abschaffung des günstigen Werdenfels-Single-Tickets und der zahlreichen Verschlechterungen beim Bayern-Ticket auf Wunsch von DB Regio nachgab)
Dass die ÖBB einem Wettbewerb standhalten können, zeigt neben der Westbahn-Strecke auch die erfolgreiche Übernahme der Nachtzüge in Deutschland sogar innert kurzer Frist.