Acht Tage zwischen Ostsee und Salzkammergut 5/6 m 64 B (Reiseberichte)
Hallo zusammen,
willkommen zum vorletzten Teil unserer kleinen Rundreise durch Deutschland und Österreich. Im vierten Teil hatten wir die Wanderbahn im Bayerischen Wald besucht und waren am Abend in Passau angekommen, hier setzen wir den Reisebericht nun fort.
![[image]](http://www.bahnreiseberichte.de/074-Ostsee-Salzkammergut/74-000Karte.jpg)
Tag 6: Passau – Wels – Vöcklamarkt – Attersee – Kammer
In den nächsten Tagen wollen wir einige Strecken von Stern & Hafferl erkunden, den Anfang soll die Attergaubahn machen, dazu starten wir von Passau über die Grenze nach Österreich.
Über Nacht hat das Wetter umgeschlagen und der Morgen beginnt mit einem Gewitter. Wenigstens haben wir es nicht weit vom Hotel zum Zug – haben wir doch direkt im Bahnhofsgebäude übernachtet, dort gibt es ein kleines Hotel mit einigen Zimmern im oberen Stockwerk. Mit einem ÖBB-Talent fahren wir nach Wels.
Von der Fahrt auf der Passauer Bahn habe ich keine weiteren Streckenbilder, denn hier dominieren graue Wolken und Regentropfen auf der Scheibe. Das nächste Bild ist dann schon nach dem Umsteigen in Wels entstanden, wiederum ein ÖBB-Talent bringt uns nach Vöcklamarkt.
Während der Fahrt auf der Westbahn wird das Wetter langsam etwas freundlicher, hier fällt mir bei der Durchfahrt das Empfangsgebäude des Bahnhofs Timelkam ins Auge. Das denkmalgeschützte Gebäude erinnert an die Zeit der k.k. privilegierten Kaiserin Elisabeth-Bahn, die seinerzeit die Westbahnstrecke erbaute. Weiter geht die Fahrt durch das Hausruckviertel, dann verlassen wir in Vöcklamarkt den Zug.
Hier wechseln wir zur Lokalbahn Vöcklamarkt–Attersee, die auch als Attergaubahn bekannt ist. Die meterspurige Bahn wird vom Verkehrsunternehmen Stern & Hafferl betrieben. Seit September 2016 sind auf der Strecke neue Tramlink-Triebwagen unterwegs, wobei wir die Reise so gelegt hatten, dass wir noch kurz vor der Fahrzeugumstellung zur Attergaubahn kommen.
Der ET 26.111 wurde 1951 in der Schweiz gebaut, er war zunächst bei der Birsigthalbahn bzw. der Baselland Transport unterwegs und kam dann zur Attergaubahn. Er wurde im letzten Jahr nach Rumänien verkauft.
Die Lokalbahn verbindet Vöcklamarkt an der Westbahn mit dem Ort Attersee am gleichnamigen See. Die Strecke wurde 1913 eröffnet, es gab damals hochtrabende Pläne für eine „Voralpenbahn“, die im Trajektverkehr mit Elektroschiffen über den Attersee und weiter bis Gmunden führen sollte, diese Pläne wurden aber nicht verwirklicht. Auf der Karte ist unsere weitere Route schnell erklärt: wir fahren mit der Attergaubahn nach Attersee, mit dem Schiff nach Seewalchen und am nächsten Tag mit dem „Kammerer Hansl“ nach Vöcklabruck.
Durch den hinteren Führerstand können wir einen Blick auf die eingleisige Strecke werfen. Der Attergau ist eine flache Muldenlandschaft, die sich sanft zum Attersee hin erstreckt. Die Bahnlinie schlängelt sich ohne große Kunstbauten durchs Grüne.
13 Bahnhöfe und Haltestellen liegen an der Strecke, es gibt insgesamt vier Ausweichen. Die Streckenhöchstgeschwindigkeit liegt bei 50 Stundenkilometern.
Nach gut 13 Kilometern und einer Fahrzeit von 24 Minuten ist die Endstation Attersee erreicht. In der Remise kündet ein Tramlink schon vom bevorstehenden Umbruch auf der Strecke. Es gab früher noch eine Verlängerung zum Landungsplatz der Personenschiffe sowie für den Güterverkehr eine Zufahrt zum Hafen, wo es einen Güter-Trajektverkehr zu einem Sägewerk gab. Beide Strecken sind heute abgebaut und wir müssen den kurzen Weg zum Schiffsanleger zu Fuß zurücklegen.
Unser Tagesziel ist Seewalchen am Nordufer des Attersees. Die Reise setzen wir nun mit dem Schiff fort, auch der Schiffsverkehr hier ist übrigens in der Hand von Stern & Hafferl.
Der Attersee ist umgeben von den Bergen des Salzkammerguts, er ist der größte zur Gänze in Österreich liegende See. Während der Überfahrt beginnt es wieder zu regnen, so dass wir den Reisebericht für diesen Tag hier beenden.
Nach der Ankunft in Seewalchen hätte ich für den Nachmittag noch eine Rundfahrt auf dem Plan gehabt, angesichts des Wetters verschieben wir das aber auf den nächsten Tag.
Tag 7: Kammer – Vöcklabruck – Attnang-Puchheim – Lambach – Vorchdorf-Eggenberg – Gmunden – Attnang-Puchheim – Vöcklabruck - Kammer
Wenn man auf einer Reise unterschiedliche Interessen vereinen kann, ist das besonders schön. Während mich in der Region am und um den Attersee interessante Bahnen locken, findet mein Bruder am fischreichen Gewässer Gefallen. Und so gehen wir heute getrennte Wege. Ich begleite meinen Bruder noch bis zum Hafen von Kammer, wo er am frühen Morgen mit einem Angelguide für eine Hecht-Tour verabredet ist, dann starte ich zu einer Bahnrundfahrt.
Und so stehe ich also um kurz nach sechs schon am Haltepunt Kammer-Schörfling, dem Endpunkt der Kammerer Bahn. Ein Dieseltriebwagen der Reihe 5047 steht bereit zur Fahrt nach Attnang-Puchheim.
Ein kleines Portrait der Kammerer Bahn verschieben wir auf die Rückfahrt, wenn es ganz hell ist und dann besserer Streckenbilder möglich sind.
Da ich durch den frühen Start heute ausreichend Zeit habe für eine gemütliche Entdeckungstour, steige ich schon in Vöcklabruck aus und begebe mich auf der Suche nach einem Frühstück in die Altstadt.
Ich muss etwas aufpassen, dass ich Vöcklamarkt (da waren wir gestern) und Vöcklabruck nicht verwechsle. Die ähnlichen Namen verdanken die Orte dem Fluss Vöckla. Vöcklabruck ist die Bezirkshauptstadt mit 12.000 Einwohnern und hat eine nette Altstadt, die von zwei Türmen geprägt wird, hier der untere Stadtturm.
Jenseits des unteren Stadtturms liegt der Stadtplatz, der von mehreren historischen Gebäuden gesäumt ist. Am anderen Ende liegt der obere Stadtturm, beide Türme wurden im 15. Jahrhundert erbaut.
Nun zurück an den Bahnhof von Vöcklabruck. Auf der Westbahn geht es eine Station weiter nach Attnang-Puchheim, diesmal mit einem Talent.
In Attnang-Puchheim kreuzen sich die Westbahn und die Salzkammergutbahn. Das heutige Empfangsgebäude des Bahnhofs ist ein moderner Bau mit großer Glasfassade, der Neubau wurde 2014 nach vierjähriger Bauzeit eröffnet. Mit dem nächsten Regionalzug – auch dies wieder ein Talent – geht es auf der Westbahn weiter nach Lambach.
Der Ort Lambach verfügt über zwei Stationen, den zentrumsnahen Haltepunkt Lambach Markt sowie etwas weiter außerhalb der Bahnhof Lambach. Ich steige am Haltepunkt Lambach Markt aus. Der Haltepunkt ist eingleisig, dahinter verläuft durch eine Lärmschutzwand getrennt die Westbahn. Der Fernverkehr verlässt auf Höhe des Haltepunkts die alte Strecke und nutzt eine Umfahrung. Als Fahrgast kommt man sich hier etwas eingemauert vor – aber ich finde den Ausgang.
Ich laufe nun vom Haltepunkt Markt zum Bahnhof. Bekannteste Sehenswürdigkeit im Ort ist das Stift Lambach, die Benediktinerabtei wurde im Jahr 1046 gegründet.
Es geht gleich weiter...
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Acht Tage zwischen Ostsee und Salzkammergut - Fortsetzung
Der Weg führt mich schließlich zum Bahnhof Lambach. Das repräsentative Empfangsgebäude erinnert an den früheren Glanz der Westbahn – heute umfahren Fernzüge den Bahnhof durch den nahegelegenen Kalvarienbergtunnel. Angefahren wird der Bahnhof von den Regionalzügen der ÖBB...
...sowie von Stern & Hafferl. Gleis 11 ist Ausgangspunkt für die Lokalbahn Lambach–Vorchdorf-Eggenberg, die auch als Vorchdorferbahn bekannt ist. Für die Fahrt auf der normalspurigen Strecke steht ET 20.111 mit Baujahr 1953 bereit. Der Triebwagen fuhr früher in Deutschland auf der Extertalbahn zwischen Barntrup in Nordrhein-Westfalen und Rinteln in Niedersachsen, 1969 wurde er mit der Einstellung des Personenverkehrs der Extertalbahn nach Österreich verkauft.
Die Lokalbahn wurde 1903 eröffnet und 1931 elektrifiziert. Bald schon nach dem Verlassen des Bahnhofs Lambach führt die Strecke über die Traun, dann folgt der Bahnhof Stadl-Paura. Von hier führt eine weitere Lokalbahn nach Gmunden, die Trauntalbahn wird im Personenverkehr jedoch nicht mehr befahren.
Die Fahrt durch das Traunviertel ist landschaftlich ohne große Highlights, wobei mir die Strecke vielleicht auch deshalb etwas eintönig vorkommt, weil es wieder regnet. Aber halt, eine Besonderheit gibt es: mit der Haltestelle Au begegnen wir dem kürzesten Haltestellennamen Österreichs.
Nach rund 16 Kilometern ist die Endstation Vorchdorf-Eggenberg erreicht, hier befindet sich auch die Hauptwerkstätte von Stern & Hafferl. Ein leichtes Blau am Himmel lässt mich für die weitere Fahrt auf freundlicheres Wetter hoffen. Hier der Triebwagen nach der Ankunft im Endbahnhof, dahinter steht ein aus Köln übernommener Triebwagen.
In Vorchdorf-Eggenberg treffen sich Vorchdorferbahn und Traunseebahn, wobei beide Bahnen eigene Bahnhofsgebäude haben. Hier der Bahnhof der Vorchdorferbahn. Auf dem Bahnhofsvorplatz steht die Skulptur „Spurwechsel“, die 2013 zum 110-jährigen Jubiläum der Vorchdorferbahn errichtet wurde und aus Fahrzeugteilen besteht. Die gekreuzten Achsen stehen für das Zusammentreffen von Schmal- und Normalspur, die Federn für die Dynamik der Bewegung und der Stromabnehmer für zukunftsweisende Energie.
Für die Weiterfahrt geht es nun auf einem Fußweg über die Gleisanlagen hinüber zum Bahnhof der Traunseebahn. Die Traunseebahn oder Lokalbahn Gmunden-Vorchdorf fährt auf Meterspur, deshalb ist ein Umsteigen in Vorchdorf-Eggenberg unvermeidlich.
Auch diese Strecke wird von Stern & Hafferl betrieben, seit 2016 sind hier neue Tramlink-Triebwagen unterwegs – wobei der Triebwagen Nr. 126 mittlerweile auf der Attergaubahn eingesetzt wird.
Die Strecke wurde 1912 eröffnet und war von Anfang an elektrifiziert. Das schmucke Bahnhofsgebäude von Eisengattern strahlt noch die Idylle der Lokalbahnzeit aus. Weiter geht die Fahrt durch die sanfte Landschaft des Alpenvorlands. Es folgt ein Bedarfshalt mit dem sonderbaren Namen „Karl z'Neuhub“. Ein Landwirt knüpfte die Abtretung seines Grunds für den Bau der Bahn an die Bedingung, hier einen Haltepunkt einzurichten und nach ihm zu benennen.
Die Modernisierung der Traunseebahn umfasst nicht nur die Fahrzeuge; am Haltepunkt Neuhub glänzt ein modernes Wartehäuschen.
Eine Besonderheit ist der Bahnhof Engelhof. Das brachliegende Gebäude steht unter Denkmalschutz und gehört zu den ältesten Bahnhöfen Österreichs. Er wurde 1834 erbaut für eine Pferdeeisenbahn, die Strecke Gmunden-Linz-Budweis war die zweite öffentliche Eisenbahnlinie auf dem europäischen Festland und diente dem Salztransport vom Salzkammergut nach Böhmen. Aus der Pferdeeisenbahn ging die normalspurige Trauntalbahn hervor, die heute jedoch nur noch im Güterverkehr und nur noch auf einem Teilabschnitt befahren wird. Die normalspurige Gleise der ÖBB sind bereits abgebaut. Trauntalbahn und Traunseebahn führten von hier früher auf einem Dreischienengleis gemeinsam nach Gmunden. Die Gleise verlaufen nun auf einer Gefällestrecke hinab nach Gmunden am Traunsee.
Der Seebahnhof Gmunden war früher Endstation der Traunseebahn. Die Strecke befindet sich jedoch im Umbruch und wurde bereits verlängert bis zum Klosterplatz von Gmunden, während unseres Besuchs sind Bauarbeiten für den Lückenschluss zur Straßenbahn Gmunden im Gange. Der alte Seebahnhof wurde abgerissen, die neue Haltestelle Seebahnhof befindet sich nun an den Durchgangsgleisen Richtung Klosterplatz. Den Rest der Strecke erkunden wir zu Fuß.
Die Gleise schwenken auf die Traunsteinstraße, seit 2014 ist die neue Verbindungsstrecke zum Klosterplatz in Betrieb. Wo lag denn der alte Seebahnhof – hier geradeaus?
Die Station Klosterplatz ist im Moment Endstation, 14,9 Kilometer ist die Traunseebahn von Vorchdorf bisher lang. Die Gleise enden einige Meter weiter hinter einer Baustellenabsperrung.
Im weiteren Verlauf wird die Strecke dann über die Traun führen, hierzu wird die Traunbrücke neu gebaut. Auch am Trauntor sind die Bauarbeiten schon im Gange.
Wir wollen aber nicht nur stur den Gleisen bzw. der Baustelle folgen, sondern auch die 13.000-Einwohner-Stadt Gmunden und den Traunsee erkunden. Ich glaube das ist die Reise mit den meisten Schiffsfahrten – aber nachdem sich das Wetter so erfreulich gebessert hat, entschließe ich mich zu einer kleinen Schiffsrundfahrt.
Zu den bekanntesten Sehenswürdigkeiten von Gmunden gehört das Seeschloss Ort, es liegt auf einer Insel im Traunsee. Dann folgt der Blick auf das Schloss Traunsee, es wurde 1872 bis 1875 vom Herzog von Württemberg als Sommervilla für seine Gemahlin Erzherzogin Maria Theresia erbaut und wird deshalb auch Schloss Württemberg genannt.
Der Traunsee wird vom Traunsteinmassiv und anderen Bergstöcken des Salzkammerguts umgeben, er ist der tiefste See Österreichs. Die Schiffsrundfahrt neigt sich nun dem Ende zu und die Weiterfahrt mit der Straßenbahn Gmunden steht als nächstes auf unserem Reiseplan. Allerdings ist dieser Teil des Reiseberichts jetzt schon recht lang geworden, von daher machen wir hier einen Schnitt.
In den nächsten Tagen folgte der sechste und letzte Teil mit der Straßenbahn Gmunden, dem Kammerer Hansl und der Rückfahrt an den Bodensee.
Viele Grüße
Tobias
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Vielen herzlichen Dank für den Reisebericht!
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