Von Engadin, Pinzgau & Rosental [4/4 m. 36 B.] (Reiseberichte)

TD, Dienstag, 07.02.2017, 18:37 (vor 3331 Tagen)

Hallo zusammen,

willkommen zum letzten Teil unserer kleinen Rundfahrt, im dritten Teil waren wir von Krimml nach Zell am See und über die Tauernbahn nach Rosenbach gefahren.

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Tag 3: Rosenbach – Klagenfurt – Ulm – Friedrichshafen – Konstanz

Heute steht also die Bereisung der Rosentalbahn auf unserem Reiseplan, anschließend fahren wir von Klagenfurt zurück nach Hause an den Bodensee.

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Ich muss schon sagen, es gibt wenige Bahnstrecken, deren Bereisung so aufwändig war wie die Rosentalbahn. Früh am Morgen machen wir uns auf den Weg zum Bahnhof...

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...denn hier gibt der Fahrplan den Tagesablauf vor. Zuletzt verkehrte nur noch ein Zug ab Rosenbach auf der Rosentalbahn – und wirklich nur ein Zug, also kein Zugpaar. Das ganze morgens um 6.24 Uhr und das auch nur „Werktag außer Samstag“. Wollte man die Strecke bei Tageslicht befahren, musste man dies also im Sommer tun. Und man musste am Vortag anreisen und in Rosenbach übernachten, denn die Abfahrt lag vor der Ankunft der ersten Züge aus Villach oder Jesenice.

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Ich muss zugeben, dass ich im Vorfeld den Fahrzeugeinsatz nicht recherchiert und mich gedanklich auf einen Triebwagen eingestellt hatte, stattdessen steht ein stattlicher Zug mit vier Wagen bereit – das entspricht bei der Abfahrt in Rosenbach etwa einem Wagen pro Fahrgast.

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Der Schaffner mustert interessiert unsere Fahrkarte: „Aha, Rosenbach b. Villa – so heißt das also offiziell“ – man könnte fast meinen, er sieht zum ersten Mal ein Standard-Ticket auf dieser Strecke. Gut, das mag vielleicht auch daran liegen, dass das eigentlich ein klassischer Schülerzug ist und sich nur wenige andere Reisende für die Verbindung entscheiden. Angesichts der bevorstehenden Einstellung des Bahnverkehrs habe ich von dieser Etappe etwas mehr Bilder, auch wenn das Wetter nicht optimal war, aber ich bin schon froh, dass hinsichtlich des Fahrplanangebots eine Mitfahrt überhaupt geklappt hat. Hier fahren wir gerade aus dem Lessachtunnel und über das Rosenbach-Viadukt. In 52 Metern Höhe geht es über die Rosenbachschlucht. Mit einer Länge von knapp 240 Metern gehört es zu den markantesten Bauwerken der Strecke.

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Auch wenn es sich anbieten würde, verzichte ich hier auf ein Wortspiel. Am Bahnhof Maria Elend ist der letzte Zug mittlerweile auch abgefahren. Kurz darauf kommt schon die nächste Brücke, diesmal über den Großen Dürrenbach.

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In der Ferne ist die Drau zu sehen, die mehr oder weniger parallel zur Bahnstrecke durch das Rosental fließt. In der Ferne ist schon der nächste Ort Suetschach zu sehen.

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Die Bahnsteige sind viel zu kurz für den Vier-Wagen-Zug, auch hier am Haltepunkt Suetschach kann nur in die vorderen Wagen eingestiegen werden, und Aussteigen tut hier ohnehin niemand. Gut, dass wir einen der hinteren Wagen gewählt haben, so bleiben wir noch etwas von den Schülerhorden verschont.

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Auch in Feistritz gibt es ein schmuckes Bahnhofsgebäude, dieses wird wohl um das Jahr 1906 im Zuge des Baus des Rosentalbahn errichtet worden sein. Bis vor einigen Jahren gab es hier noch Güterverkehr und Holzverladung. 1992 war die Rosentalbahn zwischen Feistritz und Maria Elend auch Kulisse für den US-Spielfilm „Wie ein Licht in dunkler Nacht“. Der Film gewann dreimal die „Goldene Himbeere“ (schlechteste Schauspielerin, schlechteste Regie und schlechtester Film) und war in weiteren Kategorien nominiert – da scheine ich nicht viel verpasst zu haben.

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Gut, es sind nicht alle Bauten entlang der Strecke denkmalwürdig. Der „Bahnsteig“ in St. Johann lässt die Zukunft der Strecke schon erahnen.

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In Weizelsdorf wird der Zug nun richtig voll, deshalb habe ich jetzt auch kaum mehr Bilder der weiteren Strecke. Das ist aber nicht so dramatisch, denn ab hier ist eine Bereisung der Strecke wiederholbar, bis Weizelsdorf wird die Rosentalbahn weiterhin im Personenverkehr von der S 3 aus Klagenfurt befahren. Vielleicht komme ich irgendwann mal wieder hierher, zumal es von Weizelsdorf ausgehend mit der Ferlacher Bahn noch eine weitere Strecke zu entdecken gibt.

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Nach der Fahrt über den Ferlacher Stausee und dem Halt in Maria Rain folgen zwei aufgelassene Stationen, darunter der Bahnhof Viktring im Stadtgebiet von Klagenfurt. Wenig später endet die 50-minütige Bahnfahrt im Bahnhof Klagenfurt. Während der Abschnitt von Klagenfurt bis Weizelsdorf ausgebaut werden soll, sieht die Zukunft der weiteren Strecke bis Rosenbach eher düster aus, so dass eine Wiederholung dieser Fahrt auf absehbare Zeit nicht mehr möglich sein wird.

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Wir haben jetzt in Klagenfurt etwas Aufenthalt und drehen eine kleine Runde durch die Innenstadt. Der Brunnen mit Bronzefigur erinnert an die Sage des Wörthersee-Mandls, aus dessen Fass endlos das Wasser strömt und so den Wörthersee füllte.

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Nach einer Runde über den Alten Platz bis zum Landhaus, dem Sitz des Kärtner Landtags, machen wir uns auf den Rückweg zum Bahnhof.

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Die Empfangshalle des Hauptbahnhofs ist von zwei großen Wandfresken geschmückt. Während ich im letzten Reisebericht aus Klagenfurt ein Bild mit der „Wand der Kläger“ hatte, gibt es diesmal ein Bild der „Wand der Angeklagten“. Die Fresken von Giselbert Hoke im Stil Picassos lösten 1956 einen Protest konservativer Kreise aus.

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Da mein Bruder am Abend in Mainz sein muss, haben wir uns für die Rückfahrt den Eurocity 114 mit dem schönen Namen „Wörthersee“ ausgesucht, so dass wir gemeinsam bis Ulm fahren können.

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Wir fahren nun zunächst entlang des Wörthersees und dann über die Tauernbahn. Unterdessen müssen wir uns sprachlich schon wieder umstellen, statt einem Verlängerten gibt es hier wieder ganz banalen Kaffee.

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Vom Rest der Strecke habe ich jetzt nicht mehr viele Bilder und so kürzen wir das Ganze jetzt ab. Jedenfalls fahren wir über die Tauernbahn gen Salzburg und weiter durch den Chiemgau über München bis Ulm, wo ich mich von meinem Bruder verabschiede.

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Weiter geht es auf der Südbahn durch Oberschwaben nach Friedrichshafen. Für Weiterfahrt nach Konstanz entscheide ich mich dann für den StädteSchnellbus der RAB.

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Zum Busfahrpreis gibt es hier eine Überfahrt über den Bodensee obendrauf und die Reise klingt auf der Fähre von Meersburg nach Konstanz aus.

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Eine fahrende Haltestelle gibt’s auch nicht überall. „Der Zu- oder Ausstieg auf der Fähre Konstanz - Meersburg ist zugelassen“, heißt es ganz offiziell im Fahrplan.

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Und mit einem letzten Bild vom Bodensee sind wir am Ende angelangt.
Ich bedanke mich für das Interesse und die Kommentare zu den bisherigen Teilen.


Viele Grüße

Tobias


PS: Meine früheren Reiseberichte gibt’s unter www.bahnreiseberichte.de

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[image] "Fensterplatz, bitte." - Meine Bahnreiseberichte.de.| instagram.com/fensterplatz.bitte/


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