Versuch einer ernsthaften Antwort (Allgemeines Forum)

GUM, Donnerstag, 05.01.2017, 10:10 (vor 3378 Tagen) @ unternehmenzukunft
bearbeitet von GUM, Donnerstag, 05.01.2017, 10:10

Ich hatte in einem anderen Beitrag schon einmal geschrieben:

Als Außenstehender befürchte ich, dass es irgendein bahninternes Problem mit Kennzahlen, Cash-Flow, Liquidität im Vergleich zu den Zielvorgaben gibt.

Hat man zu wenig wirtschafts'wissenschaftliche' Profis im Unternehmen, dann simplifiziert sich die vereinfacht dargestellte

Gewinngleichung = Bruttoertrag - Steuern - Materialaufwand - Personalaufwand

wie folgt:

1.) Das Management achtet bei den beiden Kostenkategorien auf jeden einzelnen Cent anstatt sich damit zu befassen Umsatz bzw. Bruttoertrag zu steigern. Da sich Kundenbegeisterung und Wiederkaufrate eben nicht flächendeckend messen lassen,
liegt der Schwerpunkt nur bei den Kosten.

2.) Auf der Einnahmenseite hat man sich ja schon selbst ein Bein durch schwankende Preise und einen Sonderangebotsdschungel gestellt. Hier kann man also nicht mehr so einfach schrauben. Neukundengewinnung ist zudem eine Sisyphos-Arbeit und würde nur sehr erfolgreich sein, wenn das Basisprodukt immer stimmt.

Findet der Fahrgast nicht einmal einen Speisewagen vor, so müht er sich vielleicht sogar erfolgreich an einem versüfften Getränkeautomaten eines der 'saubersten' Bahnhöfe Deutschlands ab. Ob der wiederkommt und sich stattdessen lieber in eine enge Metalröhre quetscht das ist fraglich.

3.) Dann wird halt jeder Cent gesucht. Beginnend bei Fahrzeitverlängerungen (=Energiesparen) über die Bordgastronomie bis hin zu Teesorten oder dem Lounge Zugang in Hamburg.

4.) Zusätzlich scheint man - wahrscheinlich angetrieben durch diverse Consultants - in die Digital Naive-Falle getappt zu sein. In Ergänzung zum normalen Kundendialog leistet man sich ein zusätzliches Media-Team. Welches allerdings nur Werte für ein Softwareunternehmen generiert, nicht für die Bahn selbst. Mit dieser zweistelligen Personenzahl ließe sich locker ein Kundenbegeisterungs-Team betreiben, welches Fahrgäste überrascht.


Als Fahrgast würde ich mich deshalb über die angebotenen Services freuen und vielleicht das ein oder andere Mal kommunizieren, wenn eine wesentliche Leistung verschlechtert wird.

Bei der derzeitigen Lage der Bahn wird sich aber wahrscheinlich niemand die Zeit nehmen, die Tee-Sorten zu erweitern.

Es ist ja nicht so wie im Luftverkehr, wo ein einziger Passagier an einem einzigen Tag einen vierstelligen Betrag beim Unternehmen lässt. Und neben den Sitzen vielleicht der eine oder andere Teil des Caterings den Ausschlag gibt.

Und die Führungskraft der Servicemannschaft damit beschäftigt ist, den maximal 14 Passagieren der höchsten Preisklasse Blue Mountain Kaffee zu servieren:

Wikipedia-Artikel über Luxuskaffee

Mit dem kostenfrei-Angebot von drei Teesorten bei einem oft zweistelligen Tagesumsatz
kann der Fahrgast also vergleichsweise sehr zufrieden sein.

Du kannst auch mehr als einen Tee trinken!

Im Vergleich dazu: Ein Kaufhaus gegenüber dem Hauptbahnhof München sperrt inzwischen seine Teebeutel weg. Man füllt in Selbstbedienung das Heißwasser ein und bekommt den Beutel an der Kasse. Deshalb könnte es auch durchaus sein, dass es bei Reisenden einen Mitnahmeeffekt gab und man mehr Überblick behalten möchte!

Wäre auch eine Möglichkeit.

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