Vom Vatikan zur Wocheiner Bahn (3/5 m 60 B) (Reiseberichte)
Hallo zusammen,
willkommen zum dritten Teil unserer kleinen Rundfahrt zwischen Alpen und Adria. Im letzten Teil hatten wir uns intensiv mit dem Bahnverkehr des Vatikans beschäftigt – ich habe mich sehr über die Resonanz auf den Reisebericht gefreut. Ich glaube ich muss mal bei den vatikanischen Museen anklopfen, wie es mit einer Provision aussieht, wenn jetzt die Buchungen für die Tour „Vatican By Train“ aus dem deutschsprachigen Raum sprunghaft ansteigen ;)
So, jetzt aber weiter im Reisebericht, heute gibt es zur Abwechslung wieder eine größere Etappe im italienischen Fernverkehr.
![[image]](http://www.bahnreiseberichte.de/071-Vatikan-Triest/71-000Karte.jpg)
Tag 3: Rom – Triest
Der heutige Reisetag ist recht entspannt, unser Zug fährt erst um 10.30 Uhr, so dass wie noch gemütlich frühstücken können. Ansonsten müssen wir nur noch Proviant für die Bahnfahrt einkaufen.
Von Rom soll es nun nach Triest an der Grenze zu Slowenien gehen. Die Reise an die Adria starten wir am Hauptbahnhof Roma Termini.
Hier gibt es mittlerweile Bahnsteigsperren, neudeutsch „Gate“ genannt – oder vielleicht auch nur holprig übersetzt. Die Bahnsteigsperren sind allerdings für uns kein Hindernis...
...denn wir haben gültige Fahrkarten für den Intercity 588 von Rom nach Triest.
Es gibt deutlich schnellere Umsteigeverbindungen für die Strecke, ich habe mich aber bewusst für einen klassischen Intercity entschieden. Ein Argument für den Direktzug war, dass dieser teilweise die Altstrecke befährt und wir so auch ein Stück Italien abseits der Schnellfahrtstrecke entdecken können.
Der Zug nutzt zunächst die Direttissima und wechselt dann auf die Altstrecke ins Tibertal nach Orte. Ich hatte mich noch gewundert, warum sich recht viele englischsprachige Touristen in den Zug verirrt hatten, das klärt sich aber in Orvieto, wo die meisten internationalen Fahrgäste mit einem Italy-Reiseführer in der Hand aussteigen.
Der Zug erreicht dann bald schon die Toskana, hier mit Blick auf die Castello di Montecchio Vesponi, die Burg wurde im 9. Jahrhundert errichtet.
Kurz darauf passieren wir die Altstadt von Castiglion Fiorentino, die auf einem Hügel der Vorapenninen thront.
Immer wieder ist auf der Fahrt die Schnellfahrtstrecke zu sehen, die abschnittsweise parallel zur Altstrecke verläuft. Nach dem Halt in Arezzo wechselt der Zug wieder auf die Direttissima, hier quert die Schnellfahrtstrecke gerade den Arno.
Der Zug hat einen Fahrplan mit großzügigen Aufenthaltszeiten; wir sind äußerst pünktlich unterwegs, die Türen werden bereits 20 Sekunden vor der Abfahrtszeit geschlossen und auf Zeigersprung wird abgefahren. In Florenz halten wir am Durchgangsbahnhof Rifredi, weiter geht es auf der alten Strecke über Prato.
Die Strecke folgt dem Fluss Bisenzio auf den Apennin hinauf zum Apenninbasistunnel. Mit über 18 Kilometern Länge war die Grande Galleria dell’Appennino zeitweilig der längste einröhrige Doppelspurtunnel der Welt.
Einen Wermutstropfen gibt es bei der achtstündigen Fahrt quer durch Italien allerdings: es gibt keinerlei Bordgastronomie. Immerhin hat der Intercity in Bologna Centrale neun Minuten Aufenthalt, das reicht für einen Espresso aus dem Automaten am Bahnsteig.
Nachdem wir den Apennin verlassen haben, präsentiert sich mit der Poebene ein landschaftlich ganz anderes Italien und bei dem wenig ereignisreichen Blick aus dem Zugfenster zieht sich die Fahrt doch etwas.
Zudem steht der Zug knapp dreißig Minuten planmäßig in Venedig Mestre – schade, dass der IC in dieser Zeit nicht bis Santa Lucia fährt. Nach Lok- und Fahrtrichtungswechsel geht die Reise weiter durch Venetien.
Eine Stunde später haben wir die Provinz Gorizia (deutsch Görz) erreicht, wobei es landschaftlich keinen großen Unterschied zu Venetien gibt.
Erst die letzte Etappe wird dann wieder interessant, denn die Gleise verlaufen hier mit Blick auf den Golf von Triest. Die Strecke erinnert mich an die Bahnlinie entlang der Ligurischen Küste.
Schließlich erreichen wir den Endbahnhof Triest. Da wir unsere Rundreise mit einem anderen Verkehrsmittel fortsetzen werden, schauen wir uns jetzt noch an der Stazione di Trieste Centrale um. Das historische Bahnhofsgebäude wurde von der österreichischen Südbahngesellschaft gebaut als Endpunkt der Strecke Wien-Triest und 1878 eröffnet. Vor dem ersten Weltkrieg gab es sogar einen D-Zug vom Anhalter Bahnhof in Berlin nach Triest mit Anschluss an die Schiffe des österreichischen lloyds nach Ägypten.
Das Neorenaissance-Gebäude hat einen modernen Anbau mit Ladenflächen erhalten. Zwischen all dem Kommerz...
…hat in dem Anbau auch eine Bahnhofskapelle Platz gefunden.
Wir verlassen nun den Bahnhof an der Piazza della Libertà und bringen zunächst das Gepäck ins Hotel. Anschließend erkunden wir im Abendlicht die 200.000-Einwohner-Stadt.
Triest war von 1382 bis 1918 habsburgisch-österreichisch und hatte als einziger großer Seehafen Österreichs eine wichtige Bedeutung, der Hafen war Stützpunkt der k.u.k. Kriegsmarine und entwickelte sich damals zum größten Handelszentrum der Adria.
Architektur und Einflüsse der Donaumonarchie mischen sich hier mit südländischem Flair, die Stadt ist so ganz anders als die typischen italienischen Städte und erinnert an ein „Wien am Meer“.
Die rechteckige Piazza dell’Unità d’Italia gehört zu den größten Plätzen Europas, sie liegt direkt am Golf von Triest und ist an den drei anderen Seiten mit neoklassischen und barocken Gebäuden umgeben, rechts das Rathaus.
Im Zentrum liegt zudem der Canal Grande, an dessen Ende sich die Kirche Sant’Antonio Taumaturgo erhebt.
Die Straßenbahn Triest–Opicina hat schon Nachtruhe, einer der Wagen ist an der Endhaltestelle an der Piazza Oberdan abgestellt. Der Bahn werden wir uns am nächsten Tag widmen.
Die Gebäude an der Piazza dell’Unità d’Italia sind nachts eindrucksvoll illuminiert. In der Mitte des Platzes der Brunnen Fontana dei quattro continenti, links der Palazzo del Governo, daneben die Casa Stratti und der Palazzo Modello…
..und zentral der Blick auf das Rathaus Palazzo del Municipio. Am Hafen lassen wir den dritten Reisetag ausklingen.
Es geht gleich weiter...
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- Vom Vatikan zur Wocheiner Bahn (3/5 m 60 B) -
TD,
26.11.2016, 16:54
- Vom Vatikan zur Wocheiner Bahn (3/5 m 60 B) Forsetzung -
TD,
26.11.2016, 16:55
- Vielen Dank!
-
Anoj 1,
26.11.2016, 21:12
- Danke für den interessanten Bericht - Mike65, 26.11.2016, 22:08
- Schöner Bericht - rheinbahn95, 28.11.2016, 00:39
- Vielen Dank!
- Vom Vatikan zur Wocheiner Bahn (3/5 m 60 B) Forsetzung -
TD,
26.11.2016, 16:55