Unterwegs zwischen Höllental und Kaiserstuhl 3/3 m. 35 B. (Reiseberichte)

TD, Mittwoch, 28.09.2016, 19:21 (vor 3469 Tagen)

Hallo zusammen,

willkommen zum letzten Teil unseres kleinen herbstlichen Ausflugs zwischen Höllental und Kaiserstuhl. Im zweiten Teil hatten wir begonnen, den Kaiserstuhl auf Schienen zu umrunden und hatten den Aussichtspunkt Mondhalde bei Oberrotweil besucht.

[image]

Nun steht die letzte Etappe an, von Oberrotweil fahren wir über Breisach, Freiburg und die Höllentalbahn wieder nach Hause.

[image]

Nach dem Besuch der Mondhalde drehen wir noch eine kleine Runde durch das Winzerdorf Oberrotweil, hier die St.-Johannis-Kirche aus dem Jahr 1835.

[image]

Bis zur Abfahrt des nächsten Zugs bleibt noch Zeit, um uns am Bahnhof umzuschauen. Im Zuge der Umsetzung des Konzepts „Breisgau-S-Bahn 2020“ wird auch die Kaiserstuhlbahn elektrifiziert. Der Bahnhof Oberrotweil soll dabei einen zweiten Bahnsteig erhalten, so dass dort Zugkreuzungen möglich werden.

[image]

[image]

[image]

Der Fahrzeugeinsatz erfolgt nicht ganz linienrein, bei der Fahrt von Oberrotweil nach Breisach hat sich ein Regio-Shuttle der BSB auf die Kaiserstuhlbahn verirrt. Durch die Weinberge am Rande des Kaiserstuhls fahren wir nun bis zur Endstation in Breisach.

[image]

[image]

Auf der Breisacher Bahn nach Freiburg vollenden wir nun die Umrundung des Kaiserstuhls. Wo heute noch Regio-Shuttles der BSB in Mehrfachtraktion verkehren, sollen in einigen Jahren Coradia Continental von DB Regio fahren. Die Züge werden dann aber weder grün noch rot sein, sondern das Landesdesign erhalten. Von Breisach wird man dann durchgehend bis Seebrugg fahren können und von Endingen bis Villingen.

[image]

Südlich des Kaiserstuhls fahren wir nun nach Freiburg, wobei wir in Gottenheim die Umrundung des Vulkangebirges vollenden.

[image]

Auch in diesem Teil des Reiseberichts gibt es ein paar Off-Topic-Bilder. Nach der Ankunft in Freiburg steigen wir nämlich nicht direkt auf einen Zug der Höllentalbahn um, sondern legen einen Zwischenstopp in der Breisgaumetropole ein. Nach Schauinsland und Mondhalde wollen wir auch hier hoch hinaus.

[image]

Über den Münsterplatz und über 329 Stufen...

[image]

...geht es auf den Münsterturm. Hier der Blick über die Dächer der Altstadt zum Schwabentor.

[image]

[image]

Mit dem Martinstor rückt auch der zweite noch erhaltene Torturm der mittelalterlichen Stadtbefestigung ins Blickfeld.

[image]

In der Bildmitte das Neue Rathaus, das Hochhaus im Hintergrund gehört zum Bahnhofskomplex.

[image]

[image]

Unter uns am Münsterplatz eines der bekanntesten Gebäude von Freiburg; das Historische Kaufhaus mit seiner roten Fassade stammt aus dem Jahr 1532.

[image]

Entlang eines Freiburger Bächles geht es nun zum Neuen Rathaus und von dort weiter zum Bahnhof. Über 15 Kilometer zieht sich das Netz der Wasserläufe durch Straßen und Gassen der Altstadt.

Es geht gleich weiter...

--
[image] "Fensterplatz, bitte." - Meine Bahnreiseberichte.de.| instagram.com/fensterplatz.bitte/

Unterwegs zwischen Höllental und Kaiserstuhl 3/3 Fortsetzung

TD, Mittwoch, 28.09.2016, 19:24 (vor 3469 Tagen) @ TD

[image]

Nachdem wir auf der Hinfahrt sämtliche Unterwegshalte entlang der vorderen Höllentalbahn abgeklappert und Bahnhöfe und Orte erkundet haben, wollen wir auf der Rückfahrt durchfahren bis Titisee. Dafür wählen wir den n-Wagen im Zugverband, hier im Mehrzweckabteil können wir die Fahrt am offenen Fenster genießen ohne andere Fahrgäste zu stören.

[image]

Bis zum Bahnhof Himmelreich führt die Strecke durch den breiten Talboden des Dreisamtals im Naturpark Südschwarzwald in Richtung des Höllentals.

[image]

Nach dem Halt in Himmelreich beginnt das eigentliche Höllental, das der Bahnstrecke seinen Namen gab. Das Tal hieß früher Falkensteiner Tal; als die Franzosen im 17. Jahrhundert Freiburg eroberten und weiter in den Schwarzwald vorrückten, nannten sie das enge und düstere Tal Val d’enfer – Höllental.

[image]

Die Strecke gewinnt nun an Höhe und führt am Berghang über den Dächern des Dorfes Falkensteig tiefer ins Höllental. Mit Bahnlinie und Bundesstraße hat das Tal eine wichtige Funktion im Ost-West-Verkehr mit einer hohen Verkehrsbelastung für die Anwohner.

[image]

Das Gasthaus Zu den Zwei Tauben gilt als das älteste Gasthaus im Höllental, seine Geschichte lässt sich bis ins Jahr 1744 zurückverfolgen. Als „Taubenwirtshaus“ war es damals Umspannplatz für Pferdekutschen und Herberge für Reisende und Händler.

[image]

Während die Bundesstraße am Talgrund verläuft, folgen auf der Bahnstrecke drei kürzere Tunnel.

[image]

Das tiefeingeschnittene Tal verengt sich nun schluchtartig. Die engste Stelle am Hirschsprung war ursprünglich nur neun Meter breit, die Klamm wurde im Zuge des Verkehrsausbaus später durch Sprengungen verbreitert. Um die engste Stelle des Höllentals, auch Höllenpass genannt, rankt sich die Hirschsprung-Sage. Ein Ritter der nahegelegenen Burg Falkenstein war auf der Jagd nach einem prächtigen Hirschen, der mit einem gewaltigen Sprung über die Schlucht seinem Verfolger entkommen sein soll.

[image]

Mit einer Steigung von bis zu 1:18 war der Streckenabschnitt zwischen Hirschsprung und Hinterzarten bei der Eröffnung im Jahr 1887 die steilste Normalspur-Bahn in Deutschland. Dieser Streckenabschnitt war seinerzeit mit Zahnstangen ausgestattet. Erbaut wurde die Strecke von Robert Gerwig, der als Eisenbahningenieur auch Hochrheinbahn, Schwarzwaldbahn und Gotthardbahn geplant bzw. gebaut hatte. Im Zuge des technischen Fortschritts konnte ab 1933 auf die Zahnstangen verzichtet werden. Auf der Ravennabrücke überquert die Bahn nun die gleichnamige Schlucht. Der Hügel mit der Holzhütte ist der Galgenbühl, wo das Hochgericht des im Höllental herrschenden Sickingergeschlechts einst Todesurteile vollstreckte. Das örtliche Forstamt hat den zwischenzeitlich bewaldeten Hügel wieder abgeholzt um das Areal touristisch zu nutzen und Wanderern und Eisenbahnfans einen „visuellen Genuss“ auf die historischen Gebäude am Fuße des Galgenbühls und die Ravennabrücke zu ermöglichen.

[image]

In kurzer Folge geht es jetzt durch den Ravennatunnel sowie zwei weitere Tunnel. Vom Beginn der Steilstrecke am Bahnhof Himmelreich bis zum Bahnhof Hinterzarten überwindet die Bahn auf 11,5 Kilometern eine Höhendifferenz von 430 Metern. Wir lassen das enge Tal nun hinter uns und erreichen eine offene Schwarzwaldlandschaft.

[image]

[image]

Kurz vor Hinterzarten passieren wir den Jockeleshof. Der urige Schwarzwaldhof wurde 1704 errichtet, er steht unter Denkmalschutz und gilt als Zeugnis für die Lebens- und Wirtschaftsweise eines abgelegenen und einstmals autarken Bauernhofs im Hochschwarzwald, der auch über eine Mühle, eine Säge und eine eigene Kapelle verfügt.

[image]

In Titisee verlassen wir den Zug, der weiter auf der Dreiseenbahn nach Seebrugg fährt. Nachdem wir Ort und See im ersten Teil des Reiseberichts schon besucht haben, steigen wir direkt um zur Weiterfahrt nach Donaueschingen. Die BR 611 ist ein seltener Gast in Titisee, wegen Bauarbeiten ist heute aber alles etwas anders und wir können von Titisee durchfahren bis Donaueschingen.

[image]

Für fünf Kilometer geht es nun mit Diesel unter Fahrdraht nach Neustadt...

[image]

...und vorbei am St.-Jakobus-Münster von Neustadt weiter auf die sogenannte Hintere Höllentalbahn.

[image]

Das ist nun das letzte Bild der für den Schwarzwald typischen Nadelwälder, die Strecke gewinnt auf der Fahrt nach Rötenbach nochmals etwas an Höhe, bevor es dann sanft hinab geht Richtung Donaueschingen.

[image]

Bei Löffingen geriet um 1740 ein erschöpfter Pilger in einen Schneesturm und gelobte, bei seiner Rettung ein Kreuz zu errichten. Tatsächlich wurde er wenig später von Holzfällern gefunden und gerettet. Dem Kreuz folgte später eine Holzkapelle und ein weiterer Steinbau, die heute als Witterschneekreuz bekannt sind.

[image]

Und mit der Fahrt über die Baar sind wir am Ende des Reiseberichts angelangt. Von Donaueschingen geht es dann mit der Schwarzwaldbahn zurück an den Bodensee, aber diese Strecke habe ich ja schon in vielen meiner Reiseberichte erwähnt, so dass wir diesen Teil auslassen.

Ich bedanke mich für das Interesse und die Kommentare und Ergänzungen zu den bisherigen Teilen. Nach diesem Ausflug der Kategorie „Heimatkunde“ geht es irgendwann demnächst ins Ausland auf eine Tour Richtung Süden.


Viele Grüße


Tobias


PS: Meine früheren Reiseberichte gibt’s unter www.bahnreiseberichte.de.

--
[image] "Fensterplatz, bitte." - Meine Bahnreiseberichte.de.| instagram.com/fensterplatz.bitte/

Danke!

Schwarzwaldbahner, Mittwoch, 28.09.2016, 19:26 (vor 3469 Tagen) @ TD

Hallo!

Vielen Dank für diesen wie gewohnt tollen Bericht mit schönen Bildern.

Liebe Grüße
Schwarzwaldbahner

Einfach nur schön!!!

101-Fan, Köln, Mittwoch, 28.09.2016, 19:39 (vor 3469 Tagen) @ TD

Hallo Tobias,

es ist immer wieder schön deine Reiseberichte zu lesen und die tollen Fotos dazu anzuschauen.
Ich freue mich schon auf weitere Berichte von dir.

--
Es grüsst aus Köln
Markus

Unterwegs zwischen Höllental und Kaiserstuhl 3/3 Fortsetzung

naseweiß, Mittwoch, 28.09.2016, 19:42 (vor 3469 Tagen) @ TD

Kurz vor Hinterzarten passieren wir den Jockeleshof. Der urige Schwarzwaldhof wurde 1704 errichtet, er steht unter Denkmalschutz und gilt als Zeugnis für die Lebens- und Wirtschaftsweise eines abgelegenen und einstmals autarken Bauernhofs im Hochschwarzwald, der auch über eine Mühle, eine Säge und eine eigene Kapelle verfügt.

Kleine Korrektur. Der befindet sich mittig zwischen Titisee und Hinterzarten. Bei dieser Fahrtrichtung ist das nach Hinterzarten bzw. vor Titisee.

Ansonsten natürlich Danke für den Bericht,
naseweiß

--
[image]

Unterwegs zwischen Höllental und Kaiserstuhl 3/3 Fortsetzung

Turbonegro, Mittwoch, 28.09.2016, 21:05 (vor 3468 Tagen) @ TD

Hallo,

mal wieder ein schöner Bericht aus einer schönen Gegend. Hast du zufällig vor, in 5 Jahren die selbe Tour nochmal zu machen. So ein Vorher-Nachher-Vergleich zwischen dem Zustand heute und nach Elektrifizierung, Modernisierung, neuen Fahrzeugen, Flügelkonzept usw?

Unterwegs zwischen Höllental und Kaiserstuhl 3/3 Fortsetzung

meilensammler, Mittwoch, 28.09.2016, 23:38 (vor 3468 Tagen) @ TD

Danke, die Bilder sind toll!

Sieht man viel vom Höllental aus dem Zug, oder verläuft die Strecke meist in Tunnels?

Sammelantwort

TD, Donnerstag, 29.09.2016, 22:27 (vor 3467 Tagen) @ TD

Kleine Korrektur. Der befindet sich mittig zwischen Titisee und Hinterzarten. Bei dieser Fahrtrichtung ist das nach Hinterzarten bzw. vor Titisee.

Vielen Dank für den Hinweis, das werde ich bei der finalen Version des Reiseberichts auf meiner kleinen Internetseite berücksichtigen.

Hast du zufällig vor, in 5 Jahren die selbe Tour nochmal zu machen. So ein Vorher-Nachher-Vergleich zwischen dem Zustand heute und nach Elektrifizierung, Modernisierung, neuen Fahrzeugen, Flügelkonzept usw?

Ich werde mir ganz sicher die neuen Fahrzeuge anschauen und bin schon neugierig, wie der Betrieb dann abläuft. Die Verbindung Konstanz-Freiburg ist bisher etwas umständlich, entweder man fährt über Basel mit einem wackligen Anschluss (ich habe schon so manche Stunde in Basel verbracht) oder durch das Höllental, wobei 2x Umsteigen die Verbindung auch unattraktiv macht und verständlicherweise viele Fahrgäste auf den direkten Fernbus Konstanz-Freiburg umsteigen.
Ob ich aber die Tour genau so nochmal machen werde, weiß ich nicht, denn ich habe auch noch viele andere Wunschziele im In- und Ausland auf meinem Zettel.

Sieht man viel vom Höllental aus dem Zug, oder verläuft die Strecke meist in Tunnels?

Das sind nur sehr kurze Tunnel, man sieht vom Zug aus sehr viel vom Tal und der Strecke.

Viele Grüße

Tobias

--
[image] "Fensterplatz, bitte." - Meine Bahnreiseberichte.de.| instagram.com/fensterplatz.bitte/

RSS-Feed dieser Diskussion
powered by my little forum