Unterwegs zwischen Höllental und Kaiserstuhl 2/3 Fortsetzung (Reiseberichte)
Von Freiburg aus befahren wir nun die zweite Strecke der BSB, nämlich die Breisacher Bahn Richtung Kaiserstuhl. Die BSB verfügt über 21 Regio-Shuttle-Triebzüge unterschiedlicher Bautypen, auf der Breisacher Bahn kommen überwiegend Adtranz-Fahrzeuge ohne Toiletten zum Einsatz.
Wir fahren diesmal nur knapp 12 Kilometer bis nach Gottenheim, wo die Kaiserstuhlbahn nach Riegel abzweigt. Es gibt hier einen bahnsteiggleichen Übergang. Die Kaiserstuhlbahn wird von der SWEG betrieben, wobei das hier eingesetzte Regio-Shuttle aufgrund der Farbgebung seine ostdeutsche Herkunft nicht verbergen kann.
Wir beginnen nun unsere Rundfahrt um den Kaiserstuhl. Links der Strecke erhebt sich das Mittelgebirge mit seinen Weinbergen, recht die flache Landschaft der Oberrheinischen Tiefebene.
Bei der Fahrt durch Bahlingen fällt der Blick auf die Bergkirche auf einer Anhöhe oberhalb des Dorfes. Die Kirche wurde um das Jahr 1454 erbaut.
Bei Riegel treffen wir wieder auf die Elz, der wir heute Vormittag auf der Elztalbahn schon gefolgt waren. Der Fluss wird hier zur Hochwasserentlastung durch den Leopoldskanal geführt. Die Bahnbrücke über den Kanal führt nach Riegel-Malterdingen an der Rheintalbahn.
Der Betriebsmittelpunkt der Kaiserstuhlbahn ist in Endingen, der Betrieb gliedert sich in die Strecken Breisach – Endingen – Riegel-Malterdingen und Gottenheim – Endingen, dementsprechend endet unsere Zugfahrt aus Gottenheim hier.
Endingen am Kaiserstuhl ist ein nettes Städtchen mit rund 9.000 Einwohnern und einer historischen Altstadt, hier der Marktplatz.
Vor der Martinskirche hängt schon die Weihnachtsbeleuchtung und leuchtet mit der Herbstsonne um die Wette.
Der Marktplatz mit dem Marienbrunnen ist auch für seine drei Rathäuser bekannt. Das barocke Gebäude geradeaus ist das 1775 erbaute „Neue Rathaus“, das Gebäude rechts ist das „Alte Rathaus“ aus dem Jahr 1527...
...und das Gebäude mit dem Staffelgiebel heißt einfach nur „Rathaus“, es wurde 1617 als Kornhaus erbaut.
Endingen erhielt 1285/86 das Stadtrecht, woraufhin eine Stadtmauer errichtet wurde. Von einstmals vier Stadttoren ist heute nur noch das Königsschaffhausener Tor erhalten.
Schließlich kehren wir an den Bahnhof von Endingen zurück. 1894 wurde der Bahnverkehr von Endingen über Riegel nach Gottenheim aufgenommen, im Folgejahr wurde die Strecke nach Breisach eröffnet. Von der Süddeutschen Eisenbahn-Gesellschaft (SEG) über die Mittelbadische Eisenbahn-Gesellschaft (MEG) kam die Strecke schließlich zur Südwestdeutschen Eisenbahn-Gesellschaft (SWEG).
Auf diesen Zug hatte ich es besonders abgesehen: den zur Mittagszeit verkehrenden Schülerzug, der aus NE 81-Triebwagen und Steuerwagen gebildet wird.
Zugegeben, ich musste erst googeln, für was die Abkürzung VS steht. Hier sind wir jedenfalls im VS 202, einem „Steuerwagen zu Verbrennungstriebwagen“ am Zugschluss.
Mit dem Gespann aus VT und VS umrunden wir nun weiter den Kaiserstuhl an dessen Nord- und Westrand. Die ersten Kilometer sind noch unspektakulär, dann beginnt ein wunderschöner Abschnitt mitten durch die Weinberge.
Nach einer knappen halben Stunde Fahrt ist der Endbahnhof Breisach erreicht. In Breisach war ich 2014 schon einmal (zum Reisebericht), deshalb entfällt hier der ansonsten obligatorische Stadtrundgang...
...und weil’s so schön war, fahren wir mit dem Zug gleich wieder zurück.
Allerdings steigen wir diesmal in Oberrotweil aus, einem Weindorf im Kaiserstuhl mit 1.600 Einwohnern.
Mit einem Blick auf die Gleise der Kaiserstuhlbahn, die hier durch die Weinberge führt, endet der bahnbezogene Reisebericht. Wie beim letzten Teil habe ich zum Schluss aber noch ein paar Off-Topic-Bilder. Wer möchte, kann jetzt noch mitkommen hinauf zum Aussichtspunkt Mondhalde.
Schon beim Fußmarsch auf Serpentinen durch die Rebberge des Kaiserstuhls gibt es einen tollen Ausblick auf eine Landschaft in Gelb- und Rottönen...
...und auf Oberrotweil mit der Pfarrkirche St. Johannes Baptist.
Mit 370 Metern Höhe ist die Mondhalde nur ein bescheidener Gipfel – und dennoch wird der Aufstieg mit einem imposanten Panorama belohnt. Der Blick reicht über die leuchtenden Weinberge im Herzen des Kaiserstuhls mit den Winzerdörfern bis ins Rheintal und zu den Vogesen.
Schon im Mittelalter wurden erste Kleinterrassen angelegt, durch spätere Rebumlegungsverfahren und Flurbereinigungen ist die Landschaft heute stark durch Menschenhand geprägt mit großen Terrassen und hohen Böschungen.
Der Fernmeldeturm im Bild steht auf dem Totenkopf, mit knapp 557 Metern ist der Totenkopf die höchste Erhebung des Kaiserstuhls.
Mit einer Ausdehnung von gerade mal 16 auf 12 Kilometer ist der Kaiserstuhl ein sehr kleines Mittelgebirge, das sich aus der Oberrheinischen Tiefebene erhebt. Der Name soll sich auf König Otto III. beziehen, der in der Gegend einen Gerichtstag abhielt. In der Folge wurde das Gebirge erst als Königsstuhl bezeichnet und nach der Krönung Ottos zum Kaiser als Kaiserstuhl. Das Gebirge ist vulkanischen Ursprungs, die vulkanischen Böden und ein mildes, trockenes Klima machen die Gegend zu einem guten Weinanbaugebiet. Auch der Ort Oberbergen, der hier zu sehen ist, ist als Winzerort bekannt.
Und damit machen wir für heute Schluss. Im letzten Teil vollenden wir dann die Umrundung des Kaiserstuhls und fahren über Breisach, Freiburg und die Höllentalbahn nach Hause, aber dazu mehr in den nächsten Tagen.
Viele Grüße
Tobias
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