Ein See, ein Fluss und drei Länder (Reiseberichte)

Twindexx, St. Gallen (CH), Montag, 29.08.2016, 13:54 (vor 3500 Tagen) @ 462 001

Hoi,

Schon lustig, da bin ich drei Wochen in Russland und Skandinavien unterwegs und das erste was ich daheim sehe, ist dein Reisebericht über meine Gegend. ;-)

Da kommt mein Postauto nach St. Gallen, leider kein Doppeldecker. Aber man kann ja nicht alles haben.

Nun, da hättest du auch mich fragen können, ich sehe das hier fast täglich. ;-)

Anfang 2015 hat PostAuto begonnen, die Doppelstöcker von der Linie 121 abzuziehen und fuhr erst mit dreiachsigen MAN. Die lösten erheblich Kritik aus, da die Inneneinrichtung für die kurvige Strecke völlig unzureichend war (unzureichender Halt für Fahrgäste). Im Dezember 2015 nahm PostAuto dann am Standort Heiden 13 neue Ivecos in Betrieb, die auf allen Linien ab Heiden eingesetzt werden (oft gemischt mit anderen Fahrzeugen auf derselben Linie).

Auf der Linie 121 sind nur noch vereinzelt Doppelstöcker unterwegs. Der Kurs 07:16 Uhr ab Heiden wird an Schultagen mit zwei Autos geführt. Das zweite Auto ist häufig ein Doppelstöcker. Ansonsten sind Doppelstöcker nur noch seltene Ausnahmefälle auf der Linie 121.

Ca. 2018 will man für den Standort Heiden neue Doppelstöcker beschaffen. Dann soll sich die Fahrzeugeinteilung wieder ändern. Da sind dann auch wieder Doppelstöcker für die Linie 121 ein Thema (auch weil die Linie ein Fahrgastwachstum verzeichnet und Gelenkbusse nicht einsetzbar sind). Der Beschaffungsprozess für neue Doppelstöcker ist bei PostAuto Ostschweiz am laufen.

Zuerst mal die Appenzeller Bahn...

Das Bild ist bald historisch. Ab Dezember wird dort kein Zug mehr halten. Dann wird der neue Appenzeller Bahnhof auf der anderen Seite des Gaiser Bahnhofgebäudes fertig sein (hast sicher die Baustelle gesehen). Die Züge werden dann sowohl nach Trogen als auch nach Appenzell im neuen Bahnhof abfahren. Der alte Bahnhof der Appenzeller Züge wird künftig ein Parkplatz, wobei das Perrondach aus Denkmalschutzgründen erhalten bleibt.

Auch hier gibts wieder schöne Landschaft zu genießen.

Ist das ein Bahnhofrätsel? Häggenschwil-Winden wäre es. :-D

Diessenhofen ist erreicht, jetzt bin ich wieder am Rhein. Weiß eigentlich jemand, wie genau man den Ortsnamen ausspricht?

Gegenfrage: Wie spricht man Giessen aus? Statt «G» ein «D» und «-hofen» hintendran, fertig. Nur dass man in der Schweiz kein scharfes S schreibt und man das «ie» nicht als «ii» ausspricht, das «e» wird gesprochen, wobei dann eher als «iä». Dann kommt dann am Schluss «Diässehofe» bei raus. Und in der Schweiz liegt die Betonung immer auf der ersten Silbe. Ganz einfach. ;-D

In Diessenhofen findet auch eine Zugkreuzung statt.

Bis Ende 2018 wird zwischen St. Katharinental und Schlatt eine 1'000 Meter lange Doppelspurinsel erstellt. Ab Dezember 2018 werden sich dann die S-Bahnen dort kreuzen. Gleichzeitig werden die Fahrpläne der Seelinie um 15 Minuten gedreht, womit die Seelinie dann neu in die 15/45-Fernverkehrsknoten in Romanshorn, Kreuzlingen und Schaffhausen integriert wird und so mit schlanken Anschlüssen die Fahrzeiten ab der Seelinie Richtung Zürich und dem Rest der Schweiz um bis zu 15 Minuten reduziert werden.

Übersicht der Bahnsteige. Der IC nach Zürich fährt ohne Zwischenhalt.

Da der Zug einen Bt-IV hat, konnte er nicht aus Singen kommen. Die Inlandszüge Schaffhausen-Zürich im selben Takt wie die IC Stuttgart-Zürich werden als IR geführt. So hat man die Abgrenzung zwischen den nationalen und internationalen Zügen.

Meine RB nach Erzingen fährt auf dem letzten Gleis ab.

Nun, da gibt es ein kleines Puff mit den Zugskategorien. Vom Kanton Schaffhausen werden die Leistungen als S-Bahn bestellt und das ganze Netz auch als S-Bahn Schaffhausen bezeichnet. Deswegen steht am Zug auch «S» drauf, was eben für S-Bahn steht. Die DB macht daraus bei ihren Leistungen «RB» und bei den SBB-Leistungen die sinnfreie Kategorie «SBB». Am SBB-Display am Bahnhof Schaffhausen machen die SBB-Systeme aus «RB» und «SBB» ein «R» draus, was in der Schweiz für Regio steht, das Schweizer Pendant zu Regionalbahn.

In der Onlineauskunft auf sbb.ch stehen alle S-Bahnen Schaffhausen-Erzingen (DB und SBB) dann als «S» für S-Bahn drin. Und das wäre so auch korrekt. In Schaffhausen verwendet man nämlich seit der Elektrifizierung grundsätzlich die Bezeichnung S-Bahn für die regionalen Leistungen im Kanton. Auch das offizielle Schweizer Kursbuch führt alle elektrischen Leistungen Schaffhausen-Erzingen als S-Bahn. Leider hat die DB da einfach mit der Bezeichnung ein kleines Puff.

Die RB ist während der gesamten Fahrt sehr leer. Es sind höchstens 10 Reisende dabei.

Grundsätzlich ist man sehr zufrieden mit der Auslastung. Als noch Dieselverkehr war, zählte man in den Regionalzügen Schaffhausen-Erzingen täglich 1'600 Reisende. Das war ein wenig attraktiver Betrieb. Mit der Elektrifizierung und der Modernisierung der Stationen auf Schweizer Boden sind die Fahrgastzahlen förmlich explodiert:
Bereits nach zehn Monaten elektrischem Betrieb waren es über 2'050 Reisende, ein weiteres Jahr später 3'200 Reisende und Ende diesen Jahres, drei Jahre nach Inbetriebnahme, prognostiziert man für die S-Bahn Schaffhausen im Erzinger Ast bereits um die 4'000 Fahrgäste täglich.

Damit werden sich die Fahrgastzahlen dank attraktivem elektrischen Betrieb mit modernen und attraktiven Stationen in nur drei Jahren verzweieinhalbfacht haben im Vergleich zum langsamen und unzuverlässigen Dieselbetrieb mit Walen und verranzten 628ern. Seit Anfang diesen Jahres wird auch vom Kanton Schaffhausen ein GTW 2/8 statt eines GTW 2/6 bestellt. Die grössere Gefässgrösse war nötig, weil zur HVZ ein GTW 2/6 bereits einige Stehplätze verzeichnete. Das zeigt auch die Entwicklung auf, die da in nur zwei Jahren stattgefunden hat. Ein Zug ohne freie Sitzplätze war im Schaffhauser Klettgau mal was neues.

Das bestätigt den Kanton Schaffhausen, dass es absolut das richtige war, dieses Projekt umzusetzen. Der durchgehende Halbstundentakt an sämtlichen Tagen steht längst nicht mehr in Frage und die 4'000 Reisenden täglich sind dann die magische Grenze, um auch die Viertelstundentakt-Zusatz-S-Bahnen Schaffhausen-Beringen zur HVZ nicht mehr in Frage zu stellen.

Seit 2013 konnte mindestens die Hälfte des allgemeinen Verkehrswachstums von der Schiene aufgefangen. Das war das Ziel des Vorhabens von Anfang an. Das Ziel wurde erreicht und das ist Verkehr, der nun nicht zusätzlich die Strassen verstopft. Aber für die Schiene liegen nach wie vor Potenziale brach. Der lange Jahre unzuverlässige Dieselbetrieb hat nunmal zu einer gewissen Autoaffinität im Klettgau geführt. Das hat sich nun in den letzten Jahren nach der Elektrifizierung langsam zu wandeln begonnen, aber da ist ein langjähriger Prozess, der noch längst nicht abgeschlossen ist

Dieselbetrieb hat in der Schweiz den Status eines Museumsbetriebs. Das ist was für einen netten Tagesausflug, aber nicht für den täglichen Gebrauch. Und das ändert sich da nun seit gut zwei Jahren im Schaffhauser Klettgau.


Jedenfalls hoffe ich, du hattest einen schönen Tagesausflug. :-)


Grüsse aus der Ostschweiz.

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[image]

Aktuell im Einsatz auf den Linien IC 1, IC 2, IC 3, IC 21, IR 13, IR 15, IR 27 und IR 70:
Der SBB FV-Dosto.


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