Zwischen Elbe, Ostsee und Eifel | Fortsetzung Teil 5 (Reiseberichte)
Blauer Himmel und Sonnenschein wären mir jetzt lieber, aber noch mehr Sorge macht mir der Seegang. Aber wer schon so manche Fahrt mit Neigetechnikzügen überstanden hat, wird doch vor ein paar Wellen nicht zurückschrecken.
Mit einer Viertelstunde Verspätung erreicht die MS "Adler-Mönchgut" die Seebrücke von Göhren. Das Schiff startet morgens in Peenemünde und fährt über Göhren nach Binz, am Nachmittag geht es auf dieser Route wieder zurück.
Etwa zwei Stunden dauert die Überfahrt von Rügen nach Usedom. Zunächst passieren wir das Nordperd, das Kap bildet den östlichsten Punkt der Insel Rügen. Weiter geht es entlang der Ostküste der Halbinsel Mönchgut und dann über den Greifswalder Bodden.
Schließlich verlassen wir die offene Ostsee und fahren in den Peenestrom ein – bis zum Hafen Peenemünde ist es nun nicht mehr weit. Durch die ehemalige Heeresversuchsanstalt, in der die Wehrmacht Raketen vom Typ V2 baute, ist der Ort berühmt-berüchtigt.
Links das stillgelegte Kohlekraftwerk, das für die Energieversorgung der Heeresversuchsanstalt errichtet wurde. Im ehemaligen Marinehafen liegt das sowjetische U-Boot U-461 als Museumsschiff. Überhaupt besteht Peenemünde zu einem großen Teil aus einer Museumslandschaft.
Das Erbe der Heeresversuchsanstalt ist heute Teil des Historisch-Technischen Museums Peenemünde. Ohne den militärischen Hintergrund der Anlagen könnte man hier in Industrieromantik schwelgen.
Das Museum hat jetzt am Abend schon geschlossen, und so können wir lediglich durch den Zaun einen Blick auf das Freigelände werfen, wo ein Peenemünder Triebwagen der ehemaligen Werkbahn steht. Wir folgen nun den Gleisen...
...zum Haltepunkt Peenemünde, einem Endpunkt im Netz der UBB. Die Bahnstrecke im Nordwesten der Insel Usedom von Zinnowitz nach Peenemünde wurde zur Erschließung der Heeresversuchsanstalt errichtet und wurde als „Werkbahn Peenemünde“ bekannt. Die Strecke wurde 1941 elektrifiziert und später abschnittsweise auch zweigleisig ausgebaut. Die elektrischen Anlagen wurden nach dem Krieg als Reparationsleistungen abgebaut. Da Peenemünde lange Zeit weiterhin militärisches Sperrgebiet war, waren die Züge der Reichsbahn auf der Strecke nur ausgewähltem Publikum zugänglich.
1992 beantragte die Reichsbahn die Stilllegung des gesamten Inselnetzes, was durch das „Projekt Usedom“ abgewendet werden konnte, so dass heute Dieseltriebwagen der UBB auf sanierter Strecke verkehren.
Die viertelstündige Fahrt bis Zinnowitz verläuft ereignislos, dort besteht Anschluss an die Strecke von Wolgast nach Heringsdorf. In Heringsdorf wartet ein Hotelzimmer auf uns, aber wenn wir in Zinnowitz ohnehin umsteigen müssen, können wir hier auch gleich einen Zwischenstopp einlegen.
Seit dem Jahr 1911 hat das Ostseebad Zinnowitz einen Anschluss an das Bahnnetz. Im Empfangsgebäude betreibt die UBB ein Reisezentrum, zudem ist das Heimatmuseum im Bahnhofsgebäude untergebracht.
Wenn man den Wetterstatistiken glauben mag, spielt Zinnowitz in der Rangliste der sonnigsten Orte in Deutschland ganz weit oben mit – tja, Statistik halt.
Die über 300 Meter lange Seebrücke trägt den Namen „Vinetabrücke“ in Anlehnung an die sagenhafte Stadt Vineta, die nach dem lasterhaften Verfall bei einem Sturmhochwasser untergegangen ist. Nach der Sage sollen noch heute die Glocken der untergegangenen Stadt aus den Tiefen des Meeres zu hören sein.
Wer möchte, kann hier selbst auf Tauchstation gehen und nach der versunkenen Stadt Ausschau halten, als Touristenattraktion gibt es am Kopf der Seebrücke eine Tauchgondel, mit der man auf den Grund der Ostsee abtauchen kann – immerhin dreieinhalb Meter geht es hier in die Tiefe.
Wie andere Ostseebäder ist auch Zinnowitz von der Bäderarchitektur geprägt. Nach einem Rundgang zwischen Strandpromenade und Zentrum machen wir uns auf den Rückweg zum Bahnhof.
Mit der UBB fahren wir nun nach Heringsdorf. Nachdem wir vor zwei Jahren schon auf einer anderen Rundreise in Heringsdorf waren, fällt der Reisebericht an dieser Stelle etwas kürzer aus.
Bis wir in Heringsdorf angekommen und das Gepäck ins Hotel gebracht haben, ist es dunkel. Zum Abschluss dieses Reiseberichtsteils noch ein Bild von der Seebrücke in Heringsdorf, dann ist aber Schluss. In den nächsten Tagen folgt Teil 6, dann geht es mit dem UrlaubsExpress nach Köln und weiter auf der Eifelstrecke in den Südwesten.
Viele Grüße und ein schönes Wochenende
Tobias
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- Zwischen Elbe, Ostsee und Eifel | 5/7 m 60 B -
TD,
29.07.2016, 19:10
- Zwischen Elbe, Ostsee und Eifel | Fortsetzung Teil 5 -
TD,
29.07.2016, 19:17
- Danke - 462 001, 29.07.2016, 21:21
- Zwischen Elbe, Ostsee und Eifel - Danke - Binz - RhBDirk, 29.07.2016, 19:57
- Also Sassnitz kommt mir irgendwie bekannt vor... -
J-C,
07.08.2016, 21:56
- Vielleicht sollte ich auch noch einen Reisebericht erstellen - safe go, 07.08.2016, 22:23
- Also Sassnitz kommt mir irgendwie bekannt vor... -
TD,
08.08.2016, 17:19
- ...und du hast es versäumt, im Café eine Kutterstulle... - J-C, 08.08.2016, 17:24
- Zwischen Elbe, Ostsee und Eifel | Fortsetzung Teil 5 -
TD,
29.07.2016, 19:17