[SI] Teil 1/3: Mit Lisinski nach Postojna (Reiseberichte)

Taurus83, Nürnberg, Donnerstag, 02.06.2016, 22:28 (vor 3694 Tagen)

Nachdem ich selbst die Berichte hier immer gerne lese und mir schon Anregungen geholt habe, dachte ich mal, selbst einen zu verfassen. Aber Achtung: Es ist mein erster Bericht und wenn ihr Fotos von Güterzügen oder technische Details zu Loks sucht, seid ihr hier falsch. Ich finde die Bahn zum Reisen schön, interessiere mich aber nur in Grenzen für technische Details.

Nun gut. Die Reise für das verlängerte Fronleichnamswochenende war tatsächlich anhand der Zugläufe geplant und nicht umgekehrt. Ich wollte unbedingt mal mit dem EN499 »Lisinski« fahren. Warum? Dieser Zug hat von allen in Süddeutschland (derzeit) ausgehenden Nachtzügen für mich etwas exotisches weil er doch in eine etwas andere Welt fährt, ohne Umstieg, in einer Nacht. Dass Kroatien mittlerweile Mainstream-Urlaubsland ist, schon klar. Aber soweit soll es gar nicht gehen, ich bleibe in Slowenien. Dem Land, das als einziges mehr oder weniger unblutig aus dem Zerfall Jugoslawiens hervorgegangen ist. Und in dem man seit ein paar Jahren mit dem Euro bezahlen kann, das Teil der EU und des Schengen-Raums ist. Auch wenn das im Jahr 2016 auch nicht mehr viel aussagt.

Aber erstmal mussten Fahrkarten her. Da ich relativ spät das Reisen mit der Bahn entdeckt habe, war das Kaufen von Fahrkarten an einem Schalter ein echtes Novum. Generation „Automat“ und „Onlineticket“ quasi. Aber da es das Ticket am Automaten und online nicht gibt und der Bus keine Alternative war, ging es in Nürnberg ins Reisezentrum. Entgegen meiner Befürchtungen, dass der globalpreispflichtige »Lisinski« schon zu kompliziert für die Angestellten ist und sie mir den Bus aufdrücken wollen, hat mir die freundliche Dame gerne und problemlos die Fahrkarte verkauft. Kannte die Abfahrtszeit sogar auswendig und sie erzählte mir von ihren früheren Reisen mit dem Nachtzug nach Paris und Athen. Nachtzüge haben eben doch ein besonderes Flair. Ich erwarb eine SparNight im Liegewagen für 49 € (für die es keinen BahnCard-Rabatt gibt) plus eine Anreise nach München für um die 17 € im ICE, inkl. Zubringer im Nahverkehr. Die Rückfahrt erfolgt dann tagsüber für knapp 45 € im EuroCity. Da kann man nicht meckern, auch wenn es mit dem Bus noch billiger ginge. Zur Heimreise dann aber später mehr.

Okay, es ist soweit. Der Rucksack ist gepackt, es geht mit dem Auto an einen P+R-Platz, mit der S-Bahn nach Nürnberg. Die ICEs aus dem Westen haben teilweise 30 Minuten Verspätung, mein ICE kommt aus Berlin und ist pünktlich. Es wäre ohnehin genug Puffer gewesen, soweit alles stressfrei. In München angekommen fährt nach einiger Wartezeit der Zug ein. Wie vermutlich bekannt besteht der Zug bis Salzburg aus drei Teilen: Vorne (aus Sicht der Münchner Kopfbahnhofs, während der Fahrt dann hinten) der Zugteil nach Budapest mit von außen recht neuen Wagen. In der Mitte der City Night Line nach Venedig mit etwas älteren Wagen. Und ganz am Ende die drei Wagen nach Zagreb von der kroatischen Bahn, die auch einen ganz sauberen Eindruck machen.

Zugteil nach Budapest
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Und hier mein Liegewagen nach Zagreb, leider etwas unscharf
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Der Schaffner spricht kein Wort Deutsch, dafür aber passabel Englisch. Das Ticket nimmt er an sich und sagt mir nochmal die Nummer im Liegewagen. Das Abteil ist schnell gefunden. Immerhin ist der Zug gut gebucht (okay, es ist ein verlängertes Wochenende). In meinem Abteil starten wir zu fünft, in Salzburg wird noch jemand zusteigen und dann ist das Abteil voll. Auch die anderen Abteile sind gut belegt, auch im Sitzwagen. Schlafwagen kann ich nicht beurteilen, hier sieht man das ja beim Durchgehen nicht. Der Wagen ist klimatisiert, die LED-Leselampen funktionieren. Der Schaffner schaut nochmal kurz vorbei und sammelt die Karten von den Fahrgästen ein, die sie noch nicht am Eingang abgegeben haben. Und jeder bekommt eine Wasserflasche.

Weder ich noch meine Mitreisenden haben sich bislang mit der Türverriegelung beschäftigt. Nach Salzburg schlafe ich endgültig ein. Mitten irgendwo in Österreich dann der Schock: Auf meiner Liege sitzt jemand mit einem rauchenden Etwas. Ich wache auf. Mir schossen die ganzen Berichte von Diebstählen in Nachtzügen durch den Kopf. Zum Glück ist es wohl nur ein kiffender Fahrgast gewesen, der sich verirrt hatte und relativ leicht wieder zu vertreiben war. Rauchmelder hat das Ding wohl keine im Gegensatz zu den deutschen Zügen, wo man angeblich nichtmal Haarspray benutzen darf deswegen. Nach dem Schock wurde die Tür verschlossen, was gar nicht so einfach war im Halbschlaf. Bis auf eine Dame hat das von den anderen keiner mitbekommen, haben wohl einen besseren Schlaf als ich. Richtig erholsam war die Rest der Nacht dann irgendwie nicht mehr. Gefehlt hat aber zum Glück nichts.

Angekommen im Ljubljana mit ca. 20 Minuten Verspätung. Was aufgrund der frühen Planankunftszeit ja eher ein Vorteil ist. Laut DB-App sind wir aber pünktlich. Auf dem Bahnhof ein etwas komischer Geruch. Dafür perfektes Wetter. Hier mal ein Foto von einem Regionalzug, die in Slowenien im übrigen alle mit Graffiti verziert sind:

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Erstmal wollte ich aber den großen Rucksack loswerden. Schließfächer sind in Ljubljana alle außer Betrieb. Diese personenbetriebenen Gepäckaufbewahrungen mag ich nicht wegen der begrenzten Öffnungszeiten. Also erstmal mein gebuchtes Hostel gesucht und gefunden und dort das Gepäck abgeliefert. Die Innenstadt von Ljubljana machte einen angenehmen Eindruck, aber erstmal sollte es nach Postojna zur Tropfsteinhöhle gehen. Wieder mit dem Zug.

Dafür brauchte ich erstmal eine Fahrkarte. In Slowenien gibt es dafür keine Automaten. Ich war überrascht um wieviel schneller der Kauf einer Fahrkarte an einem Schalter eigentlich ist. Und wie günstig die Preise sind, aber für einen Slowenen sind sie vermutlich genauso teuer wie für uns Deutsche zu Hause. Die Fahrt nach Postojna dauert ungefähr eine Stunde und verlief ruhig. So ruhig, dass ich noch etwas dösen konnte, was aufgrund der ungeplanten Unterbrechung der Nacht notwendig war. Danach war ich dann aber wieder fit!

Postojna vom Berg „Bahnhofsberg“
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Zur Tropfsteinhöhle kann man ganz bequem zu Fuß laufen. Das online erworbene Kombiticket lässt sich schnell gegen ein richtiges eintauschen. In die Höhle kommt man nur mit einer Führung, für deren Zeit man sich vorher festlegen muss. Meine war um 12:00 Uhr. Bis dahin war noch etwas Zeit, so ging es vorher unter anderem in das Vivarium, in dem die wenigen Tierarten, die in einer solchen Höhle leben, begutachtet werden können. Unter anderem der Grottenolm.

Die Führung selbst war dann etwas „touristisch“, trotzdem muss man sie mitgemacht haben. Für Deutsch, Englisch und noch ein paar verbreitete Sprachen gibt es Guides in Gruppen, für exotischere Sprache dann Audioguides mit Übersetzungen. Die größte Strecke fährt man mit einem Zug in der Höhle, den Rest geht man zu Fuß. Trotz Fleecejacke und langer Jeans ist es dort unten mit Fahrtwind ziemlich kalt. Es herrschen ganzjährige Temperaturen von ca. 10 Grad Celsius. Die Dimensionen sind im Vergleich zu hiesigen Tropfsteinhöhlen wie dem Schulerloch, an das ich mich noch von meiner Schulzeit erinnern kann, einfach gigantisch anders.

Aufgrund der Lichtverhältnisse habe ich leider wenig ordentliche Fotos. Wer sich mehr für die Höhle interessiert, der sei auf Wikipedia verwiesen. Trotzdem hier ein Exemplar:


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An der Oberfläche angekommen herrscht immer noch schönes Wetter. Nach einem Mittagessen (touristische Preise, aber das war zu erwarten) wollte ich die Burg besichtigen, für die ich ein Kombiticket erworben hatte. Ich bin davon ausgegangen dass es dorthin eine Busverbindung gibt. Aber da habe ich zuviel erwartet, diese existiert nur im Juli und August. Nun, es war schönes Wetter und genug Zeit. Also ging es zu Fuß nach Predjama. 9 km, leider muss man den Großteil der Strecke an der Hauptstraße laufen. Für ein paar Abschnitte gibt es Wege durch Dörfer. Wenn man aufpasst und zur Seite geht, wenn Autos kommen, geht es aber.

Der Weg führt durch ländlisches Slowenien mit einer bäuerlichen Landwirtschaft, mit den sprichtwörtlichen glücklichen Kühen auf der Weide. Trotzdem macht das Land auf mich bislang einen sauberen, „aufgeräumten“ Eindruck, anders als erwartet. Dazu aber dann mehr im zweiten Teil. Angekommen, die Burg lässt sich erspähen:

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Wie man sieht, der Weg hat sich gelohnt! Das ist keine normale Burg. Eine Burg, die direkt in einen Berg gebaut wurde. Die Übergänge zwischen Felsen und Mauern sind fließend. Das Wohnen in der Burg war kein Spaß. Es ist ganzjährig kalt, man hat wenig Licht und Sonne. Dafür bot sie Sicherheit. Die Burg wurde zwar belagert, allerdings gibt es über die Höhlen im Felsen einen Weg auf die andere Seite des Bergs, von dem die Belagerer nichts wussten. Mehr dazu wieder in der Wikipedia.

Zurück ging es dann wieder zu Fuß. Es war mittlerweile Abend, der Verkehr wurde weniger. Trotzdem, meine Füße waren froh als ich endlich am Bahnhof angekommen war. Die halbe Stunde Wartezeit auf den Zug hat mich dabei dann nicht mehr gestört. In Ljubljana angekommen war der Akku meines Handys leer. Ich hatte Angst, dass die Checkin-Zeiten des Hostels schon vorüber waren, es war nach 22 Uhr. Und ich musste es erstmal wieder finden. Kein Handy, kein Open Street Map, keine Anschrift. Nur die Erinnerung von heute früh. Zum Glück funktionieren meine grauen Zellen auch ohne Akku, der Checkin war problemlos möglich, das Gepäck lag auch noch im Schrank. Perfekt, ich ging relativ schnell ins Bett und schlief tief und fest.

Weiter geht es dann im nächsten Bericht, den ich vermutlich am Wochenende schreiben werde.


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