Mit Panorama- & Wellblechschlafwagen nach Slowenien 3/4 |52B (Reiseberichte)

TD, Mittwoch, 10.02.2016, 17:37 (vor 3777 Tagen)

Hallo zusammen,

willkommen zum dritten Teil unserer kleinen Rundreise durch Österreich und Slowenien. Im zweiten Teil waren wir am Abend mit dem SEV-Bus in Bleiburg angekommen, hier setzen wir den Reisebericht nun fort.


Tag 3: Bleiburg – Maribor – Puntigam - Wies-Eibiswald – Köflach - Graz

[image]

Bleiburg ist eine 4.000-Einwohner-Gemeinde im österreichischen Jauntal unweit der Grenze zu Slowenien. Wikipedia spricht aufgrund der abgeschiedenen und unspektakulären Lage von Bleiburg als „Passivraum“. Hier die spätgotische Stadtpfarrkirche St. Peter und Paul.

[image]

Die Häuser um den Hauptplatz stammen aus dem 16. bis 18. Jahrhundert, darüber angeschnitten das Schloss Bleiburg.

[image]

[image]

Es gibt in Bleiburg zwei Bahnstationen, zentrumsnah liegt die Haltestelle Bleiburg Stadt, wir haben aber einen längeren Fußmarsch zum Bahnhof Bleiburg vor uns. Bleiburg ist zweisprachig, rund ein Drittel der Bevölkerung spricht Slowenisch. Um die zweisprachigen Ortstafeln gab es in Kärnten einigen Streit, heute steht der Ortsname Bleiburg / Pliberk in beiden Sprachen auf der Tafel.

[image]

Der Bahnhof liegt recht weit Draußen an der Hauptbahnlinie von Maribor nach Franzensfeste, der sogenannten Drautalbahn Maribor - Bleiburg - Klagenfurt - Villach - Spittal-Millstätter See - Lienz, außerdem zweigt hier die Jauntalbahn nach St. Paul und weiter Richtung Zeltweg ab.

[image]

Im Rahmen des Baus der Koralmbahn Graz-Klagenfurt wird auch in und um Bleiburg gebaut und die bisherige Dieselstrecke für eine Elektrifizierung vorbereitet, deshalb auch der baubedingte SEV bei der gestrigen Anreise aus Klagenfurt. Über die Bleiburger Schleife soll Bleiburg an die Koralmbahn angebunden werden.

[image]

Während man in Deutschland ja durchaus mehrsprachige Bahnhofsschilder kennt (etwa sorbisch), hat es Pliberk nicht auf das Schild geschafft. Der Umbau des Bahnhofs Bleiburg ist schon abgeschlossen – allerdings präsentiert sich der Bahnhof bei unserem Besuch recht verlassen. Gut, das ist auch nicht verwunderlich, solange wegen des SEV hier keine Züge fahren.

[image]

Aber halt, das stimmt so nicht. Von Montag bis Freitag kommen zwei Mal täglich Züge aus Slowenien nach Bleiburg. Ich muss zugeben, dass mir zum Thema österreichisch-slowenische Grenzübergänge natürlich sofort Jesenice(Gr) und Spielfeld(Gr) mit ihren internationalen Verbindungen eingefallen sind, dass es aber auch noch Bleiburg(Gr) mit grenzüberschreitendem Regionalverkehr gibt, hatte ich lange Zeit auch nicht auf dem Schirm (da sind wir wohl wieder beim Stichwort „Passivraum“). Jedenfalls steht ein einsamer Dieseltriebwagen zur Fahrt über die Grenze bereit und wir sind die einzigen Fahrgäste. Für slowenische Verhältnisse ist der Triebwagen aus dieser Perspektive sogar halbwegs vorzeigbar, wobei auch er graffitigeschädigt ist.

[image]

[image]

Schon kurz nach der Ausfahrt aus dem Bahnhof Bleiburg trennen sich die Strecken, nach links biegt die Lavanttalbahn ab, hier stehen auch schon Masten für die anstehende Elektrifizierung.

[image]

Nach knapp 4 Kilometern ist die Grenze erreicht, dieses Bild dürfte noch in Österreich entstanden sein...

[image]

...hier sind wir dann schon bei Prevalje in Slowenien. Die Drautalbahn war ursprünglich als Ost-West-Verbindung angelegt; nachdem die Donaumonarchie zerfallen und aus dem österreichischen Marburg das slowenische Maribor geworden war, hat die Strecke an Bedeutung verloren. Sie ist eingleisig und nicht elektrifiziert.

[image]

Von der Strecke liest und hört man nicht viel und so wusste ich auch nicht, was uns auf der gut zweistündigen Fahrt erwarten würde. Gemütlich fahren wir durch die slowenische Provinz, hier mit Dobrije einer der 25 Unterwegshalte.

[image]

Der Streckenabschnitt durch das Mießtal wurde früher als Korridorstrecke befahren, die Züge fuhren damals von Österreich über die Lavanttalbahn nach Dravograd (Unterdrauburg) und über die Drautalbahn nach Bleiburg. Der grenzüberschreitende Abschnitt der Lavanttalbahn existiert heute jedoch nicht mehr.

[image]

Der Haltepunkt von Sveti Danijel gehört offenbar schon einer höheren Bahnhofskategorie an, hier gibt es immerhin ein Wartehäuschen.

[image]

Die Kilometrierung geht von Maribor aus, bei Kilometer 54 begrüßt die Reisenden ein gepflegter Rasenbahnsteig in Trbonjsko jezero.

[image]

Die Bahnstrecke erreicht nun die Drau, am gegenüberliegenden Ufer der Ort Muta mit der barocken Pfarrkirche der Heiligen Margarete.

[image]

Aber es gibt nicht nur Wald- und Wiesenbahnsteige, hier das gepflegte Bahnhofsgebäude von Vuhred.

[image]

[image]

Nein, wir sind nicht in „Želézniška postaja“ – das ist die slowenische Bezeichnung für Bahnhof. Dieser hier gehört zur 2.600-Einwohner-Gemeinde Podvelka.

[image]

Recht malerisch führt die Strecke weiter durch das dicht bewaldete Tal der Drau.

[image]

Am gegenüberliegenden Ufer der Ort Ožbalt, deutsch St. Oswald im Drauwald.

[image]

Nicht nur die Landschaft ist idyllisch, auch die Bahnhöfe. Dieses schmucke Prachtexemplar steht in Ruta. Ich bin von der Strecke echt begeistert, geradezu ein Geheimtipp.

[image]

Jetzt geht es noch durch den Tunnel bei Fala, dann ist bald Maribor erreicht. Vielleicht erinnert sich jemand, dass wir schon am letzten Reisetag in Maribor waren. Diesmal haben wir einen längeren Aufenthalt und fahren deshalb nicht bis zum Hauptbahnhof, sondern steigen eine Station früher in Maribor Tabor aus.

[image]

Von dort ist es nicht weit zur Hauptbrücke über die Drau, die hier Drava heißt. Über die Brücke laufen wir hinüber in die Altstadt.

[image]

[image]

Hier nochmals das Rathaus am Hauptplatz (Glavni trg), die Sache mit dem Rathausturm hatten wir ja schon im ersten Reiseberichtsteil. Rechts davon die Pestsäule.

[image]

[image]

Die Stadtburg von Maribor (Mariborski grad) wurde in den Jahren 1478 bis 1483 erbaut.

[image]

In den Weinbergen oberhalb der Stadt gibt es einen Aussichtspunkt – die Zeit reicht noch, also los! Auf dem Nachbarhügel Kalvarija die Kirche der heiligen Barbara.

[image]

Es ist bald geschafft, der Gipfel des Pyramidenbergs (Piramida) ist in Sichtweite...

[image]

...und hier der Blick von oben über Maribor. Links der Bildmitte ist die Eisenbahnbrücke über die Drau.

[image]

Und hier der Blick nach links auf die Bahnanlagen, rechts der Bahnhofsturm. In Hintergrund fließt die Drau weiter nach Kroatien und Ungarn zur Donau. Tja, und für uns geht es nun wieder hinunter und an den Bahnhof.

Es geht gleich weiter...

--
[image] "Fensterplatz, bitte." - Meine Bahnreiseberichte.de.| instagram.com/fensterplatz.bitte/

Mit Panorama- & Wellblechschlafwagen nach Slowenien Fortset.

TD, Mittwoch, 10.02.2016, 17:41 (vor 3777 Tagen) @ TD

[image]

Für die Weiterfahrt nach Österreich nutzen wir diesmal den Regionalverkehr, ein von außen recht unansehnlicher Desiro bringt uns nach Spielfeld-Straß. Beim Innenraum kann man aber nicht meckern.

[image]

[image]

Knapp 20 Minuten dauert die Fahrt durch die Hügellandschaft der Windischen Bühel, dann ist der Grenzbahnhof erreicht.

[image]

Hier gibt es einen bahnsteiggleichen Anschluss auf die S 5 nach Graz. Die S-Bahn ist aus CityShuttle-Wagen gebildet.

[image]

[image]

Die Strecke führt unspektakulär durch die flache Ebene des Leibnitzer Feldes. Gegen 15 Uhr wäre der Zug in Graz – aber was machen wir dann dort über sieben Stunden lang bis zur Abfahrt des Nachtzugs? Da bietet sich ein Abstecher zur Graz-Köflacher Bahn (GKB) geradezu an. Und so verlassen wir die S 5 schon in Graz Puntigam.

[image]

Die GKB ist rechtlich eine Privatbahn, obwohl sie im Eigentum der Republik Österreich ist. Zum traditionellen Streckennetz der GKB gehören die Köflacherbahn von Graz nach Köflach sowie die von dieser Strecke abzweigende Wieserbahn. Zwischenzeitlich kam eine weitere Strecke hinzu, nämlich ein schon fertig gestellter Abschnitt der Koralmbahn. Wir beginnen unsere Fahrt nun auf diesem jüngsten Streckenabschnitt. Die S 6 kommt aus Graz und führt über die Südbahn und die Koralmbahn nach Wettmannstätten, von dort geht es auf der Altstrecke weiter bis Wies-Eibiswald.

[image]

Die GKB hat in den letzten Jahren das Rollmaterial verjüngt, das Bild wird heute von Stadler-GTW in der Dieselversion geprägt.

[image]

Der „Warnhinweis“ ist ja nett, allerdings erschließt sich mir der Sinn nicht so ganz, denn die Züge sind begleitet und Fahrkarten werden personenbedient im Zug verkauft, Fahrkartenautomaten gibt es nur an den ÖBB-Stationen, nicht jedoch im GKB-Kernnetz.

[image]

Es ist gar nicht so einfach, eine neue Bahnstrecke zu fotografieren, während man selbst als Fahrgast auf der Strecke fährt. Hier die Haltestelle Hengsberg, der zweite Bahnsteig ist noch ohne Gleisanschluss.

[image]

[image]

In Wettmannstätten trifft die Koralmbahn auf die alte Strecke der Wieserbahn. Unser Zug verlässt nun die neue Trasse, die hier noch im Bauzustand ist. Einige Kilometer weiter wird am knapp 33 Kilometer langen Koralmtunnel gebaut, der das Kernstück der neuen schnellen Verbindung zwischen Graz und Klagenfurt sein wird.

[image]

[image]

Wir fahren nun auf der Wieserbahn durch die Steiermark. Die Wieserbahn wurde 1873 eröffnet und verbindet Wies mit Graz. Auf der Fahrt war mir schon aufgefallen, dass es viele Haltepunkte im Grünen gibt, mittlerweile weiß ich auch warum: aus Rücksichtnahme auf die konkurrierenden Interessen der Fuhrleute wurde die Trasse seinerzeit bewusst in weiter Entfernung von Ortschaften gebaut.

[image]

[image]

Die Strecke endet am Bahnhof Wies-Eibiswald. Dabei ist der Zusatz Eibiswald etwas irreführend, denn der Ort Eibiswald liegt ein ganzes Stück entfernt. Wir drehen nun noch eine Runde um den Bahnhof, wobei die Sonne für weitere Bilder sehr ungünstig steht.

[image]

[image]

Es gibt rund einen Kilometer vor der Endstation noch einen weiteren Haltepunkt in Wies, nämlich die Station Wies Markt. Und so laufen wir nun dieses Stück zurück und bekommen noch einen kleinen Eindruck von der 4.500-Einwohner-Gemeinde. Bekannt ist Wies für die barocke Wallfahrtskirche "Gegeißlter Heiland auf der Wies".

[image]

Mit 52 Bildern ist dieser Reiseberichtsteil jetzt schon sehr lang, deshalb machen wir hier einen Schnitt. In den nächsten Tagen folgt der letzte Teil, darin befahren wir von Wies aus die restlichen Strecken der GKB und machen uns dann mit dem EN Zürichsee auf den Heimweg.


Viele Grüße

Tobias

--
[image] "Fensterplatz, bitte." - Meine Bahnreiseberichte.de.| instagram.com/fensterplatz.bitte/

Slowenien - Danke

RhBDirk, Mittwoch, 10.02.2016, 20:44 (vor 3777 Tagen) @ TD

Danke auch für den zweiten Bericht.

Im September hatte ich eine ähnliche Tour gemacht:

Köln - Salzburg (1. Nacht) - Klagenfurt (2+3. Nacht) - Villach - Jesenice SEV - Ljubljana (4. Nacht)
Ljubljana - Graz
Graz - Maribor - Graz (5. und 6. Nacht)
Graz - Wien - Köln im EN

Gerade von Ljbuljana war ich begeistert. Ist doch diese wunderschöne Hauptstadt auf der touristischen Landkarte noch gar nicht so bekannt.

RSS-Feed dieser Diskussion
powered by my little forum