Adventsreise zwischen Paris und Erzgebirge 3/4 Fortsetzung (Reiseberichte)

TD, Samstag, 02.01.2016, 17:11 (vor 3781 Tagen) @ TD

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In Johanngeorgenstadt heißt es wieder Umsteigen, wir bewegen uns nun wieder im Territorium der Erzgebirgsbahn, ein RegioNetz der DB. Der Desiro fährt nach Zwickau, das ist zwar auch unser heutiges Tagesziel, zuvor legen wir aber in Schwarzenberg nochmals einen Zwischenstopp ein.

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Während wir auf der Hinfahrt in Schwarzenberg nur vom Bus auf den Zug umgestiegen waren, wollen wir nun die selbsternannte „Perle des Erzgebirges“ besuchen. Gleich am Bahnhof erweckt eine massive Fußgängerbrücke über das Schwarzwasser unser Interesse, eine Infotafel gibt Aufschluss über die frühere Streckenführung der Bahnlinie über diese Brücke.

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Die Altstadt von Schwarzenberg mit Kirche und Schloss liegt auf einem Felsriegel, und so geht es nun für uns bergauf. Der Bahnhofsberg verwandelt sich in der Weihnachtszeit zu einem Weihnachtsberg mit mehreren Kauen, die bergmännischen Schachthäuschen nachempfunden sind und verschiedene Handwerksszenen zeigen, die Figuren sind teilweise bewegt und mit Geräuschen unterlegt.

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Der Markt wird geprägt vom Ratskeller, dem ehemaligen Rathaus. Bekannt ist Schwarzenberg auch für die „Freie Republik Schwarzenberg“ und einen Roman von Stefan Heym, in dem der Schriftsteller die Wochen nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs aufarbeitet, während der die Stadt aus historisch nicht geklärten Gründen unbesetzt blieb und weder amerikanische noch sowjetische Truppen in den Ort vorrückten. Um die Gründe ranken verschiedene Spekulationen, die so weit gehen, die Truppen hätten die Flüsse verwechselt oder hätten die Gegend schlicht vergessen.

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Die bekanntesten und – im wahrsten Sinne des Wortes überragenden – Sehenswürdigkeiten von Schwarzenberg sind das Schloss und die Sankt-Georgen-Kirche. Hier der Blick auf den Bergfried, mit Wurzeln aus dem 12. Jahrhundert ist er der älteste Teil des Schlosses.

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Die Altstadt liegt hoch über einer Schleife des Flusses Schwarzwasser, für die 30 Höhenmeter hinab auf den Talboden gönnen wir uns für 50 Cent pro Person eine Fahrt mit dem Schrägaufzug. Es gibt sogar Monats- und Jahreskarten (150 €) für den Aufzug.

Die Investition in die Aufzugsfahrkarte hat sich gelohnt, dafür gibt es nun den Blick von untern hinauf zum Schloss. Und eine gekippte Lok. Die gekippte Aufstellung soll lt. Infotafel provozieren und zum Nachdenken anregen über die verlorene Vormachtstellung der Eisenbahn und eine ungewohnte Warnehmungsperspektive bieten.

Wir stehen hier auf der ehemaligen Trasse der Bahnstrecke von Schwarzenberg nach Johanngeorgenstadt, die in einem Tunnel durch den Schlossfelsen führte. Zwischen 1948 und 1950 wurde die Strecke für den zunehmenden Verkehr mit Uranerz als auch für den Berufsverkehr zu den Bergwerksschächten in Johanngeorgenstadt neu trassiert und dabei der alte Tunnel aufgegeben.

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Hier nochmals der Blick auf das Ensemble mit Kirche und Schloss, dazwischen der besagte Schrägaufzug. Da wirbt die Stadt mit knapp 100 kostenfreien Parkplätzen zu Füßen der Altstadt und dann kassiert man stattdessen für den Aufzug – clever. Aber diesmal nehmen wir die Treppe neben dem Aufzug und sind fast genauso schnell wieder ober in der Altstadt.

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Durch die denkmalgeschützte Altstadt, hier mit dem Turm der St. Georgen-Kirche, laufen wir wieder hinab zum Bahnhof.

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Links die Alte Post, geradeaus frisch saniert das ehemalige Empfangsgebäude aus dem Jahr 1858, das von der Stadt gekauft wurde und als Museumsdepot dienen soll. Die Aufschrift „Bahnhof No 4“ hat aber nichts mit einem vierten Bahnhof zu tun, vielmehr ist das nur die Postanschrift mit Hausnummer.

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Auf der Strecke der ehemaligen „Obererzgebirgischen Staatseisenbahn“ fahren wir dann durch die Täler von Schwarzwasser und Zwickauer Mulde nach Zwickau. Bei Hartenstein führt die Bahnstrecke direkt an Burg und Schloss Stein vorbei, aber da bin ich zu langsam, so dass das Bild nicht unbedingt vorzeigbar ist. Ohne weitere Streckenbilder fahren bis Zwickau Hauptbahnhof. Der Hauptbahnhof liegt etwas außerhalb des Stadtzentrums, so dass wir nun die Möglichkeit haben, das „Zwickauer Modell“ zu nutzen. Mit einem Regioshuttle der Vogtlandbahn fahren wir vom Hauptbahnhof über Straßenbahngleise bzw. ein Dreischienengleis bis zur Haltestelle Zentrum.

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Und mit dem für mich eher seltenen Bild eines Vollbahnfahrzeugs an einer Straßenbahnhaltestelle in der Innenstadt beenden wir an der Haltestelle Zentrum unsere heutige Bahnreise.

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Schon die Weihnachtsmarktbilder im heutigen Reiseberichtsteil vermisst? Keine Sorge, natürlich gibt‘s auch in Zwickau einen Weihnachtsmarkt. Hier der Blick vom Hauptmarkt zum Turm des Mariendoms.

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Zu den bekanntesten Wahrzeichen von Zwickau gehört das Gewandhaus, um 1525 erbaut als Handelshaus der Tuchmacher dient das Gebäude seit 1823 als Stadttheater.

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Das Rathaus wurde 1404 erbaut, nachdem das alte Rathaus bei einem großen Stadtbrand zerstört worden war.

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Die Priesterhäuser am Domhof gehören zu den ältesten Wohngebäuden in Deutschland, deren Geschichte bis in Jahr 1264 zurückreicht. Die Krippenfiguren sind nun die letzten weihnachtlichen Eindrücke, der vierte Teil mit der Rückfahrt an den Bodensee ist dann frei von Weihnachtsmärkten und Christbäumen, aber dazu demnächst mehr.


Viele Grüße


Tobias

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[image] "Fensterplatz, bitte." - Meine Bahnreiseberichte.de.| instagram.com/fensterplatz.bitte/


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