Adventsreise zwischen Paris und Erzgebirge 3/4 m. 48 B. (Reiseberichte)
Hallo zusammen,
willkommen zum dritten Teil unserer kleinen vorweihnachtlichen Rundfahrt. Im letzten Teil waren wir in Annaberg-Buchholz im Erzgebirge angekommen, hier setzen wir die Tour nun fort.
Tag 5: Annaberg-Buchholz – Schwarzenberg – Karlsbad – Schwarzenberg - Zwickau
Schon länger steht die Strecke von Johanngeorgenstadt über den erzgebirgischen Semmering ins tschechische Karlsbad auf meiner Wunschliste. Wenn wir nun schon in der Gegend sind, bietet sich das ja an. Heute fährt jedoch kein Zug über die Strecke nach Schwarzenberg und nach meinen Bemerkungen im letzten Berichtsteil hätte uns wahrscheinlich ohnehin kein Sonderzugveranstalter mehr mitgenommen. Es ist noch dunkel und regnet in Strömen, da verpassen wir nicht viel, wenn wir ausnahmsweise auf den Bus ausweichen.
![[image]](http://www.bahnreiseberichte.de/069-Paris-Erzgebirge/69-103Schwarzenberg-Bahnhof.jpg)
In Schwarzenberg steigen wir um vom Bus auf die Schiene, mit einem Desiro der Erzgebirgsbahn fahren wir nach Johanngeorgenstadt. Hier schon ein erstes Bild vom „Bahnhof No. 4“ in Schwarzenberg, wir werden später noch einmal hierherkommen.
Sparsam wie ich bin kann ich in Erla mit einem Kombibild von Strecke und Fahrzeug den Reisebericht um ein Foto verkürzen. Der Herrenhof wurde um das Jahr 1665 errichtet und entstand im Zuge des Neubaus des Hammerwerks in Erla.
Die Strecke folgt dem Schwarzwasser, einem Erzgebirgsfluss im sächsisch-tschechischem Grenzgebiet. Dabei gewinnt die Strecke deutlich an Höhe, auf den rund 17 Kilometern von Schwarzenberg bis Johanngeorgenstadt überwindet die Bahn knapp 250 Höhenmeter.
In Johanngeorgenstadt steht schon der Anschlusszug nach Karlsbad bereit – und damit meine Premierenfahrt im „RegioShark“ (PESA Link II) der tschechischen Bahn.
Im Gegensatz zu vielen Triebwagen, die in Deutschland unterwegs sind, fallen mir die Zwischentüren zu den Einstiegsbereichen auf.
Dass diese Leistung mit einem RegioShark gefahren wird hatte ich erwartet, denn das hatte ich zuvor schon auf zelpage.cz nachgeschaut. Deshalb war ich auch irritiert, warum die ČD für die Verbindung online nur Fahrkarten zweiter Klasse anbietet. Des Rätsels Lösung ist dieses Wechselschild an der Tür zwischen erster und zweiter Klasse, die erste Klasse ist hier deklassiert.
Während man bei der DB im Nahverkehr zur Unterscheidung der Wagenklassen nur auf ein inverses Karomuster setzt, gibt es bei der ČD eine klare Farbensprache mit blau und rot.
Wir sind die einzigen grenzüberschreitenden Fahrgäste, aber gut, das Mistwetter lädt auch nicht gerade zu Ausflügen ein. Nach kurzer Fahrt ist mit Potůčky der erste Halt in Tschechien erreicht. Weiter geht die Fahrt nach Horní Blatná, wo sich dem Fahrgast ein Blick über eine moorige Senke der Kammhochfläche bietet.
Auf 915 Metern über dem Meeresspiegel erreichen wir nun den Scheitelpunkt der Strecke. Eigentlich hatte ich mir die Fahrt durch das Wintersportgebiet etwas winterlicher ausgemalt – aber die Fahrt im dichten Nebel durch tiefe Wälder hat auch etwas.
Wir fahren bis zum unteren Bahnhof von Karlsbad und haben dann gut zwei Stunden Zeit in dem traditionsreichen und berühmten Kurort. Es gibt sicherlich attraktiveres Wetter für einen Stadtbummel, aber jetzt sind wir schon mal hier und dann wird das Programm auch durchgezogen. Entlang der Teplá laufen wir über die Promenaden mit den prächtigen Fassaden.
Zahlreiche Säulengänge prägen den Kurort, hier die Marktkolonnade. Der Holzbau sollte ursprünglich nur als Provisorium zwei Quellen überdachen, heute gehört er zu den Sehenswürdigkeiten der Stadt.
Der Vřídlo (Sprudel) ist ein Mineralwassergeysir, das Wasser ist hier 72 Grad heiß und schießt bis zu 12 Meter hoch.
Am Ende der Promenade liegt das berühmte Grandhotel Pupp. Von dort würde auch noch eine Standseilbahn zu einem Aussichtsturm fahren, aber das verschieben wir besser auf einen Besuch bei besserem Wetter.
Nun also zurück an den unteren Bahnhof Karlovy Vary dolní nádraží, wo die Züge nach Johanngeorgenstadt starten. Es gibt zweisprachige Ansagen im Bahnhof, der Nahverkehrszug (Zuggattung Os) wird dabei als internationaler Personenzug angekündigt.
Eigentlich hatte zelpage.cz einen lokbespannten Zug versprochen, stattdessen fährt ein „Regionova“-Dieseltriebwagen ein. Auch recht, mit diesem Fahrzeugtyp bin ich auch noch nie gefahren.
Der Steuerwagen verfügt über einen Niederflurbereich, dort sind auch ein Mehrzweckbereich und die Toilette untergebracht, während der Triebwagen durchgehend hochflurig ist.
Den Nebel kennen wir ja schon, deshalb gibt es vom ersten Teil der Strecke keine Bilder. Und ich will ja nicht im Ausland negativ auffallen, in dem ich im Dezember das Fenster aufreiße. Nach und nach steigen die anderen Fahrgäste aus, nur ein Mitreisender macht zunächst keine Anstalten auszusteigen und befürchte schon, er könne mitfahren bis Johanngeorgenstadt. Aber schließlich drückt auch er irgendwann die Haltewunschtaste und auf dem interessantesten Streckenabschnitt rund um den Scheitelpunkt der Strecke sind wir allein im Abteil und ich kann Kopf und Kamera aus dem Fenster strecken, wobei es auf dieser Höhe doch recht frisch ist.
Hier in der Nähe von Pernink, dem höchstgelegenen Bahnhof im Erzgebirge, gibt es noch ein paar traurige Schneereste. Kaum zu glauben, dass die Strecke 1986 wegen drei Meter hoher Schneeverwehungen gesperrt war. Dieses Foto dürfte ziemlich nah am Scheitelpunkt entstanden sein. Mit gut 530 Metern ist der Höhenunterschied am Krušnohorský Semmering (Erzgebirgischer Semmering) größer als am „echten“ Semmering.
Wir sind mittlerweile wieder auf Talfahrt, in Potůčky haben die letzten Mitreisenden den Zug verlassen und auf dem grenzüberschreitenden Abschnitt nach Johanngeorgenstadt sind wir wieder die einzigen Fahrgäste. Von 1945 bis 1992 fand auf dem grenzüberschreitenden Abschnitt kein Bahnverkehr statt, aus strategischen Gründen blieb die Gleisverbindung damals aber erhalten.
Es geht gleich weiter...
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- Adventsreise zwischen Paris und Erzgebirge - frank_le, 02.01.2016, 21:03
- Danke - 462 001, 03.01.2016, 00:03
- Adventsreise zwischen Paris und Erzgebirge 3/4 m. 48 B. - Breisgau-S-Bahn, 03.01.2016, 19:47
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