Vom Sylt-Shuttle-Plus nach Hause mit HKX... (Reiseberichte)
Hallo!
Um 7:42 Uhr in Westerland angekommen, entere ich zuerst den Zeitungsladen. Allerdings um mir COKE zu kaufen. Dann geht's nach Gegenüber in die "Designer-Bäckerei", passende Mampfe besorgen. Es schüttet draußen wie aus Kübeln - schade, da kein weiterer Programmpunkt anstand, hätte ich sonst überlegt, mal eben an den Strand zu gehen. So begebe ich mich zum Bahnsteig und stelle fest, dass die Bahnsteigdächer von Westerland nutzloser Unsinn sind: Denn Regen halten sie bestenfalls dann vom Bahnsteig fern, wenn der senkrecht vom Himmel fällt - und das kommt sicher selten vor.
Ich mache mich über Speis und Trank her. Um 8:05 Uhr trudelt die nächste NOB ein. Die soll 8:22 Uhr zurückfahren nach Hamburg. Ich sehe ausschließlich die neuen 245 an den Zügen. Hören sich soooo übel gar nicht mal an, besser als gefürchtet. Den Rest vermag ich natürlich nicht zu beurteilen. Ich gehe nach ganz vorne bis zum Steuerwagen und mache es mir dort bequem.
Die Fahrt verbringe ich überwiegend schlafend, auch wenn mir persönlich die Sitze nicht sehr zu sagen und ich sie als hart und unbequem empfinde. Für die Rückfahrt hatte ich mir keine Gedanken gemacht - der "handelsübliche" Weg halt. Elmshorn - Hamburg Hbf - ME Bremen - RE Osnabrück. Das reichte mir jetzt auch, weitere Umwege wollte ich nicht noch einbauen.
Also Umstieg in Elmshorn, der Anschluß-Dosto-Zug kommt, ich finde ein Plätzchen. Wir fahren an Eidelstedt vorbei und ich sehe die "neue" HKX-Garnitur mit aufgebügelter Lok. Ui! Sollte der etwa gleich verkehren? Hey, das wäre ja supi, dann fahre ich da mit. Mit SWT darf ich ja. So könnte ich dem ganzen SWT-Nerv-Volk im ME und im RE etwas entgehen. Eben mal im Handy nachgeschaut, jau, soll fahren, 12:36 Uhr ab Altona als 1805 bis Köln. Ich sitze im 21015, Hamburg Hbf an 11:37 Uhr. Und disponiere um! Da fährste doch nach Altona, Blaschi, da ist der Zug noch leer, schmeißt dich niemand raus oder läßt dich nicht rein. Essen fassen kannste auch da statt am Hbf.
Also in Dammtor 11:33 Uhr schnell raus. Ich nutze die Gelegenheit zu einer persönlichen Fehlerkorrektur, welche sogar besser klappt als geplant (ich staunte, dass die überhaupt klappt) und mache mich mit einer S 31 auf nach Altona. Da wird ja gebaut wie irre! Ab ans Tageslicht. Stärkung einkaufen. Und auf zum Bahnsteig, wo der HKX verkehren soll. Ich sitze ziemlich weit vorne am Bahnsteigende. Und harre der Dinge, die da passieren. Es passiert: Nichts! Doch, DB Fernverkehr kommt und geht. Ein Mädel erkennt die tschechischen Wagen des EC 177 und folgert, dass der nach Prag fahre. ICE 901 verkehrt doppelt bis Berlin - ist da soviel Andrang? Irre! Derweil wird durchgesagt, dass sich die Bereitstellung des HKX um 30 Minuten verzögere wegen technischer Probleme. ICH TOBE! Dieser Schrottladen! Ich habe die Nase voll! Schade, dass der ME nach Bremen nicht ab Altona fährt - ich wäre weg! Nebenan fährt der dreckigste ICE ein, der mir seit langem untergekommen ist. Ich würde jede Wette eingehen, dass der im ganzen Jahr noch keine Wäsche gesehen hat. Tz 1157 "Innsbruck" für die, die ihn selbst sehen wollen. Der innere Zustand des Unternehmens DB Fernverkehr spiegelt sich in der äußeren Dreckigkeit des ICE wider!
Jetzt aber schimpfe ich über den HKX. Wer weiß, wann die den wohl bereitstellen? Was da wohl wieder klappt? Ich bin wütend. Gehe nochmal zum Mäcches und auf's WC. Als ich zurückkomme, tut sich immer noch nichts. Ein abfahrender ICE muß schon auf den Nachbarbahnsteig verlegt werden.
Bis dann kurz nach 13:00 Uhr das Gerümpel endlich eintrifft. Ich begebe mich in den ersten Wagen hinter der Lok. Und ich bin begeistert. Als Fanfreakfuzzy sozusagen. Die Fuhre hat 12 Wägelchen! Und damit eine noch gerade ausreichende Menge an Wägelchen. Züge haben lang zu sein! Nichts ist schlimmer als diese Stummel-IC mit 6 oder 7 oder 8 Wagen - sowas ist doch kein IC. Der erste Wagen war ein DDR-Liegewagen, der zweite Wagen ein niederländisch-lackierter IR-Wagen.
Der Zug war gründlich gereinigt worden. Deutlich roch man das Reinigungsmittel. Das betrachte ich aber hier jetzt als positiv. Ich freute mich. Ein langer Zug - das würde verheißen, dass in Hamburg bis ganz vorne vorgezogen werden würde. Da steht aber kaum ein Mensch. Und 12 Wagen - so um die 800 Plätze, da würde mich niemand rauswerfen wegen Überfüllung. Und der Interregio-Wagen hatte ein Fahrradabteil - zu Not kann ich da am offenen Fenster stehen bis Osnabrück. Alles würde gut.
Wir müssen noch den ICE nebenan vorlassen - und dann scheppern auch wir so gegen 13:15 Uhr endlich raus. Hach, bei der Ausfahrt auf der Brücke in der Kurve dem langen Wagenzug zuschauen - wie oft habe ich das früher zu TMT-Zeiten gemacht. Erinnerungen wurden wach. In Dammtor fahren wir durch. Herrlich! Und am Hauptbahnhof kommt es genauso, wie ich es erhofft hatte. Zwischen Wandelhalle und Südsteg ist der Bahnsteig voll. Wir ziehen schön gleichbleibend langsam an der ganzen Batterie Menschen vorbei. Bis ganz vorne fast zur Oberhafenbrücke. Wie immer steht da kaum eine Menschenseele. Es bleibt also schön leer. Die Abfahrtsprozedur in Hamburg ist ja immer so schon ein Erlebnis. Wenn die Aufsicht da in den Lautsprecher trillert und für alle Beteiligten ankündigt: "Der Zug fährt jetzt ab!". Wir fahren ab. Der Lokführer ist gut drauf, in der Linkskurve vor Harburg denke ich so: "Hey, Jung, Du weißt, dass wir hier planmäßig halten?!". Jau, weiß er, aber wer später bremst ist länger schnell. Passend kommen wir zum Halten. Nur ein topsüßes Mädel mit Kiddy steigt vorne bei uns ein. Weiter geht's. Der Zugführer begrüßt uns und meint, dass wir sicher noch Verspätung aufholen! Ui, gilt der HKX als sozusagen als "Train grande priorité"? Als eine Art westdeutscher "Zitteraal" 25 Jahre nach der Wende? Nun, wir hatten jedenfalls freie Fahrt bis Sagehorn. Da müssen wir bremsen und man kann sich in Ruhe den promintent aufgestellten Kondomautomat widmen - wer braucht den da warum? Ob das mit dem geplanten HKX-Halt dort zu tun hat? Es geht über ein paar Weichen auf die Bremer Umgehungsbahn. Schön, da war ich auch schon lange nicht mehr. Und sehe dabei, was man am Umstiegspunkt Bremen-Mahndorf alles in die Welt gesetzt hat für den ÖPNV. Immer faszinierend solche "Leutturmprojekte": Das sieht so aus, als seien da mal die deutsche Pendents von Mörtel und Mausi spazieren gegangen und dann ist eine EU-Fördergelder-Drohne abgestürzt und dann mußte das Geld an Ort und Stelle vermörtelt werden. Wobei "Mausi" ist es ja gar nicht mehr, ist doch jetzt "Spatzi", wenn ich's richtig weiß (wer hat eigentlich mehr Hirn? Maus oder Spatz), nachdem "Hasi", "Käfer", "Bambi", "Katzi" und "Kolibri" auch schon wieder Geschichte sind.
Schön war übrigens auch, dass das Fenster artig war. Denn es öffnete genau so weit, wie es optimal ist! Bei dieser DDR-Mechanik ist es ja so, dass das Ding sozusagen am seidenen Faden hängt. Und am oberen Rahmen mit einem Verschluß versehen ist. Öffnet man den und zieht das Fenster runter, gibt es 3 Möglichkeiten:
1.) Das Fenster geht jedesmal wieder ganz zu. Das ist suboptimal. Es muß immer leicht ziehen bei einer Bahnfahrt. Besonders früher in den Nachtzügen war das wichtig. Dann das Rollo runter. Wenn dann eine mitreisende Nervensäge mit ins Abteil wollte, dann nervte sie die Zugluft und irgendwann verschwand sie wieder. Bei dieser DDR-Konstruktion hat sich eine Packung Tempos bewährt, die ich immer passend dazwischenklemmte, um das Fenster einen Spalt auf zu behalten.
2.) Das Fenster bleibt ganz unten. Im Prinzip nichts schlimmes. Nur bei Tempo 160 hat man dann im Anteil einen Tornado. Von zwei Seiten: Einmal durch die umherwirbelnde Luft. Und durch die umhertobenden Gefangenen in den Nachbarabteilen. Weil es da zittert, dröht und vibriert wie in den Bahnfuzzys bestem Stück, wenn der 14-wägige Sonder-D 895 heute mit der 01 bespannt ist, die grad mit lauten Auspuffschlägen, gewaltiger Dampfsäule und ächzenden Überdruckventilen laut pfeifend und schwer arbeitend den Berg erklimmt.
3.) Das Fenster pendelt sich auf halber Höhe ein und bleibt in der Stellung auch die ganze Fahrt. Weitere Bedientätigkeiten seitens des Fahrgastes sind nicht erforderlich! So war es gestern bei mir.
Ich war völlig begeistert, eine Nostalgiefahrt als Schlußetappe, dazu mit dem SWT im Fernzug. Und in Osnabrück hatten wir die Verspätung auch etwas reduziert auf gute 30 Minuten. Die waren mir längst schnuppe, ich war mit dem HKX wieder versöhnt. Zumal nebenan der 2218 nach Hamburg mit plus 80 angekündigt wurde! Sie müssen es halt immer wieder toppen....
Schöne Grüße von
jörg
gesamter Thread:
- Vom Sylt-Shuttle-Plus nach Hause mit HKX... -
Blaschke,
27.12.2015, 14:12
- Vom Sylt-Shuttle-Plus nach Hause mit HKX... - Destear, 27.12.2015, 16:37
- SSP und HKX -
462 001,
27.12.2015, 17:14
- Von Limburg nach Limburg - Berlin-Express, 27.12.2015, 18:18
- DB Fernverkehr -
Christian_S,
27.12.2015, 18:27
- DB Fernverkehr -
Lumi25,
28.12.2015, 20:42
- DB Fernverkehr -
bahnerausleidenschaft,
28.12.2015, 20:46
- DB Fernverkehr -
462 001,
28.12.2015, 20:59
- DB Fernverkehr - bahnerausleidenschaft, 28.12.2015, 21:04
- DB Fernverkehr -
Reservierungszettel,
29.12.2015, 00:45
- DB Fernverkehr - 462 001, 29.12.2015, 01:05
- DB Fernverkehr -
462 001,
28.12.2015, 20:59
- DB Fernverkehr - TRAXXP160DE, 28.12.2015, 22:50
- DB Fernverkehr - OLHBPB, 29.12.2015, 09:19
- DB Fernverkehr -
bahnerausleidenschaft,
28.12.2015, 20:46
- DB Fernverkehr -
Lumi25,
28.12.2015, 20:42
- ICL im Einsatz - ES89, 27.12.2015, 19:03