Mitfahrt mit dem Sylt-Shuttle Plus! (Reiseberichte)
Hallohallo!
In Niebüll kommen wir - ihr kennt es schon, aber ich erwähne es wieder, weil es an ein Wunder grenzt - pünktlich an!
Auf Gleis 1. Zwei Mitreisende verlassen uns. Ein Mitreisender, der schon in Itzehoe im Zug war, bleibt. Ich hüpfe ebenfalls raus. Treppe runter. Und ich zuckte zusammen: Stehen doch unten im Durchgang locker 20 Menschen, die auf die NOB nach Westerland warten. Sapperlot, was ist hier los? Ich dachte, ich würde zu so früher Stunde weitestgehend allein sein. Treppe hoch ins Bahnhofsgebäude, auch da reichlich Leutchen. Hey, ich wollte doch irgendwo in Ruhe schiffen gehen. Dann sehe ich eine Toilettentür. 20 Cent will man haben, dann öffne sich die Tür. Wow, da versteht man noch was von Preisen. Also 20 Cent in die Apparatur, die Tür geht sogar auf - was heute alles funktioniert... - und dann erleichtere ich mich. Die Ratte im Abfluß habe ich bestimmt ertränkt bei den Mengen. Und falls nicht, hat ihr der nachfolge Haufen sicherlich den Garaus gemacht. Kann sie ja auch nicht ahnen, dass da Weihnachtsmorgens um halb 7 jemand innergedärmlich Tabula Rasa macht.
Dann wieder schnell zum Zug, will ja nichts verpassen. Der Lokführer hat den Führerstand gewechselt und will dem verbliebenen Fahrgast gerade klarmachen, dass er mit der NOB ein Bahnsteig weiter viel schneller in Westerland ist. Will er aber gar nicht. Ich nutzte das, um ihn kurz zu fragen, ob er auch Bahnfreak ist, aber der Gute war nicht sonderlich gesprächig. Auch okay.
Ich schaue mich noch ein wenig in der Dunkelheit und im Regen um und dann wird es 6:32 Uhr und wir fahren ab. Wieder zurück Richtung Hamburg - also Fahrtrichtungwechsel. Es geht soweit nach links wie möglich. Und das so lange, bis es weiter links nicht mehr geht. Etwa in der Höhe, wo für die Autos ein Schwung Ampeln angebracht sind, kommen wir wieder zum stehen.
Ich muß nun erwähnen, dass ich die ganzen Anlagen nicht kenne! Alle Angaben sind also ohne Gewähr!!! Und ich kann es natürlich nur so schreiben, wie ich es empfunden bzw. erlebt habe. Korrigierende/ergänzende Hinweise sind also gerne gesehen! Bzw. gelesen. ;-)
Der Lokführer verschwindet wieder aus seinem Führerstand und wechselt wieder auf die andere Seite. Ich folge ihm durch den öffentlichen Teil des Zuges! Das schöne beim 628 ist ja, dass man im Vorraum direkt hinter der Führerstandstür stehen kann. Bei zugezogenem Vorhang sieht man zwar nichts - aber zumindest bekommt man teilweise den Funkverkehr mit. Für einen Bahnfreak eine schöne Sache. Darüber mag nun vielleicht der Lokführer nicht sehr glücklich sein, sich wie im Zoo bei der Arbeit begaffen zu lassen. Andererseits: Wenn dem Kunden schon Unterhaltung geboten wird, dann ist es genauso verständlich, dass er daran dann auch teilhaben möchte.
Vor uns steht der Schlußwagen des Sylt-Shuttle. Nach kurzer Zeit heißt es: "VT zieht vor". Der Rangierer steht schon im Gleis. Und kuppelt unsere Wanderdüne an die windmühlengezogene Autzugwagenbatterie.
Dann wird's schön: PERSONALWECHSEL! Der Lokführer wird getauscht. Der eine geht. Der andere kommt. Und der war klasse! Er merkt sofort, dass ich nicht ein x-beliebiger Fahrgast bin, sondern irgendwie freakig. Bahnfuzzy-Fett, Trainingsbuchse in schwarz, ein schwarzes T-Shirt mit der Aufschrift "Das kannste schon so machen aber dann isses halt Kacke", dazu 'ne schwarze Dienstweste meines Zeitungszustellerunternehmens und ausgenudelte bunte Nike Skyline - die im letzten Schweden-Bericht erwähnten Chucks mit integrierter Klimaanlage blieben aufgrund des angekündigten Regens zu Hause. Als Krönung dieses Outfits kam hinzu, dass just vor Weihnachten ein Schneidezahn die ewige Schnitzelbeißerei satt hatte und sich verabschiedete. Blaschi lief also genau so rum, wie man das auch erwartet!
Der Lokführer war ein "alteingesessener", aber Junggebliebener. Über 30 Jahre dort oben im Dienst. Nach dem Ablösegespräch mit seinem Kollegen ging es dann Richtung hinterer Führerstand! "Komm mit!". Für ihn gab es zunächst nichts weiter zu tun. Nach kurzer Zeit setzte sich unsere Fuhre in Bewegung. Ich habe das jetzt nicht genau mitbekommen, bei dieser Verkuppelei soll der Autozug aber irgendwie vorher noch kurz rangieren - jedenfalls ging es um das Problem des geschlossenen Bahnübergangs. Wir fahren los, der Lokführer und ich unterhalten uns. Er ist entzückt, dass da ein Irrer mitten in der Nacht im fernen Osnabrück losgefahren ist für dieses Spektakel. Wir erzählen uns die ein oder andere Anekdote, wobei man durchaus heraushört, dass er ein überzeugter DBler ist. Definitiv kein Opportunistenschwein, welcher jetzt quasi heimlich über die DB lästert und schimpft. Wir unterhalten uns ganz sachlich über dies und das. Was das Rangieren angeht, müssen Westerländer Personale im Rest der Republik einen "nachhaltigen" Ruf haben - er habe, als er mal 218er aus Mühldorf geholt habe, irgendwo beim Tanken quasi als zweite Lok auf demselben Signal zur Tankanlage fahren wollen, da habe es vom Stellwerk nur geheißen: "Kommst Du aus Westerland oder wie?". Klar, wer da alltäglich rangiert wie ein Weltmeister, für den ist sowas natürlich irgendwo was ganz anderes als für die, die das nur alle Jubeljahre mal machen. Die neuen Loks für den Sylt-Shuttle seien wirklich schöne Loks - ist ja auch kein Wunder, wenn der Arbeitsplatz von jetzt auf gleich auf einen Schlag 50 Jahre moderner wird! -, nur ob die für den Sylt-Shuttle auch brauchbar seien, das müsse sich erst noch zeigen.
Was interessant ist: Es seien reichlich neue Personale in Westerland! Na guck, ich sag ja: Wettbewerb ist doch was tolles! Ein Konjunkturmotor! Allein dafür muß man dieser RDCDRCoderso dankbar sein! Was die Fahrscheinkontrolle betrifft im SSP, will man demnächst wohl stichprobenartig kontrollieren. Das verspricht neues Spektakel!
Dann fahren wir in Keitum in die Ausweiche. Und hier erklärt sich wohl, warum der hintere Führerstand besetzt ist. Denn unser Lokführer funkt nach einem Blick nach draußen durch, dass wir vollständig in der Ausweiche stehen! Wir kommen dann auf eben diese Ausweiche zu sprechen. Die Herren in den Entscheidungsetagen wären von den Angaben in den Plänen über die Länge dieser Ausweiche nicht so ganz überzeugt gewesen - denn man habe sich jahrzehntelang nicht wirklich drum gekümmert. Ich übernehme mal wieder die Lästerei und das Plüschetagen-Bashing: Verständlich. Wegen Erderwärmung und Plattentektonik und so - man könne ja nie wissen. "DOCH!", meinte der Lokführer, "wenn man einfach uns fragt". Denn ab und an habe man auch wohl mal einen zweiten dieser Motorradzusatzwagen mitgenommen und das habe auch gepaßt und überhaupt, man wisse schon, was paßt und was nicht.
Er meinte dann zu mir, dass man jetzt plane, eine Weiche in Keitum zu verlegen. Um 8 Meter. Die sei erst vor 2 Jahren neu verlegt worden. Jetzt wolle man aber erneut ans Werk gehen. l.b. berichtete im Sommer über eine Weichenverlegung in Keitum - das wird wohl dasslbe Projekt sein, nehme ich an. Und jetzt weiß man ja auch, warum. *g*.
Ich bin jedenfalls begeistert! Das ist doch wirklich genial, wie flexibel und schnell und zeitnah und auf zack die DB sein kann, wenn es darum geht, einen Konkurrenten von den Fleischtöpfen fernzuhalten! Allein schon deswegen ist der Wettbewerb da oben eine tolle Sache! Auch wenn es noch das ein oder andere Abenteuer geben sollte. Aber so kommt man richtig Leben in das ganze Thema! Und das ist auch gut so!
Ein Autozug fährt vorbei. Auch mit Wanderdüne bestückt. Wir fahren weiter, unterhalten uns über dies und das. Da er nun wirklich nichts "schlimmes" erzählte und wir auch nichts Verbotenes taten, schreibe ich das hier auch so rein - es gibt keinen Anlaß für Nachforschungen oder dienstliche Konsequenzen - im Gegenteil: Seine freundlich nette Art trug durchaus dazu bei, dass ich die Fahrt sehr positiv in Erinnerung behalte.
In Westerland kommen wir recht weit links an. Also links von den Bahnsteigen. Es wird reichlich gefunkt. So ganz klappte das alles wohl noch nicht; der eigentliche Lokführer war irgendwie nicht erreichbar. Es ging wohl darum, dass noch kurz zurückgezogen werden sollte vorm Entkuppeln. Das klappte auch nicht. Der Rangierer entkuppelte uns dann nach Nachfrage aber schon mal. Kurzes Funkgespräch wohl mit dem Stellwerk. Wir bekommen "zwei Helle" und es soll in Gleis 104 gehen und von da wieder in 4. Die Arbeitsabläufe verzögern sich aber etwas, der Sylt-Shuttle in Gegenrichtung, auch mit Wanderdüne bestückt, hängt wohl etwas, wenn ich das richtig verstehe.
Nun fahren wir aber Richtung Gleis 104. Eine 218ist auch schon in dem Gleis. "Das Gleis ist sooo lang. Aber er steht hier vorne...". Wir passen aber noch dazu. Dann heißt es erneut: Führerstand wechseln. Und dann: Warten! Der andere Mitreisende hat sich mittlerweile zu uns gesellt - Lokführer und er scheinen sich zu kennen. Gemeinsam unterhalten wir uns also über das ganze Brimborium, was da veranstaltet wird und sind uns alle sicher: Das wird ein Platz in den Geschichtsbüchern geben. Und wenn in 300 Jahren die Nachfolger Jauchs fragen: "Welcher dieser Orte hatte mal DB Fernverkehr?", dann wissen wir, falls BREDSTEDT dabei ist, dass das die richtige Lösung ist!
Wir warten noch etwas, denn erst muß noch die 7:35-Uhr-NOB durch Richtung Bahnsteig Westerland. Und dann bekommen auch wir wieder "zwei Helle" und fahren los nach Gleis 4.
Ankunft planmäßig: 7:30 Uhr
Ankunft tatsächlich: 7:42 Uhr
WIR HABEN VERSPÄTUNG!!!!!!!!!!!!!!!!!! Ist das nicht GEIL?
Da ich es nicht eilig habe, spotte ich noch, dass mir 60 Min. Verspätung Recht wären, dann bekäme ich noch Geld zurück!
Zurück geht's in einem folgenden Teil...
Schöne Grüße von
jörg
gesamter Thread:
- Mitfahrt mit dem Sylt-Shuttle Plus! -
Blaschke,
27.12.2015, 14:11
- SSP-Mitfahrt - 462 001, 27.12.2015, 16:32