Zwischen Schweizer Jura und Massif du Jura 3/3 m 54 B. (Reiseberichte)
Hallo zusammen,
willkommen zum letzten Teil unseres kleinen Wochenendausflugs in den Jura. In Teil 2 waren wir vom Schweizer Jura über Genf nach Saint-Claude im französischen Massif du Jura gefahren, von dort treten wir nun die Heimreise an den Bodensee über die „Ligne des Hirondelles“ an.
Bei gerade mal zwei Zügen, die am Sonntag von Saint-Claude auf die „Ligne des Hirondelles“ starten, fällt die Auswahl nicht schwer. Wir entscheiden uns für den Vormittagszug, der kurz vor zehn Uhr abfährt. Bis dahin bleibt genug Zeit für ein gemütliches Frühstück im Hotel, hier der Blick vom Frühstückstisch über die Stadt. Bedingt durch die Tallage sind viele Gebäude „nach unten“ gebaut, d.h. der straßenseitige Zugang liegt in den oberen Stockwerken. So auch bei unserem Hotel, die Rezeption befindet sich von der Straße aus ebenerdig, zu den Zimmern geht es dann aber nach unten.
Der Sonnenschein lädt zu einem sonntäglichen Morgenspaziergang durch die Stadt ein, und so drehen wir noch einmal die gleiche Runde wie am Vortag.
Die Rundbögen links der Bildmitte gehören zu einer Straßenbrücke, dahinter verläuft die Bahnlinie. Was dort in der Sonne glänzt ist der Triebwagen, mit dem wir gestern angereist sind. So langsam wird es Zeit, uns auf den Weg dort hinüber zum Bahnhof zu machen.
Auch vor dem Bahnhofsgebäude begrüßt eine symbolische Tabakpfeife die Besucher in der „Hauptstadt der Pfeife“. Bevor wir aber das Gebäude betreten, machen wir noch einen kurzen Abstecher zur nahegelegenen Überführung.
Hier wird nämlich gerade rangiert, der Blauwal links stand gestern Abend schon da, der Triebwagen rechts kam offenbar als Frühzug in Saint-Claude an. In Doppeltraktion geht es mit den Triebwagen gleich auf die „Ligne des Hirondelles“.
Ein Plakat am Bahnhof macht schon Appetit auf die bevorstehende Fahrt. Die SNCF bewirbt und vermarktet 10 Regionallinien als Panoramazüge, neben dem Mont-Blanc-Express oder dem französischen Abschnitt der Tendabahn (habe ich beide letztes Jahr besucht – zum Reisebericht) gehört auch „La Ligne des Hirondelles“ durch den Jura dazu.
Warum die Strecke nun „Schwalbenlinie“ heißt, erschließt sich mir nicht so ganz. Die Touristiker schreiben blumig von einer „über 120 km lange Reise zwischen Himmel und Erde, Berg und Tal“. Am Himmel über uns kreisen tatsächlich Schwalben - mal sehen welche Assoziationen sich unterwegs noch einstellen.
Zumindest auf dem ersten Abschnitt ab Saint-Claude hätte es eine Doppeltraktion nicht unbedingt gebraucht, außer uns steigt nur ein weiterer Fahrgast zu.
Durch das schluchtartige Tal der Bienne geht es auf die erste Etappe bis Morez durch den Bergwald des Naturparks Haut-Jura.
Und es gibt viel Wald hier.
Sehr viel Wald sogar.
Dann erreichen wir mit dem Ort Morez den interessantesten und spektakulärsten Streckenabschnitt. Die Bahnlinie verlässt den Wald und führt zunächst auf einem hohen Viadukt über die Dächer der Stadt in den Bahnhof.
Der Bahnhof von Morez ist als Spitzkehrenbahnhof angelegt. Hätte es auf der Strecke einen dichteren Takt gegeben, hätte ich gerne einen kleinen Aufenthalt in dem 5.000-Einwohner-Ort eingebaut, aber bei den zwei sonntäglichen Zügen sind siebeneinhalb Stunden Aufenthalt bis zum nächsten Zug doch etwas arg lang und so bleiben wir im Zug sitzen. Einstmals gab es mit der Chemin de fer Nyon–St-Cergue–Morez (NStCM) eine meterspurige Bahnlinie von Morez in die Schweiz, der 12 Kilometer lange Abschnitt auf der französischen Seite der Grenze wurde jedoch 1958 stillgelegt.
Als sich nach dem Fahrtrichtungswechsel der Lokführer zur Abfahrszeit erstmal von Außen am Triebwagen zu schaffen macht, habe ich kurz etwas Sorge um den weiteren Reiseplan, aber dann geht die Fahrt doch weiter.
Nun folgt der spektakuläre Aufstieg, den wir vorhin schon auf dem Werbeplakat gesehen haben. Bei der Ausfahrt aus dem Bahnhof Morez ist am gegenüberliegenden Berghang schon das nächste große Viadukt zu sehen.
Bis wir dort oben sind, folgen aber zunächst weitere Tunnel und Kehren. Insgesamt 18 Viadukte und 36 Tunnel zählt die „Ligne des Hirondelles“.
Schade, dass die Sonne jetzt gerade Pause macht, aber so gibt es neben den dreckigen Scheiben wenigstens nicht auch noch Reflektionen durch das Gegenlicht. Hier jetzt der Blick von oben auf Morez. Von rechts kommt die Strecke aus Saint-Claude, die zum Bahnhof oberhalb der Bildmitte führt. Von dort geht es nach dem Richtungswechsel weiter zum linken Bildrand in ein Seitental mit einer Kehre.
Bei Morbier sind wir nun auf einer Geländeterrasse etwa 130 Meter oberhalb des Talkessels von Morez angekommen, bei diesem Bild der Pfarrkirche fahren wir auch gerade auf einem Viadukt.
Manchmal ist es recht mühsam herauszufinden, was ich denn unterwegs überhaupt geknipst habe. Bei diesem Bild habe ich länger mittels Aufnahmezeit, Fahrplan und Google Earth gesucht und bin schließlich fündig geworden: wir sehen Forges de Syam, ein über 200 Jahre alter Schmiede- und Walzwerkbetrieb im Tal des Flusses Ain.
Die Streckenbilder machen jetzt eine kleine Pause, denn nun erwischen uns ein paar Regenwolken. Außerdem steht der Zug mit laufendem Motor planmäßig 32 Minuten im Bahnhof von Champagnole. Nur gut, dass ich einen Fahrplan mit den Zwischenhalten dabei habe und mir somit keine Sorgen um mögliche Verspätungen machen muss – und als netter Nebeneffekt kann der weitgereiste Tourist den einheimischem Fahrgästen sagen, wann‘s weitergeht. (Ok, das mit dem „sagen“ ist jetzt nicht wörtlich zu nehmen, korrekter wäre die Formulierung „den einheimischen Fahrgästen mangels französischer Sprachkenntnisse einen Fahrplanausdruck mit den Zwischenhalten unter die Nase halten“.)
Fahrplan und Aufdruck auf der Fahrkarte weisen einen Umstieg in Andelot aus, der Zugbegleiter sagt uns aber, dass wir sitzenbleiben können, offenbar gibt es in Andelot nur einen Zugnummernwechsel und zudem auch einen Fahrtrichtungswechsel.
Zwischen Andelot und Mouchard präsentiert sich das Wetter dann wieder freundlicher. Dafür macht mir nun aber der weitere Reiseplan Sorgen. Nachdem wir auf freier Strecke 10 Minuten auf einen Gegenzug gewartet haben, ist es um den 5-Minuten-Übergang in Mouchard nicht gut bestellt. Hier aber erstmal der Blick auf den Ort Arbois.
Auch dieses Bild entstand mal wieder auf einem Viadukt, in einer Höhe von 28 Metern fahren wir über das Viadukt von Montigny-lès-Arsures. Der Jura ist auch als Weinbauregion bekannt, eines der Zentren liegt hier in der Region um Arbois.
Die eigentliche „Ligne des Hirondelles“ führt bis nach Dole, wir verlassen die Strecke aber schon ein paar Kilometer früher in Mouchard, wo sich zwei Strecken kreuzen. Wir wollen hier in Richtung Besançon umsteigen, nur ist unser Anschlusszug schon weg. Aber wir haben Glück, keine halbe Stunde später fährt der nächste Zug nach Besançon – zu anderen Zeiten kann mir hier durchaus auch zwei Stunden auf den nächsten Zug warten.
Wir nehmen nun Abschied von der „Ligne des Hirondelles“. Der Bahnhof von Mouchard liegt etwas höher, so dass wir beim Warten vom Bahnsteig aus noch einen Blick auf den 1.200-Einwohner-Ort werfen können.
Mit einem Triebwagen der Reihe Z 9500 fahren wir nun am Rand des Juras...
...und folgen dem Fluss Doubs nach Besançon.
Es geht gleich weiter...
--
"Fensterplatz, bitte." - Meine Bahnreiseberichte.de.| instagram.com/fensterplatz.bitte/