Fünfundzwanzig Jahre später, Teil 10 (Salzwedel, 50 Bilder) (Reiseberichte)

Sören Heise, Region Hannover, Samstag, 28.11.2015, 18:04 (vor 3818 Tagen)

Werte Leserschaft,

einstmals war die Altmark nahezu flächendeckend durch die Eisenbahn erschlossen. Kaum eine nennenswerte Ansiedlung, die nicht mindestens ein oder zwei Dörfer weiter einen Bahnhof hatte. Von den sieben Richtungen, aus denen man Salzwedel per Zug erreichen konnte, waren Anfang 1999 noch drei übrig. Am 19. Dezember 1999 kam einer vierte hinzu: Die Bahnstrecke nach Wieren wurde wiedereröffnet. Mittlerweile aber ist Salzwedel auf der Kursbuchkarte nur noch eine Durchgangsstation wie Hohenwulsch.


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Salzwedels letzte Eisenbahnstrecke war auch seine erste. Als Teil der Amerikalinie wurde zunächst am 15. März 1870 die Strecke Stendal - Salzwedel eröffnet, am 15. Mai 1873 gefolgt von der Verlängerung über Uelzen und Soltau nach Langwedel kurz vor Bremen.
Durch die deutsche Teilung kam Salzwedel dicht an der Zonengrenze zu liegen. Das war für auch Bergen (Dumme) dumm, denn der Bahnhof des niedersächsischen Örtchens lag in Sachsen-Anhalt. So entstand westlich der Grenze als neuer Endpunkt Nienbergen (dort bitte auch die Links zu K.D. Tröger beachten). Zwischen Salzwedel und Bergen endete der Reiseverkehr Anfang Oktober 1951, später wurde der Abschnitt abgebaut. Die verbliebenen Streckenteile wurden verloren ihre einstige Bedeutung als Fernstrecke.
Nach der Wende sollte es noch ein Jahrzehnt dauern, ehe die Strecke wieder in Betrieb ging. Zunächst wurde der Abschnitt Stendal - Salzwedel komplett modernisiert, hier besteht seit dem 18. Dezember 1997 elektrischer Betrieb. Zusammen mit der Modernisierung des Abschnittes Wieren - Uelzen erfolgte der Wiederaufbau der Teilstrecke Salzwedel - Wieren, am 19. Dezember 1999 war Eröffnung, die Zugangsstellen Bergen (Dumme), Nienbergen und Varbitz (zwischen Schnega und Soltendieck) wurden nicht wiedereröffnet.
Der Verkehr ist relativ schwach, die Hauptlast trägt die zweistündliche RE-Linie Magdeburg - Uelzen, gefahren mit der Baureihe 112/114 und den komfortablen Doppelstockwagen der Elbe-Saale-Bahn. Zwischen Stendal und Salzwedel verkehren auch Regionalbahnen, hier kommen auch Triebwagen der Baureihe 425 zum Einsatz. Salzwedels Bahnhof verfügt über zwei moderne Mittelbahnsteige. Das Empfangsgebäude befindet sich in Privatbesitz und ist war am Besuchstag (20. August) nicht zugänglich.

In erster Linie für den Güterverkehr wird auf der Strecke derzeit das nur teilweise vorhandene zweite Gleis auf kompletter Länge wiederaufgebaut. Daneben gibt es in Gestalt der IRE-Züge Hamburg - Berlin auch einzelne Verbindungen des Fernverkehrs, die Salzwedel einen Anschluß an die große weite Welt verschaffen. Die Verbindung nach Krakau und Breslau wurde im Vorgriff auf das wieder auseinanderwachsende Europa bereits vor wenigen Jahren eingestellt.


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Von den stillgelegten Strecken wurde nur eine durch die innerdeutsche Grenze unterbrochen. Das war die am 1. Oktober 1891 eröffnete Verbindung Lüchow - Salzwedel. Sie war Teil der Strecke Dannenberg - Salzwedel (Verkehr Lüchow - Dannenberg seit 1. April 1911) und hatte stets nur regionale Bedeutung. Zwischen Lübbow, dem letzten Bahnhof im Westen, und Salzwedel endete 1945 der Verkehr. Am 21. Mai 1955 fuhr der letzte Reisezug zwischen Lüchow und Lübbow, am 4. Juli 1960 auch zwischen Dannenberg und Lüchow (wodurch die Personenzüge der Lüchow-Schmarsauer Eisenbahn nicht mehr per Zug erreicht werden konnten). Hier verkehrten vom 21. August 1965 bis zum 31. Mai 1975 jedoch wieder Reisezüge. Die Teilstrecke Lübbow - Wustrow wurde am 23. Mai 1971 stillgelegt, der Abschnitt Lüchow - Wustrow am 1. September 1996 und der Betrieb zwischen Dannenberg und Lüchow zum 30. September 1997. Seit 2001 gehört die Strecke zur Deutschen Regionaleisenbahn (DRE). Ab und an gibt es zwischen Dannenberg und Lüchow Sonderfahrten.

Am 1. November 1889 wurde die knapp 60 Kilometer lange Bahnstrecke von Salzwedel nach Oebisfelde eröffnet. Am 28. September 2002 verkehrten die letzten Reisezüge, die trotz Taktverkehrs immer weiter sinkenden Fahrgastzahlen rechtfertigten keinen Neubau der Mittellandkanalbrücke nördlich von Oebisfelde. Am 1. Januar 2007 pachtete die DRE die Strecke, 2008 wurde das Gleis zwischen Klötze und Oebisfelde abgebaut. Von Salzwedel nach Klötze gibt es sehr selten Sonderfahrten, das nächste Mal am 13. Dezember - es ist vielleicht gut, daß ich da nicht kann.

Bedingt durch den 1. Weltkrieg konnte die Strecke von Salzwedel nach Wittenberge erst 1922 eröffnet werden: Am 4. Mai 1922 bis Arendsee, am 15. Dezember bis Geestgottberg an der Hauptstrecke Stendal - Wittenberge. Ab September 2002 wurde die Strecke nur noch am Wochenende bedient, am 12. Dezember 2004 war es auch damit dabei. Auch diese Strecke gehört zur DRE, zwischen Salzwedel und Arendsee soll sie befahrbar sein.

Zwei weitere Bahnstrecken ab Salzwedel wurden bis zur Verstaatlichung durch die Salzwedeler Kleinbahnen betrieben und waren anfangs schmalspurig. Am 27. September 1980 endete der Reiseverkehr zwischen Salzwedel und Badel; die Strecke nach Diesdorf wurde in zwei Abschnitten stillgelegt: Am 23. Mai 1993 auf dem kurzen Abschnitt zwischen Dähre und Diesdorf, am 31. Dezember 1995 auch zwischen Salzwedel und Dähre; beide Strecken sind heute abgebaut. Die Kleinbahn endete in Salzwedel gegenüber dem Staatsbahnhof.

Nachfolgend zunächst Salzwedels Fahrplanangebot im schon bekannten Jahresfahrplan 1986/1987 (sogar mit einem Schnellzugpaar nach Dresden), anschließend besuchen wir Salzwedel ein klein wenig ausführlicher als Schnega.


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1 Glücklich angekommen.


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2 Bahnsteig 1/2 und im Hintergrund das Stellwerk.


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3 Fahrplan und Wagenstandanzeiger mit nur einer Abfahrt, um 21:55 Uhr.


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4 Ausfahrt gen Westen, gesehen vom Bahnsteigende.


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5 Bahnhofsbild mit 114 032.


Reicht das für einen Zweiteiler?


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