Mit dem Nachtzug zur Ferrovia Circumetnea – 7/8 (m 37 B) (Reiseberichte)
Hallo zusammen,
nachdem wir im Teil 6 mit Palermo die letzte Station unserer Sizilienreise erreicht haben, heißt es nun Abschied nehmen von der größten Insel im Mittelmeer.
Tag 6: Palermo - Neapel
Heute beginnen wir unsere zweitägige Rückreise an den Bodensee. Da wir bei der Hinfahrt den Nachtzug genutzt haben, soll die Rückfahrt zur Abwechslung am Tag erfolgen, in Neapel ist eine Zwischenübernachtung geplant.
Auch heute lassen wir es gemütlich angehen, unser Intercity verlässt Palermo Centrale erst um 10.05 Uhr. Genug Zeit also, den Kopfbahnhof aus dem Jahre 1886 zu inspizieren.
Die Schalterhalle will nicht so recht zur prächtigen Außenfassade des Gebäudes passen.
Ich weiß nicht, wie viele Kirchen und Kapellen wir auf unserer Reise durch Sizilien gesehen haben, aber eine Bahnhofskapelle ist doch etwas Besonderes. Die Kapelle ist leider geschlossen, sonst hätte ich gerne mal einen Blick hineingeworfen.
Warum die Bahnhofsgleise verkürzt wurden, erschließt sich mir nicht so ganz, das hängt vielleicht mit der Erhöhung der Bahnsteige zusammen. Bis Sektor A fährt jedenfalls kein Zug mehr, dafür kommen die Fußgänger in den Genuss einer Oberleitung.
Eine sechsachsige Lok der Baureihe E.656 bespannt unseren Intercity. Auch in Italien haben Lokomotiven Spitznamen, die Baureihe wird hier Caimano (Kaiman) genannt.
Dieser Zug ist übrigens das Pendant zu dem Intercity, den wir vor zwei Tagen zwischen Syrakus und Giarre-Riposto genutzt haben, ab Messina fahren beide Zugteile dann gemeinsam nach Neapel und weiter nach Rom. In diesem Zugteil ist nun auch die Erste Klasse eingereiht. Ist es Zufall oder achtet man in Italien tatsächlich darauf, dass die Abteile zur Küste stehen?
Da hier Reservierungspflicht herrscht, braucht es keine Reservierungszettel oder -displays, und so bleibt es für uns spannend, ob wir unterwegs noch Zuwachs im Abteil bekommen werden.
Der Abteilwagen ist sehr gepflegt und wurde offenbar vor nicht allzu langer Zeit modernisiert, dabei gab es auch frische Sitzbezüge.
Etwa drei Stunden fahren wir nun an der Nordküste Siziliens, die Strecke verläuft dabei für weite Abschnitte direkt am Meer. Stellvertretend hier ein Bild vom ersten Abschnitt zwischen Palermo und Cefalù.
Hier sind wir in Cefalù angekommen, vor uns der Rocca di Cefalù, ein Kalkfelsen, den wir gleich in einem Tunnel unterqueren werden.
Und weiter geht die Fahrt immer der Küste entlang. Wir sind hier übrigens auf der als TEN-Projekt 1 geführten Bahnachse von Berlin nach Palermo unterwegs. Teilweise wird an der Strecke gebaut, abschnittsweise sind wir auch auf einer neuen Trasse unterwegs.
In Messina steht wieder die Verladung auf die Fähre an. Eigentlich hatte ich das ja auf der Hinfahrt schon dokumentiert, aber weil es so schön ist, jetzt auch noch einmal in der Gegenrichtung. Hier verlässt also die Lok den Zug...
...und die Wagen werden nun auf das Fährschiff geschoben.
Wir genießen die Fahrt vom Oberdeck aus, zum Abschied von Sizilien grüßt die Mariensäule am Hafen von Messina. Sie trägt die Aufschrift „Vos et ipsam civitatem benedicimus“ - Wir segnen euch und eure Stadt.
Und noch ein letzter Blick auf Messina, dann nehmen wir Kurs aufs Festland.
In Villa San Giovanni wird unser Zug wieder aus dem Schiff gezogen. Die Züge können nur aus einer Richtung auf die Fähre gefahren werden. Hier sieht man auch nochmals die Podeste für die Fahrgäste zum Ein- und Aussteigen.
Unser Zug wird nun wieder nach oben an den Bahnsteig von Villa San Giovanni rangiert, von dort geht die Fahrt dann weiter nach Neapel; auch hier steht unser Abteil wieder (oder eigentlich immer noch) richtig, nämlich zur Küste hin.
Links das Meer...
...rechts die Gebirge Kalabriens.
Bei diesem herrlichen Ausblick finde ich die Fahrt bei Tage angenehmer als im Nachtzug, denn die Sitze sind bequemer und das Fenster im Abteil größer als im Schlafwagen.
Zwischen Sapri und Salerno führt die Strecke durch das Cilento, hier wird die Landschaft zwischendurch recht gebirgig und es folgen zahlreiche Tunnel...
...bevor wir dann wieder die Küste erreichen.
Als schließlich die Sonne über dem Vesuv untergeht, ist unser Ziel nicht mehr weit. Um 19.15 Uhr ist Napoli Centrale erreicht.
Eigentlich ist Neapel nur für eine Zwischenübernachtung vorgesehen und für eine richtige Stadterkundung sollte ich doch mal etwas mehr Zeit mitbringen. Aber eine kleine Runde in die Altstadt ist heute Abend noch drin, hier die Kathedrale aus dem 14. Jahrhundert.
Vorbei am Obelisco dell’Immacolata auf der Piazza del Gesù Nuovo geht es weiter...
...zur Chiesa dei Girolamini, dann beenden wir unseren kleinen Abendspaziergang durch die drittgrößte Stadt Italiens.
Bei der letzten Etappe unserer Reise kommen wir dann wieder in der Welt der modernen Hochgeschwindigkeitszüge an, aber dazu mehr in den nächsten Tagen im letzten Teil des Reiseberichts.
Viele Grüße
Tobias
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