Mit dem Nachtzug zur Ferrovia Circumetnea – 5/8 (m 40 B) (Reiseberichte)

TD, Mittwoch, 21.10.2015, 17:39 (vor 3853 Tagen)

Hallo zusammen,

in Teil 4 des Reiseberichts waren wir etwas später als geplant mit der Ferrovia Circumetnea in der Kleinstadt Randazzo am Nordhang des Ätna angekommen. Am dortigen Bahnhof setzen wir unsere Reise nun fort.

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Einstmals gab es auf Sizilien ein ausgedehntes Schmalspurnetz, von dem allein die Ferrovia Circumetnea überdauert hat. Die Schmalspurbahn hat eine Spurweite von 950 Millimetern.

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Für die Fahrt nach Catania wartet ein Pärchen der urigen Dieseltriebwagen der FCE. An der Spitze ADe 13, der von Stanga-TIBB gebaut wurde und seit 1980 seine Runden auf der Littorina dreht, wie die Strecke von den Einheimischen genannt wird. Die FCE betreibt zudem Buslinien und auch die U-Bahn in Catania, aber dazu später mehr.

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Ganz ohne Schülerhorden können wir nun die Fahrt genießen. Bei anfangs nur drei Fahrgästen kann ich auch munter zwischen den Fenstern rechts und links wechseln. Und das lohnt sich, denn bis zum Scheitelpunkt überwindet der Zug nochmals über 200 Höhenmeter, die Strecke führt dabei mehrfach durch die bizzare Landschaft der Lavafelder.

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Immer im Blick: der Ätna. Er ist der aktivste und höchste Vulkan Europas und wird von der UNESCO als Weltnaturerbe geführt. Die Höhe des Ätna ändert sich durch Schlackenkegel und Ausbrüche recht häufig, er ist um die 3.300 Meter hoch. Der Gipfel ist fast ganzjährig schneebedeckt.

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Der Scheitelpunkt der Strecke liegt auf 976 Metern über dem Meeresspiegel zwischen den Stationen Maletto und Bronte. Im Jahr 1889 begann der Bau der Strecke, dabei mussten nicht nur zahlreichen Brücken und Viadukte gebaut werden, sondern auch Schneisen in die Lavafelder geschlagen und gesprengt werden. Neun Jahre später war die Strecke durchgehend befahrbar, wobei in den Folgejahren Erdbeben und Vulkanausbrüche der Strecke immer wieder zusetzen und mehrfach Lavaströme die Gleise begruben.

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Wir sind nun mittlerweile auf Talfahrt, hier der Blick auf die Stadt Bronte. Ich habe schon viele Bilder gelöscht, aber die Fahrt und die Vulkan-Landschaft faszinieren mich so sehr, dass ich einfach noch einige Bilder zeigen muss. Die Region ist überwiegend landwirtschaftlich geprägt, hier gedeihen Wein, Oliven, Zitrusfrüchte, Feigen und Pistazien.

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Wenn man - so wie wir - die Tour von Riposto aus beginnt, hat man den Eindruck, in eine andere Bahnwelt versetzt zu sein. Doch die FCE hat durchaus auch ein modernes Gesicht, von Catania ausgehend wird die Strecke ausgebaut und teilweise in neue Tunnelabschnitte verlegt. So wie hier in Adrano wirken die alten Triebwagen wie Fremdkörper in der modernen Station. Der Triebwagen RALn 6405 wurde von Fiat gebaut ist auch schon seit 1979 auf der Strecke.

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In Biancavilla führt die Strecke noch direkt durch das Stadtgebiet, aber offenbar wird auch hier schon an einer neuen Streckenführung gebaut.

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Wenig später passieren wir dann diese Baustelle, die neuen Gleise und ein neuer Bahnhof scheinen schon weit fortgeschritten.

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Für uns geht es zunächst durchs Grüne...

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...bevor die Bahn in einen neuen Tunnelabschnitt einfährt und wir uns im Tiefbahnhof von Santa Maria di Licodia Sud fast schon in einer großstädtischen Metrostration wähnen, selbst Bahnsteigsperren gibt es hier. Auf den letzten Stationen vor Catania nimmt die Besetzung des Zuges dann deutlich zu.

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Hier liegen die Gegensätze eng beieinander, 13 Minuten später in Paterno ist wieder die alte FCE präsent. Alle Züge fahren mit Lokführer und Beimann, es gibt zudem Zugbegleiter und viel Personal an den Bahnhöfen, manchmal wirkt es fast wie ein Wunder, dass so ein personalintensiver Betrieb bis in die heutige Zeit überleben konnte - oder vielleicht gerade deshalb?

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Hier winkt uns der Lokführer von ADe 08. Gibt es eigentlich einen bestimmte Logik, warum manche Fahrzeuge das orangefarbene und andere das grüne Farbschema tragen? Die FCE hat auch noch neuere Triebwagen aus den Jahren 1990/1991, von diesen habe ich aber keinen einzigen zu Gesicht bekommen.

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Bis 1993 fuhr die Ferrovia Circumetnea bis an den Hafen von Catania, heute ist Catania-Borgo die Endstation. Hier besteht eine Übergangsmöglichkeit zur U-Bahn, der Metropolitana di Catania.

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Die U-Bahn wird ebenfalls von der Ferrovia Circumetnea betrieben, sie ist normalspurig und wurde 1999 eröffnet. Sie folgt unterirdisch dem Verlauf der früheren schmalspurigen Circumetnea zum Hafen. Hier ist gerade einer der U-Bahnzüge in die Endstation Borgo eingefahren, der Zug wendet gleich und bringt uns dann ins Zentrum.

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Mit gerade Mal einer 3,8 Kilometer langen Linie und sechs Stationen ist das „U-Bahn-Netz“ in Catania überschaubar. Die südlichste U-Bahn Europas fährt im Viertelstundentakt, wir fahren bis zum Bahnhof, der Station „F.S.“.

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Zwischen Bahnhof und Hafen verläuft die Strecke oberirdisch, die Haltestelle am Bahnhof ist recht spartanisch und nur über einen Treppenabgang mit dem Bahnhof verbunden.

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Die U-Bahn fährt von hier weiter zur Endstation am Hafen. Rechts die Gleise und Bahnsteige der Trenitalia. Durch den verpassten Anschluss in Giarre und den damit auch verbundenen langen Aufenthalt in Randazzo sind wir nun drei Stunden später als geplant in Catania angekommen – aber da ist wohl nichts mit Fahrgastrechten.

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Wir verlassen nun den Bahnhof und machen uns auf den Weg Richtung Hotel und Innenstadt. Die Hafenstadt ist nach Palermo die zweitgrößte Stadt Siziliens und ebenfalls UNESCO-Welterbe.

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Aufgrund unserer Verspätung gibt es von Catania allerdings nur Nachtbilder, hier die Kathedrale Sant’Agata.

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Das Wahrzeichen Catanias ist der Elefantenbrunnen auf der Piazza del Duomo. Der Elefant aus schwarzem Lavagestein trägt einen antiken ägyptischen Obelisken.

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Vor dem Palazzo dell'Università lauschen wir noch einem Konzert...

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...dann machen wir uns auf den Rückweg zum Hotel. Zu den Sehenswürdigkeiten von Catania gehört auch die Via Etnea, die drei Kilometer lang schnurgerade durch die Stadt verläuft in Richtung Ätna. Damit endet unser vierter Reisetag und auch dieser Teil des Reiseberichts.

Im nächsten Teil wechseln wir dann an die Nordküste Siziliens, aber dazu mehr in den nächsten Tagen.

Viele Grüße

Tobias

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[image] "Fensterplatz, bitte." - Meine Bahnreiseberichte.de.| instagram.com/fensterplatz.bitte/

Vielen Dank

462 001, Taunus, Donnerstag, 22.10.2015, 15:06 (vor 3852 Tagen) @ TD

Hey Tobias,

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Für die Fahrt nach Catania wartet ein Pärchen der urigen Dieseltriebwagen der FCE. An der Spitze ADe 13, der von Stanga-TIBB gebaut wurde und seit 1980 seine Runden auf der Littorina dreht, wie die Strecke von den Einheimischen genannt wird. Die FCE betreibt zudem Buslinien und auch die U-Bahn in Catania, aber dazu später mehr.

Die Bahnen sehen klasse aus. Haben was:)

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Immer im Blick: der Ätna. Er ist der aktivste und höchste Vulkan Europas und wird von der UNESCO als Weltnaturerbe geführt. Die Höhe des Ätna ändert sich durch Schlackenkegel und Ausbrüche recht häufig, er ist um die 3.300 Meter hoch. Der Gipfel ist fast ganzjährig schneebedeckt.

Die Landschaft ist einfach nur der Hammer!

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Die U-Bahn wird ebenfalls von der Ferrovia Circumetnea betrieben, sie ist normalspurig und wurde 1999 eröffnet. Sie folgt unterirdisch dem Verlauf der früheren schmalspurigen Circumetnea zum Hafen. Hier ist gerade einer der U-Bahnzüge in die Endstation Borgo eingefahren, der Zug wendet gleich und bringt uns dann ins Zentrum.

Hat irgendwie ähnlichkeit zur Römischen Metro. Die sind auch so "designt".

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...dann machen wir uns auf den Rückweg zum Hotel. Zu den Sehenswürdigkeiten von Catania gehört auch die Via Etnea, die drei Kilometer lang schnurgerade durch die Stadt verläuft in Richtung Ätna. Damit endet unser vierter Reisetag und auch dieser Teil des Reiseberichts.

Eine tolle Straße, besonders der höhenverlauf.

Gruß aus dem Taunus

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Von mir besuchte Bahnhöfe
- Deutschland: 1627
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Mit dem Nachtzug zur Ferrovia Circumetnea – 5/8 (m 40 B)

Regiosprinter, Donnerstag, 22.10.2015, 21:21 (vor 3852 Tagen) @ TD

Hallo,

auch von mir herzlichen Dank für diesen Teil des Berichts!
Wenn meine Kleinen etwas größer sind, wird das auf jeden Fall mal ein Ziel.
Einerseits wegen der Bahn, andererseits wegen der beeindruckenden Landschaft.

Klaus

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