Mit dem Nachtzug zur Ferrovia Circumetnea – 4/8 (m 35 B) (Reiseberichte)
Hallo zusammen,
nachdem nun schon in drei Beitragstiteln das Ziel Circumetnea genannt wurde, ist es heute nun tatsächlich so weit. Am Ende von Teil 3 waren wir wieder in Syrakus angekommen, von hier aus setzen wir unsere Reise nun fort.
Tag 4: Syrakus – Giarre-Riposto – Randazzo - Catania
Bei einer Sizilienreise darf natürlich die Ferrovia Circumetnea (FCE) nicht fehlen, die auf Schmalspurgleisen um den Ätna führt. An den Endpunkten der Bahn in Giarre-Riposto und Catania besteht jeweils Anschluss an das Netz der Trenitalia. Für uns bietet es sich an, mit einem Intercity von Syrakus nach Giarre-Riposto zu fahren und dort die Rundfahrt mit der Circumetnea nach Catania fortzusetzen.
Der IC verlässt Syrakus um 10.25 Uhr, er führt bis Messina nur Wagen der 2. Klasse, dort kommt dann ein Zugteil aus Palermo hinzu. Der Abteilwagen steht auch richtig, also die Fenster zur Küste. In Giarre-Riposto haben wir einen großzügigen Übergang von 32 Minuten auf die FCE, das sollte gut reichen.
Bei Augusta passieren wir einen großen Industriekomplex, die Petrochemie hat hier zu schwerwiegenden ökologischen Schäden geführt, außerdem gibt es hier einen Marinehafen, der zuletzt aufgrund der Flüchtlingsströme immer wieder in den Medien war. Vor der Küste befindet sich ein Schiffsfriedhof.
Zwischen Augusta und Lentini präsentiert sich die Landschaft dann wieder recht malerisch. Der Zug fährt mittlerweile auch ziemlich langsam, so dass ich kaum ein Motiv verpasse.
Ok, schöne Motive von der Küste habe ich nun genug, gerne dürfen wir nun die Fahrt wieder beschleunigen. Aber die Schleichfahrt hält an, Kilometer um Kilometer bummeln wir durchs Land, zwischendurch passieren wir einen einsamen Oberleitungswagen auf dem anderen Gleis, sonst ist von angeblichen Bauarbeiten nicht viel zu sehen. Beim nächsten Halt in Lentini zeigt sich dann das ganze Ausmaß, als ich Soll- und Istzeit vergleichen kann: wir haben 28 Minuten Verspätung angesammelt!
Aufholen können wir die Verspätung nicht mehr und in Catania kommen noch ein- oder zwei Minuten hinzu. Bei der Einfahrt in Giarre-Riposto stehen wir dann schon an der Zugtüre bereit, jetzt müssen wir nur durch die Unterführung und dann rüber zum FCE-Bahnhof rennen...
...wo wir gerade noch dem Triebwagen der FCE nachschauen können. Ok, pünktlich ist sie also, die Ferrovia Circumetnea, aber was machen wir jetzt?
Schauen wir uns halt zunächst den Bahnhof an. Giarre und Riposto sind zwei eigenständige Gemeinden. Der gemeinsame Bahnhof an der Trenitalia-Strecke liegt in Giarre und heißt Giarre-Riposto. Die Ferrovia Circumetnea hingegen fährt beide Gemeinden an, deshalb heißt der FCE-Bahnhof nur Giarre.
Der nächste Zug fährt erst eineinhalb Stunden später – aber sehen wir es positiv, wir haben so die Möglichkeit, die komplette Strecke der FCE ab Riposto zu befahren! Der Endbahnhof ist etwa einen Kilometer entfernt, das gibt gerade einen kleinen Spaziergang.
Auf dem Fußweg zwischen den Bahnhöfen von Giarre und Riposto kommen wir am Haltepunkt Riposto-Villa Comunale vorbei, die Gleise führen hier direkt auf den Ätna zu.
Die 15.000-Einwohner-Stadt Riposto liegt am Meer, im Hintergrund der Hafen.
Das Zentrum ist geprägt vom Dom San Pietro. Einen Hinweis auf die Ferrovia Circumetnea oder gar einen Wegweiser zu deren Bahnhof findet sich in der Stadt nicht, und so müssen wir uns auf eigene Faust den Weg zum etwas abgelegenen Bahnhof suchen.
Der Bahnhof ist zunächst wie ausgestorben, so dass wir uns in Ruhe umschauen können.
Bis zur Abfahrt des Zuges erwacht der Bahnhof aber zum Leben, denn nun ist Schulschluss und zahlreiche Schüler nutzen die Bahn für die Heimfahrt bis hinauf nach Randazzo. Auch der hier noch abgestellte Beiwagen wird für den Schülerverkehr eingesetzt, so dass schließlich ein für diese Strecke recht langer Zug bestehend aus zwei Triebwagen und dem Beiwagen zum Einsatz kommt.
Wir wählen den mittleren Triebwagen, aber auch dieser Wagen wird gleich von den Schülern geentert. Es gibt nur wenige durchgehende Züge, die meisten Verbindungen werden in Radazzo gebrochen. Bis dorthin überwindet die Bahn über 730 Höhenmeter.
Und so geht es nun bergauf, zunächst nochmals mit einem Blick auf die Küste. Zu den weiteren Bildern der Fahrt an den Hängen des Ätna brauche ich wohl nicht viel zu schreiben, ich denke die Bilder und Eindrücke sprechen für sich.
Ein Zugbegleiter lässt sich während der gesamten Fahrt nicht blicken und wir sind ohnehin die einzigen Nicht-Schüler im Zug. Wer in das authentische sizilianische Schülerleben eintauchen möchte, dem sei diese Verbindung empfohlen, da fliegen auch Schuhe durch den Wagen und es wird ungeniert im Zug geraucht.
Da die Bahn den Ätna umrundet, ist in Fahrtrichtung links häufig der Gipfel zu sehen, während der Blick nach rechts über die Landschaft des Gebirgsstocks schweift. Hier fahren wir gerade durch ein Lavafeld.
Nach einer Fahrzeit von einer Stunde und 15 Minuten ist die erste Etappe von 40 Kilometern zu Ende, hier unser Zug nach der Ankunft in Randazzo. Bis zur Weiterfahrt nach Catania hat man bei den meisten Verbindungen einen Aufenthalt in der Größenordnung von einer Stunde, wir kommen sogar in den Genuss über zwei Stunden in Randazzo verbringen zu können. Man könnte fast eine Verschwörung zwischen Bahn und den örtlichen Gastronomen vermuten, allerdings ist der unregelmäßige Fahrplan wohl eher dem Schülerverkehr geschuldet und das touristische Potential der Bahn bei Weitem nicht erschlossen.
Randazzo liegt am Nordhang des Ätna und hat rund 11.000 Einwohner. Die Altstadt ist geprägt von Gebäuden, die aus schwarzem Lavastein erbaut sind, hier die Chiesa S. Nicola aus dem 14. Jahrhundert.
Wir befinden uns oberhalb des Valle dell’Alcantara, vom Rande der Altstadt hat man einen schönen Blick über das Flusstal.
Jetzt noch ein Blick zur Kathedrale Di Santa Maria, dann wollen wir uns wieder der Circumetnea widmen. Allerdings hat dieser Teil des Reiseberichts doch schon eine ganz beträchtliche Länge erreicht, deshalb machen wir nun hier einen Schnitt. In den nächsten Tagen folgt die Fortsetzung mit Teil 5 - dann auch mit schöneren Sonnenbildern von der FCE.
Viele Grüße
Tobias
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TD,
17.10.2015, 19:02
- Danke! - JeDi, 17.10.2015, 19:07
- Vielen Dank - 462 001, 17.10.2015, 23:54