Fünfundzwanzig Jahre später, Teil 3 (Gerstungen, 55 Bilder) (Reiseberichte)
Moin!
Herzlich willkommen zum dritten Teil meiner Serie.
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Die Bahnstrecke von Bebra nach Eisenach wurde am 25. September 1849 in Betrieb genommen, sowohl die Strecke der Friedrich-Wilhelms-Nordbahn von Bebra aus nach Gerstungen als auch der Abschnitt ab Eisenach der Thüringer Bahn. In den ersten Jahren verkehrten keine durchgehenden Züge, man mußte in Gerstungen umsteigen.
Die Landesgrenze zwischen Hessen und Thüringen überquert die Bahnstrecke mehrmals, nämlich fünf Male. Von Eisenach kommend wird unmittelbar hinter dem Bahnhof Wartha hessisches Gebiet erreicht. Hier lagen die Stationen Herleshausen und Wommen, letztere gibt es heute nicht mehr. Der Bahnhof Gerstungen liegt in Thüringen (zuvor passiert die Bahnstrecke Neustädt, Rossberg nennt hier einen Bahnhof, der Kursbuch 1944 jedoch nicht), anschließend werden Obersuhl und Bosserode passiert. Diese Orte liegen in Hessen. Bei Großensee wird nochmals Thüringen gequert, ehe die Strecke in Hessen verbleibt. Eisenbahnmäßig wurde der Grenzpunkt zwischen amerikanischer und sowjetischer Zone zwischen Gersungen und Obersuhl gelegt. Der DDR-Tansit bei Großensee machte keine größeren Probleme; bis Oktober 1961 befand sich hier noch eine Blockstelle, zuletzt nur noch als Schrankenposten aktiv. Das Stellwerk Ho des Bahnhofs Hönebach war noch bis Mai 1964 in Betrieb, ehe ein Zentralstellwerk für den Bahnhof seinen Betrieb aufnahm. Es lag wie auch der Ostkopf des Bahnhofs in Thüringen.
Anders sah die Sache zwischen Eisenach und Gerstungen aus. Die beiden Reichsbahnhöfe auf bundesdeutschem Gebiet waren mit Personal aus dem Westen besetzt, deren Lebens- und Arbeitsumstände waren schwierig. Nach 1945 hielten hier allerdings keine Reisezüge mehr. Die Nahverkehrszüge nach Gerstungen passierten die Strecke bis Ende Mai 1952 ohne Halt, anschließend kamen Busse zum Einsatz. Anfang Juli 1952 wurde seitens der Reichsbahn der Güterverkehr nach Herleshausen eingestellt - Bemühungen um eine Wiederaufnahme blieben ohne Erfolg.
Nach dem Mauerbau war die wohl eher die DDR-Führung als die Reichsbahn an einer Umfahrung von Herleshausen und Wommen interessiert. Es begann der Bau einer eingleisigen Strecke von Förtha (an der Werrabahn Eisenach - Meiningen gelegen) nach Gerstungen. Die topographisch anspruchsvolle Strecke wurde am 13. April 1962 offiziell eröffnet, aber erst seit dem Winterfahrplan 1963/1964 wurde quasi der gesamte Verkehr über Förtha geführt (bis zu diesem Tag war Wartha der Kontrollbahnhof im Personenverkehr); die Reichsbahn setzte nun auch wieder Nahverkehrszüge nach Gerstungen ein. Der Lokwechsel fand während der deutschen Teilung im Güterverkehr generell in Gerstungen statt, im Personenverkehr bis 1973 in Bebra.
Auf dem kurzen Ostabschnitt der Hauptstrecke endete der Reiseverkehr zwischen Hörschel und Wartha am 26. Mai 1963, am 24. September 1976 auch zwischen Hörschel und Eisenach. Die Bahnhöfe Herleshausen und Wommen blieben weiterhin besetzt, auch wenn hier fast kein Verkehr mehr stattfand. Erst am 31. Juli 1978 stellte die Reichsbahn den Verkehr auf der Strecke vorübergehend ein, von ihren 25 hessischen Mitarbeitern behielt sie nur zwei. Zum 1. Juli 1988 verzichtete die Reichsbahn auf die Strecke. Diese ging an die Bundesbahn über, die sie verkaufen wollte. Dazu kam es bekanntlich nicht, am 25. März 1991 wurde die Strecke zunächst eingleisig wieder in Betrieb genommen. Das zweite Gleis folgte am 27. September 1992 und am 28. Mai 1995 der elektrische Betrieb (zwischen Bebra und Neudietendorf). Hingegen wurde die Strecke Förtha - Gerstungen 1994 offiziell stillgelegt und abgebaut. Spätestens mit der zweigleisigen Strecke im Tal war sie überflüssig.
An dieser Stelle füge ich die Tabellen aus dem schon bekannten Kursbuch 1986/1987 ein. Tabelle C-4 zeigt die Züge des Interzonenverkehrs, C-5 die Transitzüge mit Berlin. Gerstungen war ein reiner Betriebshalt und als solcher nicht mit Zeiten versehen. Es folgen die Züge des Binnenverkehrs - beachte die Anmerkung.
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Ebenfalls am 28. Mai 1995 wurde die Berliner Kurve wieder in Betrieb genommen. Sie ermöglicht direkte Fahrten von Frankfurt - Fulda nach Thüringen unter Umgehung des Bahnhofs Bebra. Die 1914 eingeweihte Strecke war seit 1945 kaum noch genutzt und 1989 gesperrt worden. Sie wird durch die stündlichen Fernzüge (ICE/IC) Frankfurt - Fulda - Eisenach - Erfurt - Leipzig genutzt. Nach Bebra verkehren nur noch einzelne Fernzüge, die von dort über Kassel ins Ruhrgebiet und nach Düsseldorf fahren.
Die Stationen zwischen Bebra und Eisenach werden nur noch vom Regionalverkehr bedient, seit 2006 fährt hier Cantus mit Flirt-Triebwagen. Die DB bediente seit 1952 die Strecke Bebra - Obersuhl, bis 1966 fuhren die Züge leer zum Wenden nach Gerstungen. Das wurde von den DDR-Behörden untersagt, am 25. September 1967 nahm die Bundesbahn daraufhin einen Bahnhof in Obersuhl in Betrieb. Erst 1991 wurden diese Züge bis Gerstungen verlängert - der bis dahin einzige Bahnsteig lag an einem Stumpfgleis.
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Südlich von Gerstungen liegt das Kalirevier um Heringen. Es wird durch die Bahnstrecke Gerstungen - Vacha erschlossen. Sie wurde etappenweise eröffnet: Gerstungen - Berka 1. Oktober 1903, weiter nach Dankmarshausen am 1. Dezember und am 30. März 1905 nach Heringen. Am 1. Oktober 1905 folgte die Fortsetzung nach Vacha. Somit lag der Mittelabschnitt in Hessen, während die Endabschnitte zu Thüringen gehören. Hier wurde am 1. Dezember 1906 noch die Fortsetzung nach Bad Salzungen dem Betrieb übergeben.
Für den Pendlerverkehr zu den Kaligruben verkehrten schon bald nach Kriegsende wieder Reisezüge über Gerstungen. Sie verkehrten am 30. Juni 1952 zum letzten Mal. Bis 1960 hatte die Bundesbahn auch den restlichen Reiseverkehr eingestellt. Östlich von Heimboldshausen betrieb die Hersfelder Kreisbahn noch einen schwachen Reiseverkehr. Bis zum Ende des Winterfahrplans 1980/1981 bis Philippsthal, anschließend bis zum Jahresende 1993 nur noch bis Werk Hattorf.
Die Reichsbahn sperrte mehrfach die Durchfahrt über Gerstungen für die westdeutschen Güterzüge, sie mußten in diesen Perioden die Strecke der Kreisbahn nutzen (1952 - 1954 und 1967 - 1969). Zwischen Philippsthal und Vacha endete der Reiseverkehr 1945, der Güterverkehr erst am 29. September 1962. Bis dahin fuhr die Reichsbahn noch einzelne Güterzüge über die Strecke.
Vacha war der nördliche Endpunkt der Ulstertalbahn nach Hilders. Sie führte bei Philippsthal kurz über hessisches Gebiet und nochmals nahe des Knotenbahnhofs Wenigentaft-Mansbach, bevor sie vor Tann letztmals die Grenze mit Hessen querte. Ihre Eröffnung geschah etappenweise: Bereits am 1. Juni 1891 zwischen Hilders und Tann, am 1. August 1906 zwischen Vacha und Geisa und der Lückenschluß geschah am 1. Oktober 1909. Im Süden war zwischen Motzlar und Günthers 1945 Schluß. Zwischen Hilders und Günthers endete der Reiseverkehr am 28. Mai 1961, nachdem er drei Jahre zuvor stark ausgedünnt worden war. Am 1. Mai 1977 erfolgte die Stillegung.
Da war der Thüringer Teil der Strecke schon 25 Jahre lang Geschichte. Ab dem Jahresfahrplan 1949/1950 standen zwischen Unterbreizbach und Motzlar wieder Reisezüge im Fahrplan (letztmals im Sommer 1952), die Überführung nach Vacha mußte als Leerzug erfolgen. Am 2. Juli 1952 ließ die Bundesbahn ihren kurzen Streckenabschnitt bei Philippsthal sperren. Um das Kaliwerk Unterbreizbach an wieder ans Schienennetz anzuschließen, erbaute die Reichsbahn eine Neubaustrecke von Vacha aus. Sie, fast eine Steilstrecke, wurde am 30. November 1952 eröffnet. Zeitweise verkehrten auch Personenzüge. Nachdem am 31. Januar 2000 eine Neubaustrecke von Heimboldshausen nach Unterbreizbach eröffnet werden konnte, war der „1. Sozialistische Bahnbau“ der DDR überflüssig. Schon 1953 war die Strecke Unterbreizbach - Motzlar abgebaut worden.
Geht gleich weiter.
gesamter Thread:
- Fünfundzwanzig Jahre später, Teil 3 (Gerstungen, 55 Bilder) -
Sören Heise,
03.10.2015, 17:11
- Teil 3, Teil 2 -
Sören Heise,
03.10.2015, 17:14
- Danke -
462 001,
03.10.2015, 17:57
- Was der Sören nicht recherchierte: Rundkirche Untersuhl - Blaschke, 03.10.2015, 18:06
- Danke -
DR2771,
04.10.2015, 02:04
- ...bitte nicht alles so ernst nehmen:) -
462 001,
04.10.2015, 18:59
- ...bitte nicht alles so ernst nehmen:) - DR2771, 04.10.2015, 22:55
- ...bitte nicht alles so ernst nehmen:) -
462 001,
04.10.2015, 18:59
- Teil 3, Teil 2 - Ede, 05.10.2015, 17:51
- Danke -
462 001,
03.10.2015, 17:57
- Fernzüge in Bebra -
michael_seelze,
03.10.2015, 18:12
- Der fährt nicht nur montags ;)
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Christian_S,
03.10.2015, 22:24
- Der fährt nicht nur montags ;)
- Danke für den Beitrag und die Bilder!
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ICETreffErfurt,
04.10.2015, 19:01
- Sammelantwort, Teil 3 - Sören Heise, 05.10.2015, 20:05
- Teil 3, Teil 2 -
Sören Heise,
03.10.2015, 17:14