Eins, zwei, drei: Die Heidebahn (Teil 1a) (Reiseberichte)

Sören Heise, Region Hannover, Freitag, 10.07.2015, 20:10 (vor 3922 Tagen)

Moin!

Herzlich willkommen zu meiner Sommerserie. Thema ist die Heidebahn Hannover - Buchholz, im Kursbuch unter der leicht merkbaren Streckennummer 123 zu finden. Im ersten Teil besuchen wir die Stationen im Stadtgebiet von Hannover, bevor wir uns in den folgenden Teilen bis Buchholz vorarbeiten. Ich beginne mit einer Übersicht über die Strecke vorm Doppelpunkt die Inhaltsübersicht) und einigen Sätzen zur Geschichte. Weitere abzweigende Strecken erwähne ich, wenn es an der Zeit ist.



1:   0,0   Hannover Hbf
1:   2,6   Hannover-Hainholz †/Hannover Nordstadt
1:   4,8   Hannover-Herrenhausen †
1:   5,8   Hannover-Ledeburg
1:   7,9   Hannover-Vinnhorst
2:   9,9   Langenhagen Mitte
2:  11,4   Langenhagen Pferdemarkt
2:  14,0   Kaltenweide †
2:  14,6   Langenhagen-Kaltenweide
3:  19,6   Bissendorf
3:  22,6   Mellendorf
3:  26,3   Bennemühlen
4:  30,6   Lindwedel
4:  34,6   Hope †
4:  40,1   Schwarmstedt
4:  44,1   Hademstorf †
4:  46,8   Eickeloh †
4:  51,0   Hodenhagen
4:  56,1   Düshorn †
4:  62,0   Walsrode
4:  65,5   Honerdingen †
5:  70,3   Fallingbostel
5:  76,8   Dorfmark
5:  80,5   Jettebruch †
5:  83,1   Mittelstendorf †
6:  88,0   Soltau (Hannover)
6:  92,3   Soltau Nord
6:  95,4   Wolterdingen (Hannover)
7:  99,1   Gröps †
7: 101,6   Hemsen (bei Soltau) †
7: 105,4   Schneverdingen
7: 111,5   Barrl
7: 115,3   Wintermoor
7: 121,7   Handeloh
7: 125,1   Büsenbachtal
8: 127,0   Holm-Seppensen
8: 130,7   Suerhop
8: 133,1   Buchholz (Nordheide)


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Die relativ dünnbesiedelte Lüneburger Heide war keine Region für eine flächendeckende Erschließung durch die Staatsbahn. Im Osten wird sie vom Nordast der hannoverschen Kreuzbahn, Lehrte - Celle - Uelzen - Lüneburg - Harburg, gequert. Die Stadt an der Süderelbe wurde am 1. Mai 1847 erreicht.
Mitte April 1873 wurde eine Ost-West-Verbindung von Uelzen über Munster, Soltau und Visselhövede nach Langwedel an der Strecke Hannover - Bremen eröffnet. Der Personenverkehr folgte einen Monat später. Die Strecke lag in Preußen (das bekanntlich 1866 das Königreich Hannover erobert hatte) und war eine nach preußischem Recht gebaute Privatbahn, deren Eigentümer die Stadt Bremen war. Die als Amerikalinie bekannt gewordene Verbindung wurde 1883 durch die Preußische Staatsbahn übernommen. Interesse, an die Strecke angeschlossen zu werden, hatte auch Walsrode bekundet. Die Stadt mußte sich jedoch noch einige Jahre gedulden.

Im Februar 1885 wurde der Bau einer Bahnstrecke von Visselhövede über Walsrode nach Hannover beschlossen, am 25. August 1890 erfolgte die feierliche Inbetriebnahme. Von Visselhövede wurde die Strecke später über Rotenburg und Zeven nach Bremervörde verlängert (Bremervörde - Zeven ebenfalls 1890 eröffnet, der Mittelabschnitt 1906). Die Strecke hatte trotz fernbahnartiger Trassierung in erster Linie regionale Bedeutung. Schon 1958 begann das Ende des Reiseverkehrs, das sich bis 1991 hinziehen sollte. Der Abschnitt Cordingen - Rotenburg ist abgebaut, die restlichen Strecken sehen noch Güterzüge.

Die heutige Strecke Walsrode - Soltau wurde am 1.Oktober 1896 in Betrieb genommen. Die Kilometrierung setzt in Walsrode fort und führt nicht nur bis Bremervörde, sondern auch von Walsrode nach Soltau und weiter bis Buchholz. Dieser Abschnitt ist die jüngste Teilstrecke der Heidebahn und wurde am 30. September 1901 eröffnet.

Die Teilstrecke der Heidebahn mit der größten Bedeutung sind die südlichsten Kilometer, denn zwischen Hannover und Langenhagen wird auch vom Fernverkehr nach Hamburg mitgenutzt. Die Strecke Langenhagen - Celle wurde am 15. Mai 1938 eröffnet. Das ist die sogenannte Hasenbahn. Denn lange Jahre waren die Vierbeiner die einzigen Nutzer der noch nicht eröffneten Strecke, deren Gleis unbenutzt herumlag. Die Bauarbeiten und auch die Höherlegung der Bahnstrecke Hannover - Langenhagen hatten bereits 1913 begonnen. Bis 1964 war die Strecke Langenhagen - Celle nur eingleisig, bis dahin nahmen viele Fernzüge den Weg über Lehrte (mit Fahrtrichtungswechsel in Hannover und teilweise auch in Lehrte).

Zur Expo 2000 in Hannover wurde der Abschnitt Hannover - Bennemühlen ins S-Bahn-Netz integriert. Hierzu wurde die Strecke Hannover - Langenhagen viergleisig ausgebaut, die Heidebahn bis Bennemühlen elektrifiziert und bis Bissendorf zweigleisig ausgebaut. Ferner wurde der Bahnhof Herrenhausen durch den besser in der Bebauung gelegenen Haltepunkt Ledeburg ersetzt und die Station in Kaltenweide nach Norden verlegt. Schlußendlich erhielt der Flughafen Hannover S-Bahn-Anschluß, die in Langenhagen abzweigende Strecke nutzt anfangs das einstige Anschlußgleis des Flugplatzes. Gleichzeitig wurde der Personenverkehr der Heidebahn mehrheitlich bis Bennemühlen zurückgenommen (dort bahnsteiggleicher Umstieg zur S-Bahn), erst seit Dezember 2013 fahren alle Züge wieder durch bis Hannover.

Seit dem Fahrplanwechsel am 11. Dezember 2011 wird der Betrieb auf der Heidebahn sowie der in Soltau kreuzenden Strecke Uelzen - Bremen durch die erixx GmbH, eine 100prozentige Tochter der Osthannoverschen Eisenbahnen, durchgeführt. Zum Einsatz kommen Dieseltriebwagen der Baureihe 648 (LINT 41), die durch den Aufgabenträger, die Landesnahverkehrsgesellschaft Niedersachsen, beschafft wurden. Im Berufsverkehr kommen teilweise Dreifachtraktionen zum Einsatz, sonst reicht meistens ein einzelnes Fahrzeug. Der Betriebsstart war, auch infolge nicht fertiggestellter Streckenausbauten durch die DB(Bennemühlen - Walsrode und Soltau - Buchholz), ein wenig holprig. Schon lange läuft der Betrieb aber weitgehend problemlos, allerdings ist der Fahrplan im Südabschnitt bedingt durch den dichten S-Bahn-Verkehr durchaus anspruchsvoll. Montags bis freitags besteht ein Stundentakt auf der Gesamtstrecke, am Wochenende ist der Verkehr zwischen Soltau und Buchholz ausgedünnt. Die planmäßigen Kreuzungen beim Stundentakt finden in Langenhagen Mitte, Hodenhagen, Dorfmark, Soltau und Handeloh statt.

In diesem Sommer wird die Teilstrecke Walsrode - Soltau modernisiert. Nach kompletter Fertigstellung der Strecke soll sich die Fahrzeit zwischen Hannover und Buchholz auf 1:50 Stunden verringern (dies erkauft auch durch die Stillegung dreier Haltepunkte, drei weitere zur Stillegung vorgesehene Stationen werden weiterbetrieben). Gegenüber dem letzten DB-Fahrplan ist das eine Verkürzung von mehr als einer halben Stunde.

Das war jetzt ziemlich viel Text auf einmal, dafür enthalten dann die folgenden Teile überwiegend Bilder (zumeist im Juli 2015 aufgenommen). Wir beginnen unsere Reise in Hannover. Den dortigen Hauptbahnhof hatte ich bereits vor knapp drei Jahren vorgestellt, hier findet ihr den Link. Daher nur einige wenige Aufnahmen.
Vorbei am mittlerweile großteils abgerissenen Hauptgüterbahnhof und der Conti geht die Fahrt nach Hannover-Nordstadt. Der Haltepunkt liegt im einstigen Güterbahnhof Hannover-Hainholz. Er wurde am 31. Mai 1997 eröffnet, hier einige Eindrücke vom Tag. Bei Sanierungsarbeiten im Sommer 2012 starben hier leider zwei Arbeiter bei einem Stromunfall.
Der Bahnhof Herrenhausen befand sich am Südrand eines Wohngebiets, im Westen schließt das einstige Ausbesserungswerk an. Er wurde Anfang November 1997 aufgelassen, seit dem 10. November halten die Züge einen Kilometer weiter nördlich am Haltepunkt Ledeburg.
Von dort geht es, von Lärmschutzwänden flankiert, weiter nach Vinnhorst. Der Bahnhof war schon vor dem S-Bahn-Bau an dieser Stelle.


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Die Bilder in Teil 1b.


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