Von Dirndln, Linzer Torte und Moselwein 1/4 (38 B) (Reiseberichte)
Hallo zusammen,
vielleicht kennt Ihr das ja auch, dass die Kollegen im Büro erwarten, dass man am Geburtstag einen Kuchen mitbringt. Ich kann zwar besser backen als kochen – aber viel mehr als zwei oder drei Kuchenrezepte umfasst mein bescheidenes Backrepertoire auch nicht. Irgendwann fällt dann natürlich im Büro auf, dass sich die Kuchen im Dreijahres-Rhythmus wiederholen. Aber auf eine Backmischung umsteigen? Oder einen Kuchen kaufen? Das ist eigentlich etwas stillos. Wobei – wenn es kein belangloser Kuchen aus dem Supermarkt ist, dann geht vielleicht auch mal ein gekaufter Kuchen durch. Und so entsteht der Plan, nach Linz zu fahren um eine original Linzer Torte zu kaufen. Beim Blick auf die Streckenkarte kommt mir dann der Gedanke: warum mache ich mir eigentlich nicht auch selbst ein Geschenk und baue noch die Mariazellerbahn ein, wenn wir schon in der Ecke unterwegs sind? Und schon steht der grobe Plan für eine kleine Tour.
So weit - so gut, nur gibt es jetzt noch ein kleines „Problem“. Seit dem Frühling wartet nämlich noch eine bahn.bonus-Tageskarte auf ihren Einsatz, die ich mir noch vor der „Preiserhöhung“ gesichert hatte, dann aber wegen des Deutschland-Passes gar nicht genutzt hatte. Und nun läuft die Gültigkeit in ein paar Tagen ab und eine Tagesfreifahrt verfallen zu lassen bringe ich nicht übers Herz. Was also tun?
![[image]](http://www.bahnreiseberichte.de/054-Mariazell-Mosel/54-000Karte.jpg)
Das Ergebnis dieser Überlegungen ist eine ziemlich skurrile Tour. Wir fahren vom Bodensee über den Arlberg nach Linz und weiter zur Mariazellerbahn. Mit Linzer Torte im Gepäck geht es via Linzer Lokalbahn nach Passau und über Nürnberg und Stuttgart nach Karlsruhe. So ergibt sich noch eine Abschiedsfahrt mit dem IC 2284 nach Frankfurt und weiter über die Moselstrecke zur Moselweinbahn und via Saarbrücken schließlich zurück an den Bodensee.
Nachträglich braucht Ihr mir übrigens nicht mehr zum Geburtstag zu gratulieren, die erstklassige Tour war schon Ende September 2014. Auf dem ersten Teil nach Österreich hatte mich mein Bruder begleitet, in Nürnberg hatten sich unsere Wege dann getrennt. Wir hatten nur leider ziemliches Pech mit dem Wetter, ich hoffe, der Reisebericht ist trotzdem halbwegs gelungen.
Ach so, für alle Spielverderber, die jetzt einwerfen, dass man original Linzer Torte auch bequem per Onlineshop bestellen kann, ist der Reisebericht leider an dieser Stelle schon zu Ende. Für alle anderen heißt es nun: Einsteigen.
Tag 1: Konstanz – Zürich - Linz
Ein Interregio der SBB bringt uns zunächst von Konstanz nach Zürich, wegen des bescheidenen Wetters überspringen wir diese Etappe jedoch, zumal sie schon in vielen meiner Reiseberichte erwähnt ist.
In Zürich besteigen wir den Railjet in Richtung Budapest, der uns bis nach Linz bringen wird. Wir sitzen zunächst rückwärts, aber die Kenner wissen, das wird sich in Buchs ändern.
Die Fahrt entlang von Zürichsee und Walensee ist von Herbstgrau geprägt...
...und auch am Arlberg sieht es nicht viel besser aus.
Wenn es draußen schon nicht so reizvoll ist, wenden wir uns eben der Herbstkarte von Henry am Zug zu. Die Karte hat wieder mal ein freches Motiv als Hingucker – aber das ist doch eine Sachertorte auf dem Cover, oder? Da läuft einem schon das Wasser im Munde zusammen bis man feststellen muss, dass sich Grafiker und Sortimentsplaner offenbar uneins sind und gar keine Sachertorte auf der Karte steht. Die Nachos gab es übrigens als Erste-Klasse-Aufmerksamkeit.
Statt Sachertorte dann halt Marillenpalatschinken mit warmer Schokoladensauce. Auch nicht schlecht, aber selbst für mich fast etwas arg süß.
Wir fahren mittlerweile durch das Inntal Richtung Salzburg, gleich kommt die Grenze und dann die Strecke über das Deutsche Eck.
Noch ein letztes Bild von der Fahrt, hier mit Blick von der Brücke über die Salzach zur Festung Hohensalzburg, dann lassen wir es mit den grauen Herbstbildern sein.
Das Wetter wird noch schlechter und in Linz erwartet uns Regen. Hmm, eigentlich wollte ich gerne auf den Pöstlingberg fahren, aber bei diesem Wetter? Wobei – in der Dunkelheit sieht man ja das Regenwetter gar nicht. Und so beziehen wir erstmal unser Hotelzimmer und warten den Einbruch der Dunkelheit ab.
Die Pöstlingbergbahn war ursprünglich eine meterspurige Schmalspurbahn, die vom Stadtteil Urfahr jenseits der Donau auf den Pöstlingberg führte. In den Jahren 2008 und 2009 wurde sie in das Straßenbahnnetz integriert und bis zum Hauptplatz im Zentrum von Linz verlängert.
Die gut vier Kilometer lange Strecke gehört mit einer Neigung von bis zu 116 Promille zu den steilsten Adhäsionsbahnen. Zum Einsatz kommen Niederflur-Fahrzeuge im Retro-Design, die eigens für die Strecke beschafft wurden.
Die Bahn überwindet in 20 Minuten einen Höhenunterschied von 255 Metern. Oben angekommen bietet sich den Besuchern ein Blick über das nächtliche Linz.
Und noch ein Blick zur Wallfahrtskirche auf dem Pöstlingberg, der Basilika zu den Sieben Schmerzen Mariä, dann geht es von der Haltestelle auf dem Pöstlingberg wieder auf Talfahrt.
Und mit einem Bild vom Linzer Hauptplatz mit der Dreifaltigkeitssäule beenden wir den ersten Reisetag.
Es geht gleich weiter...
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