Von Tendabahn und Pinienzapfenzug 6/8 (31 Bilder) (Reiseberichte)
Hallo zusammen,
im letzten Teil waren wir mit dem Train des Pignes in Digne-les-Bains angekommen. Von dort aus wollen wir nun aufbrechen in Richtung Grenoble und Annecy. Zunächst nochmals ein Blick auf unsere Route:
![[image]](http://www.bahnreiseberichte.de/053-Tendabahn-Provence/53-000Karte.jpg)
Tag 4: Digne-les-Bains – Veynes-Devoly – Grenoble - Annecy
Von Digne-les-Bains führt eine normalspurige Bahnstrecke der SNCF nach Château-Arnoux-Saint-Auban. Allerdings ist diese Strecke seit 1989 stillgelegt, so dass die Strecke des Train des Pignes Bahnreisende in eine Sackgasse führt. Unsere Rundfahrt soll eigentlich in Richtung Grenoble gehen, da wäre die Rückfahrt mit dem Pinienzapfenzug ein gewaltiger Umweg. Und so wollen wir nun wohl oder übel für eine Etappe auf den Bus ausweichen. Die SNCF verkauft Bus- und Bahnfahrt nach Grenoble mit Umstieg in Veynes-Devoly problemlos auf einer Fahrkarte. Abfahrt ist um 11.50 Uhr in Digne Gare SNCF.
Wir sind recht zeitig am Bahnhof und können uns in aller Ruhe umsehen. Es gibt hier zwei Bahnhofsgebäude, links der frühere Bahnhof der Schmalspurbahn.
Die Aufschrift am alten Bahnhof wurde offenbar überschrieben, ich meine „Chemins de fer du Sud de la France“ entziffern zu können.
Hinter dem Gebäude auf zugewachsenen Gleisen sind ausgemusterte Fahrzeuge der CP abgestellt.
Auf der anderen Seite des Bahnhofsplatzes befindet sich der ehemalige Bahnhof der SNCF, davor die Bushaltestelle.
Ein Gepäckwagen hat auf dem Hausbahnsteig überdauert, ansonsten holt sich die Natur das normalspurige Gleis zurück.
Rechts der Bahnsteigüberdachung der „neue“ Bahnhof der Chemins de Fer de Provence. Wenn man das Bild so sieht, kann man sich gar nicht recht vorstellen, dass wir gestern hier mit einem futuristischen AMP-Triebwagen angekommen sind.
Und ein Blick in die Gegenrichtung, links das Meterspurgleis nach Nizza, rechts die stillgelegte Normalspurstrecke nach Château-Arnoux-Saint-Auban. Die CP hat wohl Interesse daran, diese Strecke zu übernehmen und so die Schienenlücke zu schließen, allerdings scheint die SNCF nicht mitzuspielen. Unter dem Namen Alpazur gab es früher eine Umsteigeverbindung von Genf nach Nizza via Digne, diese Strecke ist rund 220 Kilometer kürzer als der Weg über Marseille.
Allerdings haben wir mittlerweile ein ganz anderes Problem. Ich werde nämlich so langsam unruhig, weil der Bus nicht kommt. Der Bus ist schon 10 Minuten überfällig, den Aushangfahrplan verstehe ich auch nicht und zudem sind wir die einzigen Menschen weit und breit. Fährt der Bus überhaupt hier ab? Warum wartet sonst niemand auf den Bus? Oder hätten wir doch zum Busbahnhof laufen müssen - aber auf der Fahrkarte steht doch „Gare SNCF“? Bei dem dünnen Busfahrplan hier kommt gedanklich schon mein ganzer weiterer Reiseplan ins Wanken – bis dann nach fünf weiteren lähmenden Minuten ein Bus um die Ecke kommt. Puh – mir fällt ein Stein vom Herzen!
Auf der Straße geht es nun Richtung Château-Arnoux-Saint-Auban, dabei fahren wir teilweise direkt neben der stillgelegten Bahnstrecke, so dass es bei der Fahrt durch die Provence keinen großen Unterschied zwischen dem Blick aus Busfenster oder Zugfenster geben dürfte.
Ab Château-Arnoux-Saint-Auban gibt es eigentlich eine in Betrieb befindliche Bahnstrecke. Allerdings ist das Angebot sehr ausgedünnt und in unserer Zeitlage fährt anstelle der Bahn unser Bus bis nach Veynes-Devoly.
Wir folgen nun dem Fluss Durance, der hier zu einem See aufgestaut ist.
Der Bus quert mehrfach die Bahngleise. Zwischenzeitlich sind wir übrigen die einzigen Fahrgäste im Bus, später steigt noch eine weitere Reisende zu.
Ok, der Bus hat auch positive Seiten, mit der Bahn wären wir sicherlich nicht so tief in den Markt von Sisteron eingetaucht. Überhaupt ist das eine wunderschöne Ecke hier, das wäre eigentlich auch mal eine eigene Reise wert.
Bei der Reiseplanung hatte ich mit mir gerungen, ob ich diese Etappe nicht doch mit der Bahn zurücklegen sollte, ist die Strecke doch auch in der Rail Map Europe als landschaftlich schön gekennzeichnet. Allerdings hätten wir dadurch mehrere Stunden verloren. Aber häufig fährt der Bus so wie hier parallel zur Bahn, so dass es – zumindest was die Landschaft betrifft – gar keinen großen Unterschied gibt.
Selbst die Bahnhöfe sehen wir, so wie hier in Serres.
Wir folgen mittlerweile dem Fluss Buëch...
...und wieder ist die Bahnstrecke nicht weit.
Nach einer Fahrzeit von 1 Stunde und 45 Minuten ist der Bahnhof Veynes-Dévoluy erreicht. Hier kreuzen sich die Bahnstrecken von Grenoble nach Marseille sowie von Livron nach Briançon.
Hier steigen wir nun wieder auf die Bahn um, ein Blauwal-Pärchen (SNCF X 73500) rollt zur Fahrt nach Grenoble ein. Ich muss zugeben, dass ich nicht weiß, was mich in den nun folgenden zwei Stunden erwartet, außer dass die Strecke landschaftlich schön sein soll, habe ich keine weiteren Infos.
Tendabahn und Train des Pignes haben sicherlich die bekannteren Namen, mit „Ligne des Alpes“ und „Col de la Croix Haute“ konnte ich als nicht so frankophiler Reisender hingegen bisher nicht besonders viel anfangen. Aber das soll sich nun ändern, wir erleben eine beeindruckend schöne Strecke, dazu trägt sicherlich auch das herrliche Wetter bei.
Die Ligne des Alpes ist die historische Strecke von Grenoble nach Marseille. Die eingleisige Strecke führt über den Alpenpass Col de la Croix-Haute und so beginnt nun der Aufstieg bis zum Scheitelpunkt der Strecke auf 1.167 Meter über dem Meer.
Zahlreiche Tunnel und Viadukte wechseln sich ab, dazwischen bieten sich den Reisenden beeindruckende Ausblicke auf die Bergwelt der Westalpen.
Im Jahr 1878 erreichte die Bahn Clelles–Mens. Den Scheitelpunkt haben wir mittlerweile überschritten und befinden uns wieder auf der Talfahrt, hier sind wir noch auf 830 Meter über dem Meer. Im Hintergrund das Gebirgsmassiv Vercors, gleich fahren wir in den nächsten Tunnel ein. Am linken Bildrand lassen sich die steilen Wände des tafelbergartigen Mont Aiguille erahnen.
Im Gegensatz zum Elsass gibt es in den Dieseltriebwagen der TER Rhône-Alpes auch eine erste Klasse.
Langsam wird die Landschaft draußen wieder urbaner, jetzt ist Grenoble nicht mehr weit und das Ende dieser fantastischen Strecke rückt näher.
Und damit machen wir hier auch eine Pause, in den nächsten Tagen geht es dann weiter mit einer Runde durch Grenoble und der Weiterfahrt nach Annecy und Richtung Schweiz.
Viele Grüße
Tobias
--
"Fensterplatz, bitte." - Meine Bahnreiseberichte.de.| instagram.com/fensterplatz.bitte/