Von Tendabahn und Pinienzapfenzug 5/8 (25 Bilder) (Reiseberichte)
Hallo zusammen,
willkommen zum fünften Teil unserer Rundreise. Im letzten Teil waren wir in Nizza am SNCF-Bahnhof Nice-Ville angekommen. Wir laufen nun ein paar Straßen weiter zum Bahnhof der Chemins de Fer de Provence.
Von weitem sieht der Bau eher einem Fabrikgebäude gleich...
...aber doch, hier sind wir richtig.
Einstmals gab es vier meterspurige Schmalspurbahnen in der Region, von denen heute nur noch die Strecke von Nizza nach Digne-les-Bains in Betrieb ist. Die Strecke der Chemins de Fer de Provence (CP) wird auch als Train de Pignes (Pinienzapfenzug) bezeichnet, wobei dieser Name früher auch für die anderen Schmalspurbahnen verwendet wurde.
Zur Herkunft des Namens gibt es verschiedene Deutungen, eine Erklärung lautet, dass Bewohner von Nizza früher mit dem Zug in die Berge gefahren sind, um dort Pinienzapfen als Heizmaterial zu holen. An anderer Stelle ist die Rede davon, dass die Wagen der Bahn mit Pinienzapfen beheizt wurden. Und schließlich heißt es, der Zug fahre so langsam, dass man während der Fahrt Pinienzapfen aufsammeln könne.
Im Großraum Nizza gibt es auf der Strecke einen Vorort-Verkehr, vier Zugpaare befahren die komplette 150 Kilometer lange eingleisige Strecke bis Digne-les-Bains. Bei den durchgehenden Zügen kommen seit 2010 Doppeltriebwagen des Typs AMP 800 (Autorail métrique Provence) zum Einsatz.
Im vorderen Wagen bietet sich den Fahrgästen auch ein Blick auf Führerstand und Strecke. Hier sind wir schon unterwegs und begegnen einem der älteren Triebwagen, die im Vorort-Verkehr eingesetzt werden.
Die Strecke führt durch das zunächst breite Tal des Flusses Var, langsam wird das Tal dann enger und es folgen erste Tunnel und Brücken. Allerdings bin ich nun etwas frustriert, denn wir waren heute Morgen doch bei Sonnenschein gestartet und nun regnet es doch tatsächlich. Aber die Fahrt dauert ja über 3 Stunden, da wird sich das Wetter doch hoffentlich wieder bessern.
Und tatsächlich sieht es eine Stunde später schon wieder recht freundlich aus. Wir haben das Tal des Var mittlerweile verlassen und haben schon einige der insgesamt 25 Tunnel und 31 Brücken der Strecke passiert, dabei hat der Zug 1.023 Höhenmeter überwunden und den Scheitelpunkt am über drei Kilometer langen Tunnel de la Colle-Saint-Michel passiert.
Wild-romantische Täler und Schluchten wechseln mit offenen Landschaften, dazwischen gibt es immer wieder beeindruckende Blicke zu den Gipfeln der Seealpen.
Rund 30 Jahre lang baute man an der Strecke bis zur Eröffnung 1911. Für den Bau der Strecke gab es sowohl militärstrategische Überlegungen als auch den politischen Willen, mit einer Bahn durch die geologische schwierigen Südalpen ein Vorzeigeprojekt zu schaffen.
Die Führerstandstüre ist mittlerweile zwar zu, trotzdem ist ein etwas eingeschränkter Blick nach vorne möglich. Hier erreichen wir gerade den Bahnhof Thorame-Haute.
Drei größere Flüsse begleiten unsere Fahrt, hier führt die Strecke nun für ein Stück durch das Tal des Gebirgsflusses Verdon.
In Saint-André-les-Alpes kreuzen wir mit dem Gegenzug aus Digne-les-Bains.
Kurz darauf der Blick auf den Ort Saint-André-les-Alpes selbst. Wir sind hier auf rund 900 Meter über dem Meeresspiegel im Naturpark Verdon.
Insgesamt 51 Bahnhöfe, Haltepunkte und Bedarfshalte gibt es an der Strecke, hier das Bahnhofsgebäude des 200-Einwohner-Dorfs Moriez.
Und wieder zeigt die Hochprovence ihre verschiedenen Gesichter, mal schroffe Felsen, dann eine offene Hochebene. Die Gipfel links und rechts der Strecke sind um die 2.000 Meter hoch.
Station Nummer 43 ist Barrême.
Die Bléone ist der letzte Fluss, der unsere heutige Reise begleitet, nun ist bald der Endbahnhof Digne-les-Bains erreicht.
Nach einer Fahrzeit von 3 Stunden und 15 Minuten ist der Triebwagen im Bahnhof von Digne-les-Bains angekommen. Die Chemins de Fer de Provence nutzt heute einen Bahnsteig im ehemaligen SNCF-Bahnhof, rechts der frühere Bahnhof der Compagnie des chemins de fer du Sud de la France. Morgen haben wir nochmals Zeit, uns am Bahnhof umzuschauen, jetzt geht es erstmal in den Ort.
Die Kurstadt Digne-les-Bains im Zentrum der Hochprovence (Haute-Provence) hat rund 17.000 Einwohner und nennt sich auch „Hauptstadt des Lavendels“, nur sind wir für die Lavendelblüte zu spät dran. Wir beziehen unser Hotelzimmer und gehen danach auf Erkundungstour, hier das Portal der Kathedrale St-Jérôme.
Ein Geocache führt uns auf einen schönen Wanderweg mit tollem Blick auf den Ort und die Voralpen in der Abendsonne.
Ein Stück laufen wir noch oberhalb der Bléone, dann kehren wir um und verbringen den Abend in Digne-les-Bains.
Und mit dem dritten Reisetag endet auch dieser Teil. In den nächsten Tagen folgt Teil 6, dann geht es weiter in Richtung Grenoble.
Viele Grüße und frohe Pfingsttage
Tobias
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TD,
23.05.2015, 17:17
- Fabrikgebäude mit Kunstwerk davor... ;-) - Blaschke, 23.05.2015, 17:36
- Von Tendabahn und Pinienzapfenzug 5/8 - 462 001, 23.05.2015, 23:45