Ausgewippert (Teil 1a) (Reiseberichte)

Sören Heise, Region Hannover, Mittwoch, 18.03.2015, 18:13 (vor 4243 Tagen)

Moin!

Dreieinhalb Wochen hat sie noch vor sich. Am 12. April endet auf der als Wipperliese bekannten Bahnstrecke von Klostermansfeld nach Wippra der planmäßige Personenverkehr. Die Kreisbahn Mansfelder Land, die den Verkehr als Subunternehmner von DB Regio betreibt, möchte die Strecke zumindest im Ausflugsverkehr weiterbetreiben. Heute im ersten Teil schauen wir zunächst auf die Geschichte der Strecke und beginnen die Reise auf ihr. Die ganze Serie wird voraussichtlich aus vier oder fünf Teilen bestehen, derzweite erscheint voraussichtlich Montag.


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Ausgangspunkt der Wipperliese ist der Bahnhof Klostermansfeld. Er liegt an der 1879 im Zuge der Kanonenbahn eröffneten Bahnstrecke Berlin - Blankenheim, an den Ausläufern des Ostharzes. Der Bahnanschluß weckte Begehrlichkeiten im Wippertal, allerdings winkten die Staatsbahn wie auch Privatbahnen ab: Die Strecke ins dünnbesiedelte Tal wurde nicht als rentabel angesehen. 1905 schien aber doch die Zeit für eine Bahnstrecke von Klostermansfeld über Wippra nach Stolberg gekommen. Um von Klostermansfeld aus das Wippertal zu erreichen, standen eine Zahnradstrecke oder ein großer Viadukt bei Mansfeld zur Auswahl, beiden Strecken gemein war ein Tunnel bei Rammelburg. Der Viadukt war im Bau teurer, langfristig aber billiger, so daß man sich für diese Variante entschied. 1907 waren die Baukosten für den Abschnitt Klostermansfeld - Wippra bewilligt, der Bau hätte beginnen können. Der Baubeginn sollte aber erst 1913 erfolgen. Zwischen 1914 und 1919 kam es kriegsbedingt zu weiteren Verzögerungen. Viadukt und Tunnel waren ein wenig kompliziert zu errichten, aber am 1. November 1920 wurde die Strecke endlich eröffnet. (Zur Bahngeschichte bis 2007 hangele ich mich an der Darstellung bei Josef Högemann, Eisenbahnchronik Harz, Freiburg 2007, S. 141ff. entlang. Eine Monographie über die Strecke ist meines Wissens noch nicht erschienen.)

Am 1. März 1923 wurde die Bahnstrecke Berga-Kelbra - Rottleberode nach Stolberg verlängert, so daß die 1905 vermessene Strecke Wippra - Stolberg endgültig in der Versenkung verschwand. (Weiß jemand, welche Linienführung sie haben sollte?) Der Reiseverkehr war so stark, daß die Reichsbahn schon bald Wittfeld-Akkutriebwagen statt lokbespannter Züge einsetzte. Nur noch an Sommersonntagen, wenn die Ausflügler kamen, fuhren Dampfloks. Nach 1945 übernahmen Dampfloks den täglichen Betrieb, zu Beginn der Sechzigerjahre übernahmen Dieseltriebwagen den Reiseverkehr. 1967 war der Streckenzustand so schlecht, daß der Reiseverkehr auf die Straße verlegt werden mußte. Es handelte sich um vier bis fünf Zugpaare. Allerdings waren (und sind) die Straßen im Wippertal nicht sonderlich gut ausgebaut. Der Güterverkehr konnte nicht auf die Straße verlegt werden und auch der Schienenersatzverkehr bereitete Probleme. Somit mußte die Reichsbahn Gleisbaukapazitäten im Wippertal einsetzen, mit dem Sommerfahrplan 1970 kehrte der Reiseverkehr auf die Schienen zurück (das Kursbuch Winter 1968/1969 zeigt dennoch Züge).

Dann kam die Wende. Und zu Beginn der Neunziger stand die Wipperliese wieder kurz vor dem Aus. Wenige Jahre später wendete sich das Blatt, die Strecke sollte erhalten bleiben und für Touristen attraktiver werden. Im Sommer 1996 übernahm die aus der Werkbahn des Mansfeld-Kombinates hervorgegangene Kreisbahn Mansfelder Land (KML) den Güterverkehr (in erster Linie Holz, mittlerweile ist er Geschichte), im Herbst 1997 auch den Reiseverkehr. Hierfür übernahm sie Esslinger Triebwagen der letzten Serie, die ursprünglich bei der Frankfurt-Königsteiner Eisenbahn zum Einsatz kamen. Der Fahrplan wurde auf einen Zweistundentakt verdichtet, zwei neue Haltepunkte errichtet. Zählte man Anfang der 90er nur etwa 50 Reisende täglich, waren es ein Jahr nach Übernahme der Leistungen durch die KML 400. Der Vertrag mit der KML wurde verlängert und die Strecke saniert. Am 21. Oktober 1999 wurde der Verkehr wiederaufgenommen, statt 46 benötigten die Züge nun nur noch 37 Minuten, aktuell sind es 28 bzw. 29. Sonntags verkehrten einige Züge von Klostermansfeld weiter bis Helbra. Die Fahrgastzahlen waren jedoch weiterhin verhältnismäßig niedrig, so daß die Strecke vor dem Hintergrund der Finanizierungsprobleme immer wieder auf dem Prüfstand war. Anno 2013 waren es durchschnittlich nur noch 115 Reisende pro Tag (mehr an schönen Wochenenden, dafür noch weniger wochentags). Daher und weil drei Brücken saniert werden müssen, hat die NASA als Aufgabenträger den Reiseverkehr zum 13. April 2015 abbestellt. Das wäre erst zum Fahrplanwechsel möglich gewesen, allerdings hätte die Strecke ab April wegen der Brückensanierung gesperrt werden sollen. Als Reaktion auf die Abbestllung verzcihtet DB Netze auf die Brückenarbeiten und hat die Strecke zur Übergabe ausgeschrieben.


Weiter geht es in Teil 1b, gleich hier als Antwort.


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